Jeier | Biberfrau | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 531 Seiten

Jeier Biberfrau

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96148-011-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 531 Seiten

ISBN: 978-3-96148-011-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Einfühlsam und mitreißend: die Geschichte der Cheyenne in dem Roman 'Biberfrau' von Thomas Jeier jetzt als eBook bei dotbooks. Seit Anbeginn der Zeit lebt das Volk der Cheyenne in Einklang mit der Natur. Biberfrau ist die Auserwählte ihres Stammes. Als Heilige Frau kann nur sie allein zum Großen Geist Maheo sprechen, der sie in der fremden Welt mythischer Vorzeiten anleitet und ihr Träume sendet, damit sie und die ihren überleben. Geschickt lenkt Biberfrau so die Geschicke ihres Volkes. Während zahlloser Sommer und Winter begleitet Biberfrau ihre Verwandten, sieht Kinder zur Welt kommen und Alte sterben, tanzt heilige Tänze am großen Feuer - und erlebt die Ankunft der weißen Männer, die Tod und Verderben über die Cheyenne bringen ... 'Der berühmte Indianerkenner Thomas Jeier hat einen Roman voller Mythen, Legenden und Poesie geschrieben, detailgetreu und überaus authentisch.' Marie Claire Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Biberfrau' des preisgekrönten Bestsellerautors Thomas Jeier. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Thomas Jeier wuchs in Frankfurt am Main auf, lebt heute bei München und »on the road« in den USA und Kanada. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet. Seine über 100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Bei dotbooks erscheinen folgende Titel des Autors: »Die Sterne über Vietnam« »Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn« »Flucht durch die Wildnis« »Sie hatten einen Traum« »Sturm über Stone Island« »Wo die Feuer der Lakota brennen« »Flucht vor dem Hurrikan« »Wohin der Adler fliegt« »Die Reise zum Ende des Regenbogens« »Hinter den Sternen wartet die Freiheit« »Die vergessenen Frauen von Greenwich Village« »Solange wir Schwestern sind« »Blitzlichtchaos« »Der Stein der Wikinger« Die Website des Autors: www.jeier.de Der Autor im Internet: www.facebook.com/thomas.jeier
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Kapitel 1
DAS VOLK AUS DER ERDE


Biberfrau stieg aus der Erde empor. Zusammen mit ihren Brüdern und Schwestern kroch sie durch einen langen Tunnel in das Licht, das am Ausgang auf sie wartete. Mit geschlossenen Augen blieb sie auf dem feuchten Boden stehen. Sie spürte das kniehohe Gras an ihren Beinen und den sanften Wind, der ihren nackten Körper streichelte. Ein geheimnisvolles Lied drang bis tief in ihre Seele und erfüllte sie mit einem Zauber, den sie unter der Erde nie gespürt hatte. Sie fühlte, wie sie von den Seelen unbekannter Wesen berührt und willkommen geheißen wurde.

Dies war eine neue Welt. Ein magisches Reich mit mächtigen Geistern und fremden Wesen, ein Zauberland voller unbekannter Klänge und seltsamer Düfte. Dies war das Land, das sie in ihren Träumen gesehen hatte. Sie atmete die frische Luft, zuerst zögernd, dann immer tiefer, bis sie den Geisterwind in jeder Faser ihres Körpers spürte. Sie öffnete langsam die Augen und schreckte vor dem lodernden Feuerball zurück, der am fernen Horizont glühte. Sie hielt erschrocken die Hände vor ihr Gesicht, aber das Licht war sanft und floß wie Sand über die Erde. Ihre Augen gewöhnten sich an die ungewohnte Helligkeit. Sie ging ein paar Schritte, spürte die nasse Erde unter ihren Füßen und blickte sich staunend um. Seit vielen Wintern träumte sie von dieser Welt, aber sie hatte nie gewagt, den anderen Menschen ihres Volkes darüber zu erzählen. Sie hätten gelacht und sie verspottet. Sie hatten immer unter der Erde gelebt und konnten sich keine andere Heimat vorstellen. Sie waren felsige Höhlen, körnigen Sand und tiefe Dunkelheit gewöhnt. Aber der Große Geist hatte recht behalten. Er hatte seine Kinder in eine andere Welt geführt und mit neuen Wesen und Geistern umgeben.

Biberfrau reckte die Arme nach oben und dankte dem unbekannten Wesen, das viele Tagesreisen über ihnen schwebte und ihr Leben bestimmte. Sie sah das große Geheimnis zum ersten Mal. Es zeigte sich in dem grellen Licht, das am Horizont brannte. Sie kannte den Großen Geist, der unter der Erde wohnte und sie durch ihr früheres Leben geführt hatte, und sie hatte die geheimnisvollen Kräfte in den vier Himmelsrichtungen gespürt. Maheo hatte sich den Erdbewohnern niemals gezeigt. Nicht einmal die heiligen Männer ihres Volkes hatten den Großen Geist, der in den unbekannten Sphären des Himmels wohnte und allen anderen Geistern überlegen war, berührt oder gesehen. Er war überall und nirgendwo und brannte in den Seelen aller Lebewesen.

