E-Book, Deutsch, Band 41, 100 Seiten
Reihe: Der junge Norden
Grahl Ein Schwiegersohn zum Verlieben
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-237-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der junge Norden 41 - Arztroman
E-Book, Deutsch, Band 41, 100 Seiten
Reihe: Der junge Norden
ISBN: 978-3-98986-237-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carolin Grahl ist eine erfahrene Serienschriftstellerin, die schon in verschiedenen Romangenres tätig gewesen ist. Serien wie Der Sendlinger und Gut Waldeck tragen die unverwechselbare Handschrift der am Bodensee ansässigen Autorin. Mit der seit kurzem von uns veröffentlichten Originalserie Der junge Norden hat sie ihre schriftstellerische Meisterschaft einmal mehr unter Beweis gestellt. Der spanische Wurzeln tragende Alexander Norden, ein Neffe des berühmten Dr. Daniel Norden, wird in München Medizinstudent, von seinem Onkel aufmerksam beobachtet. Das aufregende Studentenleben des sehr und vielseitig begabten Alexander wird von Carolin Grahl auf einzigartige, spannende Weise geschildert.
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»So, das wäre geschafft, Frau Schwalbe.« Alex verstaute die Schmutzwäsche in dem mitgebrachten Sack. »Die Sachen gehen jetzt in die Wäscherei. Und Sie haben frische Handtücher und Waschlappen, die wunderbar duften. Ihrem Blumenstrauß habe ich auch frisches Wasser gegeben, damit Sie noch lange Freude an ihm haben.« Alex schaute sich prüfend im Krankenzimmer um. »Kann ich sonst noch irgendetwas für Sie tun, Frau Schwalbe?«
Kathrin Schwalbe nickte. »Ja, das können Sie, Alex. Chris, der Pfleger, der heute hier auf der Station Dienst hatte, hat nämlich leider vergessen, mir Nachmittagskaffee zu bringen. Wenn Sie also noch ein Tässchen Kaffee und vor allem ein Stück Kuchen für mich ergattern könnten, wäre das wunderbar. Sie wissen doch, wie gerne ich Süßes mag.«
»Chris hat Ihnen weder Kaffee noch Kuchen gebracht?« Alex schüttelte verständnislos den Kopf. »Das tut mir wirklich leid, Frau Schwalbe. Ich kenne Chris sehr gut, und normalerweise passieren ihm keine derartigen Versäumnisse. Er …«
»Halb so schlimm, Alex«, unterbrach Kathrin. »Auch ich weiß, wie gewissenhaft Chris sonst immer ist. Gerade deshalb will ich ihm wirklich keinen Vorwurf machen. Wir alle vergessen hin und wieder etwas. Schließlich ist niemand unfehlbar. Nur ist für mich ein Tag ohne Kaffee und Kuchen irgendwie eben gar kein richtiger Tag. Da fehlt einfach etwas. Fast hätte ich gesagt, da fehlt das Wichtigste.«
»Ich verstehe. Das Wichtigste darf natürlich auf keinen Fall fehlen – so etwas geht nun wirklich gar nicht.« Alex blinzelte der Patientin zu. »Ich werde sehen, was sich in der Krankenhausküche noch auftreiben lässt. Und falls dort schon sämtliche Kuchenstücke alle sind, hole ich Ihnen eben ein Stück Torte aus der Cafeteria der Behnisch-Klinik. Schwarzwälder Kirschtorte kann ich in diesem Fall sehr empfehlen. Schmeckt wirklich ausgezeichnet.«
»Schwarzwälder Kirschtorte.« Auf Kathrins Lippen trat ein beinahe verklärtes Lächeln, während sie die Augen schloss und sich ein riesiges Stück Torte mit appetitlichen Sahnehäubchen vorstellte. »Das würden Sie wirklich für mich tun, Alex? Sie würden mir aus der Cafeteria ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte holen?«
»Aber klar. Warum denn nicht?«
»Sie sind ein richtiger Schatz, Alex.« Kathrin streckte ihren Arm aus, um Alex‘ Hand zu tätscheln. »Wenn ich es mir recht überlege, können Sie sich den Weg in die Krankenhausküche eigentlich sparen. Ich bekomme die Schwarzwälder Kirschtorte jetzt nämlich ohnehin nicht mehr aus meinem Kopf und möchte nichts anderes.«
