E-Book, Deutsch, 360 Seiten
Hoch Dancing with Raven. Unser wildes Herz
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-401-80971-7
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantisches Pferdebuch ab 12 Jahren
E-Book, Deutsch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-401-80971-7
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jana Hoch wurde 1992 in Hannover geboren und lebt heute immer noch in der Nähe der Stadt. Seit frühester Kindheit hat es sie begeistert, eigene Welten und Charaktere zu entwickeln und diese auf dem Papier festzuhalten. Die Pferdetrainerin nutzt jede freie Minute zum Schreiben - der perfekte Tag beginnt für sie bei Sonnenaufgang, mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse Kakao, und endet auf dem Rücken ihres Pferdes Jamie. Weitere Infos zur SPIEGEL-Bestseller Autorin unter www.jana-hoch.de oder auf Instagram + TikTok unter @janahoch.autorin.
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Kapitel 1
»Keine nächtlichen Partys, keine Zigaretten und pass bloß auf mit den Jungs! Natürlich kann ich dir den Umgang nicht verbieten, das ist mir klar. Ich will ja bloß, dass du vorsichtig bist und …«
Bla, bla, bla. Ich starrte aus dem Fenster von Peters Geländewagen und ließ seine Worte einfach durch mich hindurchfließen. Nicht mehr lange und ich würde ihn los sein. Und dann trennten uns 585 Kilometer. In Gedanken wiederholte ich die Zahl wie ein Mantra. 585 Kilometer, 585 Kilometer …
»Versteh das nicht falsch, ich hätte auch nichts dagegen, wenn du einen Freund hättest. Aber eben keinen, der …«, Peter suchte nach den richtigen Worten, »… sich nur für Onlinegaming und Fitnessstudios interessiert. Ach, du weißt schon, was ich meine.« Er räusperte sich, als wäre ihm gerade selbst aufgefallen, wie überzogen und bescheuert das klang. »Was ist eigentlich mit Patrice Moreau? Der war doch sehr anständig und ich glaube, er fand dich gut.«
Patrice? Beinahe hätte ich gelacht. Ich hatte den blöden Typen letzte Woche bei einer Operngala kennengelernt. Nach außen hin hatte er zwar den perfekten Bankierssohn gemimt, aber in der Pause hatte ich ihn dabei ertappt, wie er in einer der Logen Pillen vertickte. Sehr anständig!
Peter wusste davon allerdings nichts. Ich hatte es für mich behalten, der Kerl war mir egal.
»Ich könnte Frédéric Moreau einmal anrufen und den Kontakt herstellen, wenn du möchtest.«
»Nein, danke, Pete. Aktuell will ich mich ausschließlich auf die Schule konzentrieren. Patrice würde mich da nur ablenken.«
Ein kurzer Seitenblick verriet mir, dass dies die One-Million-Dollar-Antwort gewesen war. Peters Gesicht hellte sich auf und er lächelte mir zu. Und das, obwohl ich ihn genannt hatte. Dafür bekam ich für gewöhnlich einen vielsagenden Seitenblick zugeworfen.
»Ich bin sicher, dass es dir auf der neuen Schule richtig gut gefallen wird.«
Das würde es ganz sicher. Allein die Tatsache, dass der Umzug in ein Internat fast sechs Stunden Autofahrt zwischen Peter und mich brachte, war die Sache wert. In Berlin hatte ich mich nie wohlgefühlt und bei Peter schon gar nicht. Achtzehn Monate hatte ich nun bei ihm gelebt, aber manchmal kam es mir so vor, als wäre ich erst vor wenigen Wochen von Amerika nach Deutschland gekommen. Ich hatte versucht, hier klarzukommen. Wirklich. Aber ich vermisste mein Zuhause noch genauso wie am ersten Tag. Mein richtiges Zuhause, in Florida.
»Und warte erst einmal ab, bis du die Überraschung bekommst, die ich mir für dich überlegt habe.«
Ich schaute zu Peter. »Kann’s kaum erwarten«, murmelte ich und hoffte, dass es wenigstens ein bisschen neugierig klang. Innerlich fragte ich mich allerdings, wie lange es wohl noch dauerte, bis wir ankamen und ich endlich aussteigen konnte. Weit konnte es nicht mehr sein, wir waren vor wenigen Minuten von der Autobahn auf eine wenig befahrene Landstraße gewechselt.
»Willst du gar nicht wissen, was es ist?«, fragte Peter.
Ich seufzte. Die ominöse Überraschung erwähnte er jetzt schon das vierte Mal, seit wir losgefahren waren. Von all den Malen davor ganz zu schweigen.
»Du wirst es mir sowieso nicht verraten.«
»Genau, Pumpkin. Sonst wäre es keine Überraschung mehr.«
. Bei diesen Worten musste ich sofort das Fenster herunterlassen, damit mir der kühle Fahrtwind ins Gesicht wehte. So hatte mich meine Mom genannt, als ich noch klein gewesen war, und Peter hatte kein Recht, diesen Namen zu benutzen. Immerhin hatte er uns verlassen, bevor ich richtig laufen gelernt hatte. Er hatte den Großteil meiner Kindheit verpasst. Und die Tatsache, dass wir nun schon eineinhalb Jahre koexistierten, bedeutete rein gar nichts. Spitznamen hätte er mir vor zehn Jahren geben können. Jetzt war es zu spät. Vor zwei Monaten war ich sechzehn geworden, auch wenn er das nicht wahrhaben wollte. . Bei dem Gedanken daran musste ich unweigerlich schlucken. Es war bereits der zweite Geburtstag ohne Mom gewesen. Ohne meine Freunde, ohne Tante Helen und unsere Pferde.
