Goldner | Eingesperrte Tiere angaffen? Nein danke! | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Goldner Eingesperrte Tiere angaffen? Nein danke!

Texte zur Zookritik
7. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-7089-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Texte zur Zookritik

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-7392-7089-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zoos haben längst jede Existenzberechtigung verloren - sofern sie solche je hatten. Gleichwohl werden sie mit zig Millionen an Steuergeldern subventioniert und damit künstlich am Leben erhalten, vielfach, trotz schwindender Besucherzahlen, gar noch ausgebaut. Um die gefangengehaltenen Tiere geht es dabei, wenn überhaupt, zuletzt. Die vorliegende Textsammlung führt 50 zookritische Beiträge des Autors zusammen, die in unterschiedlichsten Print- und online-Medien in jüngerer Zeit erschienen sind (u.a. TIERethik, hpd, taz, Tierbefreiung, MIZ, Psychologie heute, Tierstudien, EMMA, sueddeutsche.de).

Studium Sozialwesen in München sowie Psychologie und Kulturanthropologie in München und Los Angeles. Zahlreiche Publikationen zu tierrechtlichen Themen. Seit 2011 koordiniert er das Great Ape Project, das Grundrechte für Große Menschenaffen einfordert. Seine 2014 erschienene Studie "Lebenslänglich hinter Gittern: Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co in deutschen Zoos" wurde für die Wahl zum 'Wissensbuch des Jahres' nominiert und belegte in der Endausscheidung - in der Kategorie 'Zündstoff' - den 2. Platz.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Tierbefreiung 80, 9/2013


Zoos in der Kritik


Während Zoos sich seit ihren Gründertagen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem von Kritik weitgehend unangetasteten Freiraum bewegen konnten, gerieten sie Mitte der 1970er unter massiven Rechtfertigungsdruck: im Zuge des von 1973, das den bis dahin völlig unkontrollierten Handel mit vom Aussterben bedrohten Tierarten erheblich einschränkte, trat erstmalig ins öffentliche Bewusstsein, welch enormen Anteil die für Zoos getätigten Wildfänge daran hatten, dass viele dieser Tierarten überhaupt erst an den Rand des Aussterbens gebracht worden waren.

Eine unabhängige Untersuchung, vorgelegt 1974 von dem italienischen TV-Journalisten Emilio Sanna, verursachte größte Aufregung unter den Zoobetreibern: zum erstenmal in ihrer fast 150jährigen Geschichte sahen sie sich mit die Institution selbst in Frage stellender Kritik konfrontiert. Unter dem Titel hatte Sanna, zusammen mit dem Regisseur Riccardo Fellini, einen Dokumentarfilm gedreht, der in drastischen Bildern die katastrophalen Verhältnisse in den italienischen Zoos zeigte. In einer pointierten Streitschrift gleichen Titels, die er 1977 nachschob, formulierte Sanna zudem eine grundsätzliche Kritik an der „Institution Zoo“. Detailliert beschreibt er die grausame und verlustreiche Praxis der Gefangennahme freilebender Wildtiere und ihres Transportes in irgendwelche europäischen oder US-amerikanischen Zoos und schildert die verheerenden Auswirkungen, die die Gefangenhaltung der Tiere auf ihr körperliches und psychisches Befinden haben.

In Italien bildete sich durch den wiederholt auf RAI ausgestrahlten Film und das Buch Sannas eine unerwartet breite Front an Zoogegnern, die argumentative Unterstützung fand in dem 1975 erschienenen Grundlagenbuch von Peter Singer. Mitgetragen von den wichtigsten Medien des Landes erhoben zahlreiche Intellektuelle und Kulturschaffende ihre Stimme gegen die „Kulturschande Zoo“, darunter Franco Zefirelli, Sophia Loren oder Adriano Celentano. Selbst alteingesessene Zoos wie die von Turin oder Mailand gerieten derart unter medialen Beschuss, dass sie sich gezwungen sahen, ihren Betrieb einzustellen; auch viele kleinere Provinzzoos mussten schließen.

Trotz aller Erfolge der italienischen Anti-Zoo-Bewegung sprang der Funke nicht auf die anderen europäischen Ländern über, am wenigsten auf Deutschland. Vereinzelte Beschwerden, wie etwa der Filmemacher Horst Stern oder die Schriftstellerin Elke Heidenreich sie vortrugen, verhallten ungehört.

Erst 1987 erschien Sannas Streitschrift auf deutsch (), erzielte hierzulande aber nicht ansatzweise die Wirkung wie in Italien. Nur in England, dem Mutterland des Bürgerzoos, wurde das Thema aufgegriffen: 1984 begründeten die Tierrechtsaktivisten Virginia McKenna und Bill Travers die Initiative (umbenannt später in ), die Missstände in britischen Zoos aufdeckte. Letztlich war es eine von McKenna und Travers im Jahr 1993 veröffentlichte Studie, über die Zookritik auch im deutschsprachigen Raum ankam (genauer gesagt handelte es sich um die deutsche Ausgabe ihrer im Original bereits 1987 erschienenen Studie , in der sie massiv gegen die Institution Zoo vorgegangen waren und damit eine breite öffentliche Diskussion in Gang gesetzt hatten: die Besucherzahlen in den britischen Zoos waren im Zuge dieser Debatte deutlich zurückgegangen; letztlich mußten mehrere der Zoos geschlossen werden. Die unter dem Titel G vorgelegte Studie ließ in den Chefetagen auch der hiesigen Zoos beträchtliche Nervosität aufkommen. Vor allem der Umstand, dass der deutschsprachigen Ausgabe eine Reihe erschütternder Bilder aus dem Alltag Zoos vorangestellt war - wodurch die Studie nicht als „nur auf britische Verhältnisse bezogen“ abgetan werden konnte -, machte den Verantwortlichen besonders zu schaffen. Während sie gegen die McKenna-/Travers-Studie allerdings nichts zu unternehmen wussten, zogen sie im Jahr darauf in konzertierter Aktion gegen einen von der Tierrechtsgruppe vorgelegten Bildband zu Felde: mit einer vor dem LG Hamburg angestrengten Unterlassungsklage suchten sie die Verbreitung des Buches zu verhindern. Die Klage wurde abgewiesen.

