Kohl | Grimm & Sohn - Der tote Schornsteinfeger - oder: Der dritte Daumen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 280 Seiten

Reihe: Mord am Niederrhein

Kohl Grimm & Sohn - Der tote Schornsteinfeger - oder: Der dritte Daumen

Kriminalroman | Mord am Niederrhein 4 - Ein Kommissar und seine Mutter ermitteln gemeinsam in der Provinz
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-164-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman | Mord am Niederrhein 4 - Ein Kommissar und seine Mutter ermitteln gemeinsam in der Provinz

E-Book, Deutsch, Band 4, 280 Seiten

Reihe: Mord am Niederrhein

ISBN: 978-3-98952-164-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Hat man denn nie seine Ruhe? Kommissar Heinrich Grimm muss stets ein waches Auge darauf haben, was seine Mutter Gertrud so treibt. Denn seitdem sie in der kleinen Gemeinde am Niederrhein ein Detektivbüro eröffnet hat, scheint sie die Verbrechen geradewegs anzuziehen. So auch, als Gertrud eigentlich nur einen Ehebruch aufdecken will - aber ein mysteriöser Bogenschütze daraus einen Mordfall macht. Gertrud ist fest entschlossen, den Täter zu finden. Aber der pensionierte Oberstaatswalt Claus Gunther Struck macht es ihr nicht leicht. Er hält wohl nicht allzu viel davon, dass seine Tochter mit Gertruds Sohn zusammen ist. Vielleicht kann Gertrud ihn aber durch die clevere Lösung dieses Falls von den Qualitäten ihrer Familie überzeugen? Dieser Kriminalroman ist früher bereits unter dem Titel »Der dritte Daumen« erschienen. Kluftinger trifft Miss Marple in dieser humorvollen Provinzkrimireihe, in der jeder Band unabhängig gelesen werden kann.

Erwin Kohl wurde 1961 in Alpen am Niederrhein geboren und wohnt noch heute mit seiner Frau in der herrlichen Tiefebene am Niederrhein. Neben der Produktion diverser Hörfunkbeiträge schreibt Kohl als freier Journalist für die NRZ / WAZ und die Rheinische Post. Grundlage seiner bislang 15 Kriminalromane und zahlreichen Kurzgeschichten sind zumeist reale Begebenheiten sowie die Soziologie der Niederrheiner und ihre vielschichtigen Charaktere. Die Website des Autors: www.erwinkohl.de/ Bei dotbooks veröffentlichte Erwin Kohl seine humorvolle Krimireihe um »Grimm & Sohn« mit den Bänden: »Grimm & Sohn - Das kopflose Skelett« »Grimm & Sohn - Der Tote im Heidesee« »Grimm & Sohn - Das Hornveilchen-Indiz« »Grimm & Sohn - Der tote Schornsteinfeger« Die ersten drei Fälle sind auch als Sammelband erschienen. Auch bei dotbooks erscheint seine »Kommissar Trempe«-Reihe: »Kommissar Trempe - Zugzwang« »Kommissar Trempe - Grabtanz« »Kommissar Trempe - Flatline« »Kommissar Trempe - Willenlos«
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Kapitel 4


Sonntag, 15. Juli

»In ein Hotel!« rief Gertrud Grimm entsetzt, als würde es sich dabei um eine absolut menschenunwürdige Form der Unterbringung handeln. Annette und Heinrich tauschten einen kurzen Blick, der erkennen ließ, dass sie diese Reaktion erwartet hatten.

»Gertrud«, sprach die Staatsanwältin beruhigend auf die Mutter ihres Freundes ein, »mein Vater soll doch nur vorübergehend dort wohnen. Bis wir eine adäquate Bleibe für ihn gefunden haben.«

Claus Günther Struck fühlte sich in dem Eifeldorf Schalkenmehren zunehmend unwohl. Nachdem Adelheid, seine zweite Frau, vor sechs Jahren gestorben war, hatte er sich in Hobbys wie das Malen oder Wandern geflüchtet. Ziemlich schnell wurde ihm klar, dass er damit die Einsamkeit nicht besiegen konnte. Der pensionierte Oberstaatsanwalt war nie besonders gesellig gewesen. Die Schalkenmehrener gaben sich wirklich Mühe, luden ihn immer wieder zu Festen und dörflichen Aktivitäten ein, aber alle zwischenmenschlichen Kontakte trieben belanglos auf der Oberfläche. Niemandem wollte es gelingen, auch nur ansatzweise in die Tiefe seiner Seele vorzudringen. Vor einem Jahr fasste er den Entschluss, nach Wesel, in die Nähe seiner Tochter, zu ziehen. Seitdem suchte Annette, wenn auch, wie sie sich eingestehen musste, eher halbherzig, nach einer Wohnung für ihren Vater.

»Eine adäquate Bleibe können wir ihm auch hier bieten. Der ganze Speicher steht leer. Also fast.«

»Bis auf zwei Müllcontainer voll Krimskrams«, konterte ihr Sohn.

»Das kann man alles wegräumen«, antwortete sie spitz.

»Klar. Und eine Heizung brauchen wir auch nicht.«

»Eben, ist ja Sommer.«

»Genau. Da kann Annettes Vater bei lauschigen fünfundvierzig Grad unterm Dach schlafen. Braucht er bestimmt keine Decke.«

Frau Grimm kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Am vergangenen Freitag war sie oben gewesen, um nach Wolle für die Strickgruppe der katholischen Landfrauen zu suchen. Nach zehn Minuten hatte sie das Vorhaben schweißgebadet abgebrochen. Dann kam ihr eine – wie sie fand – ausgezeichnete Idee.

