E-Book, Deutsch, 150 Seiten
Huber Der Klinikkompass
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-9259-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Patientenratgeber für einen aktiven und sicheren Krankenhausaufenthalt
E-Book, Deutsch, 150 Seiten
ISBN: 978-3-7526-9259-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aus Erfahrung lernen Der Autor, Martin Huber, litt an einem Kopftumor, der lange Jahre unerkannt blieb, was mit einem langwierigen Leidensweg mit Symptomen, wie massivem Schwindel, innerer Unruhe, Schluckbeschwerden, Ohrgeräuschen (Tinnitus) und einer Gesichtsnervreizung mit stärksten Schmerzen (Trigeminusneuralgie) verbunden war. Der Tumor, glücklicherweise gutartig, wurde im April 2018 in der Neurochirurgie der Universitätsklinik Freiburg erfolgreich operiert. Der Autor schlüpfte dadurch hautnah in die Patientenrolle. Dieser Perspektivenwechsel eröffnete ihm einen direkten Blick auf die Situation von Patienten in der Klinik und lieferte ihm viele wertvolle Impulse für dieses Buch. Martin Huber selbst ist von Beruf Gesundheits- und Krankenpfleger und als Diplom Pflegepädagoge in der Ausbildung von angehenden Pflegekräften in der Altenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege am Oekumenischen Institut für Pflegeberufe in der Ortenau gGmbH in Offenburg engagiert. Als Berufsschullehrer hat er im Rahmen der Begleitung von Auszu-bildenden in der Pflege vielfältigen Einblick in die pflegerische und ärztliche Praxis in unterschiedlichen Kliniken und Fachdisziplinen. Er organisiert Wundexpertenkurse nach Richtlinien der ICW (Initiative Chronische Wunden) und Fachtage für Pflegekräfte, Ärzte und weitere Gesundheitsfachberufe an der Akademie für Gesundheitsberufe und Wundmanagement (Therapiezentrum Chronische Wunden Ortenau) in Lahr. Berufspolitisch ist er im Katholischen Pflegeverband und im Landespflegerat Baden-Württemberg engagiert.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3. Der 10-Punkte-Plan
(Ich-Regeln), aktiv und sicher durch das Krankenhaus
- Ich lebe soweit möglich gesund
- Ich hole mir eine Zweitmeinung ein
- Ich gehe in das richtige Krankenhaus
- Ich hole Informationen ein
- Ich bereite mich vor
- Hände schütteln – besser nicht!
- Ich frage nach
- Es soll mit mir und nicht über mich gesprochen werden
- Ich gebe Bescheid, wenn ich mich unwohl fühle
- Ich lasse mich erst entlassen, wenn es mir gut geht
Erklärungen zum 10-Punkte-Plan
1. Ich lebe gesund – dadurch kann ich so manchen Krankenhausaufenthalt vermeiden:
Ich lebe gesund, bewege mich regelmäßig, ernähre mich ausgewogen, verzichte soweit möglich auf Nikotin und Alkohol, dann vermeide ich evtl. einen Krankenhausaufenthalt. Dadurch lassen sich viele Erkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vorbeugen, wie etwa Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen.
Die Lebensfreude darf dabei aber nicht zu kurz kommen. Es kommt wie so oft auf den goldenen Mittelweg an.
2. Ich hole mir eine Zweitmeinung ein:
Evtl. ist eine Operation oder Behandlung im Krankenhaus überhaupt nicht notwendig. Mittlerweile gibt es zahlreiche Berichte und Untersuchungen, dass so manche Kliniken operieren, nur um die Fallzahlen nach oben zu schrauben. Spezielle Chefarztverträge sind in Verruf geraten, weil das Honorar bzw. Bonuszahlungen mit der Anzahl der durchgeführten, für die Klinik lukrativen Operationen gekoppelt wurden. Deshalb lohnt es sich, als informierter Patient, eine zweite Expertenmeinung einzuholen, die von vielen Krankenkassen auch bezahlt wird.
Wenn die Notaufnahmen überfüllt sind, liegt das auch oft daran, dass so manche Menschen mit Erkrankungen, wie Schnupfen, Fieber von nicht höher als 38°C oder kleinen Verletzungen, etc. in die Klinik gehen.
Aber ein Bereitschaftsarzt oder der eigene Hausarzt wären die bessere Anlaufstelle, denn dadurch erhalten die Patienten, die wirklich in einer akuten Situation sind, wie etwa einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben, die notwendige medizinische Hilfe erst verspätet, weil das Klinikpersonal mit Bagatell-Behandlungen beschäftigt ist.
Deshalb sollten wir immer prüfen, ist eine Fahrt ins nächste Krankenhaus wirklich notwendig?
Zur Sicherheit ist ein Anruf beim Hausarzt bzw. beim Bereitschaftsarzt oder eben über den Rettungsdienst sinnvoll, dass abgeklärt werden kann, ob der Weg ins Krankenhaus notwendig ist, oder eben nicht:
| 112 | Rettungsdienst |
| 116 117 | ärztlicher Bereitschaftsdienst |
| (jeweils ohne Vorwahl deutschlandweit) |
Folgender Test kann eine Entscheidungshilfe sein:
Test „Krankenhaus – ja oder nein“
Liegen bei Dir eine der folgenden Beschwerden vor, dann solltest Du notfallmäßig ins Krankenhaus gehen bzw. sofort die Rettungsleitstelle unter 112 anrufen: Diese Liste kann als allgemeine Hilfe dienen, und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ja
- starke Schmerzen (nicht auszuhalten)
- Schmerzen in Brustbereich oder Bauchgegend
- Atemnot (Angst zu ersticken)
- Gleichgewichtsstörungen
- Sehstörungen
- Lähmungserscheinungen
- Bluthusten oder –spucken
- Mehrfaches unerklärliches Erbrechen
- tiefe Wunden o. Verletzungen (z. Bsp. Knochenfehlstellung)
Nein
- Schnupfen oder Husten
- kleine Verletzung, wie etwa Schürfwunde
- leichte Schmerzen, die auszuhalten sind
- Impfung
- Rezeptausstellung für bereits verordnete Medikamente
Falls Du unsicher bist und abklären willst, ob doch ein Arzt die Situation einschätzen soll, rufe den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 an.
