E-Book, Deutsch, 396 Seiten
Haug Herzens Dieb
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-3256-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Highland-Saga Teil 2
E-Book, Deutsch, 396 Seiten
ISBN: 978-3-7526-3256-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schottland, Highlands, Frühjahr 1283 Grace MacRaily, die 18-jährige Tochter von Logan und Màiri, gelingt während eines Schafdiebstahl der MacCannums, bei dem ihr Freund der Hirte Kinnon getötet wird, die Flucht vor den Räubern. Sie gerät jedoch in Lebensgefahr, ihr Pferd scheut und sie stürzt in eine Schlucht. Duran MacCannum rettet sie, was seinen Brüdern nicht sonderlich gefällt. Grace hat ihr Gedächtnis verloren, die beiden jüngeren MacCannums mag sie, die älteren MacCannum sind ihr von Anfang an nicht geheuer. Als sie ihrer Erinnerung wiedererlangt, erkennt sie in welcher Gefahr sie, aber vor allem ihr Herz schwebt...
Gabi Haug, geboten am 23.12.1961. Die gelernte Floristin ist heute Hausfrau und lebt mit ihrem Ehemann in ihrer Geburtsstadt Frankfurt am Main. Unter dem Pseudonym 'Nefhithiel' schrieb sie von 2004 bis 2008 FanFiction und Gedichte im Bereich 'Der Herr der Ringe'. Danach erdachte sie Fantasy und Mittelaltergeschichten, die Dramen, Liebe und erotische Elemente beinhalten, für die eigene Homepage und veröffentlichte diese dort. Im Jahr 2017 ging sie den Schritt der Veröffentlichung einer dieser Geschichten mit dem Fantasie-Roman 'Projekt Elf' 2018 mit dem Historischen-Roman 'Feuer der Herzen', 2019 erschienen die Historischen-Romane 'Galgenstrick und Liebesglück' sowie der 1.Teil der Highlander-Saga 'Träume des Highlanders'.
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Das Schicksal schlägt zu
Highlands, Frühjahr 1283…. »Nicht übel! Eine wirklich schöne und vor allem fette Schafherde, haben die MacRailys da, findet ihr nicht?«, stieß Rupert MacCannum höhnisch lachend hervor. »Aber seht dort, die Herde ist nicht unbewacht, ein junger Hirte hockt am Loch«, meinte einer der jüngeren Brüder. »Der dürfte uns gleich keine Schwierigkeiten mehr machen«, entgegnete Rainald MacCannum und zückte sein Messer. »Überlasst das Bürschlein getrost mir. Ich werde es hübsch über meine Klinge springen lassen.« Duran MacCannum fixierte aus der Deckung heraus gerade das Gebüsch hinter dem jungen Mann sehr genau, denn da hatte sich etwas bewegt. »Warte noch«, warnte er seinen älteren Bruder in der Hoffnung, den jungen Kerl, der die Schafe bewachte, damit retten zu können. Duran verabscheute die Gewaltbereitschaft seiner beiden älteren Brüder. Schafe stehlen war für ihn eine Sache, aber morden eine ganz andere. Doch leider hielten seine älteren Brüder von seiner Meinung über den Wert eines Menschenlebens ausgesprochen wenig. Man hatte ihm und seinem jüngeren Bruder schmerzhaft gelehrt, dass man dem Clangesetz zu gehorchen hat, das da lautete, sich den älteren Brüdern unterzuordnen und deren vorgegebene Richtung nachzugehen. War einer von ihnen dann doch mal laut der Meinung der älteren Brüder streitsüchtig und uneinsichtig, so nahmen sie sich das Recht diesen durch körperliche Züchtigung zurechtzuweisen. Es wurde ihnen schon von Kindesbeinen damit gedroht, dass wenn sie trotzig blieben, sie aus dem Familienverband verstoßen würden. Duran seufzte innerlich auf. Da vernahmen die MacCannum Brüder eine weibliche Stimme. Verblüfft, fast schon fasziniert, sah Duran aus dem Verborgenen zu der jungen Frau hinüber, die aus dem Gebüsch getreten war. Diese musste etwa in seinem Alter sein. Ihre Haare schimmerten golden und ihre Stimme klang äußerst lieblich, auch wenn er den genauen Wortlaut nicht verstehen konnte. Er war ganz überwältigt von ihrer Schönheit. Kinnon, der jüngste der Schafshirten der MacRailys, lachte: »Na, hast du der Natur ein würdiges Opfer dargebracht?