Fischer | Pestmond über Sulgen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 412 Seiten

Fischer Pestmond über Sulgen


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7396-4847-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 412 Seiten

ISBN: 978-3-7396-4847-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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1611: Die Pest wütet in Europa. Gerold, der von seinem Onkel vom Hof gejagt wurde, fristet ein Leben als Tagelöhner und Bettler in Sulgen, einer kleinen Stadt in Schwaben. Hier treffen Adlige, Handwerker und Gaukler zusammen, streiten, morden, leben, lieben. Gerold mittendrin. Dann bricht die Pest über die Stadt herein und verändert alles. Niemand wird verschont, ob arm oder reich.

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Der Beginn des schleichenden Todes
    Pestmond über Sulgen   Kapitel 1: Der Beginn des schleichenden Todes Es war das gottverdammte Jahr 1611, welches über Sulgen und somit auch über Gerold hereinbrach. Aber davon ahnte er an diesem Markttag nichts. Markttag bedeutete für Gerold, dass er am frühen Morgen, wenn die Bauern mit Ihren Karren in die Stadt fuhren, vor das Stadttor von Sulgen ging und seine Hilfe anbot. Er suchte sich von den vier Stadttoren immer das Obertor aus. Hier fuhren die meisten Bauern in die Stadt auf den Markt. Die Straße war denkbar schlecht und so musste Hand angelegt werden, damit die Wagen die kleine aber steile Durchfahrt durchqueren konnten. Damit verdiente er sich an solchen Tagen sein Essen. Manch einer von den anderen Handlangern versuchte auch, etwas von den Wagen zu stehlen. Doch das kam für Gerold nicht in Frage. Er mochte nicht riskieren, erwischt zu werden. Denn derjenige den man dabei ertappte, dass er stahl, kam vor den Stadtrichter, und der nahm schon mal eine Hand dafür. Damit war man für jede Arbeit unbrauchbar und gezwungen, sein ganzes restliches Leben zu betteln, auch zu stehlen. Dass man dabei früher oder später erwischt wurde, war jedem klar genauso dass man dann am Galgen landete. Da Gerold verständlicher Weise noch etwas leben wollte, auch wenn sein Dasein für die Gutbürgerlichen mit Leben so gut wie nichts zu tun hatte, versuchte er ehrlich durch die Tage zu kommen. Als Tagelöhner und Bettler schlug er sich deshalb nun schon seit Monaten hier durch. Die Bürger der Stadt Sulgen sind schon großzügig, schließlich galt es als Nächstenliebe wenn man die Armen und Bedürftigen unterstützte. So langsam verstand er sich auch darauf, mit bestimmten Bemerkungen oder Gesten das ein oder andere aus den Leuten heraus zu locken. Doch hatte Gerold immer ein schlechtes Gefühl dabei, denn unter den sauberen Herren der Stadt gab es manchen, der sein Betteln als Aufdringlichkeit verstand und gerne zur Gerte griff um ihn los zu werden. Das Schämen für seine Bettelei hatte er abgelegt, dazu war der Hunger an manchen Tagen einfach zu groß.   Zu Hause, als sein Vater noch lebte, da hatte sein Tagesablauf Sinn. Er half auf dem Hof, versorgte die Tiere und ging seinem Vater bei der Feldarbeit zur Hand. Er leistete weit mehr als es ein Knecht je könnte und sein Vater war stolz auf ihn. Doch das Unglück, das seinen Vater in diesem verdammten Jahr ereilte, bedeutete für seinen Vater ein jähes Ende und für Gerold der Beginn der Hölle auf Erden. Er hatte das Gefühl, dass er seither einen Begleiter namens Unglück hatte.   