Klassen | Die Frauen von Ivy Cottage | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Ivy Hill

Klassen Die Frauen von Ivy Cottage


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7751-7427-5
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 512 Seiten

Reihe: Ivy Hill

ISBN: 978-3-7751-7427-5
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Rachel Ashford eine private Leihbibliothek eröffnet, entdeckt sie ein verborgenes Geheimnis. Wird sie auf ihrer Suche nach Hinweisen auch die Liebe finden? Rachels Freundin, Mercy Grove, hat die Hoffnung auf einen Mann längst aufgegeben. Doch plötzlich tauchen verschiedene Verehrer auf. Aber nicht wegen Mercy, oder? Im »The Bell« hat sich die Lage spürbar entspannt und Jane kann ihre Trauer hinter sich lassen. Ist sie schon bereit für eine neue Liebe?

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com
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[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Kapitel 2


Am nächsten Morgen setzte sich Rachel zu Miss Grove und ihrer Tante an den Frühstückstisch und fragte Mercy, wie ihre Kampagne denn liefe. Ihre Freundin hatte vor, eine Wohlfahrtsschule zu eröffnen. Sie wollte möglichst vielen Jungen und Mädchen aus dem Pfarrbezirk, wenn nicht sogar allen, Zugang zu Schulbildung ermöglichen, egal, ob sie in der Lage waren, das Schulgeld aufzubringen oder nicht. Das Ivy Cottage bot Platz für nur etwa acht Schülerinnen.

»Nicht gut«, erwiderte Mercy, während sie ihren Toast mit Butter bestrich. »Lord Winspear hat auf meine Bitte um ein Gespräch noch nicht reagiert. Und gestern habe ich erfahren, dass sich Lady Brockwell gegen eine Schule für Arme ausgesprochen hat. Sir Timothy meinte, er könne sich vorstellen, das Projekt in der Zukunft zu unterstützen, aber im Augenblick habe er noch andere Verpflichtungen einzuhalten. Das Armenhaus benötigt wohl ein neues Dach und auch die Kirche verfügt über eine lange Liste an ausstehenden Reparaturarbeiten. Und Mr Bingley sagte, wenn die Brockwells und die Winspears bereit seien, Geld für das Projekt zu spenden, dann wäre er auch dabei, aber nur dann.« Sie seufzte tief.

»Das tut mir leid.«

»Mach dir keine Sorgen, Rachel.« Matilda tätschelte die Hand ihrer Nichte. »Mercy wird nicht aufgeben. Und am Ende wird sie Erfolg haben.«

»Dein Wort in Gottes Ohr, Tante Matty.«

Später, nachdem sie gefrühstückt hatten, brachte der Butler der Groves die Post herein und überreichte auch Rachel einen Brief. Sie dankte ihm, und Mr Basu verließ den Raum so leise, wie er hereingekommen war.

Als sie die Handschrift ihrer Schwester auf dem Umschlag erkannte, entschuldigte sich Rachel, um den Brief in ihrem Zimmer zu lesen.

Liebe Rachel,

ich grüße Dich, kleine Schwester. Ich hoffe, Du bist glücklich in Deinem neuen Heim. Erinnerst Du Dich noch, wie wir als Kinder das bezaubernde Ivy Cottage bewundert haben? Ich gestehe, als ich noch jung war und insgeheim für George Grove geschwärmt habe, hatte ich mir vorgestellt, selbst einmal dort zu leben. Zum Glück ist mein Herz nicht gebrochen. Das hätte geschehen können, wenn ich nicht erfahren hätte, dass er nach Indien gehen wollte. Ja, ich glaube, ich kann meine Heilung auf genau diesen Moment festlegen.

Ich hoffe sehr, dass die beiden Misses Grove Dich gut behandeln. Haben sie Dich auf den Dachboden verbannt oder wie Cendrillon, die arme, verwaiste Stiefschwester, in den Frondienst gepresst? Teilst Du das Bett mit vier Schuldmädchen mit Schweißfüßen und Mundgeruch? Ich hoffe nicht. Aber vielleicht produzieren Mädchen ja nicht so viele üble Gerüche und Geräusche wie Jungen. Wir haben das bestimmt nie getan, so damenhaft, wie Mama uns erzogen hat. Da wir gerade von übel riechend sprechen, siehst du manchmal den weiblichen Drachen, der jetzt in unserem Haus lebt?

