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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 420 Seiten

Reihe: Blut-Linien

Huff Blutspur


Originalausgabe 2023
ISBN: 978-3-910279-05-6
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 2, 420 Seiten

Reihe: Blut-Linien

ISBN: 978-3-910279-05-6
Verlag: Lindwurm Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Jahrhundertelang lebten die Werwölfe Kanadas in Frieden mit den Menschen. Doch nun hat offenbar jemand ihr strenggehütetes Geheimnis entdeckt - und erledigt sie der Reihe nach mit Silberkugeln. Die Werwölfe bitten Vicki Nelson und ihren Freund, den Vampir Henry Fitzroy, um Hilfe. Doch schon bald sieht es aus, als wäre diese Angelegenheit eine Nummer zu groß für die beiden. Der 2. Band der Vampirkrimis um Vicki Nelson und Henry Fitzroy!

Tanya Huff, geboren in Nova Scotia, lebt mit ihrer Partnerin und mehreren Katzen im ländlichen Ontario. Die ehemalige Köchin der kanadischen Marinereserve war Mitglied der Autor:innengruppe Bunch of Seven und ist heute eine der bekanntesten kanadischen Urban-Fantasy-Autorinnen. Viele ihrer Geschichten sind geprägt von Orten, an denen sie selbst gelebt hat, wie hier Toronto.
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1


Der Dreiviertelmond, der tief am Nachthimmel hing, verwandelte selbst dröges, friedliches Farmland in eine geheimnisvolle Landschaft aus silbernem Licht und Schatten. Hinter jedem von zwei Monaten Sommer goldbraun gerösteten Grashalm erstreckte sich ein dünnes schwarzes Abbild. Die Büsche entlang der Zäune, Wege für die, die zu scheu waren, sich ins Freie zu wagen, raschelten einmal und waren dann wieder still, als eine Kreatur der Nacht ihren Geschäften nachging.

Eine große Schafherde, deren nach der Sommerschur kurzes Fell im Mondlicht milchweiß schimmerte, hatte sich in einer Ecke der Weide zur Nacht niedergelassen. Außer der rhythmischen Bewegung einiger Kiefern und dem gelegentlichen Zittern eines Ohres oder Zucken eines Lamms, das nicht lange stillhalten konnte, nicht einmal im Schlaf, schien die Herde eine Felsmasse aus hellem Stein zu sein. Eine Felsmasse, in die jäh Leben kam, als mehrere Köpfe sich gleichzeitig hoben und ihre Nüstern aristokratisch in den Wind hielten.

Sie waren offenbar vertraut mit dem Wesen, das über den Zaun auf die Weide sprang, denn obwohl die Mutterschafe wachsam blieben, beobachteten sie seine Annäherung eher mit leiser Neugier als mit Erschrecken.

Das große schwarze Tier hielt inne, um einen Zaunpfahl zu markieren, dann trottete es einige Schritte auf das Feld und setzte sich, wobei es den Blick stolz über die Schafe schweifen ließ. Etwas in seinem Schattenriss, in der Form seines Kopfes wies, ebenso wie seine Färbung, seine Größe und die Breite seiner Brust, auf einen Wolf hin, doch die Reaktion der Herde deutete eher auf einen Hund.

Davon überzeugt, dass alles war, wie es sein sollte, trabte es munter am Rande des Zauns entlang. Sein stolz erhobener Schwanz wehte wie eine Standarte hinter ihm her, und vom Mond versilberte Lichter flossen bei jeder Bewegung durch sein dichtes Fell. Es legte an Geschwindigkeit zu, sprang über eine Distel – mehr aus purer Freude am Springen als weil die Distel ihm im Weg war – und querte das untere Ende der Weide.

Ein Klang wie ein fernes Husten war die einzige Vorwarnung, dann explodierte der glänzend schwarze Kopf in einem Schauer aus Blut und Knochen. Der Körper, vom Einschlag von den Füßen gerissen, zuckte einen Moment lang wild und lag dann still.

