E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Gratzon Dein Körper denkt schneller als du
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-89901-874-5
Verlag: J. Kamphausen
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Leistungstark im Einklang mit dir selbst
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-89901-874-5
Verlag: J. Kamphausen
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Ausdauer, Schnelligkeit, Belastbarkeit, Koordinationsfähigkeit - darauf kommt es an, wenn Sie in Sport, Beruf und Alltag leistungsfähig sein wollen. Doch ein wirklich erfolgreicher Mensch, egal ob Sport-Profi oder -Muffel, muss mehr können: bewusst Körper und Geist beruhigen und jedes Ziel, jede Erwartung loslassen! Wer das Zusammenspiel von Geist und Körper optimiert und sich für den Flow bereit macht, der wird Höchstleistungen und zugleich ein beglückendes Wohlgefühl erfahren. Fred Gratzon zeigt in seiner immer wieder überraschenden Geschichte, wie das Bewusstsein das Ergebnis erschafft. Erst ein ruhiger Geist bringt den Zündfunken hervor, der unsere Fähigkeiten geradezu explodieren lässt. Seine Hinweise und Empfehlungen funktionieren gleichermaßen in Sport, Beruf und Alltag.
Fred Gratzon ließ sich nach seinem Kunststudium als TM-Lehrer ausbilden. Als Unternehmer startete er 1979 eine Eiscreme.Produktionsfirma, ohne Erfahrung und ohne Kenntnisse, die aber trotzdem nach einigen Jahren äußerst erfolgreich war und sogar im Weißen Haus geschätzt wurde.Einige Jahre später baute er ein weiteres äußerst erfolgreiches Unternehmen auf, eine Telekommunikationsfirma. Seit 1998 ist er in der Hauptsache tätig als Golfer, Tennisspieler, Sportfan, der gerne spielt, beobachtet, redet und schreibt.
Weitere Infos & Material
Drei
Aha-Erlebnis beim
Mittagessen
Wir machten es uns auf unseren Stühlen bequem und genossen unser Mittagessen. Nach ein paar Bissen sagte der Alte Coach zu mir: „Erzählen Sie mir von sich als Sportler.“ „Nun ja, ich bin ein Freizeitsportler – Golf, Tennis, Softball, solche Sachen eben. Ich spielte im Tennisteam meiner Highschool und kurz darauf fing ich mit Golf an.“ „Haben Sie ein Handicap?“ „Ja, 18“, gab ich zu. „Aber ich bin noch nie unter 80 gekommen. Sollte ich es jemals in die 70er schaffen, rufe ich einen Nationalfeiertag aus und feiere ihn jedes Jahr.“ „Wie würden Sie sich als Tennisspieler einordnen?“, fragte er. „Naja, sagen wir mal, ich habe mehr Enthusiasmus als Talent. Ich bin bestenfalls ein fortgeschrittener Anfänger.“ „Und wie schlagen Sie sich im Wettkampf?“ Da hatte der Alte Coach einen wunden Punkt getroffen. „Fürchterlich“, antwortete ich aufrichtig und verzog schmerzlich mein Gesicht. „In Wettkämpfen finde ich mich einfach fürchterlich. Egal, ob ich Golf oder Tennis oder auch nur Tischtennis spiele, irgendwie scheine ich nie zeigen zu können, was ich eigentlich draufhabe. Das hat mich früher so frustriert, dass ich am Ende immer die Nerven verloren habe. Ich habe Tennisschläger zerhauen, Golfschläger durch die Gegend geworfen und so geflucht, dass es das reinste Wunder ist, dass mich nicht der Blitz getroffen hat! Irgendwann habe ich meine Wut unter Kontrolle bringen können, aber das, was mich am meisten deprimiert, ist nach wie vor dasselbe: Ich werde oft von Spielern geschlagen, die ganz eindeutig schlechter sind als ich.“ Der Alte Coach musterte mich intensiv. „Was glauben Sie, woran das liegt?“, fragte er. „Ich weiß nicht. Ich dachte immer, mein Problem läge darin, dass ich meinen Fähigkeiten nicht genug vertraue. Doch egal, wie viele tausend Golf- und Tennisstunden ich nehme, egal wie viel ich übe, ich verbessere mich einfach nicht besonders. Selbst wenn ich mich richtig in ein Spiel vertiefe, passiert es mir immer wieder, dass ich auf genau diese steife, schwächliche, defensive Weise spiele, die mich immer so ärgert. Ich weiß, ich müsste lockerer werden und einfach Spaß haben – aber wenn ich versuche, freier zu spielen, spiele ich am Ende nur schlampig und mache noch mehr Fehler.“ Der Alte Coach unterbrach seinen konzentrierten Blick. „Wie die meisten Sportler haben Sie Ihre Aufmerksamkeit vor allem auf Ihre Bewegungen konzentriert, um eine Muskelerinnerung zu entwickeln. Sie zielen in Ihrem Training darauf ab, Ihren Körper zu fordern, um einen perfekten Schlag oder einen perfekten Wurf oder eine perfekte Routine zu entwickeln. Das alles in der Hoffnung, diese Bewegungen auch in der Hitze des Gefechts abrufen zu können.“ Das stimmt. Und ich habe diese Bewegungen wie ein Wahnsinniger trainiert. „Aber wie Sie festgestellt haben, neigen Sie dazu, diese Bewegungen, die Sie sich eingeprägt haben, im Wettkampf zu vergessen.