E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Gilland Winterzauber im Château
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7499-0753-3
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Für alle die romantische Weihnachtsfilme lieben | Mit cosy Setting in den Schweizer Alpen | Für Fans des Netflix-Films »Falling for Christmas«
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-7499-0753-3
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weihnachtsromantik in den Schweizer Alpen
Livia hasst Weihnachten und plant deshalb, sich über die Feiertage in Arbeit zu vergraben. Als ihre beste Freundin Nane sie dann bittet, ihren großen Bruder dabei zu unterstützen, das Lieblingshotel der Familie vor dem Ruin zu bewahren, kann sie nicht anders als einzuwilligen. Marco, mit dem Livia eine ausgeprägte Hassliebe verbindet, hat ein Romantikangebot für verliebte Paare konzipiert und braucht nun jemanden, der es zusammen mit ihm testet. Widerwillig lässt sie sich darauf ein, obwohl sie seit dem Betrug ihres Ex-Freundes den Glauben an die Liebe verloren hat und mit Romantik nicht mehr viel am Hut hat. Die Sache scheint zum Scheitern verurteilt, denn jedes Mal, wenn sich die beiden in einem Raum aufhalten, fliegen die Fetzen - aber dabei liegt auch dieses ganz besondere Kribbeln in der Luft ...
Vivien Gilland schreibt am liebsten Geschichten über lebensnahe Figuren, die einen Weg suchen, um ihre Träume zu verwirklichen. Im Mittelpunkt stehen dabei tiefe, romantische Gefühle, mit denen sie ihre Charaktere für den Mut belohnt, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Wenn sie nicht gerade am Schreibtisch sitzt, streift sie mit ihrer Hündin Malia durch die Wälder oder quält ihre Schüler*innen mit Tonleitern und italienischen Verben.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
LIVIA
»Herzlichen Glückwunsch, Livia! Wie ich höre, hast du heute in der Verhandlung alle Register gezogen und die Gegenseite erfolgreich in die Schranken gewiesen.«
Die anerkennenden Worte meiner Chefin lösten die Anspannung ein wenig, die mich in den letzten Monaten fest im Griff gehabt hatte. Ich war inzwischen so daran gewöhnt, ständig unter Strom zu stehen, dass sich das Gefühl der Erleichterung und Freude im ersten Moment fremd anfühlte.
»Du weißt, wie wichtig dieser Sieg für die Kanzlei ist, und wir sind uns alle bewusst, wie hart du dafür gearbeitet hast.«
Ich beschränkte mich auf ein Nicken, da es mir trotz meiner beruflichen Erfolge immer noch schwerfiel, souverän mit Lob umzugehen. Während Monika Siebert vor ihrem Schreibtisch auf und ab ging und dabei meine Vorgehensweise analysierte, versuchte ich, mich zu entspannen, indem ich bewusst in den Bauch atmete und die Atmosphäre des Raums auf mich wirken ließ. Ich liebte die schlichte Eleganz der dunklen Büromöbel ebenso wie den dezenten Geruch nach Papier, der von den Gesetzestexten und juristischen Kommentaren ausging, die sich in den deckenhohen Bücherregalen aneinanderreihten. Sobald ich Juniorpartnerin wäre, würde ich ein größeres Büro zugeteilt bekommen, das ich nach meinem Geschmack einrichten konnte. Eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu der tristen Besenkammer, in der ich nun seit mittlerweile drei Jahren den Großteil meiner Zeit verbrachte.
»Wie wäre es, wenn du dir bis Ende Dezember freinimmst?«, brachte mich die Stimme meiner Chefin zurück ins Hier und Jetzt. Ich spürte, wie sich mein Puls bei der Vorstellung, vier Wochen nicht arbeiten zu dürfen, beschleunigte, während ich mich bemühte, möglichst gelassen zu wirken.
»Ich habe mich bereits in den Hendersen-Fall eingearbeitet und möchte mich baldmöglichst mit dir und den anderen Partnern der Kanzlei zusammensetzen, um eine Strategie festzulegen.«
»Den Hendersen-Fall wird Pierre übernehmen. Wir wissen dein Engagement hier bei Konrad, Falkner und Siebert zu schätzen, Livia, aber niemand kann auf Dauer sechzehn Stunden am Tag arbeiten, ohne auszubrennen. Zumal du auch an den Wochenenden keine Pause machst.«
Ertappt senkte ich den Blick. Es stimmte, dass ich viel arbeitete. Ich war nun mal ehrgeizig und hatte eine genaue Vorstellung davon, wie mein Leben in drei, fünf und zehn Jahren aussehen sollte.
