E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Jaff MONEYMAKERS
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96092-027-4
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie du die Börse für dich entdecken kannst
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-96092-027-4
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aya Jaff (*1995) ist Programmiererin, Gründerin und Keynote Speaker. In den letzten fünf Jahren arbeitete sie in Silicon Valley, Dublin und Madrid als Programmiererin, u. a. für das Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies. Bereits in jungen Jahren interessierte sie sich für das Thema Börse und entwickelte als CTO in Zusammenarbeit mit der Eliteuniversität WHU und Telefonica eines der größten Social-Trading-Börsenspiele: Tradity. Dank eines Stipendiums war sie 2015 eine der wenigen Teilnehmerinnen eines fast 10 000 Dollar teuren Studiengangs für Start-up-Unternehmer an der Draper University im Silicon Valley. Sie wurde von der ZEIT als »Mrs. Code« und als »20 under 20 Digital Pioneer« in der Fachzeitschrift t3n betitelt und schaffte es auf das Cover des Magazins Business Punk sowie in die »Forbes 30 under 30«-Liste 2019.
Autoren/Hrsg.
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1. Warum mich die Finanzwelt so interessiert
»Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.«
Henry Ford
Zugegeben: Zahlen waren früher nie so meine Stärke. Ich erinnere mich nicht gerne an den Matheunterricht an meiner Schule zurück. Das liegt nicht daran, dass ich die Lehrer nicht mochte oder sie nicht gut genug waren oder ich Angst im Unterricht gehabt hätte – nein, es war schlicht und ergreifend die »Wahrheit«, der ich nicht ins Auge blicken wollte. Um höhere Mathematik zu verstehen, hätte ich mich nämlich von früh bis spät an meinen Schreibtisch setzen, alle Bücher zu dem Thema durcharbeiten und die Übungen gewissenhaft lösen müssen – und das am besten das ganze Jahr durch und nicht erst kurz vor der Prüfung. Aber nein, das wollte ich einfach nicht. So saß ich immer wieder vollkommen überfordert vor der grünen Tafel und ließ mir zum wiederholten Male von meinem Mathelehrer einen Sachverhalt erklären, den meine Mitschüler anscheinend schon durchblickt hatten. Ich nickte dann. Nicht immer hieß das, dass ich wirklich verstanden hatte, worauf mein Lehrer hinauswollte. Nein, ich tat das eher in der Hoffnung, dass er mich in Ruhe lassen würde.
Natürlich gab es auch Lichtblicke in meiner mathematischen Schullaufbahn. Schließlich musste ich das eine oder andere doch beherrschen, um zum Abitur zugelassen zu werden. An diese Aha-Momente erinnere ich mich wirklich gerne zurück. Jedes Mal wurde mir bewusst, wie mächtig diese Formeln im Schulbuch eigentlich waren, wie oft der Erfinder wahrscheinlich gescheitert war, bis er die perfekte Gleichung gefunden hatte, und vor allem auch, wie viel Fantasie und Vorstellungskraft es gebraucht hatte, um überhaupt auf die Problemstellung zu kommen.
Falls du dich jemals in derselben Lage wiedergefunden hast oder dich teilweise immer noch so fühlst: willkommen im Club!
Jedes Mal, wenn ich Hollywoodfilme, die im Finanzbereich spielten, angeschaut habe, wurde mir klar: Diese Männer hatten neben ihrem Geschlecht noch etwas gemeinsam – nämlich ein Geschick für Zahlen und das Verständnis der Zusammenhänge. Und ich wusste: Niemals würde ich einer von ihnen sein. Zu schlecht war ich im Umgang mit Zahlen, und ich wies zu wenige Qualitäten auf, die ich hätte anbieten und mir zunutze machen können. Ich war schließlich an keiner Eliteuniversität wie Harvard, Princeton oder Yale. Meine Eltern waren keine Millionäre mit erstklassigen Kontakten zu bedeutenden Unternehmen, und ich hatte auch keine Hobbys wie Golfen, Tennis & Co., die mich kulturell mit der High Society verbunden hätten.
