E-Book, Deutsch, Band 2, 328 Seiten
Reihe: Noah Bishop & HAVEN
Hooper Blutsünden
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-177-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller: Die Blood-Trilogie - Noah Bishop & HAVEN 2 | Supernatural Mystery-Action
E-Book, Deutsch, Band 2, 328 Seiten
Reihe: Noah Bishop & HAVEN
ISBN: 978-3-98690-177-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kay Hooper, geboren 1958 in Kalifornien, wuchs in North Carolina auf und studierte später Literaturgeschichte. Noch während sie an der Universität war, begann sie zu schreiben. Nach ersten Erfolgen als Autorin von Liebesromanen entdeckte sie das Spannungsgenre für sich und eroberte unter anderem mit ihren paranormalen Thrillern über die geheime FBI-Einheit des Agenten Noah Bishop immer wieder die Bestsellerliste der New York Times. Neben dem Schreiben engagiert sich Kay Hooper für den Tierschutz. Mehr Informationen über die Autorin finden sich auf ihrer Website: www.kayhooper.com Bei dotbooks veröffentlichte Kay Hooper die Blood-Trilogie mit den Einzelbänden »Blutträume«, »Blutsünden« und »Blutfesseln«.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
North Carolina, Januar
Sarah hielt sich so weit wie möglich im dürftigen Schatten der winterlich kahlen Bäume, während sie sich durch den Wald kämpfte, der das Gelände der Siedlung von der Straße trennte. Die Vollmondnacht war zwar denkbar ungeeignet für heimliche Unternehmungen, doch ihr war nichts anderes übrig geblieben. Auch nur einen weiteren Tag zu warten, konnte wesentlich gefährlicher sein, als sofort zu handeln, also …
Sarah erstarrte, schien das Geräusch eher zu fühlen als zu hören und schlang die Arme noch fester um das schlafende Kind.
»Ich bin’s nur.« Keine drei Meter von ihr entfernt tauchte Bailey aus der Dunkelheit auf.
»Bist du zu früh, oder bin ich zu spät?« Sarah sprach ebenso so leise wie die andere Frau.
»Egal.« Schulterzuckend trat Bailey näher. »Wirkt es?«
Sarah nickte und übergab ihr das kleine Mädchen, das zum Schutz gegen die Januarkälte warm eingepackt war. »Sie wird wohl noch ein paar Stunden schlafen. Lang genug.«
»Und du bist dir bei ihr sicher? Wir können das nämlich nicht länger machen. Es gehörte nicht zum Plan und ist zu gefährlich. Früher oder später wird er dahinterkommen.«
»Das möchte ich ja verhindern. Oder wenigstens hinauszögern.«
»Ist aber nicht deine Aufgabe, Sarah. Deshalb bist du nicht hier.«
»Wirklich? Er wird immer besser im Aufspüren von Menschen mit einer verborgenen Gabe. Besser darin, sie zu finden und sie davon zu überzeugen, sich ihm anzuschließen. Besser, als wir es waren.« Sarah verspürte ein unterschwelliges Unbehagen, das eher stärker als schwächer wurde. »Apropos, haben wir Deckung?«
»Klar. Mein Schutzschild genügt für uns alle drei.«
»Und wie steht’s mit etwas konventioneller Unterstützung?«
»Galen gibt mir Rückendeckung. Wie immer. Aber wenn wir fort sind, bist du auf dich allein gestellt.«
»Um mich mache ich mir keine Sorgen.«
»Sarah?«
»Sie könnte diejenige sein, Bailey.«
»Sie ist sechs Jahre alt.«
»Gerade deswegen. Ohne die Schutzmaßnahmen, die wir ihr beibringen können, ist sie extrem verwundbar, vor allem durch jemanden, der sie als Waffe benutzen will.«
Bailey rückte das Kind in ihren Armen zurecht und seufzte. »Hör mal, bist du sicher, dass dich das, was der Kerl predigt, nicht beeinflusst hat? All dieses Prophezeiungszeug?«
»Wir glauben doch an Prophezeiungen«, wandte Sarah ein.
