Hardebusch | Der Krieg der Trolle (4) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 544 Seiten

Reihe: Trolle-Saga

Hardebusch Der Krieg der Trolle (4)

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-09514-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 544 Seiten

Reihe: Trolle-Saga

ISBN: 978-3-641-09514-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Spürt ihr das Beben der Erde? Die Trolle sind zurück!

Im Land zwischen den Bergen ist die Zeit des Friedens vorbei. Krieg liegt in der Luft, und dann taucht auch noch ein tödlich verwundeter Zwerg im südlichen Hochland von Wlachkis auf – Ereignisse, die wie ein dunkler Schatten auf dem Land liegen. Doch die eigentliche Gefahr nähert sich aus dem Dunkel in den Tiefen der Berge: blutrünstige Wesen, die Jagd auf Trolle machen und neue Zwietracht zwischen den Stämmen säen. Der Feind, der nun erwacht ist, bedroht alles Leben unter und über der Erde. Werden Trolle und Menschen sich zur letzten großen Schlacht vereinen können?
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1


Es war eine Bewegung am Rande seines Gesichtsfelds, die Kerr herumfahren ließ. Obwohl er zu langsam war, erwischte der Angriff ihn dank dieser Bewegung nur an der Schulter statt an der Kehle. Harte Krallen gruben sich in seine dicke Haut, rissen Furchen in sein Fleisch, und er brüllte vor Schmerz und Wut auf. Instinktiv warf er sich nach vorn und griff an. Das Trollblut in seinen Adern kochte, und der Drang, seinen Feind zu packen, seine Knochen zu zerschmettern und ihn zu zerfetzen, wurde übermächtig.

Der erste Hieb traf den Gegner, wirbelte ihn herum, aber schon der zweite ging ins Leere, da die Kreatur geschmeidig auswich. Erst jetzt konnte Kerr einen Blick auf seinen Feind erhaschen. Er sah dicke Schuppen über mächtigen Muskeln, einen breiten Kopf mit einer langen Schnauze voller dolchscharfer Reißzähne.

Schon griff das Wesen wieder an.

Die Kreatur lief auf allen vieren auf ihn zu, dann sprang sie ihn an. Die Krallen an ihren Vorderpranken kamen auf Kerr zu, der sich dem Angreifer brüllend entgegenwarf. Sie kratzten über seine Haut, rissen sie auf, aber der Schmerz und der Geruch seines eigenen Blutes machten ihn nur noch rasender.

Er erwischte eine der kräftigen Gliedmaßen, hielt sie mit seiner Pranke fest, während er seine Klauen in die Flanke des Wesens grub. Die harten Schuppen boten ihnen Widerstand, aber Kerrs Kraft war groß, und er spürte, wie sie ihm nachgaben, wie er seinen Feind verletzte, roch den metallischen, seltsam scharfen Geruch des Blutes und heulte triumphierend auf.

Der Laut wurde zu einem Schmerzensschrei, als das Wesen seine Hinterläufe hochriss und mit tödlicher Wucht Kerrs Leib aufschlitze. Kerr schlug zu, blind vor Zorn, traf den Kopf, hörte Knochen knacken, dann schleuderte er seinen Gegner von sich.

Blut troff auf den Höhlenboden. Kerr atmete schwer. Seine Schulter war von langen Wunden gezeichnet, seine Unterarme sahen nicht besser aus, und von seiner Brust liefen vier lange Schnitte bis zu seiner Lende. Die Wunden pulsierten mit jedem Herzschlag, der sein Blut aus ihnen pumpte.

Das Wesen umkreiste den Troll, hielt vorsichtig Abstand. Seine Augen schienen in der Dunkelheit zu glühen. Jetzt konnte Kerr es besser erkennen. Es hatte einen langen, geschmeidigen Leib und einen Schwanz, der fast ebenso lang war wie der Körper. Dicke Hornauswüchse, wie Stachel, ragten zwischen seinen Schulterblättern empor. Die großen Nüstern sogen gierig die Luft ein, in der schwer der Geruch des vergossenen Blutes hing. Die Kreatur war vom Kopf bis zum Rumpf sicherlich so groß wie er, wirkte durch den Schwanz und seine muskulöse Form aber noch riesiger.