»Okay. Dann also Torte aus der Cafeteria. Und was für einen Kaffee möchten Sie? Normal? Espresso? Cappuccino?«
Kathrin Schwalbe schaute einen Moment lang ein wenig verwirrt drein, dann tippte sie sich an die Stirn. »Jetzt war meine Leitung aber ordentlich blockiert«, lachte sie. »Wenn Sie Nachmittagskaffee für mich aus der Cafeteria holen, habe ich ja die Wahl.«
»So ist es. Und wofür entscheiden Sie sich?«
»Für Cappuccino natürlich. Ich liebe Kaffee mit viel Milch und viel Zucker.«
»Also gut. Ein Cappuccino und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte.«
»Ja, genau. Tausend Dank, Alex. Meine Geldbörse befindet sich in der oberen Schublade des Nachtkästchens. Im hinteren Fach der Geldbörse ist ein Zwanzigeuroschein. Was übrig bleibt, ist für Sie, Alex. Als kleine Belohnung für Ihre Mühe. Und für Ihre Bereitschaft, mir eine Freude zu machen.«
»Aber Sie müssen mich doch nicht belohnen, Frau Schwalbe. Unseren Patienten die Zeit hier in der Behnisch-Klinik möglichst angenehm zu machen und gegebenenfalls auch zu versüßen, zähle ich durchaus zu meinen Aufgaben. Andernfalls würde mir mein Praktikum nur halb so viel Spaß machen.«
»Das glaube ich Ihnen gerne. Sie sind ein wunderbarer Mensch, Alex. Und Sie werden sicher einmal ein ganz besonders guter Arzt. Weil Sie nicht nur intelligent, sondern auch warmherzig sind. Und ein großartiger Ehemann werden Sie auch. Die Frau, die Sie einmal zum Mann bekommt, kann sich glücklich schätzen. Haben Sie denn schon eine Freundin?«
Alex nickte. »Klar. Sie heißt Sina. Sie ist Italienerin und wunderschön. Und sie studiert Medizin wie ich. Sie macht übrigens auch gerade ein Praktikum hier an der Behnisch-Klinik, ist aber hauptsächlich bei Frau Dr. Norden auf der Kinderstation eingesetzt.«
Über Kathrin Schwalbes Gesicht flog ein Hauch von Enttäuschung, fast sogar Unmut. »Ihr habt es samt und sonders furchtbar eilig mit der Partnersuche. Aber ihr seid noch viel zu jung. Und dann vergesst ihr, dass gut Ding Weile haben will. Und dass auch das Alleinsein gelernt und erfahren werden muss. Mit meiner Tochter Irmi ist es dasselbe. Aber nun ja …«
Alex griff nach Kathrins Geldbörse. »Ich möchte nicht unhöflich sein und Sie unterbrechen, Frau Schwalbe, aber wenn Sie Ihren Cappuccino und Ihre Torte noch vor dem Abendessen verspeisen möchten, muss ich mich jetzt so schnell wie möglich auf den Weg in die Cafeteria machen.«
»Ja, das ist wahr. Gehen Sie am besten gleich los«, stimmte Kathrin zu.
Mit einem leisen Seufzer sah sie Alex nach, wie er die Tür ihres Krankenzimmers hinter sich zuzog und verschwand.
Mühsam setzte sie sich in ihrem Bett auf und richtete ihre Blicke auf den Schrank, in dem die wenigen persönlichen Sachen lagen, die sie in die Behnisch-Klinik mitgenommen hatte. In einer der unteren Ablagen musste ihre Handtasche sein. Und in dieser Handtasche befanden sich ein Foto ihres Hauses und ihres Gartens und ein Foto ihrer Tochter Irmi.
Kathrin presste vor innerer Anspannung ihre Lippen aufeinander. Irgendwie musste sie, ehe Alex zurückkehrte, an diese Fotos kommen, koste es, was es wolle.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht schob Kathrin Schwalbe ihre Beine aus dem Bett und versuchte zu stehen, indem sie ihr ganzes Gewicht auf das gesunde rechte Bein verlagerte und sich gleichzeitig mit den Händen an ihrem Bett abstützte.
Schon nach wenigen Minuten keuchte sie, als hätte sie eine sportliche Höchstleistung vollbracht, und spürte, wie ihr am ganzen Körper der Schweiß ausbrach.
