Halberg / Simon | Silvia-Duett - Folge 10 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Halberg / Simon Silvia-Duett - Folge 10

Mit dir der Sonne entgegen/Da kam Jenny in sein Leben
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1082-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Mit dir der Sonne entgegen/Da kam Jenny in sein Leben

E-Book, Deutsch, Band 10, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-1082-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mit dir der Sonne entgegen.

Ausgerechnet an Karneval lernt Sandra den jungen Baron aus Norddeutschland kennen. Inzwischen versteht sie, warum Alex von Randeck so ernst wirkt, denn sie weiß jetzt, dass er um seine Frau trauert, die bei einem Unfall ums Leben kam. Und Alex weiß seinerseits, dass Sandra von dem Mann, den sie geliebt hat, vor Kurzem den Laufpass bekommen hat.

Als Alex nach Karneval wieder abreist, glaubt Sandra, dass sie ihn nie wiedersehen wird, doch eines Tages steht er vor ihrer Tür, und den beiden jungen Menschen ist klar, dass sie ohne den anderen nicht mehr sein wollen. Aber was ist stärker, ihre Gefühle füreinander oder die Angst, erneut benutzt, belogen und verletzt zu werden? Ihr Schicksal hängt von dieser Frage ab -

Da kam Jenny in sein Leben.

Traum oder Albtraum? Tom vom Jägersberg weiß nicht, wie er seine Heimkehr sehen soll. Hinzu kommt noch der plötzliche Tod seines Onkels und dessen überraschendes Testament. Ausgerechnet ihn, Tom, hat er zu seinem Erben gemacht! Aber was soll er mit dem Haus überhaupt anfangen? Es hat ihn nie nach Sesshaftigkeit verlangt, und ernstere Gefühle hat er in seinem Leben auch nicht zugelassen, zum Beispiel die Liebe ...

Mit düsterer Miene steht Tom vor dem geerbten Haus, und ein Gefühl der Einsamkeit überkommt ihn plötzlich. Ärgerlich zieht er die Schlüssel hervor und geht auf die Haustür zu.

'Hallo, Sie!', reißt ihn eine helle Frauenstimme aus seinem Grübeln. 'Wer sind Sie? Und was tun Sie da?'

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Der Winter kam spät in diesem Jahr, erst Ende Januar, dann allerdings mit ganzer Kraft. Es wehte ein leichter, aber steter Ostwind, der die Menschen in die Wangen biss und ihnen Tränen in die Augen trieb.

Ganze Rudel Damwild konnte man bald auf den mit Schnee bedeckten Feldern sehen, und auf den Höfen und Gütern fing man bald mit Wildfütterungen an, um das Überleben der Tiere zu sichern.

Besonders schlimm wurde es, als in der zweiten Februarwoche auch noch ein Sturm aufkam. Da musste so mancher Weg und so manche Zufahrt zu den Bauernhöfen freigeschaufelt werden, und die Reetdächer der niedrigen Katen, die früher von den Tagelöhnern, die auf den Gutshöfen gearbeitet hatten, bewohnt worden waren, schienen unter der Schneelast zu stöhnen.

In der Woche danach geschah es, dass der alte Jakob vom Jägersberg starb. Das kam nicht gänzlich unerwartet, denn Jakob hatte schon längere Zeit mit einer Lungenentzündung im Bett gelegen, die einfach nicht besser werden wollte.

Am ersten Weihnachtstag hatte Jakob sich noch einmal aufgerafft, um in den Festgottesdienst zu gehen, und als er wieder in sein Haus zurückgekehrt war, legte er sich sofort wieder hin und stand nicht mehr auf. Er weigerte sich hartnäckig, sich ins nahe Kreiskrankenhaus bringen zu lassen, und selbst sein Neffe Paul, der Besitzer des Gutes vom Jägersberg, das kaum zwei Kilometer entfernt lag, vermochte Jakob nicht umzustimmen.

Es verging kein Tag, an dem der Neffe nicht an das Krankenbett des alten Onkels eilte, dem bedauernswerten Patienten die fiebrige Hand hielt und nicht aufhörte, mit ihm zu reden und gleichzeitig zu hoffen, dass doch noch alles gut werden würde. Doch diese Hoffnung schwand mit jedem Tag, den Jakob vom Jägersberg länger im Bett lag, ein bisschen mehr.

Einmal jedoch, zwei oder drei Tage bevor Jakob die Augen für immer schließen sollte, war der alte Mann mit einem Mal ganz wach und sah seinen Neffen mit klarem Blick an.