»Großer Geist, ich danke dir!«, rief sie dem hellen Licht entgegen, das am Himmel brannte und das neue Land mit einem heiligen Schein überzog. »Ich bin eine arme Erdenbewohnerin und habe die Dunkelheit gesehen, solange ich denken kann. Jetzt sehe ich das Licht, das in deinen Augen leuchtet und uns den Weg in eine neue Welt zeigt. Du weißt alles, Maheo! Du bist wie eine Spinne, die ein feines Netz unter der Erde webt und auf unsichtbaren Wegen durch das Dunkel gleitet. Du bist wie der Wind, der aus dem Nichts kommt und im Nichts verschwindet.«

Sie kümmerte sich nicht um die anderen Erdbewohner, blickte sie nicht einmal an. Eine unbekannte Kraft führte sie zum Ufer eines weiten Sees, der sich inmitten eines dunklen Waldes ausbreitete und wie brennende Erde im Licht des Großen Geistes leuchtete. Auch von diesem See hatte sie geträumt. Sie hatte gesehen, wie sein Wasser zuerst silbern und dann dunkelrot geleuchtet hatte und im Dunkel der Nacht verschwunden war. Sie hatte gehört, wie die Geister an seinem Ufer flüsterten. Sie war keine Medizinfrau, aber sie träumte viel und verstand die geheimnisvollen Kräfte, die ihr Volk bedrohten oder beschützten. Im kniehohen Uferschilf blieb sie stehen. Sie blickte dem Großen Geist in die Augen und spürte sein wärmendes Licht. Maheo würde ihr sagen, was sie tun mußten, so hatte sie es in ihren Träumen erfahren. Ihr Volk würde auf sie hören, denn sie würde ihnen das Wissen bringen, das sie brauchten, um in der neuen Welt überleben zu können. »Großer Geist!« rief sie. »Wir sind deinem Licht in die neue Welt gefolgt! Wir haben unsere Heimat unter der Erde verlassen, um ein anderes Leben zu beginnen. Zeige uns den Weg, der in eine neue und bessere Zukunft führt!«

Das Licht verfärbte sich, und der Große Geist sprach zu ihr. Seine Stimme berührte sie tief in ihrer Seele und füllte sie mit dem Wissen, das sie in der neuen Welt brauchte. »Du bist Biberfrau«, sagte er, »du bist die heilige Frau deines Volkes! Du bist die Frau, zu der alle Geister sprechen werden! Du weißt mehr als die anderen Erdbewohner, weil ich dich auserwählt habe! Du wirst nicht älter, und du wirst nicht jünger! Du siehst die Zukunft, bevor deine Brüder und Schwestern sie sehen! Du bist die Stimme, die großes Glück und großes Unheil verkündet! Du bist die Seele deines Volkes! Du wirst die Menschen in ihre neue Heimat führen und so lange bleiben, bis deine schwere Aufgabe erfüllt ist!«

Sie senkte den Kopf und spürte, wie sie unter der Berührung des Großen Geistes erstarkte. Ihr Wissen vermehrte sich. Eine unsichtbare Kraft breitete sich in ihrem Körper aus, und ihr Blick wurde klarer. Sie sah den weiten See und die Bäume, die an seinem Ufer standen. Sie erkannte die Vögel, die über das Wasser flogen und im Schilf verschwanden. Sie entdeckte die bunten Käfer, die über das Gras zu ihren Füßen krochen. Sie hörte, wie die Bäume flüsterten, und sie spürte die Kraft der Steine. Alle Dinge waren lebendig, alle Dinge hatten einen Namen. Sie kannte diese Namen, obwohl Maheo sie nicht genannt hatte.

Zum ersten Mal sah sie ihr Spiegelbild. Im klaren Wasser des Sees erkannte sie eine junge Frau, deren Haut schon nach kurzer Zeit in der Sonne gebräunt war. Ihre Haare waren schwarz und reichten bis weit über die Schultern. Ihr Gesicht leuchtete wie flüssige Bronze im Angesicht des Großen Geistes, ihre Augen strahlten beim Anblick der neuen Heimat. Sie war nach dem Wunschbild des Großen Geistes geformt und mit keinem Makel behaftet. Wenn sie den Mund öffnete, sprach das Große Geheimnis. Wenn sie lächelte, glühte die Sonne. Wenn sie weinte, fiel warmer Sommerregen auf das Land. Wenn sie sich bewegte, verneigten sich alle lebendigen Wesen vor ihrem Körper.