Rachel schüttelte den Kopf. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie den Brief ihrer Schwester zu Ende las. Dann trat sie an den Schreibtisch im Wohnzimmer und formulierte ihre Antwort.

Liebe Ellen,

vielen Dank für Deinen Brief. Sei versichert, dass ich hier im Ivy Cottage sehr zufrieden bin. Natürlich sind die beiden Misses Grove sehr freundlich zu mir. Viel freundlicher, als ich es verdiene.

Und nein, sie haben mich nicht auf dem Dachboden untergebracht. Ich habe hier ein eigenes Zimmer. Es ist nicht groß, aber sehr gemütlich. Ich denke, das war früher das Zimmer von George Grove, bevor er das Land verlassen hat.

Es war sehr fürsorglich von dir, eine Münze unter dem Siegel mitzuschicken und mir anzubieten, mehr zu schicken, aber das ist nicht nötig. Ich habe noch etwas Geld und konnte bisher einen kleinen Beitrag zu meinem Lebensunterhalt beisteuern. Denn Almosen möchte ich nicht gern annehmen.

Du wirst Dich sicher freuen zu hören, dass Jane Bell und ich uns versöhnt haben. Ich habe ihre Freundschaft mehr vermisst, als mir klar war, und ich bin so dankbar, dass sie wieder zu meinem Leben gehört. Obwohl sie mit der Herberge sehr viel zu tun hat, finden wir jede Woche Zeit, uns zu treffen – entweder kommt sie ins Ivy Cottage, oder ich trinke eine Tasse Kaffee mit ihr im Bell.

Du fragst nach den neuen Bewohnern unseres geliebten Thornvale. Mrs Ashford sehe ich nur im Vorbeigehen. Sie verhält sich mir gegenüber sehr arrogant, aber ihr Sohn ist äußerst liebenswürdig und seine Warmherzigkeit gleicht ihre Kälte aus. Die Leute hier haben bereits eine hohe Meinung von Mr Ashford. Einige necken ihn wegen seiner Unbeholfenheit, aber das ist nicht unfreundlich gemeint. Mrs Ashford jedoch zeigt kein Interesse am Umgang mit anderen Leuten hier aus dem Ort als den Brockwells und den Bingleys.

Das sind für heute die Neuigkeiten aus Ivy Hill. Ich hoffe, Du bist auch weiterhin bei guter Gesundheit, zumal sich die Zeit Deiner Niederkunft nähert. Grüße Walter und William herzlich von mir.

In Liebe,

Rachel

Rachel faltete den Brief zusammen und versiegelte ihn. Beim Schreiben war ihr eingefallen, dass sie in diesem Monat noch keinen Beitrag zu ihrem Zimmer und ihrer Verpflegung geleistet hatte. Dieses Versäumnis musste sie schleunigst korrigieren.

Oben in ihrem Zimmer nahm sie ihre Geldbörse aus der Kommode und schüttete den Inhalt in ihre Hand, aber nur ein paar Münzen und ein Knopf fielen heraus. Der Knopf war ihr in der Kirche von ihrer blauen Jacke abgegangen. Sie hatte vergessen, ihn wieder anzunähen.

Pennys reichten nicht, darum klappte sie den Koffer am Fußende ihres Bettes auf und nahm ihre gestrickte Münzenbörse heraus. Sie besaß noch etwas Geld aus einer kleinen jährlichen Rente, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Aber das Geld würde nicht mehr lange reichen. Rachel fischte eine Münze heraus und betrachtete noch einmal den abgegangenen Knopf. Sie sollte ihn wirklich wieder annähen, und zwar sofort. Etwas Produktives tun. Denn Nähen war immerhin etwas, das sie wirklich gut konnte.

Doch stattdessen kramte sie in ihrem Koffer. Sie schob ihre Wintersachen zur Seite, die zusammen mit dem einzigen Kleid ihrer Mutter, das sie behalten hatte, darin lagen. Unten auf dem Boden schob sie eine Lage Papier zur Seite, und da war es – das rosa Ballkleid, das sie vor acht Jahren zu ihrem Debüt getragen hatte. Bei seinem Anblick waren Knöpfe und Jacken vergessen.

