Heggan Black Jack: Bei Anruf Mord!
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-193-6
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Krimi
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-193-6
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Unerschrocken taucht die attraktive Journalistin Kelly Robolo bei ihrer Suche nach einem verschwundenen Mann in einen Sumpf von Gewalt, Skrupellosigkeit und Mord ein. Der erfahrene Polizist Nick McBride scheint das gleiche Ziel wie sie zu verfolgen. Kelly vertraut dem attraktiven Mann. Und wird durch einen vermeintlichen Anruf von ihm in eine tödliche Falle gelockt.
Christiane Heggan wurde in Nizza geboren, an der traumhaften französischen Riviera! Als Teenagerin träumte sie aber davon, wehzuziehen - nach Rom, Paris oder London. Erst als Christiane ihren ersten Freund hatte, ließ das Fernweh nach - doch nur vorübergehend. Denn als Christiane tatsächlich den Mann ihres Lebens traf, der beim amerikanischen Militär war, dauerte es keine sieben Monate, und sie war - abenteuerlustig, jung, verliebt - in die USA gezogen!
Der Traum vom Auswandern war zu Beginn eher ein Albtraum: Christiane Heggan sprach kein Wort Englisch und war dazu als Hausfrau völlig ungeübt. Aber mit ihrem Elan hatten sich all diese Dinge ein Jahr später geändert und sie hatte sie außerdem rein aus Langeweile zu einem Kurs für kreatives Schreiben angemeldet.
Durch die vielen Versetzungen ihres Ehemannes lebte das Paar in Kalifornien, Lousiane, New Jersey und Delaware. Später ging es sogar nach Marokko, Deutschland und Spanien. In Spanien kam Christiane Heggan zu Ohren, dass die Zeitung des Militärstützpunktes eine neue Reporterin suche. Christiane als Reporterin? Auf den ersten Blick hatte das ja nichts mit kreativem Schreiben zu tun. Doch eine Freundin überzeugte sie, sich zu bewerben. Mit ein wenig Flunkerei was ihren journalistischen Lebenslauf anging, bekam sie eine Chance: einen Probeartikel, der so gut gelang, dass sie angestellt wurde. (Erst später erfuhr sie, dass ihr der Verleger beim Vorstellungsgespräch kein Wort geglaubt hatte, sie aber mutig und motiviert fand, sodass er ihr eine Möglichkeit geben wollte, sich zu beweisen.) Seine Abschiedsworte waren: 'Bleib am Schreiben dran, dann wirst du es einmal weit bringen.'
Zum Liebesroman kam Christiane Heggan durch ihren zweiten Mann, der ihr diese Idee schmackhaft machte. Und schon bald war sie davon überzeugt, dass sie nun ihre wahre Berufung gefunden hatte!
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1. KAPITEL
„He, he, he!“ Kelly Robolo riss das Steuer ihres hellblauen VW-Käfers herum und drückte auf die Hupe, als ein Linienbus von der Haltestelle losfuhr und sie so rücksichtslos schnitt, dass sie eine Vollbremsung machen musste.
Ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen, drängte der Fahrer mit seinem Bus weiter in die verstopfte Straße vor. Damit brachte er den Berufsverkehr an diesem Montagabend auf der viel befahrenen Broad Street von Philadelphia vollends zum Stillstand. Wieder hupte Kelly, außer sich vor Wut.
„Idiot!“ schrie sie, obwohl sie wusste, dass der Fahrer sie nicht hören konnte. „Deinen Monatslohn bezahle immer noch ich, klar?“
Als der Bus weiterfuhr und die Ampel auf Rot sprang, lehnte Kelly sich in den Sitz zurück und seufzte frustriert. Sie war ja schließlich selbst schuld, dass sie während der Rushhour in der Innenstadt festsaß. Aber Dr. Brady hatte wie immer seine Sprechstunde überzogen, und obwohl Kelly zunächst erwogen hatte, sich einen neuen Termin geben zu lassen, hatte sie es sich dann doch anders überlegt und geduldig gewartet, bis sie an die Reihe kam. Je früher der Doktor sie gesundschreiben würde, desto eher konnte sie wieder zur Arbeit. Dass er sie statt dessen weitere zwei Wochen für arbeitsunfähig befunden hatte, trug wesentlich zu ihrer schlechten Stimmung bei.
Während sie auf grünes Licht wartete, nahm sie die Finger vom Steuerrad und entspannte sich. Trotz des lärmenden Verkehrs, der rücksichtslosen Busfahrer und der Unannehmlichkeiten, mit denen sich die Einwohner von Philadelphia täglich herumschlagen mussten, liebte Kelly diese Stadt. Sie liebte ihre Geschichte, den unbeugsamen Optimismus ihrer Einwohner, den Abwechslungsreichtum ihrer Bezirke. Sie mochte sogar das Klima – besonders in dieser Jahreszeit, wenn der Himmel bedeckt war und eine Ahnung von Schnee in der Luft lag.
