E-Book, Deutsch, Band 2, 447 Seiten
Reihe: Let Me-Dilogie
Hester Let Me Rise With You (Let Me-Dilogie 2)
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-61004-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Enemies to Lovers Romance mit Setting in der spannungsgeladenen Luxuswelt von Texas
E-Book, Deutsch, Band 2, 447 Seiten
Reihe: Let Me-Dilogie
ISBN: 978-3-646-61004-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Effy Hester lebt im Bayerischen Wald zwischen grüner Friedlichkeit und Family-Chaos. Sie liebt es, inmitten von Buchstaben und Zeilen aus dem Alltag abzutauchen und sich an schönen Orten in fremden Schicksalen zu verlieren.
Autoren/Hrsg.
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1
Skadi sah heiß aus. Das konnte nicht mal sie selbst abstreiten. Das schwarze Kleid saß perfekt. Es umspannte ihre langen Arme, schmiegte sich um ihre schmale Taille und setzte die Vorzüge ihrer Hinteransicht perfekt in Szene.
Wieder mal hatte Vegas bei der Wahl ihres Outfits einen Volltreffer gelandet. Die sandfarbenen Pumps taten ihr Übriges, um die Körperhaltung einer Diva aus Skadi Frey, dem einstigen Mauerblümchen aus Bayern, herauszukitzeln. Inzwischen wusste sie, wie sie sich schminken, ihre langen Haare wellen und welches Lächeln sie aufsetzen musste, um selbst Mary Beltrán ein anerkennendes Nicken abzuzwingen.
Als Skadi die Treppe im Foyer des Hotels in Amarillo hinunterschritt, war die Eiskönigin noch nirgends zu sehen. Mary Beltrán wartete nicht. Sie ließ auf sich warten. Skadi kannte ihren Boss inzwischen gut genug, weshalb sie wusste, wann sie zu sprechen und wann sie zu schweigen hatte. Sie wusste, wann Mary ansprechbar war und wann man sich hüten sollte, ihr zu nahe zu kommen. Sie wusste, was sie auf die Palme und wieder herunter brachte. Und das war ihr Trumpf. Skadi konnte sich schnell anpassen. Und das wiederum gefiel Mary.
Nach der Enthüllung, warum sie wirklich in Mary Beltráns Haus war, hatte es weniger als eine Woche gedauert, bis Skadi sich in dem neuen Job eingefunden hatte. Ihren Stolz hatte sie wegsperren, das reine Gewissen im Keller ihres Bewusstseins einlagern und dafür ihren Willen, sich selbst und ihren Vater zu retten, ins Obergeschoss befördern müssen. So hatte sie es geschafft, Teil von Marys Firma zu werden. Hirn ausschalten, Reize einsetzen. Das war die Jobbeschreibung einer Assistentin von Mary Beltrán.
Im Foyer wartete noch jemand, auf den dieses Etikett passte. Alison leuchtete wie eine Oleanderblüte in dieser ansonsten gleißend weißen Hotelhalle. Ihr pinkes Cocktailkleid reichte ihr gerade mal bis knapp über den Po. Die langen dunklen Haare wirbelten um ihren Hals, als sie sich die Clutch mit einer goldenen Kette um die Schultern schlang. Sobald sie Skadi bemerkte, setzte sie ihr Zahnpastalächeln auf und kam ihr in gekonnten Schritten auf schwarzen Plateau-Pumps entgegen.
»Hi«, sang sie eine Oktave höher, als es ihrer eigentlichen Stimmlage entsprach.
»Hi«, erwiderte Skadi eineinhalb Oktaven tiefer.
Alisons zugegebenermaßen edles Motiv, mit diesem Job ihre Familie retten zu wollen, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, wie oberflächlich und selbstverliebt diese Frau war. Das hatte sie Skadi in den paar Wochen, die sie jetzt zusammenarbeiteten, mehrmals überdeutlich bewiesen.