« Grace stand mit vor Empörung verzerrtem Gesicht da, ihre Hände in die Hüften gestemmt und schimpfte: »Du bist ein unflätiger Rüpel, Kinnon. So etwas erwähnt ein Gentleman einer Lady gegenüber nicht! Man übergeht so etwas geflissentlich.« »Oh oh«, scherzte der junge Mann, »lässt du doch noch die Tochter des Lairds raushängen und fängst an, deinen nichtswürdigen Untertanen zu maßregeln?« »Plappere doch nicht so einen Unsinn, Kinnon. Stell dir doch nur einmal vor, du triffst ein Mädchen, welches dir gefällt und deren Herz du gewinnen möchtest. Da musst du schon etwas Anstand und gutes Benehmen zeigen.« Die Anspielung auf ein Herzblatt überging Kinnon mit einem abfälligen: »Pfff«, dann aber ließ er sich doch zu einer weiteren Äußerung hinreißen, da Grace ihm schon seit sie laufen konnten eine Freundin war. »Ich weiß ja nicht einmal ob ich überhaupt eine Bindung eingehen möchte.« »Du wirst es wissen, wenn dir die Richtige über den Weg läuft.« »Wie ist es bei dir? Glaubst du dein Vater findet den richtigen Gemahl für dich?« »Mein Vater?«, fragte Grace und zog die Stirn ein wenig kraus. »Was hat der denn damit zu tun?« Kinnon verdrehte die Augen. »Beim Herrn, in euren Kreisen ist das doch so üblich, da sucht der Vater dem Mädchen den Bräutigam aus. Die Schließung einer solchen Muntehe war schon immer ein reines Rechtsgeschäft zwischen zwei Clanfamilien.« »Das mag in anderen Clans vielleicht so sein. Meine Mutter sagt jedoch immer: Die MacRaily Frauen entscheiden selbst wen sie zum Gemahl haben wollen. Auch bei ihr spielte ihr Wille eine Rolle.« »Du glaubst wohl immer noch an Märchen? Deine Mutter stellte damals lediglich ein Fehdeopfer dar. Sie wurde von unserem Laird als Gefangene hergebracht. Bei einer solchen Entführung wird das Selbstbestimmungsrecht der Frau grundsätzlich nicht gesehen. Wenn man sich entscheidet, sie zu seiner Braut zu machen, dann ist das immer eine Zwangsheirat. Entsprechend kann der Entführer wegen der Entführung, Freiheitsberaubung und Nötigung gegebenenfalls belangt werden. So viel mir bekannt ist, hatte dies dein Großonkel sogar vorgehabt, da dein Vater mit der Entführungsehe die Rechte des Vormundes – also die deines Großonkels – verletzt hat.« »Nein, so ganz stimmt das nicht«, beharrte Grace auf die Äußerung ihres Freundes hin. »Onkel Wallace hat es so erklärt: Mutter und Vater haben damals die Bedingungen selbst ausgehandelt und die damalige bestehende Fehde mit dem symbolischen Preis der Ehe und einem Versprechen Großonkel Wallace auf die Übergabe seines Besitzes nach seinem Ableben an meinen Vater oder die Erben meiner Eltern ausgelöscht. Ich glaube an meine Eltern und ihr Wort, egal was andere behaupten mögen. Ich denke, du weißt sehr wohl auch, dass unser Laird noch nie eidbrüchig geworden ist. Solltest du jedoch das Gegenteil behaupten wollen, werde ich mich wohl gezwungen sehen meines Vaters Ehre zu verteidigen, indem ich dich verprügeln müsste.