»Eine Anwaltstätigkeit im Wirtschaftsrecht einer internationalen Großkanzlei verlangt uns ein hohes Maß an Selbstaufopferung ab und bringt unzählige Überstunden mit sich. Dennoch ist meinen Partnern und mir eine gesunde Work-Life-Balance sehr wichtig. Und soweit mir bekannt ist, hast du in diesem Jahr noch kaum Urlaub genommen. Warum gönnst du dir nicht eine kleine Auszeit in einem netten Wellnesshotel oder fährst über Weihnachten zu deiner Familie?«
Obwohl mein Brustkorb sich krampfhaft zusammenzog, verkniff ich mir die Widerworte, die mir auf der Zunge lagen, und rang mir stattdessen ein Lächeln ab. Wenn sie diesen bestimmten Tonfall anschlug, wusste ich, dass Diskutieren sinnlos war.
Auf dem Weg zu meinem Büro kämpfte ich darum, meine Mundwinkel oben zu halten und die Nerven zu bewahren. Ich schnappte mir meine Handtasche und widerstand dem Impuls, meinen Laptop unter dem Mantel aus der Kanzlei zu schmuggeln. Es kostete mich meine letzte Kraft, mich von meinen Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden, die immer noch in kleinen Gruppen zusammenstanden und den Champagner tranken, der zur Feier meines gewonnenen Falls gereicht worden war. Dabei bemühte ich mich, die neidischen Blicke nicht persönlich zu nehmen, sondern sie als zusätzliche Bestätigung für meinen beruflichen Erfolg zu betrachten. Ich liebte meinen Job, aber ich war eine Einzelkämpferin, womit ich mir nicht immer nur Freunde machte.
Draußen spannte ich meinen Schirm auf, bevor ich mit einer Mischung aus Angst und Wut, weil ich mich ungerecht behandelt fühlte, in den Regen hinaustrat. Während ich zur U-Bahn-Station am Münchner Marienplatz lief, versuchte ich, meinen Verstand einzuschalten und mich davon zu überzeugen, dass ein paar freie Tage nicht das Ende der Welt bedeuteten. Eine Frau von dreißig Jahren sollte in der Lage sein, sich eigenständig auf sinnvolle Weise zu beschäftigen.
Zu Hause angekommen, stellte ich den tropfnassen Schirm in die Badewanne, schlüpfte mit einem erleichterten Seufzen aus meinen Pumps und tauschte den taillierten Blazer, die Seidenbluse und den Bleistiftrock gegen bequeme Yoga-Pants und einen Hoodie. Auf dem Weg in die Küche löste ich meinen Dutt und fuhr mir mit den Fingern durch mein schulterlanges Haar, bevor ich den Kühlschrank öffnete und es mir mit einem Glas Weißwein im Wohnzimmer gemütlich machte. Nachdenklich blickte ich durch die regennassen Scheiben nach draußen, in denen sich die Lichter der Stadt spiegelten.
»Auf einen weiteren gewonnenen Fall!«, murmelte ich in die Stille der Wohnung und prostete meiner Yuccapalme zu, die dringend Wasser benötigte. Es erschien mir immer noch unwirklich, dass meine Argumentation die Richterin überzeugt hatte, doch am Ende hatte sich die monatelange harte Arbeit ausgezahlt. Es war das erste große Mandat gewesen, bei dem ich die alleinige Verantwortung getragen hatte. Wieso fühlte ich mich trotz des Sieges innerlich dann so leer? Sollte ich nicht froh sein, auf der Karriereleiter wieder ein Stück vorangekommen zu sein? Wenn ich mich weiterhin anstrengte, hatte ich gute Chancen, meinem Plan gemäß zeitnah zur nächsten Juniorpartnerin ernannt zu werden. Aber alles, was ich spürte, waren Müdigkeit und Erschöpfung. Vielleicht war der Urlaub doch keine so schlechte Idee – abgesehen vom Timing. Wenn es nach mir ginge, könnte man den Dezember komplett aus dem Kalender streichen. Bei der Vorstellung, in der Adventszeit untätig in meiner Wohnung herumzusitzen, während sich alle anderen auf das »Fest der Liebe« freuten, schnürte sich mein Magen zusammen. Arbeit war das beste Mittel, um sich von dem allgemeinen Wahnsinn in Form von blinkenden Lichterketten, schnulzigen Weihnachtsliedern, mit Puderzucker bestäubten Plätzchen und der Jagd nach den perfekten Geschenken abzulenken.