Verschärft wurde die Nervosität in den deutschen Zoos durch das 1993 erschienene Manifest des das von namhaften Philosophen und Wissenschaftlern aus aller Welt unterzeichnet worden war, und das, festgemacht an den Großen Menschenaffen, die Haltung von Wildtieren in Zoos grundsätzlich in Frage stellte. Letztlich veröffentlichte der Tierschützer Stefan Austermühle im Jahre 1996 eine Studie, die unter dem Titel die Institution Zoo in sämtliche Einzelteile zerlegte. Zeitgleich mit dem Erscheinen des Austermühle-Buches gab es erste konzertierte Protestaktionen vor und in Zoos. Und selbst das bürgerliche Feuilleton befasste sich mit der Frage, ob Zoos in der heutigen Zeit überhaupt noch eine Legitimation hätten, und wenn ja, welche: in der beispielsweise erschien dazu Anfang 1996 ein erstaunlich fundiertes Dossier des Philosophen Richard David Precht, dem er im Jahr darauf unter dem Titel ein eigenes Buch folgte.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kritik und insofern drohender bzw. sich bereits abzeichnender Besucherrückgänge nahm die Nervosität in den deutschen Zoos nachgerade panische Züge an. Die für Zoos desaströse Entwicklung in Italien und England vor Augen suchte man mit hektisch in Angriff genommenen Um- und Neubaumaßnahmen die eklatantesten Missstände zu beseitigen bzw. zu übertünchen. Wie schon bei früheren Instandhaltungs- und/oder Umbaumaßnahmen spielten die Interessen der Tiere dabei nur eine nachrangige Rolle, das Augenmerk lag - und liegt bis heute - auf den , sprich: auf der Vermarktbarkeit des Produktes Zoo, die an diesen ausgerichtet sein muß.

Parallel zur Umgestaltung der Zoos - seit Mitte der 1990er wurden, größtenteils aus Steuermitteln, hunderte von Millionen verbaut - wurde eine kollektive Abwehrstrategie gegen Kritik von außen entwickelt. Unter Rückgriff auf einen von dem schweizerischen Zoodirektor Heini Hediger formulierten Aufgabenkatalog des modernen Zoos verständigte man sich darauf, Zoos hinfort als auf vier Säulen stehend zu präsentieren: 1. Bildung, 2. Forschung, 3. Artenschutz, 4. Erholung. Zur Verankerung der neukonstruierten Selbstlegitimation in den Köpfen der Menschen wurde eine gigantische Propagandaoffensive gestartet, die bis heute fortdauert und wesentlich dazu beigetragen hat, dass Zoos in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch als „normal“, „richtig“ und sogar „notwendig“ angesehen werden.

Gegen die propagandistische Dauerpräsenz der Zoos in den Medien vermochte die Tierrechtsbewegung bislang nur wenig auszurichten, zumal Zookritik bis vor wenigen Jahren nicht eben an vorderster Stelle ihrer Agenda stand. Abgesehen von einer seit 2002 privat betriebenen Website, die unter dem Signet „Zooschweinereien“ über Missstände in Zoos berichtete, gab es (zumindest im deutschsprachigen Raum) kaum zookritische Aktivitäten. Ein 2006 unter dem Titel erschienener Band der Tierrechtler Erich Goschler und Francesca Orso konnte insofern nur konstatieren, dass sich für die in Zoos gefangengehaltenen Tiere, bis auf wenige Ausnahmen, zum Besseren gewandt hatte.

Die Bestandsaufnahme des Goschler-/Orso-Buches, die die Notwendigkeit entschiedenen Einsatzes gegen die moralische Unrechtsinstitution Zoo erneut und in aller Drastik vor Augen führte, rückte das Thema „Zootierhaltung“ etwas mehr in den Vordergrund tierrechtlichen Bewusstseins und Engagements: zahlreiche Organisationen ( auch der Bundesverband ) setzten sich in der Folge verstärkt damit auseinander. Seit 2012 informiert eine website www.endzoo.de über das tägliche Unrecht, das nichtmenschlichen Tieren in der Zoo-Gefangenschaft widerfährt. Nicht zuletzt wurde auch das wiederbelebt, das mithin in der regelmäßig über Missstände in deutschen Zoos berichtet.

Dass trotz der nach wie vor hohen gesellschaftlichen Akzeptanz der Zoos auch hierzulande etwas bewegt werden kann, zeigt das Beispiel des Zoos Lübeck: über nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Tierrechtsorganisationen konnte soviel Druck auf die örtlichen Behörden aufgebaut werden, dass die Skandaleinrichtung im Jahr 2010 geschlossen wurde. Im gleichen Jahr wurde auch der völlig heruntergekommene Tierpark Kalletal geschlossen. Ebenfalls 2010 konnte ein im Straubinger Tiergarten seit Jahren isoliert einsitzender Schimpanse an einen besseren Platz verbracht werden. 2011 ging der...



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