Hoffmann / Michaux | Grenzenlos emotional | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Balance Ratgeber

Hoffmann / Michaux Grenzenlos emotional

Von impulsiv bis Borderline
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86739-916-6
Verlag: BALANCE Buch + Medien Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von impulsiv bis Borderline

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Balance Ratgeber

ISBN: 978-3-86739-916-6
Verlag: BALANCE Buch + Medien Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rettungslos verliebt, fürchterlich einsam, rasend wütend oder alles zusammen – dieser Ratgeber nimmt Sie mit in den psychologischen Backstage-Bereich und erklärt, wie Gefühle unser Denken und Handeln beeinflussen und welche Strategien bei der Emotionsregulation, insbesondere bei Borderline-Erkrankungen, funktionieren.

Die Lesenden erfahren, wie unser psychologisches Nervenkostüm entsteht und welche Fallstricke in bestimmten Bindungsstilen und Beziehungsmustern liegen.
Zahlreiche praktische Tipps helfen beim sicheren Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Hoffmann / Michaux Grenzenlos emotional jetzt bestellen!

Zielgruppe


Empfehlenswert für Menschen, die ihre Emotionen sehr intensiv erleben und darunter leiden, Borderline­Betroffene und Menschen, die das eigene Gefühlsleben bzw. das des Gegenübers besser verstehen wollen.

Weitere Infos & Material


Zum Geleit 9
Einstieg 11
Expedition in den psychologischen Backstagebereich 13
Emotionale Wesenszüge: jenseits von diagnostischen Schubladen und Kategorisierungen 14
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung: Unbekanntes Wesen oder bekanntes Unwesen? 15
Störungen der Emotionsregulation bei Borderline 19
Schieflage im Emotionschaos: Twilight Zone Borderline 19
'Alice im Borderland' oder die ver-rückte innere Welt 22
Wie wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt? 23
Emotionsregulation aus entwicklungspsychobiologischer Sicht 36
Im Anfang war die Emotion: Gefühlsturbulenzen und deren Natur 36
Sicherer Stress und die F-Wörter der Affektregulation 45
'Friendly fire' und andere emotionsgeladene Irrlichter 55
Emotionaler Höhenflug und Tiefenrausch: die Fallstricke der Bindung 65
Die helle und die dunkle Seite des empfindsamen Ichs: Zwischen Selbstsuche und Selbstaufgabe 73
Ich denke, also bin ich Ich: Identität und Kognition aus entwicklungspsychologischer Sicht 82
Wer bin ich, wen will ich und wenn ja, wie viele? Identität und Integrität 82
Wirklichkeitswahn und Wahnwirklichkeiten: Scheinbar ist nichts, wie es scheint 90
Warum sich emotional instabile Menschen unbeabsichtigt ins soziale Abseits manövrieren 93
SOS-Gefühlstsunami: das Borderline-Empathie-Paradox 96
Im Nimmerland der Beziehungsmuster 100
'Folie à deux' oder geteilte Ver(liebt)rücktheit 100
Das Selbst im Spiegel des anderen 101
Ein Drahtseilakt ohne Netz und Boden 103
Das Aus nach dem Liebesrausch? 106
Wege zu einer stabil(isierend)en Emotionsregulation 110
Von der gefühlsstabilen Seitenlage bis zum affektiven Aderlass: Auswege aus dem Gefühlsstress 110
Sag, was du auf dem Herzen hast: die hohe Kunst gefühlvoller Kommunikation 121
'Just relax': Tipps und Tricks im Umgang mit explosiven Gefühlen 131
Aufkratzende Gedanken gehen lassen 142
Die Flucht vom Todesstern: Selbstverletzung als Schutzfaktor oder Sprungbrett zum Suizid? 157
Einblicke in einen Therapieplan fürs Eingemachte 161
Tanz auf dem Vulkan: ein Schnellkurs für Angehörige, Partnerinnen und Partner 175
Auf den Punkt gebracht: Mythen und Fakten zu Borderline 177
Faktische und frühzeitige Vorboten erkennen und richtig (be)handeln 180
Auf ein Wort zum Schluss 181
Literatur 182


