E-Book, Deutsch, Band 3, 276 Seiten
Reihe: Jack Reilly Abenteuer
James DIE SUCHE NACH EL DORADO
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95835-857-7
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller, Abenteuer
E-Book, Deutsch, Band 3, 276 Seiten
Reihe: Jack Reilly Abenteuer
ISBN: 978-3-95835-857-7
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Die beiden Männer rannten um ihr Leben. Ihr Auto hatte sich ein paar Straßen hinter ihnen überschlagen. Die beiden bluteten aus verschiedenen Verletzungen, die sie sich bei dem Unfall zugezogen hatten. Hugo war in weitaus besserer Verfassung als sein Partner. Matias hatte einen Schnitt über seinem linken Auge und mehrere an den Armen.
»Hier entlang«, zischte Matias und winkte Hugo durch die Gasse.
Der kleinere Mann huschte auf allen vieren wie ein Eichhörnchen durch die Seitenstraße und stieß mit dem Kopf gegen einen metallenen Mülleimer. Das Geräusch löste ein verärgertes Knurren seines Freundes aus. Er zischte ihn an, leise zu sein, und zog ihn geduckt hinter sich her.
»Warum sind sie überhaupt hinter dir her?«, fragte Hugo schwer atmend.
»Wegen der Dinge, die ich weiß.«
Hugo wollte gerade fragen, was er genau wusste, bekam aber keine Gelegenheit mehr dazu. Ein schwarzer Lieferwagen kam quietschend am Ende der Gasse zum Stehen. Hugo und Matias drehten sich um und sahen, wie ein weiterer Lieferwagen auch das andere Ende der Gasse versperrte. Hugo versuchte, die nächstgelegene Tür zu öffnen, aber sie war verschlossen. Das Restaurant hatte schon vor Stunden geschlossen.
Matias drängte Hugo in den Schatten eines Müllcontainers. Er holte zwei große Müllsäcke aus einer nahe gelegenen Mülltonne und warf sie seinem Freund über den Kopf.
»Was machst du da?«, fragte Hugo.
»Dir das Leben retten.«
»Nein, Lorenzo. Ich …«
Matias hob die Hand. »Sie haben dich nicht gesehen. Sie sind wegen mir hier.« Er zog sein Handy aus der Tasche, tippte fieberhaft eine Nachricht an jemanden, nickte und warf das Gerät gegen das Backsteingebäude. Hugo spürte, wie ein Stück des Telefons auf seine Haut traf, als es zerschellte.
Dann stand Matias auf, sehr zu Hugos Leidwesen. »Wir sehen uns wieder, mein Freund.«
Bevor Hugo ihn anflehen konnte, zu bleiben, trat Matias aus den Schatten und warf seine Waffe weg. Er hob die Hände und drehte sich im Kreis, um zu zeigen, dass er in der Tat unbewaffnet war.
»Wo ist Ihr Partner?«, wollte einer der Männer wissen. Der Sprecher war von Hugos Position aus nicht zu sehen.
»Leckt mich am Arsch!«, rief Matias und trat vor. Dabei verdeckte er Hugo mit seinem eigenen Körper.
»Er will Sie sehen«, sagte ein anderer Mann.
»Nun, dann können Sie ihm ausrichten, dass auch mich am Arsch lecken kann.«
Hugo grinste. Matias konnte wirklich gut mit Menschen umgehen.
Der Neuankömmling gluckste. »Sagen Sie es ihm selbst.«
Das leise Bellen eines schallgedämpften Gewehrs ließ Hugo zusammenzucken. Matias brach augenblicklich auf dem rissigen Asphalt zusammen. Im Scheinwerferlicht des Lieferwagens sah Hugo ein kleines Projektil aus Matias' Brust ragen. Er war angeschossen worden, aber nicht von einer Kugel. Matias war mit einem Betäubungspfeil ausgeschaltet worden. Wer auch immer hinter ihm her war, wollte ihn lebend.
Hugo tat, was sein Freund ihm geraten hatte, und blieb, wo er war. Erst, als die beiden Lieferwagen längst weg waren, richtete sich Hugo auf wackeligen Beinen wieder auf. Er trat aus dem Schatten und vergewisserte sich, dass die Luft rein war, bevor er sein eigenes Telefon zückte.
Hugo verfügte über mehr Verbindungen als die meisten anderen Menschen, aber zu niemandem, der ihm die Antworten oder die Hilfe hätte geben können, die er jetzt brauchte. Sein Fuß trat auf etwas. Als er den Stiefel zurückzog, sah er, dass es Matias' zerstörtes Handy war. Er bückte sich, hob es auf und bemerkte das Flackern des defekten Displays. Obwohl der Bildschirm zerbrochen war, konnte er die letzte Nachricht des TAC-Agenten lesen. Hugo wusste alles über Matias' derzeitigen Arbeitgeber.
»El Dorado existiert.«
Mitten in der Nacht ins Ausland zu fliegen machte es für Jack Reilly fast unmöglich, die Uhrzeit zu schätzen. Die Sonne stand jetzt fast an ihrem höchsten Punkt. Nach seiner Schätzung musste es auf Mittag zugehen. Er versuchte, seinen linken Arm zu heben und auf die Uhr zu sehen, aber es gelang ihm nicht. Seine überfüllten Seesäcke waren schwer und unhandlich. Sein nächstes Ziel lag vor ihm, und damit auch der zweite Teil seiner Mission – das Treffen mit Hugo Nunez, einem erstklassigen Schmuggler. Der erste Teil von Jacks erstem Auftrag war damit abgeschlossen. Der Spezialagent des Tactical Archaeological Command war in Bogotá angekommen, und zwar in einem Stück.
