Grothus | Hülsdorn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Grothus Hülsdorn

Eine Heldenreise
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-5499-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Heldenreise

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-6957-5499-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als vier junge Damen und Herren der feinen Gesellschaft einen Jahrmarkt besuchen, ahnen sie nicht, dass eine unscheinbare Weinflasche ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Das vergilbte Etikett birgt einen verzweifelten Hilferuf: Jemand ist auf einem abgelegenen Gutshof gefangen und bittet inständig darum, die Flasche zu öffnen und einer geheimnisvollen Phaia zu folgen. Kaum entkorkt, entweicht eine mächtige Wildsau, die zielstrebig in die Ferne prescht. Sie jagt ihrem einstigen Herrn hinterher, einem finsteren Ghul, dessen Schatten längst über das Land gefallen ist. Aus einer Laune heraus beschließen die vier wohlerzogenen Müßiggänger, der Bache zu folgen. Doch aus dem harmlosen Zeitvertreib wird rasch eine gefährliche Reise. Auf verschlungenen Wegen geraten sie in eine Welt voller verborgener Magie, alter Fehden und dunkler Geheimnisse. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt, und die Begegnungen, die ihnen bevorstehen, sind ebenso brisant wie berührend. Schließlich mündet die wilde Jagd im Kampf um das verwunschene Rittergut Hülsdorn am Zickelberg und in der Erkenntnis, dass Mut nur dort wächst, wo das Herz überzeugt ist. Ein märchenhaftes Low-Fantasy-Abenteuer voller Witz, Wärme und Wunder für Erwachsene und junge Leser*innen ab 12 Jahren.

Grothus Hülsdorn jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Es war später Nachmittag, als eine Gruppe Reiter am Fuß des Zickelberges um eine Kehre bog. Die Hufe der großen Pferde stampften dumpf auf den weichen Waldboden und aus ihren Nüstern stieg Dampf in die kalte Luft auf.

Die drei Herren hoch zu Ross trugen lange, schlammbespritzte Mäntel über ihren fleckigen und abgewetzten Rüstungen. Haare und Bärte standen borstig und voller kleiner Blätter in alle Richtungen. Der Trupp wirkte abgerissen und hungrig.

Jedoch waren die Hände, welche die Zügel hielten, gesund und kräftig und helle Augen blitzten unter dem langen, feuchten Haar hervor.

Die Ritter bewegten sich auf ihren Pferden, als wären sie mit ihnen verwachsen. Seit Messina waren sie mehr geritten, als sie Zeit auf ihren eigenen Füßen verbracht hatten. Und diese Tiere waren zu Freunden geworden, denn sie hatten die Männer schon in fernen Ländern auf ihren Rücken getragen. Zusammen hatten sie das Meer auf großen Seglern überquert und so manche Schlacht im heißen Wüstensand überstanden.

Kein Zweifel: Hier waren heimgekehrte Kreuzritter unterwegs und ihre lauten, gut gelaunten Stimmen schallten schon von weitem, wenn sie sich etwas zuriefen oder kurze Lieder anstimmten, um sich aufzuwärmen.

Die Ritter wurden von einem seltsamen Gefährten begleitet. Ein junger Mann auf einem kräftigen Pony, fast noch ein Knabe, so schien es. Er trug keine Rüstung, aber fremdländische Gewänder in leuchtenden Farben und auf dem Kopf einen Turban. Seinen Gürtel schmückte ein gebogener Dolch mit reich verziertem Griff, auf dem farbige Edelsteine schimmerten.

„Euer Land ist kalt und nass!“, beschwerte sich der kleine Reiter.

„Und das Eure ist heiß und trocken, was nicht besser ist“, entgegnete einer der Ritter. Ganz zweifellos war diese Unterhaltung nur die Fortsetzung eines gewohnten, freundschaftlichen Geplänkels.

