Kipling | Nur so Geschichten - Das tierische Märchenbuch | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Kipling Nur so Geschichten - Das tierische Märchenbuch

Klassische Tierfabeln und Ursprungslegenden: von Alphabet und Briefen bis zu Höckern, Flecken und Rachen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-80-268-2539-5
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Klassische Tierfabeln und Ursprungslegenden: von Alphabet und Briefen bis zu Höckern, Flecken und Rachen

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

ISBN: 978-80-268-2539-5
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Nur so Geschichten - Das tierische Märchenbuch' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Rudyard Kipling (1865 - 1936) war ein britischer Schriftsteller und Dichter. Er gilt als wesentlicher Vertreter der Kurzgeschichte und als hervorragender Erzähler. Seine Kinderbücher gehören zu den Klassikern des Genres. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte Kipling zu den populärsten englischen Schriftstellern. Inhalt: Wie das Alphabet erfunden wurde Wie der erste Brief geschrieben wurde Der Elefantenjunge Der Ursprung der Gürteltiere Das Lied des alten Kängurumannes Wie das Kamel zu seinem Höcker kam Die Katze, die frei umherstreifte Die Krabbe, die mit dem Meer spielte Wie der Leopard zu seinen Flecken kam Wie das Rhinozeros zu seiner Haut kam Der Schmetterling, der aufstampfte Wie der Wal zu seinem Rachen kam

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Wie der erste Brief geschrieben wurde


Es war einmal vor langerlanger Zeit ein Neu-Steinzeitmann. Er war kein Jütländer oder Angelsachse, oder sogar Drawide, was er gut hätte sein können, Meistgeliebte, aber frag' nicht warum. Er war ein Primitiver, und er lebte kuschelig in einer Höhle, und er trug sehr wenig Kleidung, und er konnte nicht lesen und nicht schreiben und wollte das auch gar nicht, und außer, wenn er hungrig war, war er ganz glücklich. Sein Name war Tegumai Bopsulai, und das bedeutet: ›Mann-der-seinen-Fuß-nicht-eilig-vorwärts-setzt‹; aber wir, o Meistgeliebte, werden ihn einfach Tegumai nennen. Und seine Frau hieß Teshumai Tewindrow, und das bedeutet: ›Dame-die-sehr-viele-Fragen-stellt‹; aber wir, o Meistgeliebte, werden sie einfach Teshumai nennen. Und der Name seiner kleinen Tochter war Taffimai Metallumai, und das bedeutet: ›Kleine-Person-ohne-Manieren-die-verhauen-gehört‹; aber ich werde sie Taffi nennen. Und sie war Tegumai Bopsulais Meistgeliebte und ihrer Mami Bestgeliebte, und sie bekam nicht halb so viel Haue, wie ihr gut getan hätte; und alle drei waren sie sehr glücklich. So bald Taffi umherlaufen konnte, ging sie mit ihrem Pappi Tegumai überall hin, und manchmal kamen sie nicht bevor sie sehr hungrig waren zur Höhle zurück, und dann sagte Teshumai Tewindrow: »Wo in aller Welt seid ihr zwei gewesen und habt euch so entsetzlich dreckig gemacht? Wirklich, mein Tegumai, du bist nicht besser als meine Taffi.«

Nun paß auf und hör zu!

Eines Tages ging Tegumai Bopsulai durch den Biber-Sumpf zum Wagai-Fluß, um Karpfen zum Abendbrot zu speeren, und Taffi ging mit. Tegumais Speer war aus Holz, mit Haifischzähnen an der Spitze, und bevor er auch nur einen Fisch erwischt hatte, hatte er ihn sauber abgebrochen, als er ihn zu fest auf den Grund des Flusses stach. Sie waren meilenweit von zu Hause weg (natürlich hatten sie sich in einer kleinen Tasche etwas zu Essen mitgenommen), und Tegumai hatte nicht daran gedacht, ein paar Ersatzspeere mitzunehmen.

»Das ist ja eine schöne Bescherung!« sagte Tegumai. »Ich werde den halben Tag brauchen, um das zu reparieren.«

»Du hast doch noch den schwarzen Speer zu Hause,« sagte Taffi. »Laß mich zur Höhle zurück laufen und Mami bitten, dass sie ihn mir gibt!«

»Das ist zu weit für deine kleinen dicken Beine,« sagte Tegumai. »Außerdem könntest du in den Biber-Sumpf fallen und ertrinken. Wir müssen einfach das Beste draus machen.« Er setzte sich hin und nahm seinen kleinen ledernen Werkzeugbeutel heraus, der voller Rentiersehnen und Lederstreifen und Klumpen von Bienenwachs und Harz war, und fing an, den Speer zu reparieren.