»Nicht an die Art, die er predigt.«
Sarah schüttelte den Kopf. »Keine Sorge, ich bin keine Bekehrte. Ich schaffe es gerade noch, den Anschein eines loyalen Schäfchens seiner Herde aufrechtzuhalten.«
»Sollten die nächsten Abtrünnigen und Kinder verschwinden, wird dir das viel schwerer fallen.«
»Schwerer als das?« Sachte berührte Sarah das lange blonde Haar des Kindes. »Ihre Mutter ist weg. Und ihren Vater habe ich seit zwei Tagen nicht mehr gesehen.«
Baileys Lippen wurden schmal. »Das hast du in deinem Bericht nicht erwähnt.«
»Ich war mir bis heute nicht sicher. Aber er ist fort. Ich glaube, er hat zu viele Fragen gestellt. Er wollte nicht wahrhaben, dass seine Frau einfach davongelaufen ist – ohne ihre Tochter.«
»Womit er recht hatte.«
Sarah hatte zwar damit gerechnet, doch es war trotzdem ein Schock für sie. »Man hat sie gefunden?«
»Ein paar Kilometer flussabwärts. Und sie hat eine Weile im Wasser gelegen, wahrscheinlich seit der Nacht, in der sie verschwand. Eine Todesursache ließ sich nicht feststellen.«
Das brauchte Bailey nicht weiter zu erklären.
»Wird die Polizei kommen und Fragen stellen?«, wollte Sarah wissen.
»Das muss sie. Man wusste, dass Ellen Hodges ein Mitglied der Kirche war. Als sie zuletzt gesehen wurde, war sie in Begleitung anderer Gemeindemitglieder. Ihre Eltern wissen das und würden Samuel nur allzu gern die Polizei auf den Hals hetzen. Falls der gute Reverend dann weder Ellens Ehemann noch ihr Kind vorweisen kann, wird er einiges zu erklären haben.«
Sarah gab ein dumpfes Lachen von sich, während sich ihr mulmiges Gefühl weiter verstärkte. »Vorausgesetzt, diese Polizisten sind nicht ebenfalls Gemeindemitglieder oder bezahlte Freunde der Kirche.«
»Mist. Meinst du wirklich?«
»Nach dem, was ich zufällig aufgeschnappt habe, bin ich davon überzeugt, dass es keine gute Idee wäre, die örtlichen Gesetzeshüter ins Vertrauen zu ziehen. Es sei denn, jemand von unserer Seite wäre in der Lage, ihre Gedanken sehr gut lesen zu können.«
»Verstehe. Aber Bishop wird darüber nicht gerade glücklich sein.«
»Ich glaube nicht, dass es ihn überraschen wird. Wir wussten, dass diese Möglichkeit bestand.«
»Das erschwert uns die Arbeit noch mehr. Oder macht sie zumindest viel riskanter. Was allerdings auch vorher schon der Fall war, da die Stadt so abgelegen und die Kirche so isoliert ist.« Erneut rückte Bailey das Kind zurecht. »Ich muss sie wegbringen.«
»Wendy. Sie heißt Wendy.«
»Ja. Ich weiß. Mach dir keine Sorgen, wir kümmern uns um sie. Sie hat Familienangehörige, die sie lieben und bei sich aufnehmen wollen.«
»Und sie ist sich ihrer Fähigkeit kaum bewusst.« Noch einmal berührte Sarah sacht das Haar des Kindes und trat dann zurück. »Beschützt sie. Beschützt ihre Gabe.«
»Werden wir. Und du pass auf dich auf, ja? Du hast zwar einen hervorragenden Schutzschild, aber wenn deine Tarnung zu anstrengend wird, könnte Samuel oder einer seiner sogenannten Ratgeber herausbekommen, dass du an dem guten Reverend und seinen wahren Absichten jede Menge Zweifel hegst.«
»Glaub mir, das weiß ich.« Kälte kroch in Sarahs Körper. Sie trat zwei Schritte zurück und damit bewusst aus dem Schutzschild der anderen Frau heraus. »Sag Bishop und John, dass zumindest einer von Samuels engsten Beratern ein mächtiger Paragnost ist. Ich habe es gespürt, weiß aber nicht genau wer, weil er ja fast ständig von anderen Männern umgeben ist.«
»Vielleicht hast du ja nur Samuel empfangen.«
