E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Glasser / Hoff Briefe aus Trumps Washington
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-942377-20-1
Verlag: Weltkiosk
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-942377-20-1
Verlag: Weltkiosk
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
SUSAN B. GLASSER ist Amerikas profilierteste außenpolitische Journalistin. 1969 in New Jersey geboren, studierte sie an der Harvard University und begann ihre Karriere bei Roll Call, einer Zeitung, die über das Geschehen auf dem Kapitol berichtet. Danach arbeitete sie ein Jahrzehnt lang für die Washington Post, u.a. als Moskau-Korrespondentin. Als Chefredakteurin von Foreign Policy gewann sie drei National Magazine Awards. Sie gründete Politico Magazine und war 2016 für Politicos Wahlkampfberichterstattung verantwortlich. Sie ist zudem regelmäßige Kommentatorin auf CNN und anderen TV-Kanälen. Mit ihrem Mann, dem White-House-Korrespondenten der New York Times, Peter Baker, schrieb sie ein Buch über Wladimir Putins Russland. Derzeit arbeiten beide an einer Biografie des früheren US-Außenministers James Baker.
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Washington wird Trump begraben, sagt Michael Wolff
Er habe sich über Washingtons «ewiges Establishment» hinweggesetzt, sagt der Autor, dessen Buch den District of Columbia erschüttert. Aber versteht er den Ort wirklich?
Bei meinem Frühstück am Dienstagmorgen im Hotel Four Seasons in Georgetown kam ein altgedienter Washingtoner Journalist an meinem Tisch vorbei, um Hallo zu sagen. «Schön, Sie zu sehen», sagte Michael Duffy, ein früherer Redakteur beim Magazin TIME, trocken und mit einem Grinsen im Gesicht, um sich dann als «Mark Berman, » vorzustellen. Wie es sich bei Insider-Späßen gehört, war sein Witz pointiert und perfekt getimt. Jeder am Tisch wusste, dass Mark Berman von der niemals im Four Seasons gefrühstückt hat, obwohl dies in , dem neuen Enthüllungsbuch über das Leben in Trumps dysfunktionalem Weißen Haus, behauptet wird.
Seit vergangener Woche hat ganz Washington — und tatsächlich wohl ein Großteil des übrigen Landes, nach den Verkaufszahlen zu urteilen — das Buch gelesen, verdaut und diskutiert; die Ethik und die Sorgfalt von Wolffs Journalismus diskutiert sowie die beängstigenden Details über den nackten Kaiser im Oval Office, die er entblößt. Das vernichtende Porträt eines inkompetenten, inkohärenten «halben Analphabeten» und Wilden im Weißen Haus hat verständlicherweise am meisten Aufsehen erregt — insbesondere, weil Trump den Versuch, das Buch zu diskreditieren, selbst in die Hand genommen hat. Durch die Nachricht von Dienstagnachmittag, dass Steve Bannon, eine der Hauptquellen Wolffs und ehemaliger Chefstratege im Weißen Haus, seinen Job bei der rechtslastigen Website verloren hat, nachdem er es sich mit Trump verscherzt hatte, stürmte das -Unwetter weiter.
Bei einer solchen Aufregung fällt eine Geschichte wie Mark Bermans nicht-existentes Frühstück im Four Seasons schnell unter den Tisch. Dennoch stach dieser Fehler selbst unter all den anderen, manchen großen und vielen kleinen, hervor. Es war ein Fehler, den nur jemand machen konnte, der sich in Washington nicht auskennt — die Art von Fehler, auf die es für eine kleine Handvoll von maßgeblichen Leuten in «D.C.», dem District of Columbia, ankommt. Und er veranlasst zur Frage: Wenn die kleinen Dinge bei Wolff nicht stimmen, was ist mit den großen? Trumps Weißes Haus hat diese Fehler aufgegriffen, um die vernichtende und alles in allem zutreffende Gesamtdarstellung dieser Präsidentschaft infrage zu stellen.
Wolff hat den falschen Berman erwischt. In der Schilderung seines Buches über ein Frühstück im Four Seasons vergangenen Februar, bei dem Trumps Tochter Ivanka die aufmerksamen Einheimischen in ihrem natürlichen Lebensraum um den Finger wickelte, ging es eigentlich um Mike Berman, einen knallharten demokratischen Anwalt und Lobbyisten, der in den 1960er Jahren als Berater von Walter Mondale nach Washington kam. In D.C. ist es eine ziemlich große Sache, eine Institution wie Mike Berman und einen jungen Reporter von der , also Mark Berman, zu verwechseln. Washington ist ein Dorf, eine Kleinstadt, ein Ort mit nur einer wirklichen Branche — und Washington nimmt sich selbst sehr ernst. Seit ein paar Jahrzehnten ist das Four Seasons die Kantine der Stadt, wenn es ums Frühstücken geht, ihr Wasserspender, an dem man sich Klatschgeschichten erzählt; wo man hingeht, wenn man will, dass jeder weiß, mit wem man frühstückt. Man darf die Namen nicht verwechseln. Das ist der Sinn der ganzen Übung.
Als ich Wolff kurz nach meinem Frühstück im Four Seasons anrief, um ihm Fragen zu seinem Buch und den Kontroversen zu stellen, die es hervorgerufen hat, erklärte er stolz: «Ich bin kein Mitglied dieses Clubs.» Als Autor und Kolumnist aus New York, bis dahin am ehesten für ein scharfzüngiges Insider-Buch über den Medienmogul Rupert Murdoch bekannt, erzählte mir Wolff, dass er wenig Zeit und Gedanken darauf verwandt habe, mit Washingtons «ewigem Establishment» zu reden, als er an arbeitete.