»Der Fahrer wartet schon draußen. Mary wird wahrscheinlich gleich hier sein«, sagte sie.
»Hmm.«
Skadi wusste, dass Alison sie nicht mochte. Und Alison wusste, dass Skadi sie nicht mochte. Und weil sie das beide wussten, hatten sie sich noch kein einziges Mal in die Haare bekommen. Die Linien waren abgesteckt. Und jede von ihnen hütete sich, diese zu übertreten. Nicht, weil sie den Konflikt miteinander gescheut hätten. Sondern weil sie die Auseinandersetzung mit Mary Beltrán vermeiden wollten.
Alison warf einen kurzen Blick über Skadis Schulter hinweg zur Treppe, bevor sie sich energisch an ihr vorbeidrängte. Als Skadi sich umdrehte, hastete Alison bereits Mary entgegen, die in einem schwarz und golden funkelnden, bodenlangen Kleid die Stufen herunterkam. Das Kinn hielt sie wie immer eine Etage zu weit oben und musste sich am Geländer festhalten, um nicht zu stürzen. Aber eine Mary Beltrán blickte nicht zu Boden. Der Boden war für andere bestimmt.
Mary schielte genervt zu Alison und verdrehte leicht die Augen. Dann suchte ihr Blick die Halle ab. Sobald sie Skadi entdeckte, bewegte sie sich auf sie zu. Alison musste ausweichen, als die Jefa zielstrebig an ihr vorbeimarschierte.
»Skadi.«
»Mary.«
Ein winziges Lächeln huschte über Marys dunkelrote Lippen. »Ist der Fahrer schon da?«
»Ja, er wartet draußen.«
Missmutig formte Alison die Augen hinter Marys Rücken zu Schlitzen.
»Dann lasst uns gehen, Girls.«
Die Limousine war größer als die, in der sie in Christiana mit Mary unterwegs waren. Gegenüber von ihr saßen Skadi und Alison auf einer weichen Lederbank. Beide quetschten sich, soweit es ging, an den entgegengesetzten Rand. Gott sei Dank hatten sie im Flieger von Austin nach Amarillo nicht nebeneinandersitzen müssen. Der Privatjet, den Mary gechartert hatte, war groß genug gewesen, dass jede eine eigene Vierer-Sitzgruppe für sich gehabt hatte. Die verbliebene Sitzgruppe teilten sich Marys Bodyguards.
Jim und Blake, die beiden Riesen, folgten Mary seit dem Abflug auf Schritt und Tritt. Jetzt gerade fuhren sie in einem zweiten Wagen hinter der Limousine. Sie verhielten sich sehr diskret und Mary behandelte sie, als wären sie Luft. Doch Skadi war froh, dass sie mit dabei waren. Manchmal hatte sie mit ihnen geplaudert, wenn die Männer ihren Rundgang auf dem Beltrán-Gelände gemacht hatten. Obwohl man es angesichts ihrer äußeren Erscheinung nicht vermutet hätte, waren sie ungezwungen und freundlich. Außerdem kannte Skadi sie nicht sonderlich gut. Was ein Grund war, ihnen mehr zu vertrauen als allen anderen, obwohl der eine eine Glock und der andere einen Colt im Gürtel trug. Denn alle, die Skadi besser kannte, hatten sie mitten ins Herz getroffen, ohne dass einer von ihnen eine Waffe benutzt hatte.