»Komm her, du Miststück«, murmelte Kerr. Der Herzschlag des Landes brandete über ihn hinweg. Er konnte spüren, wie sich seine Wunden bereits wieder schlossen, sich dicke Hornschichten über den Verletzungen bildeten. Sein Gegner hatte diesen Vorteil nicht, die Wunde in seiner rechten Flanke war tief und blutete ungehemmt weiter, wie Kerr mit grimmiger Befriedigung feststellte.

Doch die dunkle Freude wich rasch, als sich die Kreatur ihm wieder entgegenwarf. Der Angriff kam schnell, zu schnell für Kerr, und die Klauen rissen seinen Oberschenkel auf. Brüllend vor Zorn und Schmerz sank er auf ein Knie, hob schützend die Hände – und spürte den heißen Atem seines Feindes im Nacken.

Der Troll wirbelte herum. Die scharfen Fänge kratzten über seine dicke Haut, schnitten sie auf, aber der mächtige Kiefer schloss sich nicht um seinen Hals, sondern verbiss sich in seine Schulter. Kerr heulte auf, schlug der Kreatur mit der Faust auf die Schnauze, trieb sich dabei jedoch die Fänge nur tiefer ins Fleisch. Rasend vor Zorn griff er hinter sich, bekam einen der mächtigen Stachel zu packen und riss an ihm, während er sich über die Schulter abrollte. Endlich lösten sich die Fänge aus seiner Wunde, aber er ließ den Feind nicht los, sondern wirbelte ihn herum und verpasste ihm wieder einen gewaltigen Hieb gegen den Schädel.

Es gelang dem Wesen, sich mit einem Ruck aus Kerrs Griff zu befreien und Abstand zu gewinnen. Aber es schüttelte benommen den Kopf und zischte leise. Dies wäre der Moment gewesen, um nachzusetzen, es anzugreifen, aber Kerr schaffte es kaum, wieder auf die Beine zu kommen. Sein Blut bedeckte den Boden, war gegen die Höhlenwand gespritzt, rann seine Haut hinab; überall schimmerte die dunkelrote Flüssigkeit.

Der Schmerz war wie flüssiges Feuer in seinem Leib, als habe man ihm kochendes Wasser in seine Wunden gegossen. Kerr schloss die Lider, versuchte sich auf den Feind zu konzentrieren, aber es fiel ihm schwer, auch nur die Augen erneut zu öffnen. Dunkelheit umgab ihn mit einem Mal, wartete an den Rändern seiner Wahrnehmung darauf, ihn zu übermannen, lockte ihn in ihre seltsam tröstende Umarmung, und er ahnte mehr, als dass er es wusste, dass er sich ihr einfach nur ergeben musste, um den Schmerz für immer zu vergessen.

Aus den Tiefen der Welt brandete der Schlag des Herzens zu ihm hoch, fuhr durch ihn hindurch, hallte in ihm nach. Kerr öffnete die Augen, und die Schwärze wich von ihm zurück. Er war noch nicht bereit.

Er kehrte keinen Augenblick zu früh in die Welt der Lebenden zurück, denn sein Feind hatte sich wieder gefangen und näherte sich, das massive Haupt gesenkt, die Zähne gefletscht, die Stacheln auf dem Rücken aufgestellt. Aber da war auch eine Vorsicht in seiner Haltung, die Kerr ein blutiges Grinsen entlockte.

»Du willst mehr?«, fragte er mit belegter Stimme. »Ich werde dich zerfetzen. Ich werde dich in Stücke reißen und dein Fleisch essen. Ich bin ein Troll.«

Als würde es ihn verstehen, zögerte das Wesen einen Moment. Und dann schrie Kerr erneut: »Ich bin ein Troll!«

Diesmal stürzte er sich auf den Gegner. Die Kreatur wich aus, aber Kerr hatte damit gerechnet und erwischte sie am Vorderlauf. Er sprang über die zuschnappenden Fänge hinweg, riss das Wesen herum und landete halb auf seinem Rücken. Etwas brach, ob Knochen oder Stachel war dem Troll nun egal. Er wollte seine Worte wahr machen, wollte seinen Gegner zerreißen und vernichten; er wollte das Blut seines Feindes trinken und seinen Sieg mit einem Brüllen der Welt verkünden. Das war die Art der Trolle, war, wozu der Herzschlag der Erde und der Weiße Bär sie bestimmt hatten.

Wieder und wieder schlug Kerr zu, traf Kopf und Schultern, Flanken und Hals seines Gegners. Der Schwanz des Wesens zuckte hin und her, peitsche über Kerrs Rücken, aber der Schmerz fachte den Zorn des Trolls nur weiter an, gab ihm Kraft und Ziel.

