Kneifel | Mythor 19: Das verwunschene Tal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 19, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Kneifel Mythor 19: Das verwunschene Tal


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9771-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 19, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9771-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Nachdem der Lichtbote nach seinem Sieg über die Finsternis die Welt sich selbst überlassen hatte, begannen die Kräfte des Bösen, die sich in die Dunkelzone geflüchtet hatten, wieder zu erstarken. Inzwischen greifen sie aus der Dunkelzone, einem Ring kosmischer Trümmer, der die Welt umgibt und in eine Nord- und eine Südhälfte teilt, an und beeinflussen bereits weite Teile der nördlichen Länder und deren Bewohner. Das gilt besonders für die Caer, ein Kriegsvolk, das, von Dämonenpriestern angeführt, einen Eroberungsfeldzug beginnt und seine Nachbarn mit Feuer und Schwert heimsucht. Im Verhältnis zu den Horden der Caer ist die Zahl derer, die auf Seiten der Lichtwelt gegen die Mächte des Dunkels kämpfen, erschreckend gering. Eigentlich ist es nur eine kleine Gruppe von Menschen, die angeführt wird von Mythor, den man den Sohn des Kometen nennt. Selbst nach dem Aufenthalt auf der Ebene der Krieger, wo Mythor die ungeheure Macht der Caer vor Augen geführt wurde, ist der junge Held der Lichtwelt unverzagt. Er und seine Gefährten trachten danach, wieder den Kontinent zu erreichen. Ihr weiterer Weg führt dabei in DAS VERWUNSCHENE TAL ...

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1.


Das Riff wölbte sich vom dunklen, geheimnisvollen Grund des Meeres der Spinnen auf. Es bestand aus zerrissenem, scharfkantigem Stein von tiefschwarzer, fast bläulich schimmernder Farbe. Der oberste Kamm des Riffs erstreckte sich von Süden nach Norden und zerfiel in eine Reihe von Erhebungen, von denen nur wenige die Wasseroberfläche durch stießen.

Wie der sägezahnartige Rücken des Großen Fisches, der auf dem Grund aller Meere liegt, bildeten die Felsen unter dem tobenden Wasser eine Falle für Schiffe und alles, was einen bestimmten Tiefgang hatte. In den Höhlen des Riffs lebten seltsame Geschöpfe, die gierig in der Tiefe jagten, und andere, die an die Oberfläche kamen, wenn sie die Schatten von Booten dahingleiten sahen.

Jetzt, mitten in der Nacht, lag nur das kreidige Licht des Mondes auf den Wellen.

Das Wasser, das von dem wütenden Wind vor sich her geschoben wurde, stemmte sich gegen die unterseeische Barriere. Die Wassermassen brachen sich, wurden hochgedrückt und rasten die schwarzen, zerklüfteten Wände hoch, bis sie die Oberfläche erreichten und dort immer wieder riesige Wellen bildeten. Es schien, als ob der Große Fisch, vor dem sich alle Fischer fürchteten, aufgetaucht sei – die Welle bildete in Nord-Süd-Richtung einen gewaltigen Buckel. Sie türmte sich auf, griff über das Riff hinweg und ergoss sich donnernd auf der anderen Seite wieder ins Meer.

Kristallklar waren in dieser schauerlichen Nacht die Sterne. Sie bedeckten den Himmel ringsum, und ihr Leuchten wetteiferte mit dem Mondlicht. Und da war noch etwas, weit und hoch im Norden! Lange Vorhänge aus rotem, blauem und goldgelbem Licht bewegten sich, zuckten auf, erloschen wieder, erschienen abermals und waren wie Schleier, die eine unsichtbare Göttin zwischen den Sternbildern bewegte.

Selbst Mythor erschauerte, wenn backbords dieses rätselhafte Licht auftauchte.

»Es ist die Lichtmelodie!«, schrie Steinmann Sadagar mit blaugefrorenen Lippen. »Fahrna hat es im EMPIR NILLUMEN gelesen.«

»Was bedeutet es?«

»Das weiß ich nicht!«

Das Fischerboot hatte drei erkennbare Vorzüge, wenn es auch nicht so schlank und schnell wie die Kurnis war. Ein seegängiges Alltagsfahrzeug, das den Wellen bisher getrotzt hatte, leicht zu manövrieren und solide aus schwerem Holz gezimmert. Mythor hatte es in einem Anflug von Galgenhumor Lahmer Seevogel getauft.

