Jebelli | the brain at rest | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Jebelli the brain at rest

Wie wir durch Nichtstun unser Leben verbessern können | Tipps eines Neurowissenschaftlers gegen Überarbeitung und Burnout
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-492-61158-9
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie wir durch Nichtstun unser Leben verbessern können | Tipps eines Neurowissenschaftlers gegen Überarbeitung und Burnout

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-492-61158-9
Verlag: Piper Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Denken wir - nichts! Und verändern so unser Leben. Denn erst wenn unser Gehirn zur Ruhe kommt, entfaltet es sein volles Potenzial. Neurowissenschaftler Joseph Jebelli erklärt die erstaunlichen Vorteile, die eintreten, wenn der Kopf abschalten darf: Durch Nichtstun denken wir kreativer, gesünder und - überraschenderweise - sogar produktiver. Aber nicht nur der Kopf wird klarer: Dank Pausen, Spaziergängen und Co. lösen wir Probleme besser, bauen Stress ab und steigern unsere allgemeine Gesundheit. Ein unverzichtbarer Leitfaden für frisches Denken und ein ausgeglicheneres und erfüllteres Leben.

Dr. Joseph Jebelli ist Neurowissenschaftler und Autor und lebt in London. Seine Forschung zu Gehirnfunktion und Neurodegeneration veröffentlicht er in Zeitschriften wie The Guardian und The Telegraph. In seinen Büchern erklärt er, wie das menschliche Gehirn funktioniert, wie es sich entwickelt hat und wie Alzheimer entsteht.
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2 Die Neurowissenschaft der Arbeit


Alle Arbeit basiert bei genauerem Blick auf den gleichen neurobiologischen Prozessen. So vertrauen sowohl eine Chirurgin während einer Operation als auch ein Schriftsteller während seiner Schreibarbeit auf neuronale Prozesse, die unsere Konzentration, Entscheidungsfindung und Aufmerksamkeit für Details steuern. Ich habe mich jahrelang gefragt, wie sich diese Prozesse wohl unter verschiedenen Graden an Druck verhalten und was passiert, wenn sie an ihre Grenzen getrieben werden. Diese Frage hat einen Großteil meiner Forschung angespornt, vom Verständnis dafür, wie Neuronen Synapsen bauen, bis zu der Frage, warum Alzheimerpatienten so große Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie dem Anziehen haben. Um jedoch wirklich zu durchdringen, welchen Einfluss Arbeit auf unser Gehirn hat, müssen wir zuerst verstehen, wie das Gehirn sich durch die bedrohliche Landschaft des ungebremsten Kapitalismus und das unweigerlich daraus entstehende Burnout navigiert. Werfen wir also mal einen Blick auf die Leben der Menschen, deren Erfahrungen die Probleme so vieler von uns widerspiegeln.

Vor Sonnenaufgang in der Vorstadt. Als die ersten Sonnenstrahlen auf die Dächer treffen, ist Adwoa, Lehrerin und Alleinerziehende, bereits auf den Beinen. Ihr Kopf schwirrt nur so vor Unterrichtsplänen, Lehrerkonferenzen und Ideen für das Frühstück ihrer Tochter. Adwoas Leben ist ein Strudel aus verantwortungsvollen Aufgaben, die alle einer detailgetreuen Planung, durchgängiger Aufmerksamkeit, flexiblen Denkens und Problemlösungen bedürfen.

Das exekutive Netzwerk – das zielgerichtete Arbeitsnetzwerk ihres Gehirns – schaltet sofort in den höchsten Gang und hält ihr Kurzzeitgedächtnis auf Trab, während sie sich den heutigen Fahrplan in Erinnerung ruft. Danach bewertet und priorisiert es ihre Aufgaben, fällt Entscheidungen darüber, was sofort angegangen werden müsste: ihren Unterrichtsplan finalisieren oder die schlecht gelaunte Sechsjährige beruhigen. Dieses neuronale Netzwerk ist wie ein erfahrener Gärtner mit einem florierenden Ökosystem, es leitet Adwoa durch das morgendliche Chaos und verknüpft die Bedürfnisse des Kindes mit ihren eigenen beruflichen Verpflichtungen.

In der Schule sieht sich Adwoa dann anderen neurobiologischen Herausforderungen gegenüber. Sie muss der Unterstufenklasse Kunsttechniken zeigen und erklären, ihr exekutives Netzwerk verwandelt also visuelle Konzepte in greifbare Ideen, die sie an ihre Schüler und Schülerinnen weitergeben kann. Dann hilft es ihr, die Ordnung im Klassenzimmer aufrechtzuerhalten, filtert für sie unwichtige Ablenkungen – von der Beruhigung störender Schüler und Schülerinnen bin hin zum Ausschalten von Handybenachrichtigungen – heraus und lenkt ihre Konzentration auf die jungen Köpfe vor ihr.

Nach einem anstrengenden Schultag kommt Adwoa zu ihrem zweiten Job als Elternteil nach Hause. Das wiederum erfordert eine Reihe anderer exekutiver Funktionen: Hausaufgaben betreuen, Haushalt machen und Abendessen vorbereiten. Wenn Adwoa beispielsweise ihrer Tochter bei den Hausaufgaben für den Kunstunterricht hilft, dann wechselt ihre Perspektive von der einer Lehrerin zum fürsorglichen Mindset einer Mutter, sie passt dabei ihre Erklärungen über Kunst an den einzigartigen Lernstil ihrer Tochter an.