Das Klingeln meines Handys verhinderte, dass ich noch tiefer in finstere Weihnachtsvisionen versinken konnte. Vom Display leuchtete mir der Name meiner besten Freundin entgegen. Wir hatten uns zu Beginn der Studienzeit kennengelernt und gingen seitdem gemeinsam durch dick und dünn.
»Nane, schön, dass du dich meldest! Wie geht es Maya?«, fragte ich, nachdem ich den Anruf angenommen hatte.
»Die Kleine blüht jeden Tag mehr auf. Kannst du dir vorstellen, dass sie erst seit drei Wochen bei uns ist? Mir kommt es vor, als wäre sie schon immer ein Teil unserer Familie gewesen, und ich frage mich, wie wir es nur all die Jahre ohne sie ausgehalten haben.«
Ihr glückliches Lachen schnitt mir ins Herz. Ich wusste, wie sehr Nane und ihre Partnerin Cleo sich gewünscht hatten, ein Pflegekind aufzunehmen. Doch nun, da sich ihr Traum endlich erfüllt hatte, war ich mir in Anbetracht der Umstände nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war.
»Was ist mit ihrer Mutter?«
»Die Kollegen vom Jugendamt in Ingolstadt haben ihr geholfen, einen Platz in einer Klinik zu beantragen. Wir können nur hoffen, dass sie stark genug ist, den Entzug durchzuziehen und danach clean zu bleiben. Im Moment kann niemand sagen, ob und wann sie wieder in der Lage sein wird, sich um ihre Tochter zu kümmern.«
Nane hatte mir erzählt, dass die vierjährige Maya knapp sechsunddreißig Stunden neben ihrer bewusstlosen Mutter auf dem Badezimmerboden ausgeharrt hatte, bevor sie von einer Nachbarin gefunden worden war. Obwohl sie als Sozialarbeiterin häufig mit schwierigen Situationen und unfassbarem familiären Leid konfrontiert war, wusste ich, dass Nane Schicksale wie das von Maya besonders nahegingen.
»Ich will nur sichergehen, dass dir bewusst ist, dass Maya vielleicht nicht langfristig bei euch leben wird.«
Sie seufzte schwer. »Als ob ich das vergessen könnte. Cleo ermahnt mich ständig, dass ich mein Herz nicht zu sehr an die Kleine hängen soll, bis geklärt ist, ob sie bei uns bleiben darf. Aber Livi, ich kann das nicht steuern. Sie muss mich nur mit ihren großen hoffnungsvollen Augen anschauen, und ich schmelze dahin. Das Mädchen hat so viel durchgemacht, und obwohl sie immer noch kein Wort gesprochen hat, habe ich das Gefühl, dass sie weiß, dass wir uns gut um sie kümmern werden.«
»Dann fällt es Cleo leichter, emotionalen Abstand zu wahren?«
»Sie bemüht sich redlich, scheitert aber genauso kläglich wie ich. Gestern habe ich sie dabei erwischt, wie sie Maya ein Schlaflied vorgesungen hat. Und als sie heute Morgen zu uns ins Bett gekrabbelt kam, hat Cleo sie direkt in ihre Arme gezogen und glücklich geseufzt, als die Kleine sich an sie gekuschelt hat.«
»Du weißt, ich wünsche euch dreien nur das Beste!«
»Das ist lieb von dir. Aber jetzt erzähl mir, wie dein großer Fall gelaufen ist!«
»Die Firmenübernahme ist rechtskräftig geworden, wodurch die Unternehmensgruppe meines Mandanten wieder ein Stück gewachsen ist.«
»Du scheinst nicht sehr glücklich darüber zu sein. Ist es nicht das, was du erreichen wolltest?«
»Doch, natürlich. Es ist großartig!« Ich hörte selbst, wie wenig überzeugend ich klang, und war froh, dass Nane nicht weiter nachfragte.
»Wie ich dich kenne, hast du dir direkt einen neuen Fall geschnappt und wirst morgen die Erste im Büro sein, nur um nicht mitzubekommen, dass bald...