Wieder packte ein neuer Windstoß den Seevogel, trieb ihn auf die Spitze einer Woge hinauf, schüttelte ihn hin und her und glitt unter die Decken, Mäntel und Pelze der vier Insassen. Kalathee schrie auf vor Angst.

Mythor stand am Steuer und sah undeutlich, dass der Bug des Bootes ins Nichts deutete. Sie ritten auf der Woge, die sich seitlich des Fischerboots brach und in weiße Gischt verwandelte. Es war kein Segeln mehr, es war eine rasende Schlingerfahrt über das aufgewühlte Meer der Spinnen. In keiner Himmelsrichtung war trotz der klaren Sicht Land oder gar ein Feuer zu erkennen.

»Wo sind wir, Mythor?«, rief Nottr, der neben Kalathee im Schutz des Hecks kauerte.

»Irgendwo zwischen der Dreiländerinsel und dem Festland von Tainnia«, gab Mythor zurück.

»Wir werden diese Nacht nicht überleben«, schluchzte Kalathee.

»Wir haben schon andere Nächte überstanden«, antwortete Mythor.

Aus seinem Beutel voller Münzen hatte Steinmann Sadagar an der Ostküste der Dreiländerinsel einige Goldstücke geopfert. Dafür hatten sie von den armen Fischern Nahrungsmittel, Decken und Felle und das Boot bekommen. Es war zwischen der Elvenbrücke und Akinborg gewesen und schien eine Ewigkeit zurückzuliegen, denn so lange erschien ihnen schon diese Wahnsinnsfahrt.

Bittere Kälte, noch schneidender durch den wütenden Sturmwind, verwandelte jeden Tropfen Wasser an Deck in Eis. Das Segel war starr und fest wie ein Schild, vom Bugspriet hingen lange Eiszapfen. Auch an den Wanten bildeten sich Eiskristalle. Ab und zu platzten große Fladen der Eisschicht vom Segel und klirrten aufs Deck herunter.

»Sie haben uns immer wieder gewarnt!«, ließ sich Sadagar vernehmen. »Wir fahren in den sicheren Tod, Mythor!«

»Auf alle Fälle«, versuchte er ihre Angst zu zerstreuen, »ist es eine schnelle Fahrt. Ich bin sicher, sie führt nicht ins Verderben, sondern letztlich nach Nyrngor.«

Dann sah er weit vor sich die Woge.

Schon jetzt hob sich das Boot. Die Welle, auf der es geritten war wie ein flaches, zitterndes Brett, senkte sich und verschmolz mit der riesigen See, die sich immer höher auftürmte. Mythor sah fassungslos diese gigantische Wassermasse, auf der jetzt der Lahme Seevogel hinaufkroch wie auf den Hang einer schwarzen Düne. Das Ruder in Mythors halb gefühllosen Händen bot plötzlich keinen Widerstand mehr. Aber die Geschwindigkeit des offenen Fischerboots fiel nicht ab, im Gegenteil, sie nahm noch zu, während der Seevogel den Wasserberg hinaufstürmte.

Mythor bewegte den Kopf hin und her.

Er sah weit über das gischtende Meer hinweg. Das Fischerboot schob sich noch immer die Vorderseite der Welle hinauf. Und Mythor sah wieder jene Schleier aus geheimnisvollem Licht zwischen den Sternen. Das Boot befand sich binnen weniger Augenblicke auf dem höchsten Punkt dieser Woge, deren Wasser verdächtig ruhig war.

»Es ist etwas unter uns!«, gellte Nottrs Schrei auf.

Mythor klammerte sich ans Ruder. Für einen entsetzlichen Augenblick schien der Seevogel stillzustehen. Dann brach einen Steinwurf vor dem plumpen Bug die Woge und bildete eine weißleuchtende Schaumwand. Sie senkte sich und riss das Boot mit sich. Eine rasend schnelle Fahrt abwärts begann. Das Boot schlingerte und bäumte sich auf wie ein störrisches Pferd. Entsetzensschreie erklangen hinter Mythor, der sich an das Ruder klammerte und versuchte, das Boot zu steuern. Große Wellen bauten sich rechts und links auf, brachen zusammen und überschütteten den Seevogel mit eisigen Wassertropfen. Das Wasser lief aus den Haaren der Pelze und gefror sofort zu langen, dünnen Zapfen.