Auch nach dem Ende von Adwoas Tag ruht sich ihr exekutives Netzwerk nicht aus. Es bereitet den nächsten Tag vor, legt Erinnerungen zu den Akten, lernt aus den Erfahrungen des vergangenen Tages und plant Strategien für die nächsten Herausforderungen. Auf diese Weise ist ihr Gehirn wie ein unermüdlicher Motor und lenkt ihre Gedanken und Handlungen, um so ein Leben zu ermöglichen. Es macht erst Pause, wenn sie sich endlich ausruht, um dann am nächsten Morgen wieder von vorn zu beginnen.

Überforderte Gehirne lassen sich in allen Wirtschaftszweigen finden, von Lehrerinnen zu Putzfachkräften, von Busfahrern zu Bankerinnen. Kein Beruf ist ausgenommen, weil jeder Job eine Art tyrannische Kontrolle über das exekutive Netzwerk unseres Gehirns ausübt. Um zu verstehen, wie sich das in der Privatwirtschaft zeigt, habe ich mit jemandem aus einer der einflussreichsten Management-Beratungsfirmen in London gesprochen. Sie – nennen wir sie Jessica – ließ sich vor fünf Jahren anheuern, frisch mit einem Studienabschluss von Oxford in der Tasche, eifrig und optimistisch, voller Vorfreude auf ein Ausleben des Unternehmensmottos »Wert schaffen«. Und das ist aus ihrem Leben laut ihrem Bericht geworden:

»Ich bin immer aktiv und erreichbar. Mein Leben besteht jetzt aus dem Unternehmen.« In Jessicas Welt verschmelzen die Wochentage mit den Wochenenden und die Tage mit den Nächten. Um in der primär männlichen Hierarchie aufsteigen zu können, wird die Erholung dem Profit und den Anforderungen der Klienten und Klientinnen geopfert.

Ihr Wecker geht noch in der vormorgendlichen Dunkelheit los. Ihr Gehirn kartografiert schon vor ihrem ersten Schluck Kaffee die Aufgaben, Meetings, Deadlines und strategischen Planungssitzungen. »Ich habe mein erstes Zoom-Meeting, bevor ich mich überhaupt angezogen habe«, erzählte sie. »Ein Meeting nach dem anderen kann ganz schön Kraft kosten, und dann fängt man erst am Ende des Arbeitstages mit der eigentlichen Arbeit an.«

Das exekutive Netzwerk ihres Gehirns muss für die hohe Anzahl der erforderlichen täglichen Entscheidungen die Wichtigkeit und Dringlichkeit jeder Aufgabe ermessen. Es beantwortet Fragen wie: »Sollte ich mir dieses Dokument für die heutige Präsentation anschauen oder auf die dringende E-Mail von gestern Abend antworten?«

In einem der unheilschwangeren Glasmonolithen des Londoner Finanzviertels wechselt ihr exekutives Netzwerk im Büro zwischen den Entwürfen einer E-Mail an Klienten und Klientinnen und der Beantwortung einer Anfrage eines Kollegen hin und her, während gleichzeitig Finanzberichte angeschaut werden müssen. »Ich bestehe eigentlich nur noch aus Multitasking«, sagte sie. Wenn dann noch die unausweichliche spätabendliche Telefonkonferenz ansteht, boxt sie sich durch und versucht, ihre Konzentration trotz der sich anhäufenden Erschöpfung und dem nach ihr rufenden warmen Bett zu Hause aufrechtzuerhalten.

Endlich zu Hause, gibt sich Jessica dann einem unruhigen Schlaf hin, und ihr exekutives Netzwerk bekommt die dringend notwendige Pause, aber die Überanstrengung hinterlässt bereits schwere gesundheitliche Folgen. Im Vergleich zu jenen mit kürzeren Arbeitstagen ist ihr Schlaganfallrisiko nun um 33?Prozent, das Risiko für eine Herzerkrankung um 13?Prozent höher, so eine Studie in .[24] Sie leidet an Schlafstörungen, hohem Blutdruck und einem geschwächten Immunsystem. Die kontinuierliche Anforderung an ihr Gehirn, sich auf Aufgaben zu konzentrieren und pseudowichtige Entscheidungen zu treffen, verringert ihre kognitiven Ressourcen, was sie einem höheren Risiko für Depressionen in der Gegenwart sowie für Demenz in der Zukunft aussetzt. »Darauf war ich nicht eingestellt. Es gibt ein ›viel zu tun haben‹, und dann gibt es das hier. Das fühlt sich wie ein Angriff an.«

Das exekutive Netzwerk unsers Gehirns erledigt die täglichen Aufgaben mit dem rostrolateralen und dem dorsolateralen präfrontalen Cortex – weiter vorn im Gehirn, auf der äußeren Oberfläche –, dem vorderen Gyrus cinguli – der Gürtelwindung, die tief in unserem Gehirn sitzt – und dem Lobulus parietalis inferior – im oberen und hinteren Teil des Gehirns. Diese Regionen sind mit ihrer Zusammenarbeit essenziell für unsere Konzentrations-, Planungs- und Organisationsfähigkeit sowie für kognitiv anspruchsvolle Aufgaben. Um die Rolle dieser Areale für unseren Alltag verstehen zu können, schauen wir uns jetzt im Folgenden alle einzeln an.

Unser rostrolateraler und dorsolateraler präfrontaler Cortex verhält sich wie ein Komitee, das sich durch die Flut an sensorischen Daten arbeitet, die uns jede Sekunde unseres Lebens überschwemmt. An dieser neuronalen Tafelrunde werden Entscheidungen diskutiert, Konsequenzen abgewogen, Pläne geschmiedet und Handlungen umgesetzt. Von der einfachen Entscheidung, was man zum Frühstück...



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