Vor Schrecken über den plötzlichen Blutgeruch gerieten die Schafe in Panik, rasten zum anderen Ende des Feldes und pressten sich in einer zusammengeduckten, laut blökenden Masse gegen den Zaun. Zum Glück lag die Richtung, die sie eingeschlagen hatten, gegen den Wind. Als nichts weiter geschah, beruhigten sie sich langsam, und ein paar der älteren Mutterschafe bewegten sich mit ihren Lämmer aus der Herde heraus und ließen sich wieder nieder.

Es war unklar, ob die drei Geschöpfe, die kurz darauf über den Zaun sprangen, die Schafe überhaupt bemerkten. Auf riesigen Pfoten, die kaum den Boden zu berühren schienen, rannten sie auf den Leichnam zu. Eines von ihnen, die rotbraunen Nackenhaare gesträubt, verfolgte die Spur des toten Tieres zurück, doch ein Knurren des Größeren der beiden anderen ließ es innehalten.

Drei spitze Schnauzen hoben sich, und ihr Geheul versetzte die Schafe erneut in Panik.

Während die Töne an- und abschwollen, löschte ihre urtümliche Melodie jede Ähnlichkeit aus, die die drei Heulenden mit Hunden gehabt haben mochten.

Vicki hasste den August. Es war der Monat, in dem Toronto seine wahre Klasse bewies: Hitze und Luftfeuchtigkeit klebten an den Auspuffgasen, die Luft in der Schlucht aus Beton und Glas zwischen Yonge und Bloor nahm eine gelbbraune Tönung an, die einen bitteren Nachgeschmack in der Kehle hinterließ, jede lose Schraube in der Stadt beschloss, ihrer eigenen Wege zu gehen, und die Hitze zerkochte jegliche Restgeduld. Die Polizisten in ihren marineblauen Uniformhosen und -mützen und den schweren Stiefeln hassten den Monat sowohl aus persönlichen als auch aus beruflichen Gründen. Vicki hatte den Streifendienst damals rasch hinter sich gebracht und die Polizei vor über einem Jahr verlassen, aber sie hasste den August noch immer. Da er nun auf ewig mit ihrem Abschied von einem Beruf verbunden war, den sie geliebt hatte, war dieser ohnehin am wenigsten angenehme Monat für sie nun über die Maßen ekelhaft.

Als sie die Tür zu ihrer Wohnung aufschloss, gab sie sich Mühe, sich nicht selbst zu riechen. Sie hatte die letzten drei Tage in der Auftragsannahme einer Kaffeerösterei am Railside Drive gearbeitet. Im letzten Monat hatte eine Reihe von Maschinenausfällen die Firma geplagt, bis den Besitzern klar geworden war, dass es sich um Sabotage handelte. Verzweifelt – eine kleine Firma konnte sich keine Ausfallzeiten leisten, wenn sie mit den Konzernen konkurrieren wollte – hatten die Besitzer Vicki angeheuert, um herauszufinden, was vor sich ging.

»Victoria Nelson, Privatdetektivin, hat es wieder mal geschafft.« Sie schloss die Tür hinter sich und streifte ihr durchgeschwitztes T-Shirt ab.

Sie hatte gleich am ersten Tag den Kerl gefunden, der die Röstmaschinen blockierte. Aber es hatte sie zwei weitere Tage gekostet herauszufinden, wie er es machte, und ausreichend Beweise für eine Anklage zu sammeln. Am nächsten Morgen würde sie hingehen, den Bericht auf Mr Glassmans Schreibtisch legen und nie wieder in die Nähe dieses Ortes kommen.

Jetzt wollte sie erst mal duschen, etwas essen, das nicht nach Kaffee roch, und einen langen, anspruchslosen Abend vor der Flimmerkiste.

Sie kickte das schmutzige T-Shirt in die Ecke, während sie die Jeans auszog. Das einzig Gute an der Sache war, dass sie auf dem Heimweg einen Sitzplatz in der U-Bahn gehabt und niemand versucht hatte, sich an sie zu drängen, weil sie so stank.