Trotzdem stellte ich mir gerne vor, wie toll es wäre, ebenfalls im finanziellen Überfluss zu leben, schöne Kleider zu tragen und so herumzulaufen, als ob einem die Welt gehörte. So wurden schließlich die Aktionäre an der Wall Street in den Filmen dargestellt.
Plötzlich fanden sich Sätze wie »Greed is good« (Gier ist gut) auf Postern oder als Desktophintergrund und wurden zum Mantra vieler Leute, die bestrebt waren, zu dieser Gruppe von Menschen zu gehören. Die waren nicht nur cool, weil sie schöne Uhren besaßen und hübsche Frauen an ihrer Seite hatten. Nein, das, was sie so cool machte, war ihre kurzsichtige Art, so viel Geld wie nur möglich innerhalb kürzester Zeit zu machen und sich zudem damit zu rühmen, dass sie durch Täuschung hart arbeitende Leute um ihr Geld gebracht hatten. Solche Szenen wurden in den Filmen gekonnt mit bekannten Pop-Songs unterstrichen, und die Rollen der Arroganten und Erfolgreichen durften Hollywood-Sweethearts wie Leonardo DiCaprio übernehmen.
Kein Wunder also, dass einige so werden wollten wie die Charaktere im Film. Und das Vorgehen wurde auch oft als einziger Weg zu finanziellem Erfolg dargestellt. Wer erfolgreich sein will, muss so habgierig, arrogant und skrupellos sein wie diese bösen Aktionäre. Wer nicht so sein möchte, wird arm bleiben, aber immerhin seine Menschlichkeit bewahren und für immer den Kapitalismus verachten.
Diskussionen mit Freunden nach solchen Filmen haben mir gezeigt, welche Emotionen diese zwei Positionen hervorrufen können. Die einen werden sofort unsympathisch, sobald sie das kapitalistische System auch nur im Geringsten verteidigen, und die anderen fangen auf einmal an, »an das Herz zu appellieren« und sich selbst damit zu rühmen, schon immer eine schlechte Meinung von Geld gehabt zu haben und deshalb auch keinen besser bezahlten Job anzustreben. Denn Geld verdirbt den Charakter.
Doch diese Filme kratzen nur an der Oberfläche des Ganzen und schaffen es nicht, einen tieferen Einstieg in das Thema Finanzen zu geben. Wie soll das auch in weniger als zwei Stunden auf höchstem Entertainment-Niveau zu schaffen sein?
Eines Tages führte ich ein so emotional aufgeladenes Gespräch mit einer guten Freundin, dass wir anschließend Jahre nicht mehr miteinander sprachen. Es ging eigentlich lediglich darum, dass ich mich mehr mit dem Thema Finanzen beschäftigen wollte, weil mich die Branche faszinierte und vieles in dieser Welt für mich ein großes Geheimnis war. Allein, dass ich mich in der Richtung weiterbilden wollte, wurde allerdings schon abgelehnt. »Wieso willst du denn ein Teil dieser Gesellschaft werden?«, fragte sie mich empört.
Meine Antwort darauf war ganz einfach: Diese Menschen in der Finanzbranche waren zwar gut im Umgang mit Zahlen, doch noch viel wichtiger war ihnen ein generelles Verständnis dafür, wohin sich diese in der Zukunft bewegen würden. Sie mussten vorausschauend denken und die Welt als Ganzes betrachten. Ich hatte begriffen, dass diese Welt der Zahlen nur einen kleinen Teil dieser Branche abdeckte. Es ging um viel mehr als nur das. Es galt zu verstehen, wie verschiedene Unternehmen Wert schöpften und welche Erfolgsfaktoren eine Rolle dafür spielten, wie und ob sie noch mehr Menschen beschäftigen konnten, und wie groß eine Idee ultimativ werden konnte. Es ging auch um etwas Fantasie und den Mut, in die Zukunft zu schauen. Das reizte mich.