Maheo hatte ihr neue Kraft gegeben. Sie fühlte, wie frisches Blut durch ihre Adern floß und sie mit Energie erfüllte. Es war gut, am Leben zu sein. Es war gut, die Kraft des Großen Geistes zu spüren. Sie fühlte sich stark und schön und von einem Stolz erfüllt, der sie allen anderen Lebewesen überlegen machte. Dies war die wahre Schöpfung. Sie hatte das Land gefunden, nach dem sie sich immer gesehnt hatte. Sie sah die Bilder, die sie in ihren Träumen gesehen hatte. Sie erblickte das Licht, das sie unter der Erde nie gespürt hatte. Dies war das Große Geheimnis. »Auf dieser Welt werdet ihr leben«, sagte Maheo, »dies ist das Land, das eure Mutter ist! Die Erde gibt euch die Kraft zum Leben. Sie schenkt euch die Pflanzen, die euch sättigen, und die Kräuter, die euch heilen. Sie läßt alles wachsen. Sie schenkt uns das Wasser, das aus den Felsen sprudelt, und sie bringt das Gras hervor, das die Tiere am Leben erhält. Alles bewegt sich im Kreis. Die Tiere leben von dem Gras, das aus der Erde kommt, und die Menschen ernähren sich von den Tieren. Ihr tötet sie mit den Lanzen und Pfeilen, die ihr aus dem Holz schneidet, das aus der fruchtbaren Erde kommt. So habe ich es bestimmt. Ohne die Erde könnte nichts leben, ohne die Erde würde es nichts geben.« Biberfrau blickte über den See. »Ich danke dir, Maheo! Du hast uns eine neue Zukunft geschenkt, und du erhältst uns am Leben! Wir verehren dich! Wir beten zu dir, und wir beten zu der Erde, die unsere Mutter ist. Wir ehren den Boden und das Wasser und die Pflanzen, und wir verneigen uns vor den Tieren, die unsere Brüder sind. Wir töten sie nur, weil wir sie zum Leben brauchen. Wir blicken zum Himmel, und wir blicken auf die Erde. Wir blicken in die vier Richtungen, aus denen wir die Kraft empfangen.« Ein kühler Wind rauschte aus dem Norden heran. Sie erschauderte und hielt die Hände vor ihren nackten Körper. »Ho-im-a-ha«, sagte der Große Geist, »im Norden wohnt der Mann, der den Winter bringt. Er kommt in einer weißen Wolke aus den Bergen und vertreibt die Sonne, die euch das Leben schenkt. Ihr könnt ihn nicht aufhalten. Er kommt immer zur selben Zeit und vertreibt das Licht aus den Wäldern. Aber ihr müßt zu ihm beten, denn sein kalter Atem erstickt alles Leben und treibt die Schwachen und die Kranken in den Tod! Der Donnervogel ist auf eurer Seite! Er treibt den weißen Mann nach Norden zurück und schleudert feurige Lanzen auf das Land. Betet zu ihm, denn er bringt euch das Leben zurück! Er bringt die Wärme, die ihr zum Leben braucht!«

Biberfrau erfuhr, daß die Sonne im Osten aufgeht und über den Himmel nach Westen wandert. »Erschreckt nicht, wenn es dunkel wird«, sagte Maheo, »die Sonne kehrt am nächsten Morgen zurück. Alles bewegt sich im Kreis, erinnerst du dich? Ehre den Westen und den Osten, denn auch dort wohnt das Leben! Raucht die heilige Pfeife und blast den Rauch in alle Richtungen, ehrt das Große Geheimnis und die Erde, die eure Mutter ist und euch das Leben schenkt! So habe ich entschieden, Biberfrau.«

Die heilige Frau verneigte sich tief vor dem Großen Geist. Sie sang ein Lied, das sie niemals zuvor gesungen hatte, und ihre Stimme trug weit über die Lichtung und erreichte die anderen Erdbewohner. Das Lied erzählte ihnen, daß sie keine Erdbewohner mehr waren und eine neue Heimat gefunden hatten. Der Große Geist hatte ihnen einen neuen Namen gegeben: Tsis-tsis-tas, die Leute, die miteinander verwandt sind. Sie war Biberfrau, die heilige Frau des Volkes, und würde zu ihnen zurückkehren, wenn sie genug erfahren...


Jeier, Thomas
Thomas Jeier wuchs in Frankfurt am Main auf, lebt heute bei München und „on the road“ in den USA und Kanada. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet. Seine über 100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.

Bei dotbooks erscheinen folgende Titel des Autors:
„Biberfrau“
„Die Tochter des Schamanen“

Die Website des Autors: www.jeier.de
Der Autor im Internet: www.facebook.com/thomas.jeier



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