Sein Feind drehte das Haupt, bis es fast auf dem Rücken lag, und biss nach Kerr. Die gewaltigen Kiefer bekamen seinen Unterarm zu fassen, die Fänge durchtrennten Haut, Sehnen und Fleisch, schabten über den Knochen. Kerr riss den Arm nach hinten, befreite ihn gewaltsam. Die Wunde war so tief, dass seine Knochen hell zwischen dunklem Blut und Muskelsträngen hervorschimmerten. Ohne auf die Wunde zu achten, nur geleitet von seinem übermächtigen Zorn, packte der Troll den Kopf der Kreatur. Seine Klauen suchten nach Halt, fanden ihn an der Schnauze, den Nüstern. Er riss ihn herum, aber der Hals des Wesens war zu beweglich.

Und dann zwang Kerr die Kiefer auseinander. Die Muskeln in seinen Armen arbeiteten, seine Schulter verkrampfte sich. Der Schmerz in seinem Unterarm drang zu ihm durch, wuchs ins Unermessliche. Aber dann brachen mit einem hohlen Krachen die Knochen seines Feindes. Ein Gurgeln drang aus der Kehle des Wesens, seine Gliedmaßen schlugen wild um sich, und die Krallen fanden kein Ziel mehr, sondern zuckten nur noch im Todeskampf.

Kerr hielt das Haupt in seinen Händen, bis auch die letzte Bewegung erstarb und das Leben aus seinem Feind gewichen war. Dann sank er mühsam atmend von dem Kadaver. Seine Arme waren zu schwer für ihn geworden, seine Beine zu weich, vor seinen Augen tanzten Lichtpunkte, und das Einzige, was er noch riechen konnte, war sein eigenes Blut. Der Schlag seines Herzens brandete in seinen Ohren, übertönte alle Geräusche.

Kerr lag lange auf dem Felsboden. Um ihn herum trocknete das Blut, erkaltete der Leib der Kreatur, die er getötet hatte. Mit jedem Herzschlag des Landes schlossen sich seine Wunden ein wenig, aber sein Feind hatte ihn schwer verletzt. Zunächst war er nicht sicher, ob er den Kampf überhaupt lange überleben würde. Er war sogar zu schwach, um seine Hände auf die schlimmsten Wunden zu pressen, um zu verhindern, dass noch mehr kostbarer Lebenssaft auf den Boden troff und sich mit dem seines Feindes vermengte.

Langsam beruhigte sich sein Körper jedoch. Während er sich mit jedem Herzschlag erholte, schwand die Wut des Kampfes aus ihm, und ruhigere Gedanken kehrten zurück.

Die Gänge und Höhlen, in denen er sich befand, waren tief unter der Erde, eigentlich Tiefentroll-Gebiet, aber die Tiefentrolle kamen nur selten so nah an die Grenzen des Landes heran, denn sie bevorzugten es, nahe des Herzschlags zu sein. Dennoch hatten sie die neuen Tunnel bemerkt, und auf den verschlungenen Wegen der Unterwelt war dieses Wissen zu Kerr gelangt. Und jetzt liege ich hier, halb totgebissen von dem, was diese Tunnel ausgespien haben. Was ist das bloß?

Mit einiger Mühe richtete Kerr sich auf und musterte die Kreatur, die er besiegt hatte.

»Ein Tiefentroll hätte dich zerfetzt und wäre längst dabei, seinen Hunger an dir zu stillen«, stellte er schließlich laut und mit rauer Stimme fest. Es war seine Art, den toten Feind für sein Können im Kampf zu ehren. Als Kadaver mochte das Wesen nicht mehr so gefährlich aussehen, aber Kerr wusste, dass es ein todbringender Feind gewesen war. Was er nicht wusste,...


Hardebusch, Christoph
Christoph Hardebusch, geboren 1974 in Lüdenscheid, studierte Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete anschließend als Texter bei einer Werbeagentur. Sein großes Interesse an Fantasy und Geschichte führte ihn schließlich zum Schreiben. Seit dem großen Erfolg seiner Troll-Romane – »Die Trolle« wurden 2007 mit dem Deutschen Phantastik Preis für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet - und der Sturmwelten-Saga ist er als freischaffender Autor tätig. Er lebt und arbeitet in Speyer.



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