Das Boot jagte den Hang der Welle hinunter.

Noch war es nicht in den schäumenden Strudel gekommen, der vor dem Bug immer größer und wilder wurde. Aber das weiße, tobende Durcheinander kam immer näher. Die Luft war erfüllt von einem hohlen, geisterhaften Sausen und Jaulen, das nicht vom Wind stammte. Von Steuerbord schlug peitschend eine Welle ins Boot und wirbelte die Ersatzriemen und die Anker durcheinander. Angstvoll klammerten sich Mythors Freunde fest. Abermals platzte unter dem Winddruck eine riesige, gewölbte Eisplatte vom Segel und wurde über den Bug hinweggerissen.

Das Boot tauchte in den Wirbel aus Wasser, Schaum und nebelartig zerstäubte Gischt ein. Sofort bildete sich rings um die Nussschale eine undurchdringliche Zone. Tief unter dem Kiel donnerte es dumpf auf. Durch das Wasser schienen Schreie zu dringen, seltsame, langgezogene Töne, die nicht aus dieser Welt stammten.

»Der große Fisch!«, stöhnte Nottr auf.

Niemand hörte ihn. Das Boot, eingehüllt in den brodelnden Wassernebel, zitterte und bebte in allen Fugen. Die Taue und der Mast knatterten und vibrierten.

Aus dem Nebel, der trügerisch heller war als die schwarze Nacht, prasselten Eisstücke und ein Schwall Wasser ins Boot. Der Lahme Seevogel krängte schwer über. Ein Brecher schlug über das Heck und durchnässte Mythors Rücken und die Decken, die sich Nottr, Kalathee und Sadagar um ihre Körper zerrten. Das Boot schoss aus dem Nebel hinaus, ließ den Gischtwall hinter sich und raste weiter. Mythor warf einen Blick über die Schulter. Hinter dem Boot kochte das Meer, die gewaltige Woge überschlug sich, und ihre Ausläufer griffen wie mit Krallen nach dem schwankenden Gefährt. Wieder ertönte ein donnerndes Geräusch tief unter den Planken, zwischen denen an mehreren Stellen Wasser eindrang.

»Das Meer ... es bringt uns um!«, wimmerte Kalathee.

Mythor dachte nicht daran, dem Boot eine neue Richtung geben zu wollen. Es war so gut wie sinnlos. Der Sturm, der das Boot einmal in nördliche, dann in nordöstliche, wieder zurück in östliche Richtung vor sich her trieb, war zu stark. Das Segel konnte nicht nachgestellt werden.

Dann erreichte der Wellenkamm das Boot.

Er griff mit gewaltigen Kräften nach dem Ruder und schüttelte es hin und her. Mythor klammerte sich an den eisverkrusteten Holzbalken und spürte, wie das Gläserne Schwert bei jeder Bewegung gegen sein Knie schlug. Sein Körper wurde wie eine Puppe hin und her geschleudert. Wenigstens konnten sie jetzt wieder sehen, wie das Meer um sie herum aussah: Es war ihnen klar, dass sie sich in ärgster Not befanden. Wieder krachte eine Welle ins Boot, tauchte es tief mit dem Heck ein, aber das meiste Wasser spritzte nach allen Seiten hinaus.

Bis jetzt hatte Mythor noch gehofft, einigermaßen unbeschädigt den Kontinent zu erreichen, irgendwo im Land Dandamar ans Ufer zu kommen. Seine Hoffnung war noch nicht gebrochen, denn er klammerte sich an seine Gedanken. Es war fast wie ein Zwang über ihn gekommen, nach den Erlebnissen in der Ebene der Krieger seinen Weg weiterzugehen. Er war ihm, das wusste er tief in seinem Innern, vom Schicksal vorgeschrieben.

Aus diesem Grund war er hier – und abermals in tödlicher Gefahr.

Er schüttelte den Kopf, als könne er dadurch seine quälenden Gedanken loswerden, dann atmete er tief ein und aus. Obwohl sein Körper von dem wild schlagenden Ruder geschüttelt wurde, fühlte er, wie die eisige Luft seinen Kopf klärte.

»Wir schaffen es! Wir werden das Meer besiegen!«, schrie er trotzig. Der Wind riss die Worte von seinen gefühllosen Lippen.

»Uns...



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