E-Book, Deutsch, 1426 Seiten
Fulda Komödien
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1505-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 1426 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1505-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ludwig Fulda war ein erfolgreicher deutscher Bühnenautor und Übersetzer. Dieser Band beinhaltet die folgenden Komödien: Inhalt: Das Wundermittel Jugendfreunde. Der heimliche König Die Zwillingsschwester Die Kameraden. Der Seeräuber Des Esels Schatten
Autoren/Hrsg.
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Neunter Auftritt
Schellander. (Gleich darauf) Julie, Gräfin Rubinowska
Schellander (stellt sich vor das Bild, schüttelt den Kopf). Himmelschreiend.
Gräfin (kommt mit Julie von links vorn. Ekstatische, überlebhafte Hysterika, Anfang der Dreißig, mit den Allüren der reichen Weltdame und leicht polnischem Akzent. Sie rauscht auf Schellander zu). Teuerster, ich bin glücklich, Sie noch erwischt zu haben.
Schellander (ihr die Hand küssend). Wie geht's, Gräfin? Aber man braucht nicht zu fragen. Blühend wie eine Mairose.
Gräfin. In der Tat, ich fühle mich frischer als je.
Schellander. Woran ich mir wohl ein bescheidenes Verdienst beimessen darf.
Gräfin. O ja, Ihre Behandlung hat mir sehr wohlgetan. Damals. Aber jetzigen wonnigen Aufschwung meines Befindens verdank' ich einem Jungbrunnen, einem Lebenselixir. O mein Freund, was sind alle Kuren, alle Bäder, alle Arzneien gegen Mirakulin!
Schellander. Potztausend! Sie auch von der Seuche ergriffen!
Gräfin. Bitte, kein skeptisches Wort darüber, wenn Sie es nicht mit mir verschütten wollen. Ahnen Sie denn die Wirkung, die es auf mich hat? Mir wird danach so leicht, so überirdisch, als müßt' ich tanzen, fliegen, als wäre ganze Welt ein Symphoniekonzert. Oh, dem Wohltäter, der das erfunden hat, möcht' ich Hände küssen.
Schellander. Wer hat dieses Nonplusultra Ihnen denn empfohlen?
Gräfin. Der Geist meines seligen Mannes.
Schellander. Immer noch Spiritistin?
Gräfin. Oh, Sie Ungläubiger werden mir Verkehr mit meinem seligen Stanislaus nicht verleiden. Keinen Finger rühre ich ohne seine Zustimmung, und als ich ihn nach Mirakulin befragte, da hat er dreimal laut geklopft.
Schellander. Dann bestellen Sie, bitte, Ihrem seligen Stanislaus, daß ich, ein nicht ganz unbekannter Arzt, dieses Mittel für groben Unfug halte.
Gräfin. Nicht weiter, oder wir verzürnen uns.
Schellander. Und mag die Zahl der Betörten ins Uferlose wachsen, in mein Haus jedenfalls kommt das Zeug nicht.
Julie (ruhig). Es ist schon in deinem Haus.
Schellander (starr). Was?
Julie (zieht eine Glasröhre hervor). Hier.
Schellander. Da hört verschiedenes auf!
Julie. Ich brauch' es für meine Nerven, mit dem besten Erfolg.
Schellander. Du, meine Frau – du brauchst schwindelhafte Mittel hinter meinem Rücken?!
Julie. Ich kenne ja dein Vorurteil.
Schellander. Sei so freundlich und gib's her. Gib's augenblicklich her. (Er nimmt ihr die Röhre ab.)
Julie (leise, zur Gräfin). Ich besorge mir neues.
Schellander (die Röhre in die Tasche steckend). Da wollen wir denn doch einen Riegel vorschieben.
Gräfin. Nichts mehr davon! Aber Sie wollten mir ja ein Bild zeigen.
Schellander. Da, sehen Sie. Und du auch, Julie. Die allerneueste Kunst.
Gräfin (das Bild betrachtend, enthusiastisch). Herrlich! Köstlich!
Schellander (verblüfft). Es gefällt Ihnen?
Gräfin. Schlau von Ihnen, daß Sie das gekauft haben. Gratuliere von Herzen.
Schellander. Ich hab' es nicht gekauft und werd' es nicht kaufen.
Gräfin. Dann kaufe ich es.
Schellander. Ist das Ihr Ernst?
Gräfin. Es hat mich schon bestrickt, als ich's im Salon Marschall sah. Heut aber reißt es mich geradezu hin.
Schellander. So erklären Sie mir um alles in der Welt, was Sie daran schön finden.
Gräfin. Das Unerklärliche darin. Das unwiderstehlich Draufgängerische. (Schauernd). Ah, das geht durch Mark und Bein. Das prickelt und streichelt zugleich. Das ist wie gemaltes Morphium. Oh, ich möchte dem Künstler Hände küssen.
Schellander. Sie sind eine Schwärmerin. Aber du, Julie – was sagst du dazu?