“ Mann, da haben Sie recht. „Ein Turner oder Eiskunstläufer stolpert beim Wettkampf bei einfachen Routinen, die er oder sie beim Üben immer perfekt auszuführen imstande ist. Oder ein Basketballspieler, der beim Training selbst mit verbundenen Augen einen Korb wirft, vermasselt einen Wurf, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht.“ Ich schauderte bei der Erinnerung daran, wie oft ich peinlicherweise einen Sieg vermasselt hatte. „Bewegungsabläufe zu trainieren, genügt einfach nicht als Vorbereitung auf einen Wettkampf. Offensichtlich fehlt da noch etwas. Leider wissen nur die wenigsten, worin dieses Etwas besteht. Wie sich herausstellt, liegt die Antwort, nach der Sie suchen – nämlich die Antwort, nach der jeder Sportler sucht –, zwischen den Bewegungen“, sagte er ruhig. Entweder ist der Kerl ein Genie, der etwas weiß, was der Rest der Welt noch nicht weiß, oder er ist schlichtweg verrückt. In jedem Fall muss ich hören, was er zu sagen hat. „Jede Bewegung beginnt mit Bewegungslosigkeit“, fuhr er fort. „Die Art, wie Sie mit dieser Phase der Bewegungslosigkeit umgehen – oder mit anderen Worten, die Art, wie Sie warten –, bestimmt darüber, wie gut die folgende Bewegung werden wird. Auch dann, wenn die Bewegungslosigkeit nur für den Bruchteil einer Sekunde währt.“ Er hielt kurz inne, dann kicherte er und sagte: „Das Geheimnis für ein herausragendes Spiel liegt darin, zu wissen, wie man wartet.“ „Es ist schwer zu glauben, dass Sie all meine Probleme lösen können, indem Sie mir einfach nur zeigen, wie man besser wartet.“ „Aber das ist alles, was Sie brauchen“, bekräftigte der Alte Coach. „Durch Ihr Training haben Sie die perfekten Bewegungsabläufe längst gelernt. Ihr Körper weiß, was er zu tun hat. Jetzt müssen Sie nur noch lernen, wie Sie das, was Sie bereits haben, jederzeit abrufen können.“ „Und das bewerkstellige ich einfach, indem ich lerne, wie man wartet?“, fragte ich. „Ich habe dem jungen Tennisprofi beigebracht, wie er genau so warten muss, dass der perfekte Schlag sich ganz von selbst einstellt, ohne dass er darauf abzielt oder auch nur über Bewegungsabläufe nachdenken muss. Sobald er gelernt hatte, wie man richtig wartet, flossen seine athletischen Fähigkeiten ganz automatisch in seine Rückhand – und Sie haben ja gesehen, was dann geschah.“ Das ist ganz und gar nicht logisch. Aber ich hatte ja diese Verwandlung mit eigenen Augen gesehen und sie war einfach verblüffend gewesen. „Wer hat Ihnen das beigebracht?“, fragte ich. „Niemand“, sagte der Alte Coach. „Also haben Sie es entdeckt?“ „Ich bin mir sicher, dass ich nicht der Erste war. Das müssen auch schon andere entdeckt haben.“ „Na, ich kenne jedenfalls niemanden.“ Der Alte Coach zuckte bescheiden die Schultern. „Dann könnten Sie vielleicht etwas erklären, das bisher niemand zufriedenstellend beantworten konnte“, sagte ich. Der Alte Coach nickte zustimmend. „Manchmal fügen sich die Dinge scheinbar ohne ersichtlichen Grund einfach so zusammen – wenn ich zum Beispiel beim Golf einen perfekten Schlag ausführe oder beim Tennis einen brillanten Ball spiele oder mir ein Wurf wie aus dem Lehrbuch gelingt. Es passiert in allen möglichen Situationen. Und diese Erfahrungen sind wie ein Lebenselixier für mich. Leider sind es nur kurze Momente. Es passiert wie aus heiterem Himmel und dann verschwindet es so schnell, wie es gekommen ist. Es ist so herrlich, dass ich den restlichen Tag damit zubringe, dieses Ereignis wiederholen zu wollen, aber es gelingt mir nie. Jetzt, da ich gehört habe, was Sie zu sagen haben, frage ich mich, ob diese magischen Momente vielleicht genau deshalb passiert sind, weil ich, ohne es zu wissen, auf die richtige Weise gewartet habe.“ „Ganz genauso ist es“, sagte der Alte Coach. „Mann, ich würde auf Knien von Wimbledon nach St. Andrews rutschen, wenn ich nur lernen könnte, immer so zu spielen.“ „Es ist nur eine kleine Anpassung nötig, wie Sie warten. Das ist alles.“ Meine Augen wurden ganz groß. „Nun ja, ich kann es Ihnen jetzt gleich zeigen, wenn Sie Lust auf eine Runde Tennis haben“, bot sich der Alte Coach an. „Wirklich? Jetzt gleich?“, stammelte ich. „Klar, es dauert nicht lang. Aber um die Sache zu beschleunigen und Sie nicht unnötig an der Fortsetzung Ihrer Reise zu hindern, möchte ich vorschlagen, dass wir das Knierutschen überspringen. Wimbledon und St. Andrews sind doch ein bisschen weit entfernt.“ Dann lachte der Alte Coach. Das muss ich einfach ausprobieren. Das könnte die Chance meines Lebens sein. Im Geiste fing ich an, meine Reisepläne umzustrukturieren. „Haben Sie einen Tennisschläger?“, fragte er. „Liegt im Auto.“ „Prima, machen wir uns auf den Weg.“ Ich schlang die letzten Reste meines Desserts hinunter. Ach, den Grand Canyon kann ich mir auch ein anderes Mal noch ansehen...