Störungen der Emotionsregulation bei Borderline
Schieflage im Emotionschaos: Twilight Zone Borderline
Kaum jemand kann von sich behaupten, immer vollkommen emotional ausgeglichen zu sein. Stimmungswechsel sind normale Vorgänge, die jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung am eigenen Leibe erfährt. Kaum jemand hatte noch nie einen schlechten Tag, wir alle wissen, wie dünnhäutig, reizbar oder verletzbar man sich dann fühlt. Wie schnell man etwas in den falschen Hals kriegt und »aus der Haut fährt« oder am liebsten »abtauchen« und sich unter der Bettdecke verkriechen möchte. An solchen Tagen nimmt man sich selbst und seine Umwelt anders wahr, man reagiert sensibler und deutet die Dinge anders als sonst. So wird zum Beispiel die allmorgendliche Begrüßung des Arbeitskollegen plötzlich als heuchlerisch empfunden, der Blick des Chefs als Ausdruck von Misstrauen interpretiert oder die kurzfristige Absage der besten Freundin zum Mittagessen als Desinteresse an der eigenen Person bewertet. Entsprechend »impulsiv« mag dann die Reaktion ausfallen. Die Gefühle bestimmen alles – Erleben und Verhalten. Man sagt schnell verletzende oder tut unüberlegte Dinge. In der Regel findet man jedoch relativ schnell wieder zu seinem inneren Gleichgewicht zurück. Im Nachhinein erscheint das eigene Verhalten einem dann meist situationsunangemessen, übertrieben oder peinlich. »Alice im Borderland« oder die ver-rückte innere Welt
Alice: »Aber ich möchte nicht unter Verrückte kommen.« Grinsekatze: »Oh, das kannst du wohl kaum verhindern. Wir sind hier nämlich alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.« Alice: »Woher willst du wissen, dass ich verrückt bin?« Grinsekatze: »Wenn du es nicht wärest, dann wärest du nicht hier.« (Carroll Lewis, »Alice im Wunderland«) Obschon emotional instabile Menschen in unterschiedlichen Lebenskontexten einwandfrei zurechtkommen können, ist ihre innere Welt zwielichtig. Sie leben am selben Ort, aber in einer anderen Erlebenswirklichkeit wie Menschen ohne Borderline. Welche Wirklichkeitssicht nun die »realere« oder weniger ver-rückte ist, liegt im Auge des Betrachters. Denn letztendlich ist das, was man allgemein als Wirklichkeit bezeichnet, eigentlich ein »Hirngespinst«, eine mentale Konstruktion, ein kreatives Produkt unseres Geistes. Es gibt somit keine absolute Wirklichkeit, sondern lediglich unterschiedliche Wahrnehmungen und Sichtweisen der Wirklichkeit. Diese wird wiederum durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, auf die an anderer Stelle im Buch noch ausführlich eingegangen wird (ab S. 90). Als gesichert kann jedoch gelten: Das Verhalten von Menschen mit Borderline einseitig aus der Optik des »normalen«, sprich mehrheitlich geteilten Realitätsverständnisses zu betrachten, wird der Komplexität und Vielschichtigkeit dieses Phänomens nicht gerecht. Damit der Spagat gelingt, ist ein wechselseitiges Welt- und Wirklichkeitsverständnis erforderlich. Wie wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt?
Eine Ärztin oder ein Psychologe kann nicht einfach »aus dem Bauch heraus« Diagnosen erteilen. Um eine Diagnose stellen zu können, muss geprüft werden, ob bestimmte vorgefasste Kriterien (Erscheinungen) erfüllt sind oder nicht. Die beiden wichtigsten Klassifikationssysteme sind das Diagnostische Statistische Manual (DSM; mittlerweile in der fünften überarbeiteten Fassung) der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft und das »Internationale Klassifikationssystem der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme« (ICD; in der zehnten Fassung) der Weltgesundheitsorganisation. Der impulsive Typ  weist nach ICD mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen auf: 1. Deutliche Tendenz, unerwartet oder ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln Erläuterung: Mangelnde Impulskontrolle kann sich in vielerlei Verhaltensweisen ausdrücken, vor allem bei zwischenmenschlichen Beziehungen oder in der Sexualität, im Zusammenhang mit Entscheidungen, mit Substanzmissbrauch oder im Straßenverkehr. Oft sind Emotionen wie Ärger, Feindseligkeit oder Wut mit im Spiel. Grundsätzlich unterscheidet man drei Erscheinungsformen der Impulsivität: Die motorische Impulsivität beschreibt die Tendenz, zu handeln, ohne nachzudenken oder ohne mögliche Konsequenzen abzuwägen. Kognitive Impulsivität meint ein hohes Tempo beim Denken und schnelle Entscheidungen. Die nichtplanende Impulsivität schließlich kommt in Schwierigkeiten mit zukunftsorientierter Problemlösung und beim Planen zum Ausdruck (BARRATT 1993). FRAUKE »Ich mache keine halben Sachen. Wenn, dann richtig! Das ist mit allem so. Wenn ich Motorrad fahre, dann geht’s ab. Ich berausche mich an der Geschwindigkeit, alles andere ist mir dann egal. Genauso ist es mit dem Geldausgeben: Wenn ich frustriert bin, dann gehe ich shoppen. Mein Kontostand interessiert mich nicht. Ich kaufe dann alles, was mir gefällt, auch wenn ich es bereits im Schrank habe oder die Größe nicht passt.