Julie. Ist dies nicht das Bild, über das kürzlich ein Hymnus in der Zeitung stand?
Schellander. Ich will deine Ansicht wissen.
Julie. Fraglos was ganz Exzeptionelles.
Schellander (faßt sich an den Kopf). Bin ich verrückt? Oder sind es alle übrigen?
Gräfin. Sie sind nur – verzeihen Sie, Teuerster – ein wenig hinter Ihrer Zeit im Rückstand sind Sie.
Schellander. Sehr wahr bemerkt. Ich muß ihn schleunigst einholen. Empfehle mich! (Er will gehen.)
Georg (tritt ihm von rechts entgegen). Der Herr Marschall ist wieder da, mit einem anderen Herrn . . .
Schellander. Was will er denn schon wieder?
Georg. Herrn Professor noch 'ne Minute sprechen, sagt er.
Schellander. 'ne halbe höchstens! Herein mit ihm.
Georg (geht ab rechts und läßt Marschall und Dr. Tuck eintreten).
Zehnter Auftritt
Vorige. Marschall, Dr. Tuck (von rechts)
Marschall. Vergebung. Ein unvorhergesehener Zwischenfall zwingt mich, Sie nochmals zu stören. (Sich verbeugend.) Meine Damen. (Begrüßung.)
Schellander (ungeduldig). Was ist los?
Marschall (vorstellend). Herr Dr. Tuck, dessen Bücher über neue Kunst Sie wahrscheinlich kennen. Da er nur heut hier anwesend ist, legte er großen Wert darauf, den Donald besichtigen zu können.
Schellander (zu Tuck, auf das Bild weisend). Bitte.
Tuck (Ende der Zwanzig, schmächtige Aesthetenfigur mit hoher Gelehrtenstirn). Danke. (Er begibt sich mit wichtiger Amtsmiene zu dem Bild und versinkt in angespannte Betrachtung.)
Marschall. Als hervorragender Spezialfachmann ist nämlich Doktor Tuck vom Fürsten Credenstein berufen worden, seine Privatgalerie nach der modernen Seite hin auszubauen, und hat ihn zu diesem Zweck hierher begleitet.
Gräfin. Der Fürst ist hier?
Schellander. Um mich zu konsultieren. Er steht auf meiner Besuchsliste obenan.
Marschall. Und will gleich nach der Konsultation sich in meinen Salon begeben. Deshalb . . .
Tuck (explosiv). Dieses Bild ist ein Durchbruch.
(Alle drehen sich unwillkürlich nach ihm um.)
Gräfin (zu Schellander). Da hören Sie's.
Schellander. Kreuzmillionen!
Tuck (orakelnd). Der Kubismus durch den Triangulismus überwunden, mehr als das, erschlagen. Sensitivsmus in bisher nie erhörter Verästelung. Kniefall vor der gottgewordenen Farbe. Entnatürlichung als Imperatio der Geistnatur. Ich werde Seiner Durchlaucht den Ankauf dieses diktatorischen Werkes aufs dringlichste anraten.
Schellander. Ich falle um.
Marschall (zu Schellander). Vorausgesetzt, daß Sie nicht Hand darauf legen.
Gräfin (leise zu Schellander). So tun Sie's doch.
Julie (ebenso). Kauf's.
Schellander. Ich will ja zugeben, es ist ein gewisser Schmiß darin, ein gewisser Farbenreiz. Aber kaufen – (mit Entschluß) ausgeschlossen.
Marschall. Dann darf ich es wohl sofort abholen lassen.
Schellander. Ich lass' es Ihnen durch meinen Diener hinüberbringen.
Marschall. Sehr freundlich. Wiedersehn.
Tuck. Haben die Ehre. (Marschall und Tuck ab rechts.)
Elfter Auftritt
Schellander. Julie. Gräfin
Julie. Ich verstehe dich nicht, Eduard.
Gräfin. Oh, wie Sie sich das entgehen lassen konnten!
Schellander. Sie doch auch.
Gräfin. Nur um es meinem alten Freund Credenstein nicht wegzuschnappen.
Schellander (sieht wieder auf die Uhr). Herrgott, viertel nach fünf.
Julie. Kommen Sie, Gräfin. Unser Tee wartet schon lang' auf uns. (Sie geht mit der Gräfin ab links vorn.)
Schellander. Meine Patienten auf mich noch länger. (Er eilt, ihnen einen Abschiedsgruß nachwinkend, nach rechts.)
Zwölfter Auftritt
Schellander. Georg. (Gleich darauf) Fritz, Klaus. (Dann) Erika
Georg (prallt, von rechts eintretend, mit Schellander zusammen). Herr Professor . . .
Schellander. Georg, tragen Sie dies Bild nach dem Salon Marschall.
Georg (nimmt das Bild, schlägt das Packpapier um dessen Vorderseite). Es sind wieder zwei Herren draußen.
Schellander. Der Teufel soll sie holen!
Georg. Sie wollen Fräulein Götz besuchen.
Schellander. Ach so!...




