Holland | Im Schatten der Borgias | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

Holland Im Schatten der Borgias

Historischer Roman - Gefangen in einer tödlichen Intrige der mächtigsten Familie Roms
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-206-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Historischer Roman - Gefangen in einer tödlichen Intrige der mächtigsten Familie Roms

E-Book, Deutsch, 360 Seiten

ISBN: 978-3-98952-206-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwischen Macht, Lust und tödlicher Gier ... Anfang des 16. Jahrhunderts befindet sich die Familie der Borgias in Rom auf dem Höhepunkt ihrer Macht: Papst Alexander VI. regiert auf dem göttlichen Thron die Katholiken, während er sich von seiner Geliebten umgarnen lässt. Seine verwitwete Bastardtochter Lucrezia sucht wiederum Trost in den Armen ihres eigenen Bruders Cesare, der mit seinem Heer die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. An diesen sündigen Hof des Vatikans gerät Nicholas Dawson, Sekretär des florentinischen Botschafters. Der junge Gelehrte kennt die Tücken der Staatspolitik nur allzu gut und ist deshalb auf der Hut vor den Intrigen des römischen Adels - doch als der machthungrige Cesare auf seinen scharfen Verstand aufmerksam wird, macht er Nicholas schon bald zum Spielball seiner Intrigen - mit fatalen Folgen ... »Cecelia Holland ist eine erstklassige Geschichtenerzählerin.« People MagazineEin atemberaubendes Historienepos für alle Fans von Matteo Strukul und der erfolgreichen TV-Serie »Die Borgias«.

Cecelia Holland wurde in Nevada geboren und begann schon mit 12 Jahren, ihre ersten eigenen Geschichten zu verfassen. Später studierte sie Kreatives Schreiben am Connecticut College unter dem preisgekrönten Lyriker William Meredith. Heute ist Cecelia Holland Autorin zahlreicher Romane, in denen sie sich mit der Geschichte verschiedenster Epochen und Länder auseinandersetzt. Die Website der Autorin: thefiredrake.com/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Romane »Im Tal der Könige«, »Die Königin von Jerusalem«, »Die Ritterin«, »Stonehenge: Die Säulen des Himmels«, »Im Schatten der Borgias«, »California: Der Ruf der Freiheit«, sowie ihre Norsemen-Saga mit den Einzelbänden »Der Thron der Wikinger« und »Der Erbe der Wikinger«.
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Kapitel 1


Die Nacht hatte sich herniedergesenkt. Nicholas Dawson, der wartend am steinigen Tiberufer stand, begann zu frösteln. Er steckte die Hände tief in die Falten seines Rocks und sah, sich von einem Fuß auf den anderen wiegend, vom Fluß hinüber zu der morastigen und moderig riechenden Wiese. Dann warf er noch einen aufmerksamen Blick in die Runde.

Für gewöhnlich mied er selbst tagsüber diesen Teil von Rom, doch der Bote hatte gesagt: »Kommt allein!« Auch hatte er einen gewissen Namen genannt. Und nur dieser Name hatte Nicholas dazu gebracht, allein in stockfinsterer Nacht hierherzukommen.

Fast eine Stunde hatte er gewartet. Bald würden die Glocken die Mitternacht verkünden. Er zitterte inzwischen vor Kälte und spielte mit dem Gedanken, einfach fortzugehen – das Ganze als einen Schabernack zu betrachten, den jemand ihm gespielt hatte. Der Tiber rauschte im Dunkeln vorüber; dort, wo der Fluß ans Ufer schwappte, hatte sich Unrat angesammelt. Vor ihm brach sich das schwarze, übelriechende Wasser an den Pfeilern einer antiken Brücke, die im Laufe der Jahre immer mehr verfallen war und von der nur zwei Pfeiler und ein Bogen übriggeblieben waren.

In der Nähe der Brücke im dichten Gesträuch bewegte sich etwas.

Nicholas Dawson sah auf und versuchte, die Gestalten zu erkennen, die da aus dem Dunkel auf ihn zukamen. Steine klickten auf dem Pfad. Nicholas trat zur Seite, auf die schützenden Schatten des Röhrichts zu. Gleichzeitig wandte er sich zur Flucht, hielt jedoch den Blick weiterhin auf die Männer gerichtet, die sich ihm näherten.

Hätte ich doch bloß einen Degen mitgenommen oder zumindest meinen Spazierstock, dachte er. Vom Fechten verstand er zwar nichts; dennoch wünschte er sich etwas, womit er sich der Fremden notfalls hätte erwehren können.