« 2. Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen. Vor allem dann, wenn impulsive Handlungen getadelt oder unterbunden werden Erläuterung: Impulsive Menschen haben Schwierigkeiten damit, aufkeimende Impulse oder Affektregungen zurückzuhalten oder zu unterdrücken. Versuche führen meist zu einem unberechenbaren Wechsel zwischen angespanntem Zurückhalten und plötzlichen Affekt- und Verhaltensdurchbrüchen (vgl. HERPERTZ, SASS 2002). Ist eine kritische Schwelle überschritten, gibt es »kein Zurück« mehr. Versuche, an die Verstandesebene zu appellieren oder auch sanktionierend einzuwirken, sind meistens zwecklos und tragen schlimmstenfalls dazu bei, die impulsive Reaktion zu verstärken. MANNE »Ich bin schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten, aber ich bezeichne mich nicht als Schläger. Ich habe früh gelernt, auf mich allein gestellt zu sein. Ich war ein Draufgänger und habe viel Scheiße gebaut, als ich jünger war. Heute bin ich gemäßigter, aber ich weiß, dass ich diese andere Seite auch in mir habe. Wenn mir jemand blöd kommt, dann brennen bei mir alle Sicherungen durch. Ich denke dann nicht, sondern ich agiere. Wer sich einmischt oder sich mir in den Weg stellt, wird mit verdroschen.« 3. Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens Erläuterung: Vielleicht die auffälligste der Gefühlsstörungen ist das häufige Erleben von heftiger und oft unangemessener Wut bzw. Schwierigkeiten, diese Wut zu kontrollieren. Dabei kann es zu Provokationen, extremem Sarkasmus, anhaltender Verbitterung oder verbalen Ausbrüchen kommen. Dies begünstigt die Entstehung von Konflikten, Ärgerausbrüchen und oftmals auch fremdschädigenden Verhaltensweisen, über heftige Streitereien mit Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen. Die Wut bricht häufig dann aus, wenn eine nahestehende Person als vernachlässigend, verweigernd, nicht fürsorglich oder zurückweisend erlebt wird. FRAUKE »Wenn ich wütend bin, dann schreie ich und sage gemeine und verletzende Dinge. Manchmal verliere ich auch völlig die Kontrolle, bin wie weggetreten und tue Dinge, die gegen meine eigenen Werte und Moralvorstellungen gehen. Woher diese Wut kommt, weiß ich nicht so genau. Ganz sicher aber bricht sie aus, wenn Erwartungen an mich herangetragen werden, die ich nicht erfüllen kann oder wenn zu viele Vorwürfe und Beschuldigungen von außen kommen. Wenn mich beispielsweise abends um fünf jemand anruft und mich fragt, ob ich um neun mit ins Kino gehe, dann kann ich diese Frage nicht mit Sicherheit beantworten. Meine Gefühlsschwankungen sind derart unvorhersehbar, dass ich nicht lange im Voraus planen kann. Macht man mir jedoch Druck oder – so wie letztens – wirft mir jemand vor, den anderen den Abend verderben zu wollen, dann flippe ich völlig aus.« 4. Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden Erläuterung: Impulsive Menschen haben oft erhebliche motivationale Probleme und Defizite in der Fähigkeit zum Belohnungsaufschub. Ihr Verhalten ist primär auf unmittelbare Befriedigung ausgerichtet, Frustrationen und Belohnungsaufschub können sie dagegen nur schwer ertragen und führen schnell zu Langweile und dazu, dass sie das Interesse an den Dingen verlieren. Auch mangelnde Zukunftsorientierung und fehlende Lebensplanung können Probleme einer impulsiven Persönlichkeit darstellen. Diese Eigenschaften erschweren wiederum den Aufbau einer stabilen Selbstidentität und stabiler Beziehungen. MANNE »Langweile macht mich irre. Das war schon immer so. Als Kind habe ich alles ausprobiert. Ich hatte alle Sportvereine durch, hielt es nie länger als ein paar Wochen aus. Mit sechzehn wollte ich den Segelflugschein machen. Anfangs war ich total begeistert. Aber dann, nach wenigen Flugstunden, war ich von dem Theoriekram und dem klugscheißerischen Fluglehrer mehr als angeödet. Das geht mir eigentlich mit allem so: Schule, Ausbildung, Freundin. Ich brauch’...