Sie waren an dem Unglückstag, ein kalter Dezembermorgen, im Holz, wie schon die ganze Woche. Heute sollten die letzten Bäume gefällt und dann bearbeitet werden, damit ihr Lehnsherr die Stämme im Frühjahr über die Alpen nach Italien liefern konnte. Italien, das war für Gerold das andere Ende der Welt. Mit seinen 15 Jahren war er noch nie über die heimatlichen Grenzen hinausgekommen. Für ihn war es schon ein Ereignis nach Sulgen auf den Jahrmarkt zu fahren. Einer der Bäume, den sie am Vortag umsägten, hatte sich beim Fallen in den daneben stehenden Baum verfangen. Es war aber bereits zu dunkel, um nach Möglichkeiten zu suchen, den Stamm trotzdem auf den Boden zu bekommen. An diesem Morgen sollte es die erste Arbeit sein. Mit Ihrem Arbeitspferd und den Werkzeugen machten sie sich auf den Weg. Sein Vater begutachtete das Gewirr aus Stämmen, Ästen und Zweigen. " Ich werde hier an diesem Knick sägen. Du musst sofort rufen, wenn der Stamm ins Rutschen gerät." Gerold nickte und stellte sich Abseits, damit er das Ganze im Blick hatte. Sein Vater begann zu sägen. In dem Augenblick, als er sich kurz zu seinem Vater umsah, vernahm er ein Bersten und Krachen. Die Stelle, an der sein Vater die Säge ansetzte, musste unter hoher Spannung gestanden haben. Er sah nur noch wie der Stamm regelrecht explodierte, sein Vater einen Schlag vom zerberstenden Stamm abbekam, und nach hinten geschleudert wurde. Beim Aufprall auf den Boden, fiel er auf herumliegende Äste, von denen sich einer durch seinen Körper in Höhe der Brust bohrte. Gerold starrte wie gelähmt auf die Stelle, wo sein Vater lag. Langsam ging er zur Unglückstelle. Der Weg dahinschien unendlich weit. Als er rüber ihm stand, sah er Blut aus der Wunde hervor quellen und hörte das Röcheln seines Vaters. Unfähig sich zu bewegen, starrte und starrte er auf seinen verunglückten Vater. Nur mit Mühe löste er sich und kniete nieder. Der hatte die Augen geschlossen und war nicht ansprechbar. "Vater, Vater, hörst du mich?". Doch es kam keine Reaktion. Was sollte er tun? Ihn alleine hier lassen, in der Kälte? Sein Vater, kräftig gebaut, mit starken Armen die sehr feinfühlig sein konnten, wenn Gerold oder auch seine Mutter eine Schulter brauchten um sich anzulehnen. Ein Mann, der in der Lage war, sich gegen Diebe und sonstiges Gesindel zu wehren. Jetzt lag er hilflos da, und alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Bewegen wollte und konnte er ihn nicht. Er hatte Angst, ihn noch schwerer zu verletzen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als das Pferd zu nehmen und Hilfe zu holen. Er schwang sich auf das ungesattelte Pferd und galoppierte in Richtung Hof. Als er sich in Sichtweite befand, fing er an, um Hilfe zu rufen. Seine Mutter und sein Onkel, der seit einem Brand vor einen Jahr , bei dem er Hof und Familie verlor, bei Ihnen arbeitete, kamen aus der Scheune gelaufen und erwarteten ihn. Er versuchte ihnen unter Gestammel von dem Unglück zu berichten, doch brachte er kein vernünftiges Wort heraus. Erst die schallende Ohrfeige des Onkels brachte ihn wieder zur Vernunft. Schnell berichtete er, was passiert war. Sein Onkel schnappte sich das Pferd, rief Gerolds Mutter zu, sie solle Verbandszeug zusammenpacken und mit dem anderen Pferd nachkommen. Seine Mutter verschwand im Haus und lies Gerold mitten im Hof stehen. Kurz darauf kam sie wieder heraus, lief zum Stall um das zweite