Das heiße Wasser spülte gerade den Gestank und die Verkrampfung weg, da klingelte das Telefon. Sie versuchte es zu ignorieren, es von der Dusche übertönen zu lassen, hatte aber wenig Erfolg. Sie war schon immer ein Telefon-Junkie gewesen. Leise vor sich hin schimpfend drehte sie das Wasser ab, wickelte sich in Handtücher und rannte zum Telefon.

»Oh, da bist du ja, Liebes. Warum hat das so lange gedauert?«

»Es ist eine sehr kleine Wohnung, Mom«, seufzte Vicki. Sie hätte es wissen müssen. »Ist dir nicht beim siebten Klingeln die Idee gekommen, dass ich vielleicht nicht ans Telefon gehen will?«

»Natürlich nicht. Ich wusste, dass du da bist, sonst hättest du deinen Anrufbeantworter eingeschaltet.«

Vicki ließ die Maschine nie an, wenn sie daheim war. Sie hielt das für den Gipfel der Unhöflichkeit. Vielleicht war es Zeit, das zu überdenken. Das Handtuch rutschte, und sie schnappte danach – im zweiten Stock lag die Wohnung nicht hoch genug, um nackt herumzulaufen. »Ich war unter der Dusche.«

»Dann habe ich dich ja nicht bei etwas Wichtigem gestört. Ich wollte dich anrufen, ehe ich das Büro verlasse …« Damit der Fachbereich Biowissenschaften für den Anruf zahlen muss, ergänzte Vicki im Stillen. Ihre Mutter war als Sekretärin länger bei der Queen’s University in Kingston als die meisten angestellten Professoren und nutzte die Vergünstigungen ihres Berufs so oft und so weit wie möglich aus.

»… und herausfinden, wann du Urlaub hast, damit wir etwas Zeit miteinander verbringen können.«

Klar. Vicki liebte ihre Mutter sehr, aber mehr als drei Tage in ihrer Gesellschaft brachten sie an den Rand des Muttermords. »Mom, ich habe keinen Urlaub mehr. Ich bin jetzt selbstständig und muss annehmen, was anfällt. Außerdem warst du erst im April hier.«

»Da warst du im Krankenhaus, Vicki, das war nicht gerade ein Höflichkeitsbesuch.« Die beiden vertikalen Narben an ihrem linken Handgelenk waren zu dünnen roten Linien auf der hellen Haut verblasst. Es sah wie ein Selbstmordversuch aus, und es hatte viel Fantasie erfordert, um ihrer Mutter nicht erzählen zu müssen, wie sie dazu gekommen war. Dass ein soziopathischer Hacker sie einem Dämon hatte opfern wollen war nichts, was ihre Mutter besonders gut verkraftet hätte. »Sobald ich ein freies Wochenende habe, komme ich vorbei. Versprochen. Ich muss auflegen, ich tropfe den Teppich voll.«

»Bring doch diesen Henry mit. Ich würde ihn gerne mal kennenlernen.«

Vicki grinste. Henry Fitzroy und ihre Mutter. Das könnte ein Wochenende in Kingston wert sein. »Lieber nicht, Mom.«

»Warum denn nicht? Was stimmt mit ihm nicht? Warum ist er mir im Krankenhaus aus dem Weg gegangen?«

»Er ist dir nicht aus dem Weg gegangen, und mit ihm ist alles in Ordnung.« Gut, er ist 1536 gestorben. Aber das hat ihn nicht aufgehalten. »Er ist Autor und ein wenig … außergewöhnlich.«

»Außergewöhnlicher als Michael?«

»Mutter!«

Sie hörte beinahe, wie ihre Mutter die Augenbrauen hochzog. »Süße,...


Tanya Huff, geboren in Nova Scotia, lebt mit ihrer Partnerin und mehreren Katzen im ländlichen Ontario. Die ehemalige Köchin der kanadischen Marinereserve war Mitglied der Autor:innengruppe Bunch of Seven und ist heute eine der bekanntesten kanadischen Urban-Fantasy-Autorinnen. Viele ihrer Geschichten sind geprägt von Orten, an denen sie selbst gelebt hat, wie hier Toronto.



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