»Nein. Bei Samuel ist es immer dasselbe, ein Nullfeld. Als wäre er gar nicht da, zumindest paragnostisch. Ich kann keine Persönlichkeit, keine Aura und nicht die geringste Energiesignatur orten.«
»Das ist mehr als ein Schild.«
»Ich weiß. Aber ich habe keine Ahnung, was es ist. So was habe ich noch nie gespürt.«
Bailey schüttelte den Kopf. »Und ich hatte gehofft, das hätte sich geändert, oder du hättest es geschafft, ihn irgendwie zu lesen.«
»Ich hab’s versucht, glaub mir, bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Aber da war nichts. Er ist buchstäblich in sich selbst eingeschlossen.«
»Dauernd?«
»Immer, wenn ich nahe genug an ihn herankam, um etwas auffangen zu können. Doch ich gehöre nicht zum inneren Kreis oder zu seinen auserwählten Frauen.«
»Nein, wir haben es nie geschafft, jemanden so nahe an ihn heranzubringen.«
»Und es ist fraglich, ob wir das je schaffen. Dieser innere Kreis schirmt ihn unheimlich ab. Und der andere Paragnost hat einen verdammt guten Schild, einen erkennbaren, also muss er von etwas sehr Starkem erzeugt werden. Aber ich bin mir nicht sicher, was er bewirken kann, welche Fähigkeit er hat. Es könnte alles Mögliche sein. Sag ihnen, sie sollen vorsichtig sein. Jeder, den sie schicken, muss sehr vorsichtig sein.«
»Sarah …«
»Ich berichte, sobald ich kann.« Sarah drehte sich um und eilte davon. Beinahe augenblicklich wurde ihre schlanke Gestalt von den Schatten des Waldes verschluckt.
Bailey zögerte, doch nur einen Moment, stieß einen leisen Fluch aus und machte kehrt, um denselben Weg zurückzugehen. Obwohl sie das Kind trug, kam sie schnell voran und hatte bereits eine beachtliche Strecke zurückgelegt, als sie hinter sich ein Geräusch hörte, wie angewurzelt stehen blieb und herumfuhr.
Der Beginn eines Schreis, der wie plötzlich abgeschnitten schaurig in der Luft hing und dessen Echo gespenstisch im ansonsten stillen Wald widerhallte.
»Bailey, los.« Für einen großen Mann bewegte sich Galen verblüffend leise, doch das war nicht die Eigenschaft, die sie im Moment interessierte.
»Sarah. Galen, du musst …«
»Ich weiß. Geh zum Auto. Falls ich in fünf Minuten nicht zurück bin, verschwinde.« Mit gezogener Waffe war er schon zurück in Richtung der Siedlung gelaufen.
»Aber …«
»Mach schon.«
Bailey war niemand, die sich einfach etwas befehlen ließ, doch sie gehorchte ohne weitere Fragen. Die Arme fest um das schlafende Kind geschlungen, konzentrierte sie sich darauf, den schützenden Energieschirm zu verstärken, der sie beide umgab. Sie hastete durch das Gehölz zur Straße und zu dem dort versteckten Auto.
Galen hatte schon vor langer Zeit die Kunst perfektioniert, sich geräuschlos durch jedes vorstellbare Terrain zu bewegen. Doch er war sich nur allzu bewusst, dass zumindest einige von denen, die ihn in diesem Wald jagten, nicht nur mit den Ohren hören konnten. Trotzdem ließ er sich davon nicht beirren und kam schnell voran.
Leider nicht schnell genug.
Wahrscheinlich, gestand er sich verärgert ein, hatte er zu spät auf den ersten Ton von Sarahs Schrei reagiert.
Sie lag auf einer kleinen Lichtung, umflutet von Mondlicht, das so hell und kalt leuchtete wie ein Scheinwerfer. Ihre vom Todeskampf verzerrten Züge wirkten wie eine furchterregende Geistermaske. Die aufgerissenen Augen blickten ihn entsetzt und vorwurfsvoll an.
Zumindest wirkte es für Galen so. Er war kein Paragnost im anerkannten Sinne, doch er konnte Menschen auf seine Art lesen. Sogar tote Menschen.
Vielleicht sogar vor allem tote Menschen.
Er kniete sich neben ihren...