Pferd zu holen und ritt dann Richtung Wald davon. Alleine gelassen, und sich schuldig fühlend, brach das ganze Elend über Ihn herein und er fing an, wie ein kleines Kind zu heulen. Er konnte nicht mehr aufhören, Schüttelfrost überfiel ihn und er sank zu Boden. So fand Ihn seine Mutter am späten Vormittag, als sie und der Onkel von der Unglücksstelle zurückkamen. Den Vater und Ehemann hatten sie auf eines der Pferde gebunden. Er war tot. Die nächsten Tage waren ein Albtraum für Gerold. Sein Vater wurde auf dem Friedhof am Stadtrand beerdigt. Die Trauerfeier war kurz, nur wenige Verwandte waren da. Doch das Leben auf dem Hof musste weitergehen. Sein Onkel kümmerte sich nun um alles. Er nahm die Zügel in die eine Hand und die Gerte in die andere. Das Leben wurde zu Hölle. Gerold musste nicht nur arbeiten, sondern sich schinden um den Onkel zufrieden zu stellen. Seine Mutter war ihm keine Hilfe. Sie verkroch sich in Ihrer Trauer im Haus. "Wenn du schon deinem Vater nicht beigestanden und das Unglück zugelassen hast, musst du auch die Arbeit von Ihm übernehmen" Das war der Kommentar, wenn Gerold nicht mehr konnte und um eine Pause flehte.   Eines Tages kam der Pfarrer in Begleitung des Büttels aus der Stadt auf den Hof. Der Onkel empfing beide und sie sprachen kurz miteinander. Was gesprochen wurde, konnte Gerold nicht verstehen. Doch als der Onkel mit ängstlicher Stimme nach seiner Mutter rief, überkam ihn ein mulmiges Gefühl. Nun gingen sein Onkel und der Pfarrer ins Haus, der Büttel blieb draußen und schaute sich um. Als er Gerold entdeckte, ging er auf ihn zu. Ein Büttel konnte nicht mieser aussehen als dieser. Groß und kräftig gebaut, in einer schmutzigen Uniform steckend, unrasiert und mit etlichen Zahnlücken behaftet ging er auf Gerold zu und beugte sich zu ihm herab. Fauliger stinkender Atem wehte Gerold entgegen. "Na Kleiner, deiner Mutter geht es an den Kragen. Man hat sie nachts gesehen, wie sie ums Feuer tanzte und Zaubersäfte braute." Sein dreckiges Lachen unterstrich die grausame Situation. Schon als kleines Kind hörte man von Hexen, Zauberern und dunklen Gestalten, die man unbedingt meiden musste. Aber seine Mutter konnte damit doch nicht gemeint sein. "Das kann nicht sein, du lügst", schrie Gerold. Ein Faustschlag holte ihn von den Beinen. Der Büttel hatte ohne Mühe mit einem kurzen aber kräftigen Schlag in die Bauchgegend seine Autorität hergestellt. Gerold rang nach Atem und hielt sich vor Schmerzen den Bauch. Das Lachen des Büttels hallte über den Hof. Gerold schlich zur Scheune und verkroch sich im Heu. Kurz vor Sonnenuntergang kam der Pfarrer aus dem Haus, rief dem Büttel etwas zu und beide verschwanden vom Hof. Gerold lief ins Haus um nach seiner Mutter zu sehen. Er fand sie in der Stube, völlig aufgelöst mit rot geweinten Augen. Der Onkel war nicht zu sehen. "Komm her Gerold, ich muss dir was sagen". Nun erzählte sie ihm den ganzen Vorfall. Jemand aus der Gegend, wer genau war nicht zu erfahren, hatte sie der Hexerei und Hurerei angeklagt. Da sie mit dem Onkel unter einem Dach lebte, war der Fantasie der Mitmenschen keine Grenzen gesetzt. Ein gefundenes Fressen für Ratsch und Tratsch. Auch Selbstschutz konnte dahinter verborgen sein. Wenn es die als Hexe erwischt, bleibe ich verschont. Gib den Oberen Hexenfutter und sie geben Ruhe. Der Pfarrer der Stadt war kein...



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