Es waren zwei Männer, die hintereinander das Flußufer entlangkamen. Möglicherweise führten sie ja nichts Böses im Schilde. Vielleicht würde Nicholas in ein paar Minuten über Cesare Borgia – Herzog von Valentinois oder kurz Valentino genannt – erfahren, was ganz Italien brennend gern gewußt hätte.

Der Gedanke an Valentino ließ ihn hellwach werden. Er rief den beiden ihm entgegenkommenden Männern zu: »Halt! Nicht näherkommen! Wer seid ihr?«

Die Männer blieben stehen. Der Vorangehende mit den breiten Schultern und einem Schlapphut streckte seitlich die Hand aus und hielt den hinter ihm gehenden, großen, hageren Mann zurück. Die Gesichter der Männer waren nicht zu erkennen.

»Wer seid Ihr?« rief der eine.

»Man hat mir eine Nachricht zukommen lassen«, antwortete Nicholas.

Seine Hände verkrampften sich; sein Mund war trocken vor Nervosität.

»Ihr wollt wissen, wohin Cesare Borgia marschiert und wen er angreifen wird«, sagte der Mann mit dem Hut. »Dafür werdet Ihr fünfzig Kronen zahlen.«

»Einverstanden«, sagte Nicholas.

Die Steine knirschten. Die beiden Männer kamen wieder auf ihn zu. Sie trennten sich und nahmen ihn gewissermaßen in die Zange. Dawson sträubten sich die Nackenhaare. Eine Falle! Er wirbelte herum, dabei rutschte er auf dem glitschigen Boden aus. Doch wohin sollte er sich wenden? Die beiden Unbekannten hatten ihn praktisch in die Mitte genommen.

»Das Geld!« forderte der Mann mit dem Hut.

»Das habe ich nicht mitgebracht«, erwiderte Nicholas. »Ich habe nichts bei mir.«

Der größere von den beiden fluchte gotteslästerlich. Er packte Nicholas am Revers und stieß ihn zurück, fast in das seichte, nach Abwässern stinkende Wasser hinein. Der andere tastete wenig feinfühlig Dawsons Rock ab und suchte offensichtlich nach dessen Börse.

»Ich habe kein Geld bei mir«, beteuerte Nicholas.

»Mach ihn kalt!« zischelte der große Hagere.

Sie nahmen ihn in den Schwitzkasten. Nicholas biß die Zähne aufeinander. Der üble Gestank des Flusses schien wie ein böses Omen.

»Bringt mich nicht um. Ich will euch gern fünfzig Kronen dafür zahlen, daß ihr mich nicht tötet.«

Der Hochaufgeschossene machte eine jähe Bewegung. Nicholas zuckte in Erwartung des Schlages zusammen, fuchtelte mit den Armen und hätte um ein Haar das Gleichgewicht verloren. Der Breitschultrige packte ihn und hielt ihn am Arm fest. Seine Hand war wie ein Schraubstock.

»Ihr habt kein Geld«, sagte der lange Kerl. Er hatte plötzlich einen Dolch in der Hand.

Auf der anderen Seite des Flusses stimmten unversehens fünfzig Stimmen einen Bußgesang an, wie in der Fastenzeit üblich. Nicholas fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Nicht hier«, sagte er. »Ich habe ein Haus – hinter dem Palatin, in der Nähe des Kolosseums.« Unter Aufbietung aller Selbstbeherrschung sprach er gedämpft. Obwohl sich die Wörter förmlich überschlugen, gelang es ihm, gleichmäßig leise zu sprechen. »Ich werde euch hinbringen und euch das Geld dort geben.«

»Töte ihn!« forderte der Hagere erneut.

»Wenn ihr mich umbringt, bekommt ihr nichts.«

Der mit dem Schlapphut stellte sich zwischen Nicholas und seinen großgewachsenen Gefährten und schob sie auseinander. Als der Hagere einen Schritt zurücktrat, erkannte Nicholas die schmale Klinge des Dolches. Am anderen Tiberufer sangen die Büßer ein Miserere nobis. Der Breitschultrige hielt Nicholas immer noch mit schmerzhaftem Griff am Arm gepackt.

»Aber wenn wir zu Eurem Haus gehen, werdet Ihr Eure Männer auf uns hetzen.«

»Ich habe keine Männer«, sagte Nicholas. »Einer von euch kann mit hineinkommen, um das Geld zu holen. Der andere kann draußen warten und Wache halten.«

»Ich werde mit Euch hineingehen«, erklärte der Mann mit dem Hut.

Erleichtert seufzte Nicholas. Der Wind kühlte seine schweißnasse Stirn. Der Mann mit dem Hut stand zwischen ihm und dem Dolch.

»Laßt uns gehen!« sagte der mit dem Hut.