Seit sie hierher nach Texas gekommen war, hatte sie in einer Achterbahn gesessen, mit deren Entgleisen jeden Moment zu rechnen gewesen war. Aber Skadi war trotzdem nicht ausgestiegen, obwohl sie oft die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Doch jedes Mal, wenn die Bahn kurz stehengeblieben war, hatte Skadi nur in sein Gesicht schauen müssen. Und schon hatte sie sich bereitwillig in den nächsten Looping katapultieren lassen. Drake war unstet und überschäumend. Wie das Wasser, nach dem sein Vater ihn in der Sprache der Mescalero Apache Tò nannte. Von Anfang an hatte Skadi das gewusst. Aber sie hatte sich trotzdem verliebt. In einen Mann, der genauso gefährlich war, wie er auf den ersten Blick wirkte. Allein seine kraftstrotzende Gestalt, die Tattoos, die wilde Lockenmähne konnten seinem Gegenüber das Fürchten lehren. Aber es war dieser Blick aus bernsteinfarbenen Augen, der einen verschlucken konnte. Drakes Blick war so gleißend hell und versengend, dass Skadi sich an ihm verbrannt hatte. Jeder Gedanke an ihn war ein glühender Docht, der sich in ihr Innerstes bohrte und sie folterte. Doch sie konnte nicht vor dem Glutnest davonlaufen. Denn sie war die Gefangene von Drakes Mutter, der Drogenjefa Mary Beltrán.
Im Hill Country ahnte man, wer Mary wirklich war, doch keiner sprach es laut aus. Die Bestätigung, dass Skadi sich mit ihrem Job als Privatlehrerin in die Höhle der Löwin begeben hatte, war aus Deutschland gekommen, von ihrem eigenen Vater. Dass sie gezwungen war, als Marys Desperado anzuheuern, war seine Schuld. Er hatte sich vom Geruch der Dollars verführen lassen und als Spediteur Marys Drogen durch Europa kutschiert. Am Ende war ihm seine Gier zum Verhängnis geworden. Weil er eine Lieferung verloren hatte, stand er nun in Marys Schuld. Und seine Tochter hatte als Unterpfand für seinen guten Willen, die Schulden zurückzuzahlen, in Marys Villa einchecken müssen. Doch weil er nicht zahlen konnte, war es jetzt an Skadi, den Verlust bei Mary abzuarbeiten. Wie hatte sie so blöd sein können, diesen Job als Hauslehrerin nicht zu hinterfragen? Einen Job, den ihr Vater ihr aus heiterem Himmel besorgt hatte?
Die Antwort darauf stand gerahmt auf ihrem Nachttischchen und war Skadis Ebenbild im Alter von neununddreißig Jahren. Skadi hatte solche Angst gehabt, so zu leiden wie ihre Mutter, weshalb sie ihr Leben aufgegeben hatte, um nicht die bipolare Störung zu triggern, die ihre Mutter das Leben gekostet hatte. Mit ihren vierundzwanzig Jahren war sie nur noch ein Schatten des Mädchens gewesen, das eigentlich in ihr steckte. Angesichts dessen war der Hauslehrer-Job in Texas allen logisch erschienen. Ein fürsorglicher Vater, der seine Tochter aus ihrem Schneckenhaus locken will. Ein selbstloser Mann, der seinen Liebling um ihretwillen ziehen lässt.
Bullshit. Sowas von Bullshit. Triple Bullshit.
Ihr Vater hatte sie verraten und sie hatte es nicht kommen sehen. Die Achterbahn war entgleist und sie hatte es nicht kommen sehen, weil Drake ihr den Blick vernebelt hatte. Um sie im Auftrag seiner Mutter gefügig zu machen, hatte er mit ihr gespielt, ihr Gefühle vorgegaukelt, ihr Herz gebrochen.
Skadi hielt die Luft an. Jeder Gedanke an ihn setzte ihren Körper in Brand, doch sie musste den Schmerz abtöten. Denn die Limousine wurde langsamer, bis sie schließlich vor einer riesigen fensterlosen Halle hielt. Nach Party sah es an dieser Location nicht aus. Am Eingang tummelten sich im schummrigen Licht mindestens zehn dunkle Gestalten.
Mary wartete, bis Blake ihr die Tür öffnete. Dann ergriff sie seine Hand und stieg aus. Skadi und Alison taten es ihr gleich. Die drei folgten den Bodyguards in Richtung Eingangstür. Sobald sich die Jefa näherte,...