„Wartet, bis Ihr unser Land im Frühling kennt“, rief ein anderer Ritter, „so viel Grün habt Ihr noch nie gesehen und so eine Luft noch nie geatmet!“

Der kleine Reiter schnaufte missbilligend, als sein Pony in eine so tiefe Pfütze trat, dass der Schlamm bis hinauf in sein Gesicht spritzte. „Ihr könnt mir viel erzählen. Euer Frühling ist so weit weg wie meine Heimat.“

„Ihr wolltet doch unbedingt fort aus Eurer Heimat“, neckte der erste Ritter.

„Ja, aber nur, weil ich ein Dschinn bin und, wie Ihr längst wisst, die Dschinns in unseren schönen Ländern gemieden und gefürchtet werden. Selbst eine Rotte solch abgerissener Kerle wie Ihr es seid, erscheint mir besser als gar keine Gesellschaft.“

„Es ist uns eine Ehre, Scotty!“, spöttelte der jüngste der Gemeinschaft.

Natürlich heißt kein Dschinn „Scotty“, aber seinen wirklichen Namen brachten die Ritter nicht über die Zunge. Sie hatten ihn Scotty genannt, als sie ihm zum ersten Mal begegnet waren, und geglaubt hatten, er gehöre zu einer Gruppe Ritter von den Inseln im Norden.

Tatsächlich hatte der kleine Dschinn lange überlegt, ob er seine neuen jungen Freunde so weit bis ins Abendland begleiten sollte. Aber er war in seinen besten Jahrhunderten, bei vollen Kräften und ihm stand der Sinn nach Abenteuern.

Nun, am Ende einer viele Monate währenden Reise, wünschte er sich, genauso wie die Ritter, eine dauerhafte Bleibe. Besonders jetzt, denn der Winter war nah.

Inzwischen stieg der kleine Reitertrupp einen Hügel hinan und stieß auf ein Dorf, welches sich an den sanften Hang schmiegte und bereits die Lichter hinter heimeligen Fenstern angezündet hatte. Hoch oben über den Häusern thronte eine gemauerte Burg. Sie war das Ziel der Ritter und bald klapperten die Hufe ihrer Pferde hell auf dem Pflaster des Burghofs.

Der Herr der Burg vom Zickelberg war natürlich entzückt, ruhmreiche Kreuzritter zu Gast zu haben, und es gab endlich einmal wieder ein üppiges Gelage für die ausgehungerten Recken. Sie tranken roten Wein und aßen herrlichen Braten mit frischem Gemüse aus der Herbsternte.

Den Menschen auf dem Zickelberg ging es gut. Sie waren fleißige Leute und hatten sich einen hervorragenden Ruf als Weber und Tuchhändler erarbeitet. Den Rittern gefiel, was der Burgherr von diesem Ort zu berichten wusste, und sie fragten ihn, ob er nicht vielleicht ein kleines Gut oder einen Hof für sie freistehen hätte. Denn sie waren des Reisens und Reitens müde und Mensch und Tier sehnten sich nach gemauerten Wänden und einem Zuhause. Und in den Beuteln der jungen Krieger befand sich eine beachtliche Menge an Münzen aus Gold und Silber, was wiederum dem Burgherrn gefiel.

So wurde man sich einig und schon am nächsten Tag übergab der Burgherr den Rittern ein verlassenes Gut am südöstlichen Fuß des Zickelberges. Es war malerisch an einem hübschen Teich gelegen, über den eine schön geschwungene Brücke führte. Fruchtbare Felder und ordentliche Stallungen warteten nur darauf, zu neuem Leben erweckt zu werden. Es war perfekt. Zwar vermisste der kleine Dschinn schmerzlich die filigran geschnitzten, Schatten spendenden Fensterläden seiner Heimat, aber die Vorstellung, hier mit seinen fröhlichen Freunden zu wohnen, gefiel ihm außerordentlich gut.

Sie nannten ihr neues Zuhause, aufgrund der dort üppig wachsenden, jetzt mit roten Beeren geschmückten Stechpalmen, „Hülsdorn“ und richteten sich ein. Die Ritter nahmen sich eigene Gemächer, und Scotty streifte beglückt durch die Zimmerfluchten und bewunderte die vielen, kunstvoll verzierten Kamine des weitläufigen Gebäudes.