Erschöpft sank Kathrin auf ihr Bett zurück.
Als sie sich wieder einigermaßen erholt hatte, versuchte sie ein zweites Mal, auf die Beine zu kommen. Diesmal schaffte sie es, auf dem rechten Bein zu stehen, ohne sich vollends zu verausgaben. »Na, also. Geht doch«, murmelte sie. »Und jetzt das verdammte linke Bein. Wäre doch gelacht, wenn das nicht endlich funktionieren würde.«
Vorsichtig setzte Kathrin nun auch ihr linkes Bein auf den Boden und begann langsam, es zu belasten. »Aua«, entfuhr es ihr fast im selben Augenblick. »Aua. Das tut ja schrecklich weh. Wird das denn nie und nimmer besser?« Unwillkürlich verlagerte Kathrin ihr Gewicht wieder auf ihr rechtes Bein, doch auch beim nächsten Versuch, das linke Bein als vollwertige Stütze ihres Körpers einzusetzen, spürte sie von der operierten Hüfte abwärts einen unheimlich starken, kaum zu ertragenden Schmerz, der bis in den Unterschenkel und den Fuß ausstrahlte.
Zischend sog Kathrin die Luft ein.
Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Wenn das so weiterging, würde sie nie mehr auf die Beine kommen und als Schwerbehinderte im Rollstuhl oder gar in einem Pflegeheim enden!
Was sollte sie nur machen?
Als Kathrin wieder zu Atem gekommen war und noch einen letzten Versuch starten wollte, wurde an die Tür ihres Krankenzimmers geklopft.
»Herein«, keuchte Kathrin.
Erwartungsvoll schaute sie auf die sich öffnende Tür. Gleich würde Alex mit einer Tasse dampfenden Cappuccinos und einem hoffentlich riesigen Tortenstück …
»Guten Tag, Frau Schwalbe! Wie geht es Ihnen heute?«
Kathrin Schwalbe fiel aus allen Wolken, als statt Alex Dr. Norden und Dr. Brückner ihr Krankenzimmer betraten. »Danke. Danke, es … es geht schon«, stammelte sie.
Dr. Norden und Dr. Brückner tauschten vielsagende Blicke, worauf schließlich Dr. Norden das Wort ergriff. »Wie mein Kollege, Herr Dr. Brückner, Ihnen vor ein paar Tagen schon angekündigt hat, werden Sie morgen oder übermorgen Besuch von Frau Bader bekommen. Sie ist in der Physiotherapie tätig und wird die Beweglichkeit Ihres neu eingesetzten Hüftgelenks prüfen und geeignete Übungen mit Ihnen machen, damit Sie baldmöglichst wieder Ihre volle Beweglichkeit erlangen. Immerhin stehen Sie mit Ihren erst zweiundfünfzig Jahren noch mitten im Leben, wollen verreisen, tanzen, Sport treiben …«
»Reisen, Tanzen und Sport sind mir nicht wichtig«, fiel Kathrin Schwalbe Dr. Norden ins Wort. »Hauptsache ist, dass ich so bald wie möglich wieder in meinem Garten werkeln und meine Blumen pflegen kann.« Sie wies auf den üppigen Strauß in der Blumenvase. »Die stammen samt und sonders aus meinem Garten«, erklärte sie voller Stolz. »Meine Tochter Irmi hat sie mir bei ihrem letzten Besuch mitgebracht.«
»Wenn Sie die Übungen, die Ihnen Frau Bader zeigt, regelmäßig und gewissenhaft durchführen, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Sie im Herbst schon wieder eigenhändig Ihre Dahlienzwiebeln ausgraben und Ihre Hortensien schneiden werden«, ging Dr. Norden sofort auf Kathrins Interessen ein.
»Das wäre schön«, antwortete sie. Einen Moment lang lächelte sie verträumt, doch ihr Lächeln verschwand so rasch wieder, wie es gekommen war. »Trotzdem will mir nicht einleuchten, wie mir irgendwelche Turnübungen helfen könnten, wieder fit für die Gartenarbeit zu werden«, hielt sie dagegen. »Und außerdem vergeht bis zum Herbst noch eine Menge Zeit. Bis dahin bin ich auch ohne Turnübungen wieder fit.«
Erneut wechselten Dr. Norden und Dr. Brückner Blicke stummen...