Ich war und bin vielseitig interessiert. Ich wollte mich nie mein ganzes Leben nur auf ein Fach spezialisieren, ich wollte schon immer Brücken bauen und verschiedene Themen miteinander verknüpfen, auch deshalb fühlte ich mich zu diesem Thema so hingezogen. Leider waren die Begriffe Unternehmen, Börse & Co. im Kopf meiner Freundin schon so negativ besetzt, dass ich es nicht schaffte, sie mit meiner Antwort zu überzeugen. Irgendwie hatte sie auch nicht ganz Unrecht. Ich konnte verstehen, warum sie sich von der Branche distanzieren wollte. Sie sah nur die eine Seite der Medaille. Die superreichen Menschen. Die werden einem ja auch überall gezeigt! So hat etwa die Netflix-Dokumentationsserie Explained in der Folge »Billionairs« (Staffel 2, Folge 2) ein paar wunderbare Beispiele gebracht, die belegen, wie reich die reichsten Menschen auf der Welt im Vergleich zu uns »normalen« sind.
Vergleicht man beispielsweise die Ausgaben eines Durchschnittsmilliardärs (Vermögen etwa 2 Milliarden Dollar) mit den Ausgaben eines durchschnittlichen Amerikaners (Jahresgehalt etwa 32 000 Dollar/Jahr), so kann man sagen, dass relativ gesehen »ein Flug mit dem Privat-Jet (8000 Dollar) vergleichbar wäre mit einer U-Bahn-Fahrt in New York (2,75 Dollar), der Kauf eines Lamborghini (200 000 Dollar) vergleichbar mit dem eines Bobby-Car (60 Dollar) und der einer privaten Insel (100 000 000 Dollar) mit einer Anzahlung für ein Haus (30 000 Dollar)«, heißt es dort.
Weiter erfährt der Zuschauer, dass Milliardäre nicht 1 Prozent unserer Gesellschaft ausmachen, sondern 0,0001 Prozent und dass sie großen Einfluss haben. Sie können Treffen mit Staatschefs vereinbaren. Ein Dutzend von ihnen steht bereits selbst an der Spitze eines Staates. Im chinesischen Parlament allein sitzen über 100 Milliardäre und es werden immer mehr! Im Jahr 1987 existierten laut Forbes schätzungsweise 140 Milliardäre, im Jahr 2019 waren es fast 15-mal so viele – also etwa 2153 Milliardäre weltweit.1
Selbstverständlich ist es nicht fair, dass diese Menschen sich so viel leisten können und andere Leute sich kein Frühstück kaufen können. Ich verstehe, wenn man sich darüber aufregt, da kann ich mich genauso leidenschaftlich anschließen. Aber ich möchte auch nicht alle Leute, die man gemeinhin als reich bezeichnet, als Bösewichte darstellen. Man sollte nur diese Macht nicht zu sehr ausnutzen dürfen. Mit ein paar Millionen Dollar kann man ein schönes Auto kaufen, ein tolles Haus und ein paar schicke Kleider, aber mit ein paar Milliarden Dollar kann man in unserem aktuellen Wirtschaftssystem ganz andere Dinge bewegen. So hat man die Möglichkeit, die öffentliche Meinung mithilfe von Medienbesitz, Lobbyisten und Think Tanks zu kontrollieren und ganze Regierungen und internationale Angelegenheiten zu manipulieren. Wo bleibt hier der Raum für unsere Demokratie? Eigentlich dürften Menschen, die nicht vom Volk gewählt wurden, doch gar nicht so viel Macht über das Leben anderer haben. Es wäre naiv zu glauben, dass die Existenz dieser 0,0001 Prozent notwendig ist, vor allem, weil die Milliardärsklasse mit ihren Aktionen doch bereits bewiesen hat, dass sie nicht existieren kann, ohne aktiv daran zu arbeiten, Regierungen in einer Weise zu beeinflussen, die ohne Zweifel die Demokratie und den Willen des Volkes untergräbt. Die Debatte darüber, ob es Milliardäre geben sollte oder nicht, ist längst beendet. Das sollte sie aber nicht sein. Wer die amerikanischen Wahlen verfolgt, weiß, dass der Wahlkampfkandidat der Demokraten, Bernie Sanders, mit diesem Wahlspruch den Nerv von Millionen Menschen...