« Kinnon lachte, denn er wusste zu gut, dass Grace gerade scherzte. »Sich zu prügeln geziemt sich weder für ein Mädchen – wie dir dein Vater einmal sagte, als du es als Kind mit mir tatest – und erst recht nicht für die erwachsene Tochter des Lairds.« Kinnon bedachte sie nach diesen Worten mit einem seltsamen Blick. Ihre goldblonden Haare, die sie offen trug, fielen ihr über die Schultern. Die Nase ragte geradezu aufmüpfig in die Höhe. Ihre Lippen waren schön und voll. Seine Freundin hatte eine überaus weibliche Figur. Grace war in den letzten beiden Jahren von einem dünnen, eher unscheinbaren Mädchen zu einer faszinierenden Schönheit mit makelloser Haut herangereift. »Ich warne dich Kinnon«, sagte sie mit gespielt gefährlich leiser Stimme, »Du wirst schon sehen was eine Lady wie ich kann, wenn es darauf ankommt.« Kinnon jedoch winkte mit der Hand ab und sah kurz zum Himmel hinauf, denn er hatte ein fernes Donnergrollen vernommen. »Oh, da braut sich gewaltig was zusammen«, stellte er fest. »Meinst du Ärger zwischen uns?«, fragte Grace zuckersüß. Um Kinnons Mundwinkel zuckte es und in seinen Augen stand ein belustigtes Funkeln. »Ach was, nein! Sieh dort die dunklen Wolken, es wird bald ein heftiges Gewitter geben. Ich gehe schnell ans Loch*, spüle unsere Teller aus! Dann sollten wir uns besser auf dem schnellsten Weg in die Schutzhütte aufmachen, die Wolken ziehen recht rasch auf uns zu. Bis Nachhause schaffen wir es wohl nicht mehr, ohne triefend nass dort anzukommen. Ich bin gleich wieder da.« Blitzschnell fuhr Duran herum, als er hörte wie seine Brüder aufsaßen. »Lass das Mädchen in Ruhe, Rainald!« »Du willst sie wohl für dich haben, was, Bruderherz?«, höhnte der Angesprochene. »Aber du kennst doch die Rangregeln, mit der Realität hat das aber wenig zu tun, wir älteren Brüder reiten die Stuten zu!« »Und wenn! Du wirst diesmal jedenfalls deine gottlose Triebhaftigkeit nicht an dem Mädchen dort auslassen, haben wir uns da verstanden? »Du wirst schon auf deine Kosten kommen, wenn du so scharf auf das blonde Täubchen dort bist, wenn wir mit ihr erst mal fertig sind. Ich bin heute in großzügiger Laune. Wir teilen uns das Weibsbild dieses Mal einfach zu dritt.« »Und ich sage, du wirst diesem hübschen Ding kein Leid zufügen.« Ich bin gleich wieder da, waren die letzten Worte, die Grace je wieder von Kinnon vernehmen sollte. Der Angriff der MacCannum Brüder geschah so schnell, dass Grace erst im letzten Moment begriff, was da überhaupt geschah. Ihr selbst blieb nur noch, der Versuch zu fliehen, denn einer der Reiter, die gerade herangeprescht waren, der hatte Kinnon an den Haaren gepackt und noch bevor dieser sein Sgian dubh* aus der Strumpfhalterung ziehen konnte, hatte der stämmige Mann ihn an sein Pferd heran gerissen. Nachdem er ihrem Freund den Kopf zurückgezogen hatte, hatte er ihm, ohne zu zögern mit einem Schnitt seiner Klinge die Kehle aufgeschlitzt. Der Mann starrte sein gemordetes Opfer noch einige Sekunden an und warf dann den Leichnam ungerührt in den Loch. Grace völlig erschüttert hörte nur noch auf den Fluchtinstinkt in ihrem Unterbewusstsein. Sie schaffte es zu ihrem Pferd zu laufen, geistesgegenwärtig auf ihre zierliche Fuchsstute zu springen und sogleich ihr Heil in der Flucht zu suchen. Sie hatte sehr schnell begriffen, dass es für ihren Freud längst zu spät...