Nachdem sie dem Tod von der Schippe gesprungen war, hatte sie eine Weile lang überlegt, Philadelphia den Rücken zu kehren und irgendwo anders neu anzufangen, vielleicht in New York oder Chicago. In beiden Städten gab es ausgezeichnete Zeitungen, und mit ihren Referenzen als hartnäckige Reporterin, die auf Enthüllungsfälle spezialisiert war, wäre es ihr sicher nicht schwer gefallen, eine neue Stelle zu bekommen.
Aber schließlich hatte sie sich doch nicht dazu durchringen können. Sie hatte hier ihre Wurzeln, ihre Mutter, Freunde und einen Beruf, den sie liebte – wenn er sie auch fast das Leben gekostet hätte.
Plötzlich hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden, und sie schaute aus dem Seitenfenster. Neben ihrem VW stand ein Streifenwagen, aus dem sie zwei Beamte unverhohlen anstarrten. In ihren Mienen spiegelte sich eine Mischung aus Wut und Verachtung. Noch vor fünf Wochen hätten sie ihr zugewinkt, denn Kelly Robolo war auf allen Polizeirevieren der Stadt bekannt. Nach dreizehn Jahren beim hatte sie den Respekt und sogar die Bewunderung von einigen der zähesten Polizisten Philadelphias gewonnen.
Aber das hatte sich gründlich geändert.
Als die Ampel wieder auf Grün sprang, fuhr der Streifenwagen nicht los, sondern fädelte sich hinter ihren VW ein. Sie stellte fest, dass die Beamten ihr folgten. Möglicherweise wollten sie ihr wieder einen Strafzettel verpassen, den sie nicht verdiente. Allein in den letzten drei Wochen hatte sie drei Verwarnungen bekommen – eine, weil sie angeblich bei Rot über eine Ampel gefahren, eine weitere, weil sie zu schnell gefahren und eine dritte, weil sie an einem Stoppschild nicht stehen geblieben war. Die Polizisten hatten mit Gleichmut auf ihre heftigen Proteste gegen die falschen Anschuldigungen reagiert und lediglich gesagt, dass sie die Protokolle ja vor Gericht anfechten könnte.
Es hatte noch andere Vorfälle gegeben, direkt vor ihrer Haustür – der zerstörte Briefkasten, das Wort „Nutte“, das in großen, blutig roten Buchstaben auf die Eingangstür gesprüht worden war, die beiden zerstochenen Reifen an ihrem Wagen. Sie konnte zwar nicht beweisen, dass die Polizei von Philadelphia diese Taten begangen hatte, aber wer sonst hasste sie so sehr, dass er zu solchen Racheakten fähig war?
Sie hatte diese Vorfälle nur einem Menschen gegenüber erwähnt – ihrer besten Freundin Victoria Bowman. Da Victoria nicht zu denen gehörte, die leichtfertig ein Risiko eingingen, hatte sie Kelly gedrängt, eine Anzeige beim Polizeipräsidenten zu erstatten, den sie sehr gut kannte. Kelly hatte den Ratschlag nicht befolgt. Sie wollte die Sache nicht noch verschlimmern oder als Hysterikerin angesehen werden, die sich gleich in der obersten Etage beschwerte. Außerdem war sie nach mehr als sechs Jahren, in denen sie auch in ziemlich heiklen Fällen recherchiert hatte, solche Drohungen gewohnt, egal, ob sie ernst gemeint waren oder nur einschüchternd sein sollten. Derlei Vorfälle konnten sie schon lange nicht mehr erschüttern.
„Irgendwann werden sie die Lust an dem Spielchen verlieren“, hatte Kelly zu Victoria gesagt.
Als sie in die 17. Straße einbog, klingelte ihr Handy. Nach einem kurzen Blick in den Rückspiegel holte sie das Telefon aus ihrer Tasche, ohne die Augen von der Straße zu wenden. „Hallo, Mama.“
Sie hörte ein glucksendes Lachen am anderen Ende der Leitung. „Eines Tages“, sagte Connie Robolo, „werde nicht ich das sein, sondern irgendein Komitee, um dir mitzuteilen, dass du wieder mal den Pulitzerpreis gewonnen hast. Und was wirst du dann sagen?“
Kelly lächelte. „Ich weiß immer, wenn du es bist. Du bist so vorhersehbar wie der Sonnenaufgang.“
„Ich hätte nicht angerufen, wenn du dich sofort nach deinem Arzttermin wie vereinbart gemeldet hättest.“ Und ohne Kelly die Chance auf eine Antwort zu geben, fügte sie hinzu: „Was hat Dr. Brady denn gesagt? Bist du in Ordnung? Verheilt die Wunde ordentlich? Ist er meiner Meinung, dass es nicht gerade der Genesung dient, wenn du die Wohnung tapezierst – nur fünf Wochen, nachdem sie dich niedergeschossen haben? Oder hat er über diese Nebensächlichkeiten kein Wort verloren?“
Kelly war an diese Art Verhör gewöhnt. Obwohl sie, die ältere von zwei Geschwistern, in zwei Wochen ihren 36. Geburtstag feiern würde, sorgte sich ihre Mutter um sie, als wäre sie noch ein kleines Mädchen.