Er ging nicht im Four Seasons frühstücken und mischte sich nicht unter Cocktailpartys in Georgetown, um Gerüchte aufzuschnappen. Er sei aus New York angereist, habe ins Hay-Adams-Hotel gegenüber dem Weißen Haus am Lafayette Square (wo die Zimmer laut Website 300 Dollar aufwärts die Nacht kosten) eingecheckt und mit der Arbeit begonnen. Seinen Angaben zufolge bestand diese größtenteils darin, in der Lobby des Westflügels des Weißen Hauses herumzuhängen und Mäuschen zu spielen. Gelegentlich, räumte Wolff ein, habe er sich mit Mike Allen getroffen, einem Journalisten mit guten Quellen, dessen täglicher E-Mail-Newsletter für die Website oft durchgesickerte Informationen aus der Trump-Regierung enthält; und mit einer «relativ kleinen Gruppe von insiderartigen Leuten, Leuten, die hilfreich waren». Aber das war es auch schon mit seinen Kontakten zu den Einwohnern des Washingtoner «Sumpfs», den Trump trockenzulegen versprochen hatte.
Es ist offensichtlich, dass Wolff seinen Außenseiterstatus als Argument gegenüber Mitgliedern aus Trumps Team nutzte, die er überzeugte, mit ihm zusammenzuarbeiten — und das taten sie trotz seiner hinlänglich bekannten Bereitschaft, viel Porzellan zu zerschlagen und auf der Jagd nach einer Story sogar mit grundlegenden Regeln von Anstand und Ehrlichkeit zu brechen. Lesen Sie Michelle Cottles Porträt über Wolff aus dem Jahr 2004 in : Sie trifft den Nagel auf den Kopf!
Aber wenigstens in der Öffentlichkeit täuscht Wolff eine überhebliche Nichtbeachtung von Anschuldigungen wie denen von Cottle vor — und solche Berichte haben nicht verhindert, dass wichtige Leute im Weißen Haus, inklusive Trump selbst, mit ihm gesprochen haben. Als ich Wolff auf die Fehler in seinem Buch wie die Verwechslung der Bermans ansprach, reagierte er abweisend, indem er sagte, dass er sie für mehr oder weniger irrelevant für die größeren Wahrheiten halte, die er über Trump berichte. Insgesamt sprach Wolff wie ein Mann, der nicht anders konnte, als über sein eigenes Glück zu staunen: Er hat ein Buch geschrieben, von dem er durchaus glaubte, es könne den Präsidenten stürzen — und er machte damit ein Riesengeschäft.
Wolff wies darauf hin, dass bei Ladenschluss am Montag in nur vier Tagen eine Million Exemplare des Buches verkauft worden waren. «Ich sage allen: ‹Es ist nur ein Buch.› Aber es ist etwas so viel Größeres daraus geworden», sagte er in Bezug auf Trumps Angriffe auf und seinen gescheiterten Versuch, dessen Veröffentlichung zu verhindern. «Der Präsident scheint zu glauben, dass dieses Buch gewissermaßen eine bedeutende Bedrohung ist. Das ändert den Kontext», sagte Wolff. «Während bei jedem anderen Buch einen Mike Berman mit einem Mark Berman zu verwechseln … überhaupt keine Folgen gehabt hätte, ist es jetzt plötzlich eine Staatsaffäre.»
Aber, fragte ich, was ist mit den Fakten? Die Einstellung, die Wolff dazu an den Tag legte, erstaunte mich; sie kam mir, nun ja, etwas trumpisch vor. Würde er in der nächsten Auflage die Fehler korrigieren? «Ja, sicher, um die Bermans werde ich mich kümmern», versprach Wolff. Aber er schien noch immer zu denken, dass ich das Wesentliche nicht begriff. sei wie ein Buch von Bob Woodward, beharrte er: ein offenbarender, exklusiver Backstage-Bericht aus dem Weißen Haus ohne Quellenangaben, Fußnoten oder explizite Zuordnung. «Der Leser wird mir im Grunde vertrauen müssen oder seinem eigenen Gespür dafür vertrauen, ob die Informationen in dem Buch mit allem anderen, was er weiß, zusammenpassen», sagte Wolff. «So werden Insider-Porträts nun mal gemacht.»
Außerdem, fügte Wolff hinzu, verschleierten all die nachträglichen Zweifel über Details wie die Frage, wer beim Frühstück dabei war, die Tatsache, dass das Buch ein lebendiges Porträt Trumps liefere, das auf direkten Zitaten von ehemals engen Beratern wie Bannon und Katie Walsh basiert, der ehemaligen stellvertretenden Stabschefin des Weißen Hauses. Selbst Wolffs Kritiker scheinen zu akzeptieren, dass sein generelles Porträt eines entmutigten, zermürbten Weißen Hauses, in dem viele hochrangige Regierungsberater ihren Chef verabscheuen und fürchten, im Grunde korrekt ist. Ich fragte Wolff, ob er vorgehabt habe, Trump so schonungslos zu porträtieren. «Ich hatte keine vorgefasste Meinung», sagte er. «Ich war vollkommen bereit, ein Buch nach dem Motto ‹Trump kann erfolgreich sein› zu schreiben, eine konträre Perspektive, die einigermaßen zu mir passt. Dann fing ich an, diesen Leuten zuzuhören, und sie fingen an, mit mir zu reden, und ich dachte nur: ‹Oh Gott!› Diese hochrangigen Leute sagen: ‹Hast du irgendeine Vorstellung davon, wie es ist, für diesen Mann zu...




