Gerst Muscle Cars
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-613-31048-3
Verlag: Motorbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Americas legendäre Kraft-Wagen seit 1960
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Reihe: Typenkompass
ISBN: 978-3-613-31048-3
Verlag: Motorbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Matthias Gerst ist seit bald drei Jahrzehnten beim TÜV SÜD als Sachverständiger tätig und gleichzeitig auch als Historiker im Bereich Oldtimer sehr aktiv.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Typenkompass
Matthias Gerst
Muscle Cars
Amerikas legendäre Kraft-Wagen seit 1960
Einbandgestaltung: Louis Dos Santos
Titelbilder: Chrysler, Ford, GM (2x)
Bildnachweis: Die zur Illustration dieses Buches verwendeten Aufnahmen stammen – wenn nicht anderes vermerkt ist – vom Verfasser.
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1. Auflage 2014
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Lektorat: Martin Gollnick
ISBN: 978-3-613-31048-3
Einführung
Monumentaler Motorblock des Duesenberg von 1929 mit 265 SAE-PS.
Schon immer war der Mensch unzufrieden. Mit seinen Lebensumständen, mit seinen Mitmenschen, und, auf die Welt des Automobils übertragen, mit der Schnelligkeit, sprich: mit der Motorleistung. Stärker – schneller – bequemer, diese drei Adjektive sind Motivation und Antrieb zu Verbesserungen im Automobilbau, gehen sie doch nicht zuletzt einher mit einer gesteigerten Freude am Fahren, am Rausch der Geschwindigkeit.
Seit Jahrtausenden hat sich der Mensch Tiere untertan gemacht, um mit Ihnen bequemer und speziell mit dem Pferd auch schneller zu reisen. Seit den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts dann mit der Eisenbahn, und schließlich, ab etwa der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, auch mit dem Automobil. Schon früh gab es waghalsige Rekordjäger wie zum Beispiel Camille Jenatzy, der mit seinem (Elektro-)Auto, welches aussah wie eine Zigarre mit vier Rädern, im Jahre 1899 das erste Mal eine Geschwindigkeit von über 100 km/Stunde fuhr, eine Marke, wie sie damals nur Schnellzüge erreichen konnten.
Die Rekordjäger sind die eine Sache, die für Normalbürger erreichbaren Autos eine andere. Für heutige Verhältnisse hatten die Autos um 1900 extrem schlechte Wirkungsgrade, und die geringen Höchstgeschwindigkeiten waren zusätzlich durch Gewicht, Motorgröße und Straßenzustand erheblich eingeschränkt. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges war es eine Sensation, wenn ein käuflicher Pkw eine Ge-schwindigkeit von 100 km/h erreichen konnte.
In diesen frühen Jahren, in der Pionierzeit des Automobils, waren Literleistungen von drei bis maximal 10 PS an der Tagesordnung. Wollte man mehr Leistung, war automatisch ein Hubraumzuwachs erforderlich.
Durch modernere Gießereitechnik war man bis etwa 1910 in der Lage, den Motorblock eines Vierzylindermotors in einem Stück zu gießen, davor war es üblich, Zylinder paarweise oder sogar einzeln herzustellen. Viele Hersteller schweißten dann sogar den Kühlwassermantel darum herum. Immer mehr Zylinder wurden zugefügt, und so kamen in schneller Folge erst Sechszylinder-, dann V8- und bereits im Jahre 1916 die ersten serientauglichen V12-Motoren für Luxusmodelle auf den US-Markt, der schon damals hart umkämpft war. Im selben Jahr wurden in den USA erstmals mehr als eine Million Neufahrzeuge zugelassen.
Nach dem ersten Weltkrieg führten die hinzugewonnenen metallurgischen Kenntnisse zu besseren, sprich haltbareren Fahrzeugen, die Einführung von verbleitem Benzin ab Mitte der 20er-Jahre in den USA beseitigte das Problem des Klopfens bei erhöhtem Verdichtungsverhältnis. Dessen Steigerung ging einher mit einer wesentlich besseren Literleistung eines Motors. Das Angebot an Fahrzeugen mit Vierzylindermotoren ging ab 1930 rapide zurück, der Sechszylinder-Reihenmotor war zum Standard geworden. Henry Ford schuf mit seinem Flathead-V8 ab 1932 sogar einen Achtzylinder für die Massen. Doch erst mit den beginnenden 50er-Jahren wurde der V8 von nahezu allen Herstellern adaptiert und verkörpert wie keine andere Motorbauart die amerikanische automobile Lebensart. Dies gilt auch heute noch.
Das Ende des zweiten Weltkrieges markierte auf der anderen Seite auch das Ende der riesigen Multizylinder-Motoren. Letztmals im Jahr 1940 wurde der gigantische V16 von Cadillac angeboten, Marmon musste schon 1934 schließen. Und der letzte V12 lief im Frühjahr 1948 bei Lincoln vom Band. Eine neue Bescheidenheit beim Hubraum ging damit einher. Mehr als sechs Liter hatte bis 1955 kein US-Fahrzeug mehr zu bieten. Danach ging es wieder »aufwärts«, und für 1970 stellte Cadillac seinen riesigen 500-cubic-inch-V8 mit 8,2 Litern Hubraum vor, der dann aufgrund der Energiekrisen der 70er-Jahre nach 1978 wieder verschwand. Übertroffen wurde er nur noch vom V10-Zylindermotor der Dodge Viper von 2002 mit 8,3 Litern (später sogar 8,4 Litern) Hubraum, die bis 2010 gebaut wurde.