Taffi setzte sich auch hin, ließ die Zehen ins Wasser hängen und stützte das Kinn in die Hand und dachte sehr stark nach. Dann sagte sie – »ich meine, Pappi, dass es ein ekelhafter Mist ist, dass du und ich nicht schreiben können, nicht wahr? Wenn wir es könnten, könnten wir eine Botschaft schicken und einen neuen Speer bestellen.«

»Taffi,« sagte Tegumai, »wie oft habe ich dir gesagt, dass du vernünftig sprechen sollst? ›Ekelhafter Mist‹ ist kein schöner Ausdruck, aber, wo du es gerade erwähnst, es könnte Vorteile haben, wenn wir nach Hause schreiben könnten.«

In dem Moment kam ein fremder Mann den Fluß entlang, aber der gehörte zu einem weit entfernten Stamm, den Tewaras, und er verstand nicht ein einziges Wort von Tegumais Sprache. Er stand am Ufer und lächelte Taffi an, weil er auch eine kleine Tochter zu Hause hatte. Tegumai zog einen Streifen Hirschsehen aus seinem Werkzeugbeutel und fing an, den Speer zu reparieren.

»Komm her,« sagte Taffi. »Weißt du, wo Mami wohnt?« Und der fremde Mann sagte »Um!«, weil er, wie du weißt, ein Tewara war.

»Dumm!« sagte Taffi. Und stampfte mit dem Fuß auf, weil sie einen Schwarm sehr großer Karpfen den Fluß hinaufziehen sah, gerade jetzt, wo ihr Pappi seinen Speer nicht benutzen konnte.

»Belästige keine Erwachsenen,« sagte Tegumai, so mit seiner Speerreparatur beschäftigt, dass er sich nicht einmal umdrehte.

»Tu ich doch gar nicht,« sagte Taffi. »Ich will nur, dass er tut, was ich will, und er versteht nichts.«

»Dann belästige mich nicht,« sagte Tegumai, und fuhr mit seinem Ziehen und Zerren an den Hirschsehnen fort, den Mund voller loser Enden. Der fremde Mann – ein echter Tewara war das – setzte sich ins Gras, und Taffi zeigte ihm, was ihr Pappi machte. Der fremde Mann dachte: ›Dieses ist ein sehr wundervolles Kind. Sie stampft mit dem Fuß vor mir auf und schneidet Gesichter. Sie muß die Tochter des edlen Häuptlings sein, der so bedeutend ist, dass er mich nicht einmal bemerkt.‹ Also lächelte er noch höflicher als zuvor.

»Also,« sagte Taffi, »ich möchte gerne, dass du zu meiner Mami gehst, weil deine Beine länger sind als meine, und weil du nicht in den Biber-Sumpf fallen wirst, und um Pappis anderen Speer bittest – den mit dem schwarzen Handgriff, der über unserer Feuerstelle hängt.«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) dachte, »Dieses ist ein sehr, sehr wundervolles Kind. Sie schwenkt die Arme und schreit mich an, aber ich verstehe nicht ein Wort, das sie sagt. Aber wenn ich nicht tue, was sie will, fürchte ich sehr, dass dieser stolze Häuptling, Mann-der-Besuchern-den-Rücken-kehrt, wütend wird.« Er stand auf, drehte ein großes Stück Rinde von einer Birke ab und gab das Taffi. Er tat das, Meistgeliebte, um zu zeigen, dass sein Herz so weiß war wie die Birkenrinde, und dass er nichts Böses im Schilde führte; aber Taffi verstand es nicht ganz richtig.

»Oh!« sagte sie. »Jetzt verstehe ich! Du willst Mamis Adresse haben? Natürlich kann ich nicht schreiben, aber ich kann Bilder malen, wenn ich etwas Spitzes zum Kratzen finde. Bitte leih mir den Haifischzahn von deiner Halskette.«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) sagte nichts, also streckte Taffi ihre kleine Hand aus und zog an der schönen Perlen-, Samen- und Haifischzahnkette, die er um den Hals trug.