»Wo ist Tom?«, fragte er mit jener markanten, tiefen Stimme, die vor seiner schweren Krankheit so typisch für ihn gewesen war, und einen Augenblick lang gab Paul sich der Illusion hin, dass die Krise möglicherweise überwunden war und der Onkel sich auf dem Wege der Besserung befand.

»Ich weiß es nicht«, antwortete Paul nach einem kurzen Nachdenken darüber, ob er dem Onkel die Wahrheit wohl zumuten konnte.

Es war tatsächlich so, dass Paul nicht wusste, wo sein jüngerer Bruder war, und Jakob hörte es mit einem kleinen Nicken, was wohl bedeuten sollte, dass er verstand. Es wäre sehr ungewöhnlich gewesen, wenn Paul präzise Auskunft über das Leben und Treiben seines Bruders hätte machen können.

Paul und Tom waren zwar nicht direkt zerstritten, aber sie standen sich auch nicht besonders nahe. Das war kein Geheimnis, und der alte Onkel hatte das auch immer gewusst.

Paul umschrieb die Beziehung zu seinem Bruder gerne mit den Worten, dass sie nicht viel füreinander übrig hätten. Insgeheim war er jedoch davon überzeugt, dass Tom ihn nicht mochte, und das hatte ihn immer empört.

Manchmal erinnerte er sich beinahe wehmütig daran, was für ein zurückhaltendes Kind Tom gewesen war, scheu, wortkarg und ohne jemals irgendjemandem Kummer zu bereiten.

Aber nachdem Tom herangewachsen war, hatte er sich verändert, und überhaupt war seit einigen Jahren nichts mehr so wie einst …

Nun war Jakob vom Jägersberg tot und hatte keine Gelegenheit mehr gehabt, sich von seinem jüngeren Neffen zu verabschieden. Ob er das geahnt hatte, blieb sein Geheimnis, das er mit ins Grab genommen hatte. Denn er war gleich, nachdem er Paul diese letzte Frage gestellt hatte, in einen tiefen Schlaf gefallen, aus dem er nicht mehr erwacht war.

***

Als Paul vom Jägersberg die Nachricht erhielt, dass sein alter Onkel in der vergangenen Nacht sanft entschlafen sei, überlegte er kurz, ob er versuchen sollte, seinen Bruder in Asien zu kontaktieren. Dann schob er diesen Gedanken aber gleich wieder beiseite. Er hatte keine Adresse und keine Telefonnummer, wo er Tom hätte erreichen können.

Eine telefonische Verbindung hätte bestimmt auch nicht geklappt, denn über Südasien, wo Tom für seine Zeitung berichtete, war in den letzten zwei Wochen eine Katastrophe hereingebrochen, die stumm machte, und die für die Betroffenen in der Region einem Weltuntergang gleichkam.

Paul ging einige Male auf und ab, die Stirn in nachdenkliche Falten gelegt, und gestand sich wieder einmal ein, dass er Tom nicht leiden konnte. Schon allein deshalb würde er nicht versuchen, ihn im Krisengebiet am anderen Ende der Welt zu kontaktieren.

»Ich habe keine Ahnung, wo er steckt«, sagte er später zu seiner Verlobten Tina, die auf dem Jägersberg mit einer Selbstverständlichkeit ein und aus ging, als wäre sie schon längst die Gutsherrin hier.

Paul lief immer noch unruhig im Zimmer umher, während Tina aß und trank, denn die Nachricht vom Tod des alten Onkels hatte bei Weitem nicht ausgereicht, um ihr den Appetit zu verderben.

Sie sei eben nicht der empfindsame Typ, pflegte sie hin und wieder mit einem etwas schiefen Lächeln anzumerken, sondern eher bodenständig und robust – so, wie man es von einer zukünftigen Gattin eines Paul vom Jägersberg erwarten durfte.

Tina war mit einem Auge immer bei den unruhigen Fernsehbildern, mit denen die einzelnen Sender einen in diesen Tagen förmlich überfluteten.

»Ist es denn wirklich so schwierig, festzustellen, wo er sich aufhält?«, meinte sie mit abwesender Stimme.

Paul kniff die Augen zusammen.

»Das ist es allerdings. Sein Hotel existiert kaum noch, wie ich erfahren habe, und die Stadt liegt in Schutt und Asche. Wie soll ich ihn da ausfindig machen?«

»Ist denn sicher, dass er überhaupt noch lebt?«, wollte Tina sachlich wissen.