»Winner, Winner«, murmelte er und übersprang dabei den Teil mit dem Chicken-Dinner.
Jack hatte sich noch nicht daran gewöhnt, mit gefälschten Ausweisen zu reisen. Sein Führerschein und sein Reisepass waren gefälscht, aber die Leute im TAC-Hauptquartier hatten ganze Arbeit geleistet und ihn mit den überzeugendsten Fälschungen ausgestattet, die er je gesehen hatte. Sie enthielten alle Wasserzeichen und Hologramme, die sie haben sollten. Jack fühlte sich eher wie ein Mitglied der CIA als das einer Schutzorganisation.
Hugo war seit Jahren mit Lorenzo Matias befreundet und derzeit einer der Kontakte des TAC-Agenten. Er hatte die Entführung von Matias aus nächster Nähe miterlebt und war die letzte bekannte Person, die ihn gesehen hatte. Die beiden waren zusammen in der Nähe von Bogotá aufgewachsen, bevor Matias in die Vereinigten Staaten gezogen, zur Schule gegangen und schließlich in die Strafverfolgung eingestiegen war. Soweit Jack wusste, war Matias ähnlich wie er für das TAC rekrutiert worden, obwohl Jack bezweifelte, dass Direktor Raegor jemals unangemeldet in Matias' Haus aufgetaucht war und sich eine Tasse dunklen Röstkaffee gegönnt hatte.
Matias ausfindig zu machen war Jacks Hauptaufgabe. Er war einige Wochen nach der Infiltrierung von Santiago Aguilars Organisation entführt worden. Es gab Gerüchte, dass der Drogenbaron auf der Suche nach etwas war, das die Welt verändern würde. Das gehörte zwar nicht zu seinem Auftrag, aber falls Jack etwas mehr Zeit zur Verfügung stehen sollte, würde er Aguilars Organisation in Schutt und Asche legen. Es war ein klassisches ›zwei Fliegen mit einer Klappe‹-Szenario.
Jack konnte es immer noch nicht fassen. In seinem ersten Auftrag bei der TAC sollte es um einen Vermisstenfall gehen, bei dem auch Piraten und Drogenkartelle eine Rolle spielen würden. Jacks Briefing per Telefonkonferenz mit dem offiziell toten Solomon Raegor und seiner engen Vertrauten Edith »Eddy« Marker war kurz und knapp gewesen. Sie hatten ihm alle Informationen gegeben, die sie ihm geben konnten. Dann hatten sie ihn auf die Reise geschickt und vertrauten darauf, dass Jacks militärische Ausbildung und seine Überlebenskünste ausreichen würden, um ihn am Leben zu erhalten. Er konnte nicht glauben, wie schnell er ins Getümmel geworfen worden war. Andererseits hatte Raegor ihn gewarnt, dass es nicht einfach werden würde.
»Ist das Ihr Ernst?«, fragte Jack den glatzköpfigen Afroamerikaner während der Videokonferenz. »Ich soll mich auf die Suche nach El Dorado begeben?«
»Ja, Jack, wir meinen es sehr ernst.«
Er fuhr sich mit seinen Händen durchs Haar. »Mein erster Einsatz startet mit El Dorado?«
Raegor lächelte. »Ja, das tut er.«
Die letzte Korrespondenz zwischen der TAC und dem vermissten Agenten war eine verschlüsselte Nachricht gewesen, die lautete Jack war genauso fassungslos gewesen wie alle anderen. Tatsächlich war er es immer noch. Die legendäre Stadt aus Gold war angeblich genau das – nur eine Legende. Es hatte nie einen konkreten Beweis für ihre Existenz gegeben. Gerüchte und haarsträubende Geschichten rankten sich um das verlorene Dschungelreich, aber keine von ihnen passte zu den anderen. Die Ungereimtheiten verrieten Jack, dass es da draußen wahrscheinlich nichts zu finden gab. Er hatte sich während seines gesamten Fluges darüber informiert.
dachte er. Er rieb sich das Handgelenk. Jack hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, seine Armbänder nicht mehr zu tragen. Aber das gehörte dazu, wenn man ein Geist war. Wenn er sie trug, konnte er besser identifiziert werden. Und wie viele weiße Amerikaner Ende dreißig trugen in Kolumbien schon indianischen Perlenschmuck?
Die Antwort? Keiner.
Er bezweifelte, dass er nach Südamerika geschickt worden wäre, wenn es dort nichts zu finden gäbe. Matias war Kern der Mission, aber auch, herauszufinden, warum er an die Existenz von El Dorado glaubte, wie er in seinem verschleierten Kommuniqué erklärt hatte.
In Bogotá herrschten derzeit 18 Grad Celsius. Jacks Lederjacke und Jeans sollten vorerst genügen, um sich wohlzufühlen. Er hatte vor, seine ›Firmenkarte‹ zu benutzen, um in der Stadt ein paar Dinge zu kaufen. TAC-Agenten reisten mit leichtem Gepäck. Sie zogen von Ort zu Ort und brachten selten etwas Wertvolles mit. Da sie schnell wieder verschwinden mussten, durften sie nur sehr wenige Beweise zurücklassen. Offiziell existierte das TAC nicht – das musste Jack sich merken.
Selbst jetzt enthielt sein Gepäck kaum etwas Brauchbares. Die Taschen gaben ihm den Anschein eines Reisenden, der vorhatte, noch eine Weile zu bleiben. Er war gewarnt worden, dass die Lösung dieser Aufgabe Wochen dauern könnte.
Eine Doppeltür öffnete sich und gab den Blick auf den Abholbereich frei. Ihm blies die Außentemperatur ins Gesicht,...