Hoffmann, Martine
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Martine Hoffmann ist Psychotherapeutin und leitet die Abteilung für angewandte Forschung (geroRESEARCH) im GERO-Kompetenzzentrum in Luxemburg. Ausgebildet in systemischer Therapie, Hypnotherapie nach Milton Erickson und Neurofeedback-Therapie fokussiert ihr Forschungsinteresse auf (technikgestützter) Präventions- und Interventionsforschung mit den Schwerpunkten: Emotionsregulation, Stressbewältigung und Bewältigung kritischer Lebensereignisse.

Michaux, Gilles
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Gilles Michaux arbeitet als Psychotherapeut im gesundheitspsychologischen Dienst des Kompetenzzentrums für Präventivmedizin (GesondheetsZentrum) der Fondation Hôpitaux Robert Schuman in Luxemburg. Er ist klinischer Hypnotherapeut und Biofeedback-Supervisor sowie Kursleiter für Entspannungsverfahren (AT u. PR) und Lehrbeauftragter in den Fächern Entspannungsmethoden und klinische Psychophysiologie an der Universität Luxemburg.

Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Martine Hoffmann ist Psychotherapeutin und leitet die Abteilung für angewandte Forschung (geroRESEARCH) im GERO-Kompetenzzentrum in Luxemburg. Ausgebildet in systemischer Therapie, Hypnotherapie nach Milton Erickson und Neurofeedback-Therapie fokussiert ihr Forschungsinteresse auf (technikgestützter) Präventions- und Interventionsforschung mit den Schwerpunkten: Emotionsregulation, Stressbewältigung und Bewältigung kritischer Lebensereignisse.

Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Gilles Michaux arbeitet als Psychotherapeut im gesundheitspsychologischen Dienst des Kompetenzzentrums für Präventivmedizin (GesondheetsZentrum) der Fondation Hôpitaux Robert Schuman in Luxemburg. Er ist klinischer Hypnotherapeut und Biofeedback-Supervisor sowie Kursleiter für Entspannungsverfahren (AT u. PR) und Lehrbeauftragter in den Fächern Entspannungsmethoden und klinische Psychophysiologie an der Universität Luxemburg.



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