Man muss vielleicht dazu sagen, dass Dschinns nicht in Betten zu schlafen pflegen. Wenn sie ruhen möchten, verwandeln sie sich in eine Art Rauch und bevorzugen dann kleinere Höhlungen und Gefäße, in denen sie nicht versehentlich weggeweht werden können, wo aber auch keine Möglichkeit besteht, unbemerkt eingeschlossen zu werden. Von daher war dieses Haus für Scotty wie geschaffen. Er pflegte in stilvollen Amphoren und hohen Schalen zu nächtigen, die er auf den Kaminsimsen aufstellte. Denn er liebte die Wärme, die das Einzige war, was er in diesem Land wirklich vermisste.

In Ermangelung eines Rittersaales wurden im Untergeschoss drei besonders schöne, lichtdurchflutete Räume für die gemeinschaftliche Nutzung ausgewählt. Ach ja – was soll man sonst Gelage nennen, wenn nicht das, was fortan in diesen herrschaftlichen Zimmern gefeiert wurde? Der Krieg war vorbei, es gab keine Sorgen und keine Schlachten mehr. Die Ritter ließen es sich wohlverdient gutgehen. Hülsdorn hieß zahlreiche Gäste willkommen, beherbergte Handelsreisende und hörte viele fröhliche Lieder. So kalt der Winter auch wurde, immer brannten prasselnde Feuer in den Kaminen und die Fenster waren hell erleuchtet. Aus der Küche duftete es allemal nach herrlichen Speisen und nicht selten hörte man, bis weit in die Nacht, Gesang und schallendes Lachen. Hülsdorn am Fuß des Zickelberges war ein glücklicher Ort.

Aber ich würde diese Geschichte nicht erzählen, wenn die guten Zeiten nicht irgendwann ein Ende gefunden hätten.

Alles war schön und wunderbar, bis eines Tages merkwürdige Gäste nach Hülsdorn kamen.

Scotty spazierte gerade im Park unter den grünen Kronen der hohen, alten Buchen. Seine Freunde hatten recht behalten: der Frühling hierzulande war ein fortwährendes Versprechen von Licht und Glück.

Hufschläge und das Rumpeln von Kutschrädern weckten ihn aus seinen Gedanken. Ein ganzer Wagenzug näherte sich vom Fuß des Hügels aus.

Voran ritt in gerader Haltung ein Mann auf einem großen, nervösen Pferd. Schon die Art, wie er die Zügel handhabte, gefiel dem kleinen Dschinn ganz und gar nicht. Noch weniger gefiel ihm das Untier, das den Fremden begleitete: eine riesige Bache, die ihm folgte, wie ein Hund.

Hinter dem Anführer kam ein großes Gefolge daher. Es schienen Händler zu sein, wie sie häufig am Zickelberg vorbeikamen. Sie kauften Garne und Leinen und brachten allerlei nützliche (und weniger nützliche) Waren für die Dorfbewohner und den Burgherrn. Nicht selten begrüßten die ehemaligen Ritter solche Händlerzüge auf Hülsdorn. Der Hof war groß, die Kammern gefüllt, man machte gute Geschäfte und hörte gerne Neuigkeiten.

Der Tross hielt jetzt auf die geschwungene Brücke zu, die über den Teich zum Hof führte. Scotty verbarg sich unauffällig zwischen einigen Sträuchern und beobachtete die Fremden.

Der Anführer machte von Nahem keinen vertrauenerweckenderen Eindruck als aus der Ferne. Sein scharf geschnittenes Gesicht war blass und er trug einen pechschwarzen, akkurat ausrasierten Bart. Seine schwarze Kleidung mutete fremdländisch an. Fremdländisch für hiesige Verhältnisse, jedoch nicht für Scotty. Dieser Herr kam aus seiner Heimat. Das hätte den kleinen Dschinn freuen können, aber stattdessen breitete sich ein zutiefst ungutes Gefühl wie eine dunkle Wolke in ihm aus. Irgendetwas stimmte mit dem...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.