»Wer sagt denn, daß ich da mitmache?« ließ die Stimme des Hageren sich vernehmen. »Du gehst rein, und ich warte auf der Straße, bis ich schwarz werde. Hast du dir das so gedacht?«

Nicholas sah zwischen den beiden hin und her. Vielleicht konnte er, während sie sich stritten, entkommen. Er schob sich ein Stück seitlich vom Fluß fort und entdeckte ein flackerndes Licht. Er drehte den Kopf weit genug, um zu sehen, daß auf dem Wasser der anderen Seite sich der Widerschein einer Fackel brach. Etwas weiter entfernt erblickte er die Büßerkolonne. Aber der Fremde hielt ihn immer noch fest am Arm gepackt.

»Ich werde mit ihm gehen«, sagte der Mann mit dem Hut zu dem Hochgewachsenen. »Kehr du zurück zum ›Fuchs und den Trauben‹. Dort treffen wir uns später.«

»Vielleicht. Wer weiß.«

Der Dolch funkelte zwischen den beiden Männern. Der Breitschultrige riß Nicholas herum, so daß er die Balance verlor, und ließ ihn los. Nicholas fiel auf die Knie, rappelte sich aber schnell hoch und floh am Ufersaum entlang, während er hinter sich Keuchen und Gescharre hörte. Plötzlich ertönte wie eine Stimme vom Himmel die erste Mitternachtsglocke. Nicholas schlitterte über das feuchte Ufer. In seiner Nase hatte er den modrigen Gestank des Flusses.

Als er über einen morastigen Weg vorwärtshastete, holte der Mann mit dem Hut ihn ein.

»Nicht schlecht«, sagte er und drehte Nicholas wieder den Arm auf den Rücken. »Aber wenn Ihr nächstes Mal wegrennt, zieht Euch besseres Schuhwerk an.«

Nicholas war außer Atem. Er blickte die Strecke zurück, die er gelaufen war, und suchte nach dem anderen Mann.

»Um den macht euch keine Sorgen«, sagte der mit dem Hut. »Ihr schuldet mir fünfzig Kronen.«

»Ich werde zahlen«, sagte Nicholas. »Bitte, laßt meinen Arm los!«

Der Räuber lachte und schubste Nicholas auf dem Weg vor sich her. Mit einer Hand schob Nicholas Röhricht und Ranken von sich weg, die zu beiden Seiten den schmalen Pfad säumten. Der Fremde hielt seinen Arm immer noch schmerzhaft fest. Aus allen Himmelsrichtungen drang das Geläut der römischen Kirchenglocken und maß die Zeit.

Nicholas kämpfte sich durch das Dickicht bis zu der breiten, vielbefahrenen Straße, die am Palatin vorüberführte. Rechter Hand, hinter ein paar Pinien, stand eine kleine Kirche, vor der sich Menschen zur Messe versammelten. In diesem Moment ließ der Mann seinen Arm los.

Nicholas streckte ihn kurz, und prickelnd kehrte das Blut wieder in ihn zurück, so daß er sich bis zur Achselhöhle erwärmte. Er schüttelte die Hand, um auch in die abgestorbenen Finger wieder Leben zu bringen.

»Bringt mich unverzüglich zu Eurem Haus!« sagte der Mann mit dem Hut. »Und keine Sperenzchen!« Er warf einen langen Blick zurück ins Dunkel am Fluß.

»Habt Ihr ihm was angetan?« fragte Nicholas. Das Wort ›töten‹ oder ›umbringen‹ wollte ihm nicht über die Lippen.

Wieder lachte der Kerl. Er war größer als Nicholas und massig, zumindest wirkte er in seinem weiten Rock und dem breitrandigen Schlapphut so. Er antwortete: »Nein, ich habe ihm bloß eine verpaßt. Ich ersteche keinen. Blutvergießen ist viel zu gefährlich. Aber jetzt bewegt Euch, er könnte bald zu sich kommen!«

Nicholas beschleunigte den Schritt, und der Räuber grinste hämisch. Sie kamen an der Kirche vorüber.

Die Häupter gebeugt und die Hände zum Gebet gefaltet, betraten die Menschen das Gotteshaus. Hinter der Kirche erstreckte sich der obere Rand des Palatins, nur unterbrochen von den schirmartigen Kronen der Pinien und den Mauerresten.

»Wißt Ihr überhaupt irgendwas vom Herzog Valentino?« fragte Nicholas Dawson.

»Nicht mehr als jeder andere«, erwiderte der Räuber und zog die weiche Krempe seines Hutes zurecht. Daran festgesteckt war eine Medaille, die er im Vorübergehen wie einen Talisman berührte. Nicholas...



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