»Eben nicht«, erwiderte Paul und schüttelte den Kopf, womit er nicht so sehr eine Verneinung als vielmehr seine Verzweiflung über den Zustand dieser Welt zum Ausdruck bringen wollte.

Ja, man konnte nicht behaupten, dass die Erwähnung seines Bruders in Paul erfreuliche Überlegungen wachrief, sondern eher zornige Gedanken, die immer parat standen, genährt von einer uralten Bitterkeit, für die Paul keine rechte Erklärung wusste.

Allein das Erwähnen von Toms Namen in einem Nebensatz oder nur ein flüchtiger Blick auf die Artikel, die er für seine Zeitung schrieb, reichten jedoch aus, um in Paul einen Groll zu wecken, für den es in seinem Inneren schon längst nicht mehr ausreichend Raum gab.

»Du musst die Polizei verständigen«, meinte Tina.

»Aber doch wohl nicht mehr heute Abend«, gab Paul schroff zurück. »Und überhaupt – was für einen Sinn hätte das? Tom schafft es sowieso nicht mehr bis zu Jakobs Beisetzung. Ich habe den Tag schon so weit wie möglich hinausgeschoben, aber mehr als eine Woche hat man mir nicht zugestanden – bei aller Rücksichtnahme auf irgendwelche Angehörigen, die für die Anreise etwas mehr Zeit brauchen.«

Tina stand auf und zog die Vorhänge zu.

»Ich würde es trotzdem pietätvoller finden, wenn Tom dabei sein könnte«, sagte sie.

Paul schwieg. Ein weiteres Mal schien das große Esszimmer, in dem sie sich befanden, mit seiner hohen, gewölbten Stuckdecke und den schweren, dunklen Möbeln immer enger und armseliger zu werden, je länger sie sich über Tom und Onkel Jakob unterhielten. Mit einem Schlag wurde Paul regelrecht die Luft knapp, als ob ihn gleich etwas erdrücken würde.

»Wieso? Wozu soll das gut sein?«, fuhr er schließlich auf.

»Immerhin war Jakob sein Patenonkel. Heißt Tom nicht sogar auch Jakob mit zweitem Vornamen?«, versuchte Tina sich zu erinnern und wandte sich wieder ihrem Verlobten zu.

Paul machte eine unwirsche Handbewegung.

»Das hat gar nichts zu bedeuten. Die beiden haben sich nie wirklich nahegestanden.« Er lachte kurz auf. »Als Jakob damals hörte, dass meine Eltern ihren jüngsten Sohn nach ihm, dem Patenonkel, benannt hatten, meinte er nur sarkastisch: ›Das arme Kind!‹ Und das sagt ja wohl genug über die Beziehung aus, die er zu Tom hatte, oder?«

»Ja, das tut es.«

»Wir werden auf keinen Fall mit dem Begräbnis warten, bis Tom zurückkommt!«, verkündete Paul daraufhin in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. »Es wird alles seinen normalen Gang gehen. Jakob hätte es nicht anders gewollt.«

In diesem Moment klingelte das Telefon. Das war eigentlich nichts Erstaunliches, denn Paul und auch Tina wurden andauernd von irgendwelchen Freunden, Bekannten und Verwandten auf ihren Mobiltelefonen angerufen – in letzter Zeit umso häufiger, da Jakobs Beisetzung bevorstand. Doch es war das alte, schwarze Telefon, das in der Halle stand und das sich eigentlich kaum noch zu Gehör meldete.

»Nanu«, meinte Paul deshalb überrascht. »Wer hat sich denn da in der Leitung geirrt?«

Er nahm den Hörer ab, um sich zu melden und öffnete noch einmal den Mund, als wollte er etwas sagen. Doch dann schwieg er minutenlang, was zur Folge hatte, dass seine Verlobte ihn mit sichtlich wachsender Unruhe ansah.

»In Ordnung«, sagte Paul endlich abschließend, »ich werde da sein.« Und damit legte er den Hörer auf.

Tina starrte ihren Verlobten an. Ein hässlicher Verdacht stieg in ihr hoch.

»War es wegen Tom? Oh mein Gott, Paul, ist ihm etwas zugestoßen? Ist er …?«

Paul erwiderte ihren Blick.

»Es ist nichts«, entgegnete er nach einem Schweigen, das Tina...



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