Man kann nun die verschiedenen Epochen grob wie folgt einteilen:
Die Ära der Hubraumriesen
1905 bis 1920
Die Ära der Multizylinder (V12 und V16)
1916 bis 1940
Die Steigerung der Effizienz (Literleistung)
1928 bis 1942
Das PS-Rennen der 50er-Jahre
1950 bis 1962
Die eigentliche Ära der Muscle-Cars
1963 bis 1975
Die mageren Jahre
1976 bis 1995
Die aktuellen Muscle-Cars
1995 bis heute
Die Modelljahre von etwa 1976 bis 1995 betrachtet man rückblickend als die mageren Jahre, in denen sich die Leistungen der US-Modelle eher bescheiden ausnahmen.
Ende der 50er-Jahre war den großen Bossen in Detroit klar, dass die Importe aufgrund ihrer Wendigkeit und ihres Preises den US-Herstellern in Zukunft immer mehr Kunden abjagen würden, wenn man keine Alternativen anzubieten hatte. Diese Überlegung führte zur Entwicklung sogenannter Compact-Cars, die mit Ausnahme der Rambler-Modelle und ähnlicher Fahrzeuge, die diese Entwicklung fast zehn Jahre vorwegnahmen, für das Modelljahr 1960 vorgestellt wurden. Chevrolet zeigte seinen neuen Heckmotorwagen namens Corvair, Chrysler den Dodge Lancer und das Schwestermodell Plymouth Valiant. Ford und Mercury stellten die Modelle Falcon bzw. Comet vor. Studebaker präsentierte die kleine Lerche (»Lark«), welche auf nicht mal 4,50 Meter Länge kam. Für 1961 brachten Buick und Oldsmobile ihre Modelle Special bzw. F-85.
Die Rambler und Ambassador von AMC waren generell eher den Compacts zuzuordnen, da sie kaum über fünf Meter Länge erreichten.
Für amerikanische Verhältnisse waren alle diese Autos mit ihrer Länge von 4440 (Lark) bis 4790 mm (Buick Special) recht klein, denn die »normalen« Wagen waren im Verlauf der 50er-Jahre in der Länge von durchschnittlich 4,95 Metern auf etwa 5,35 gewachsen. Die Länge der großen Wagen vom Schlage eines Cadillac 62 bewegten sich dagegen immer im Bereich von 5,70 Metern. Zum Vergleich: Der Mercedes 600 in der normalen Ausführung maß 5,54 Meter.
Der kurzlebige Edsel und die immerhin schon 1928 gegründete Marke De Soto (zum Chrysler-Konzern gehörend) waren Ende 1959 bzw. 1960 vom Markt genommen worden.
Doch zwischen den Compact- und den Full-Size-Cars klaffte immer noch eine erhebliche Lücke. Deshalb schufen die US-Hersteller eine neue Kategorie der »Intermediates«, eine amerikanische Mittelklasse. Chevrolets Beitrag stellte im ersten Schritt der Chevy II dar, der jedoch nur unwesentlich größer als der Heckmotor-Corvair war und wohl hauptsächlich Kunden bei der Stange halten sollte, die dessen kapriziöse Fahreigenschaften nicht schätzten. Erst im zweiten Anlauf konnte die populärste GM-Marke mit dem Chevelle für das Modelljahr 1964 punkten, welcher auf Anhieb viele Käufer fand.
Buick brachte den Skylark, eine besser ausgestattete Version des Special, und Pontiac den Tempest in die Showrooms. Ford schickte den neuen Fairlane ins Rennen, Mercury den Zwillingsbruder Meteor. Von den Chrysler-Marken kamen 1962 die zweite Generation des Dodge Dart und dann 1963 die Intermediates von »440« bis Polara sowie 1962 die ebenfalls zweite Generation des Plymouth Valiant und schon 1961 die verkleinerten Standard-Modelle als Intermediates in Gestalt der Modelle Savoy, Belvedere und Fury. Größere Wagen hatte Plymouth dann vorerst nicht mehr im Programm.
Diese Wagen waren ausreichend motorisiert und schon relativ bequem zu fahren, doch die Big-Block-Motoren blieben immer noch den »richtigen« Autos, sprich den Full-Size-Straßenkreuzern vorbehalten.
Aber im Jahr 1963 geschah etwas, was als Auslöser der Muscle-Car-Ära angesehen werden kann: Pontiac und andere scherten aus der wohlgefügten Ordnung aus und pflanzten die großen Maschinen in ihre Mittelklassemodelle: Die Muscle Cars waren geboren! Stark wie die großen, doch ohne unnötiges Fett, waren sie im Nu die schnellsten Wagen im Angebot der Massenhersteller. Und die Leute, die...