Der fremde Mann (der ein Tewara war) dachte, ›Dieses ist ein sehr, sehr, sehr wundervolles Kind. Der Haifischzahn an meinem Hals ist ein magischer Haifischzahn, und man hat mir immer gesagt, dass jeder, der ihn ohne meine Erlaubnis berührt, unverzüglich anschwellen und zerplatzen würde, aber dieses Kind schwillt nicht an und zerplatzt nicht, und der bedeutende Häuptling, Mann-der-sich-nur-um-seine-Arbeit-kümmert, der mich immer noch nicht bemerkt hat, scheint keine Angst zu haben, dass sie anschwillt oder zerplatzt. Ich werde besser noch höflicher sein.‹

Also gab er Taffi seinen Haifischzahn, und sie legte sich flach auf den Bauch, die Beine in der Luft, wie manche Leute, wenn sie auf dem Wohnzimmerfußboden Bilder malen wollen, und sie sagte: »Jetzt werde ich dir ein paar schöne Bilder malen! Du kannst mir über die Schulter sehen, aber du darfst nicht wackeln. Zuerst male ich Pappi beim Fischen. Es sieht ihm nicht sehr ähnlich; aber Mami wird ihn erkennen, weil ich seinen Speer ganz zerbrochen gemalt habe. Gut, jetzt male ich den anderen Speer, den er braucht, den Speer mit dem schwarzen Griff. Es sieht aus, als ob er in Pappis Rücken steckte, aber das kommt nur, weil der Haifischzahn abgerutscht und dieses Rindenstück nicht groß genug ist. Das ist der Speer, den du holen sollst; also male ich jetzt noch ein Bild von mir, wie ich es dir erkläre. Meine Haare stehen nicht so hoch, wie ich es gemalt habe, aber so kann ich es besser malen. Jetzt male ich dich. Ich weiß, dass du in Wirklichkeit sehr nett bist, aber ich kann dich auf dem Bild nicht nett malen, also darfst du nicht beleidigt sein. Bist du beleidigt?«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) lächelte. Er dachte: »Es muß irgendwo eine große Schlacht geplant sein, und dieses außergewöhnliche Kind, die meinen magischen Zahn nimmt, aber weder anschwillt noch zerplatzt, befiehlt mir, alle großen Stammeshäuptlinge zusammenzurufen, damit sie ihm helfen. Er ist ein großer Häuptling, sonst hätte er mich bemerkt.«

»Schau,« sagte Taffi und zeichnete sehr angestrengt und kratzig, »jetzt habe ich dich gemalt, mit dem Speer, den Pappi haben möchte, in der Hand, um dich zu erinnern, dass du ihn hierher bringen mußt. Jetzt zeige ich dir, wie du Mamis Wohnung findest. Du gehst da lang, bis du zu zwei Bäumen kommst (das da sind Bäume) und dann gehst du über einen Hügel (das ist ein Hügel) und dann kommst du zu einem Bibersumpf voller Biber. Ich habe nicht die ganzen Biber reingemalt, weil ich keine Biber malen kann, aber ich habe ihre Köpfe gemalt, und mehr wirst du sowieso nicht von ihnen sehen, wenn du durch den Sumpf gehst. Paß auf, dass du nicht reinfällst! Dann ist unsere Höhle direkt hinter dem Bibersumpf. Sie ist nicht wirklich so hoch wie die Hügel, aber ich kann nicht so klein malen. Da draußen ist meine Mami. Sie ist schön. Sie ist die allerschönste Mami auf der Welt, aber sie wird nicht beleidigt sein, wenn sie sieht, dass ich sie so einfach gemalt habe. Sie wird sich freuen, weil ich malen kann. Also, falls du es vergißt, habe ich den Speer, den Pappi haben möchte, außen vor unsere Höhle gemalt. Eigentlich ist er drinnen, aber wenn du meiner Mami das Bild zeigst, wird sie ihn dir geben. Ich habe sie mit Händen hoch gemalt, weil ich weiß, sie freut sich, wenn sie dich sieht. Ist das nicht ein schönes Bild? Und verstehst du auch alles, oder soll ich es noch mal erklären?«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) schaute das Bild an und nickte sehr kräftig. Er dachte bei sich: ›Wenn ich den Stamm dieses großen Häuptlings nicht herbeihole, um ihm zu helfen, wird er von seinen Feinden...



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