E-Book, Deutsch, 168 Seiten
Grimsley Dreamboy
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86034-513-9
Verlag: Edition diá Bln
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 168 Seiten
ISBN: 978-3-86034-513-9
Verlag: Edition diá Bln
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jim Grimsley, geb. 1955 in Pollocksville, North Carolina, schreibt Prosa und Theater. Seit den 80er-Jahren entstanden zahlreiche Theaterstücke (veröffentlicht im Sammelband 'Mr. Universe and Other Plays', Algonquin Books 1998), seit den 90er-Jahren schrieb er, nach seinem aufsehenerregenden Debüt 'Wintervögel', sechs Romane, zuletzt 'Forgiveness' (University of Texas Press 2007) und den Erzählband 'Jesus Is Sending You This Message' (Alyson Books, 2008), außerdem drei Fantasyromane (2000-2006). Werke von Grimsley wurden ins Deutsche, Französische, Spanische, Portugiesische, Niederländische, Hebräische und Japanische übersetzt. Zu den zahlreichen Literatur- und Theaterpreisen, die er in den USA und Europa erhielt, gehören vor allem der Lila Wallace/Reader's Digest Writers Award für sein Gesamtwerk (1997) und der Academy Award in Literature von der American Academy of Arts and Letters (2005). Jim Grimsley lebt seit Langem in Atlanta, Georgia, und unterrichtet Creative Writing an der dortigen Emory University.
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Am Morgen erwacht Nathan misstrauisch, zieht sich mit bewusster Sorgfalt an und isst sein Frühstück langsam, fast als hoffte er, Roy würde ohne ihn losfahren. Er hat Angst, dass sich heute der falsche Roy zeigt, Angst vor dem stillen, kalten Roy. Doch als er zum Bus geht, wartet Roy ruhig. Er wünscht guten Morgen, bevor Nathan die Tür erreicht, spricht mit einer Offenheit, die Nathans Wachsamkeit erhöht. Nathan steigt ein, hält die unsichtbare Mauer aufrecht, möchte so gern durch sie hindurch nach Roy greifen, doch er nimmt mit wohlüberlegter Miene seinen Platz ein. Durchs Fenster mustert er den taufeuchten Hof, den Rand des Kennicutt-Waldes.
Als Roy die Tür schließt und mit der Gangschaltung hantiert, dreht er sich halb auf seinem Sitz um. "Gestern Abend hätte ich dich fast besucht."
"Hättest du es doch gemacht." Beinahe unhörbar.
"Ich und meine Eltern, wir mussten zu einer geschäftlichen Versammlung in der Kirche."
"Ihr geht eine Menge in die Kirche, nicht?"
"Meine Eltern sind sehr gläubig." Er hat den Bus auf die Straße gesteuert, erreicht nun das Waldstück. Sobald die Häuser verschwunden sind, hält er den Bus an. "Komm her."
Ihn zu umarmen, von ihm umarmt zu werden, reicht Nathan vollauf. Roy sagt: "Heute sitzt du beim Mittagessen bei mir, wenn du weißt, was gut für dich ist."
"Mach ich." In die Mulde von Schulter und Hals. Herauszögernd. Roy zieht ihn mit einem Seufzer an sich.
"Wir müssen wohl."