„Das sind die Risiken, wenn man in eine italienische Familie hineingeboren wird“, hatte ihre Großmutter ihr einmal gesagt. „Ob es dir nun passt oder nicht – du wirst niemals ein vollkommen unabhängiges Leben führen können.“ Sie hatte ja so Recht gehabt!
Aus den Augenwinkeln beobachtete sie den Rückspiegel und bemerkte, dass der Streifenwagen das Warnlicht eingeschaltet hatte und in westlicher Richtung auf die Spruce Street einbog. Sie atmete erleichtert auf und war dankbar für den Notfall, der die Beamten daran hinderte, sie weiter zu verfolgen.
„Ich habe ihm alles gesagt, was du mir befohlen hast, ihm zu sagen, Mama“, antwortete Kelly.
„Werd ja nicht frech“, sagte Connie streng. „Antworte lieber auf meine Frage.“
„Dr. Brady war fast zufrieden mit meinem Zustand.“
„Was soll das heißen? Was ist los mit dir?“
„Nichts. Aber er lässt mich auch die nächsten beiden Wochen nicht zur Arbeit gehen.“
Connie Robolo machte ein missbilligendes Geräusch. „Wenn es nach mir ginge, würdest du überhaupt nicht zum zurückgehen. Niemals.“
Jetzt geht das wieder los, dachte Kelly. Die Einleitung zur „Warum-suchst-du-dir-nicht-einen-sichereren-Job“-Predigt. Kelly hatte sie schon Dutzende Male gehört, aber nie war sie so nachdrücklich gewesen wie seit dem Tag, an dem sie angeschossen worden war. Es war ebenso verführerisch wie zwecklos, über die Bemerkung hinwegzugehen. „Ich weiß, Mama. Das hast du mir schon im Krankenhaus gesagt.“
„Hörst du mir denn überhaupt zu?“ Und da Connie noch keinen Tag hatte verstreichen lassen, ohne ihre Ansichten zu verkünden, fügte sie hinzu: „Ich verstehe nicht, warum du dir nicht irgendwo anders einen netten sicheren Job suchen kannst. Einem Mädchen mit deiner Intelligenz und deiner Bildung sollte das doch nicht schwer fallen. Du könntest alles tun, was du willst.“
„Ich tue doch, was ich will, Mama. Ich könnte natürlich auch als Trapezkünstlerin zum Zirkus gehen – wie Onkel Stefano“, witzelte sie.
„Meine Tochter, die Artistin.“ Im Hintergrund vernahm sie eine vertraute Stimme. „Hast du das gehört, Kelly?“ fragte Connie über das Scheppern der Töpfe und Pfannen hinweg. „Benny macht dein Lieblingsgericht – Schwertfisch alla Calabrese. Er sagt, du sollst zum Essen kommen.“
Einen Moment lang schwankte Kelly. Sie war gern im San Remo, dem italienischen Restaurant im Süden Philadelphias, das seit drei Generationen im Besitz der Robolos war. Jetzt führte es ihre Mutter allein mit Benny, ihrem langjährigen und ergebenen Stellvertreter. Manchmal, wenn im Restaurant Hochbetrieb herrschte, sprang Kelly als Bedienung ein, wie sie es während ihrer gesamten High-School-Zeit getan hatte. Sie wusste, wie sehr ihre Mutter ihre Hilfe schätzte, besonders jetzt, wo ihr Mann im Alter von 73 Jahren gestorben war.
„Kann ich ein andermal kommen, Mama? Ich habe heute Abend noch eine Menge Wäsche zu machen.“
„Bring sie mit. Ich kümmere mich darum.“
Kelly lachte. Ihre Mutter gab wirklich nie auf. „Lass mir etwas Schwertfisch übrig“, sagte sie, als sie in ihre Straße einbog. „Ich komme morgen vorbei.“
„Warte …“
„Ich muss Schluss machen, Mama. Ich bin zu Hause. Ich liebe dich.“ Sie schaltete das Handy aus,...