Ein Beispiel:
Wichtig!: Es ist abhängig vom subjektiven Befinden, also von den Schmerzen, wie sie wahrgenommen werden. Das kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Und wenn man unsicher ist, ob man notfallmäßig ins Krankenhaus soll oder nicht, dann besser einmal unnötig zu viel gehen, als nicht, denn das kann in manchen Situationen tödlich sein.
In der Notaufnahme werden wir Patienten im Rahmen der Ersteinschätzung nach der Manchester Triage in 5 Gruppen eingeteilt, um zu erfassen, wie dringlich die Behandlung und wie lange die Wartezeit ist:
Das Manchester-Triage-System (MTS) geht von Beschwerdebildern und Leitsymptomen aus. Innerhalb kurzer Zeit wird der Patient beispielsweise nach den Symptomen zu Lebensgefahr, Schmerzen, Blutverlust, Bewusstsein, Temperatur und Krankheitsdauer eingeschätzt und entsprechend dieser Einschätzung einer von fünf Stufen der Dringlichkeit zugewiesen.
Diesen Gruppen sind jeweils maximale Wartezeiten zugeordnet, also die Zeitspanne, nach der ein Patient spätestens Arztkontakt haben soll. Die Gruppen sind:
Einschätzungsgruppen nach Manchester Triage System (MTS)
| Gruppe | Bezeichnung | Farbe | max. Wartezeit |
| 1 | SOFORT Akute Lebensgefahr | rot | 0 Min. |
| 2 | SEHR Sehr schwere DRINGEND Erkrankung | orange | 10 Min. |
| 3 | DRINGEND Schwere Erkrankung | gelb | 30 Min. |
| 4 | NORMAL Mittelschwere Erkrankung | grün | 90 Min. |
| 5 | NICHT DRINGEND Keine akute Verletzung/ Erkrankung | blau | 120 Min. |
Quelle: http://www.ersteinschaetzung.de
3. Ich gehe in das richtige Krankenhaus:
Ich suche das für mich richtige Krankenhaus aus.
Dazu nutze ich entsprechende Informationsquellen, wie Bekannte, aber auch Internetseiten der Krankenkassen und seriöse Verbraucherportale
Es sind einfache Fragen, die man sich stellen kann:
„Wird der Eingriff bzw. die Behandlung häufig genug durchgeführt, damit sich beim Operationsteam Routine entwickeln kann?“
Entscheidend ist auch das persönliche Vorgespräch mit dem Arzt, der auf den Krankenhausaufenthalt vorbereitet:
Checkliste Arztgespräch
- Nimmt er sich Zeit für Informationen zur Krankheit,
- Nimmt er sich Zeit für Informationen zur Diagnostik und Therapie?
- Kann er meine Fragen kompetent beantworten?
- Wie geht er auf mich ein?
- Ist er einfühlsam und verständnisvoll?
- Weitere Fragen, die ich mir stelle:
Als Unterstützung gibt es zahlreiche Info-Portale und Entscheidungshilfen, wie etwa die Weiße Liste http://ww.weisse-liste.de, ein Informationsangebot der AOK und der Barmer Ersatzkasse mit der BertelsmannStiftung.
„Patienten informieren Patienten“
Seit mehreren Jahren kann man dort als Entscheidungshilfe auf Patientenbewertungen zugreifen:
Anhand von 15 Fragen wird der Krankenhausaufenthalt aus der Perspektive von Patienten mehrmals jährlich erfasst und ausgewertet. Mittlerweile liegen mehr als 1 Million Bewertungen vor.
Fragebogen zu Patientenerfahrungen im Krankenhaus –„Patients‘ Experience Questionnaire“ (PEQ)
Der PEQ-Fragebogen zum Download auf www.weisse-liste.de
Fragebogen-PEQ_Krankenhausaufenthalt.pdf, der folgende 4 Dimensionen erfasst:
Dimension 1: ärztliche Behandlung,
Dimension 2: pflegerische Betreuung,
Dimension 3: Organisation und Service und die
Dimension 4: Weiterempfehlungsrate
Fragebogen Patientenerfahrungen im Krankenhaus
Dimension 1: Zufriedenheit mit ärztlicher Versorgung
01. Wurden Deine Wünsche und Bedenken in der ärztlichen Behandlung berücksichtigt?
02. Wie beurteilst Du den Umgang der Ärztinnen und Ärzte mit Dir?
03. Wurdest Du von den Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus insgesamt angemessen informiert?
04. Wie schätzt Du die Qualität der medizinischen Versorgung ein?
Dimension 2: Zufriedenheit mit pflegerischer Betreuung
05. Wurden Deine Wünsche und Bedenken in der Betreuung durch die Pflegekräfte berücksichtigt?
06. Wie beurteilst Du den Umgang der Pflegekräfte mit Dir?
07. Wurdest Du von den Pflegekräften...