Vorsichtig breitete sie das zarte hellrosa Kleid auf ihrem Bett aus und bewunderte es wieder aufs Neue. Es war vielleicht töricht, aber sie konnte sich einfach nicht davon trennen.

Wie sie sich darin gefühlt hatte, war ihr noch ganz deutlich in Erinnerung. Als Rachel an jenem Abend in den Spiegel geschaut hatte, hatte ihr zum ersten Mal in ihrem Leben gefallen, was sie sah. Das reizlose junge Mädchen war verschwunden. Das Kleid umschmeichelte ihren Körper und hob ihre Gesichtsfarbe hervor. In diesem Kleid fühlte sie sich weiblich, erwachsen und attraktiv. Und angesichts von Timothy Brockwells Reaktion schien auch er dieser Meinung gewesen zu sein. Noch immer sah sie seinen fassungslosen Gesichtsausdruck vor sich, als sie die Treppe herunterkam. Noch immer hörte sie ihn stammeln: »Sie sehen … unglaublich – das heißt, wunderschön aus. Unglaublich schön.«

Bei der Erinnerung daran zog sich Rachels Brust zusammen. Jener Abend war beinahe vollkommen gewesen, und doch –

Es klopfte und Rachel schrak zusammen. Die Hand an ihre Brust gedrückt, rief sie: »Ja?«

Anna Kingsley steckte den Kopf zur Tür herein. »Entschuldigen Sie bitte, Miss Ashford. Alice und Phoebe sind nicht zufällig hier, oder? Wir spielen Verstecken und ich kann sie einfach nicht finden.«

»Nein. Hast du schon im Leinenschrank nachgeschaut? Das letzte Mal haben sie sich dort versteckt.«

»Gute Idee.« Annas Blick fiel auf das rosa Kleid. »Ohhh … was für ein hübsches Kleid«, hauchte sie.

Rachel blickte über die Schulter zurück. »Danke. Es hat mir immer gefallen.«

Anna zog sich zurück. »Dann schaue ich jetzt mal in dem Schrank nach. Danke für den Hinweis.«

Wieder allein in ihrem Zimmer, packte Rachel das Kleid zurück in den Koffer. Ihr Blick blieb an der Bibel ihrer Mutter auf dem Beistelltischchen hängen, aber sie nahm sie nicht zur Hand.

Stattdessen machte sich Rachel auf die Suche nach Mercy und gestand ihr ihre Situation. »Mein Geld wird nicht mehr lange reichen, fürchte ich. Die wenigen Wertgegenstände, die ich besitze – ein paar Erinnerungsstücke an meine Mutter und die Bücher meines Vaters – kann ich nicht verkaufen. Ich habe auch kein Talent zum Unterrichten, wie du zweifellos mittlerweile gemerkt hast. Aber natürlich bin ich bereit zu helfen, wo ich kann. Nähen kann ich, aber was zu flicken war, habe ich mir bereits vorgenommen. Ich muss einen anderen Weg finden, zu meinem Lebensunterhalt beizutragen.«

Sie rechnete damit, dass Mercy ihre Einschätzung über ihre Fähigkeiten zu unterrichten leugnen oder sagen würde, Rachel solle sich keine Sorgen über ihren Lebensunterhalt machen.

Doch Mercy nickte nachdenklich. »Du hast recht. Es gibt bestimmt für dich etwas zu tun. Ich würde mich an deiner Stelle auch nicht wohlfühlen, wenn ich mich nicht irgendwie nützlich machen könnte. Gott hat uns unsere Talente geschenkt, damit wir anderen damit dienen, Rachel. Wir müssen überlegen, wie wir dir helfen können, deinen Platz zu finden.«

»Wie soll das gehen?«

»Wir werden Gott um Weisheit und Führung bitten.«

»Äh-hm …«, murmelte Rachel unverbindlich. Es war ihr unangenehm, Gott oder irgendjemand sonst um Hilfe zu bitten.

»Darüber hinaus«, fügte Mercy hinzu, »wäre der Rat...


Klassen, Julie
Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com



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