»Es ist jedenfalls schön, dass du dich für Internat entschieden hast«, riss Peter mich aus meinen Gedanken. Er trommelte mit den Fingern auf dem superteuren Lederlenkrad, passend zu dem Lied, das gerade im Radio lief. »Es wird dir guttun, wieder Pferde um dich zu haben.«
»Ich habe mir die Schule ausgesucht, weil die meisten Fächer auf Englisch unterrichtet werden«, erinnerte ich ihn, wie schon Hunderte Male zuvor. Zwar konnte ich durch meinen jahrelangen Fremdsprachenunterricht und die Zeit in Berlin einigermaßen gut Deutsch, aber nicht, wenn es um Mathe oder gar Chemie ging. »Und ich werde nicht mehr reiten«, schob ich hinterher. . »Du weißt genau, warum.«
Von einem Moment auf den nächsten versteinerte sich Peters Miene. »Ich glaube, dazu habe ich alles gesagt, Katrina.«
Sein Tonfall klang plötzlich ganz ruhig, beinahe geschäftsmäßig, und duldete keinen weiteren Kommentar. Typisch! Sobald ich ihn an Daisy erinnerte, packte er den Anwalt aus. Widerspruch zwecklos!
Mit einem tiefen Seufzen ließ ich den Kopf gegen die Scheibe sinken. Ich kannte Peter gut genug, um zu wissen, dass eine Diskussion nichts bringen würde. Wenn ich Daisy wirklich zurückholen wollte, musste ich mich zusammenreißen und nach seinen Spielregeln spielen.
»Ach ja«, sagte Peter da. »Nenn mich bitte Dad, wenn wir bei der Schulleitung sind.«
Gut, vielleicht nicht nach allen Spielregeln. Denn würde ich ihn ganz bestimmt nicht nennen, das konnte er vergessen. Vielleicht würde ich es mir sparen, ihn vor der Direktorin mit anzusprechen. Aber Niemals. Und mal ehrlich, glaubte er wirklich, das würde uns familiärer wirken lassen?
Ich antwortete nicht und schloss die Augen. Wir schwiegen einige Minuten, bis Peter mich mit der Hand anstieß.
»Sieh mal, da steht’s schon.« Er deutete auf ein Schild mit der großen roten Aufschrift: .
Ich hob den Kopf. Tatsächlich!
Wir bogen auf eine lange Einfahrt ab. Auf beiden Seiten des Weges reihten sich Bäume, dahinter entdeckte ich strahlend weiße Zäune. Eine Gruppe zierlicher bunter Ponys graste am Rand und ein Schecke mit zweifarbiger Mähne hob den Kopf und begleitete unser Auto eine ganze Weile, bis der Zaun es nicht mehr zuließ.
»Das Pferd freut sich schon auf dich«, stellte Peter fest und lachte.
. Ich presste die Lippen zusammen, damit mir kein blöder Kommentar herausrutschte. Das hier war immerhin meine Chance auf einen Neuanfang. Und wenn alles gut lief, würde ich auch Daisy wiedersehen. Das hatte Peter zumindest vor ein paar Monaten gesagt, als ich ihn gefragt hatte, was ich tun musste, damit er mir meine Stute zurückkaufte. Seine Antwort hatte ich mir ganz genau gemerkt: Er hatte gewollt, dass ich eine Therapie machte und anschließend meinen Privatlehrer wieder gegen eine Schule tauschte, neue Freunde kennenlernte und gute Noten schrieb. Dass ich »endlich ankam«, hier in Deutschland. Er wollte ein ganz normales Leben für mich, ohne Panikanfälle, ohne Rückfälle.
Genau das hatte er gesagt.
Und ich nahm ihn beim Wort.
Allerdings musste es dafür hier auf Silver Willow möglichst glatt laufen. »Sehen wir es als Probezeit«, hatte Peter geschäftsmännisch gesagt, als ich ihm das Internat vorgeschlagen hatte. »Wir versuchen es und wenn du dich gut einlebst und dich die Situation nicht … nun ja … überfordert, dann sehen wir weiter. Und sollte es dir doch zu viel werden, dann hole ich dich ganz einfach zurück nach Berlin und wir versuchen es ein andermal.«
. Das würde bedeuten, dass ich Daisy so schnell nicht wiedersah. Und deshalb durfte ich diese »Probezeit« auf keinen Fall in den Sand setzen.
Peter steuerte den Wagen durch das Hoftor und stellte ihn auf einem der Besucherparkplätze ab. Kaum, dass er den Schlüssel abgezogen hatte, sprang ich heraus und sah mich um. Direkt vor mir lag das u-förmige Haupthaus des Internats. Das wusste ich, weil ich das rötlich schimmernde Steingebäude bereits im Internet gesehen hatte. Mit der efeubewachsenen Fassade und den kleinen Türmchen sah es aus wie ein Schloss. Im Innenhof entdeckte ich einen einzelnen Baum auf einer ordentlich gepflegten Rasenfläche. Vermutlich eine Silberweide. Zwar kannte ich mich mit Bäumen nicht gut aus, aber ich konnte mir denken, dass es sich bei diesem hier um den Namensgeber des Internats handelte. Zwei...