»Du könntest ein oder zwei große Dachfenster einbauen. Flat Hildes Jupp voriges Jahr auch bei sich gemacht. Herr Struck kommt doch erst zum Wochenende.«

Heinrich atmete tief durch. Hildes Jupp, wie sie ihren Nachbarn von gegenüber nannte, war Schreinermeister und hatte sich vierzig Berufsjahre lang mit dem Einbau von Fenstern und Türen beschäftigt. Jeglichen Kommentar vermeidend, schüttelte er nur verständnislos mit dem Kopf. Das schrille Geräusch der Türklingel kam ihm äußerst gelegen.

»Oh, Kundschaft. Wir reden später weiter.« Mit einem Satz sprang Frau Grimm hoch und lief aus der Wohnküche in den Flur.

»Hat deine Mutter keinen Ruhetag?«

»Das Verbrechen schläft nicht«, imitierte Heinrich die bedeutungsschwere Stimme seiner Mutter.

Vor der Tür stand eine schlanke Frau, deren Alter Frau Grimm auf Mitte vierzig taxierte. Das dunkelblonde Haar umrahmte ihr Gesicht in einem flachen Bogen, der auf der Schulterpartie des rubinroten Kleides endete. Die weiße Perle an dem Goldkettchen um ihren Hals setzte sich deutlich von ihrem braunen Teint ab. Sie trug ein unaufdringliches Make-up, selbst der Farbton des Lippenstiftes fügte sich harmonisch in das Gesamtbild. Ihre kleinen braunen Augen verrieten Unsicherheit.

»Guten Tag. Mein Name ist Julia Roth. Ich möchte zur Detektei Grimm«, sie warf einen raschen Blick auf das Messingschild neben der Haustür, »und Sohn.«

»Da sind Sie goldrichtig, meine Liebe. Grimm, Gertrud Grimm.« Freundlich streckte sie der Besucherin die Hand entgegen. »Treten Sie ruhig ein.«

»Sie sind … « Verunsichert betrachtete Julia Roth ihr Gegenüber. Die Dame machte auf sie eher den Eindruck einer Haushälterin. Frau Grimm schien ihren Gedanken erraten zu haben. Auf dem Weg ins Büro zog sie hastig den Kittel aus.

»Ich hab noch einen Haushalt mit Sohn und Freundin, um den ich mich kümmern muss, wissen Sie? Bitte nehmen Sie Platz. Ein Käffken?«

»Nein, danke. Wenn Sie erlauben, würde ich gerne direkt zu meinem Anliegen kommen.«

»Nur keine Zeit verlieren, ist auch meine Devise. Dann erzählen Sie mal, Frau Roth.«

»Mein Mann … also, ich glaube, nein, es scheint beinahe … « Sie räusperte sich und sprach danach mit fester Stimme weiter. »Ich habe den Verdacht, dass er mich betrügt.«

Im gleichen Augenblick überkamen sie Schuldgefühle. Sie hatte den Eindruck, etwas Verwerfliches zu tun, so als würde sie Bernd vor ein Gericht zerren. Es quälte sie die Frage, ob sie wirklich alles versucht hatte, die Situation mit ihrem Ehemann ruhig und sachlich zu klären. Was wäre, wenn Monika sich geirrt hatte? Wenn die Visitenkarte vom Hostessenservice tatsächlich nur einen banalen Hintergrund hätte? War sie es dann nicht, die der fast dreißig Jahre währenden Beziehung das Vertrauen entzog? In einem ersten Reflex wollte sie aufstehen und gehen.

»Beides kommt häufig vor«, unterbrach Gertrud Grimm ihren Gedankengang. »Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Roth, wir werden die Antwort liefern. Schnell und absolut diskret.«

»Beides?«

»Dass Ihr Verdacht begründet ist oder eben nicht. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Vor allem, wenn es um Männer geht. Ständige Zweifel und Misstrauen höhlen eine Partnerschaft von innen aus, wissen Sie? Sie haben genau den richtigen Schritt getan. Aber etwas mehr Informationen benötige ich schon. Worauf gründet sich Ihr Verdacht, was macht Ihr Mann beruflich und so weiter.« Gertrud Grimm holte Block und Kugelschreiber vom Schreibtisch und setzte sich mit forderndem Blick ihr gegenüber.

Julia Roth verspürte einen Anflug von Erleichterung. Ein Tagtraum blitzte vor ihren Augen auf. Sie sah sich mit Bernd auf dem Traumschiff in der Karibik. Sie umarmten sich an der Reling, die warme Sommerluft vor Jamaika streichelte ihre Haut …

»Frau Roth?«

»Oh – Entschuldigung.« Mit einem Ruck zwang sie sich zurück in die Realität. Sie erzählte der Detektivin alles, was sie wusste, und musste erkennen, dass sie selbst eigentlich nichts bemerkt hatte. Noch gestern Nachmittag hatte sie den Escortservice angerufen und sich nach ihrem Mann erkundigt. »Wir geben keine Auskünfte über Kunden«, sagte man ihr dort.

»Wo ist Ihr Mann jetzt?«

»Das weiß ich nicht. Gestern Abend um kurz nach neun wollte er weg, angeblich zur Grabungsstelle am Fürstenberg. Bernd … ich meine, mein Mann ist Archäologe und mit der Leitung der dortigen Grabung beauftragt. An einem Samstagabend ist er allerdings noch nie zu einer Grabungsstelle gefahren. Nach zwei Stunden Warten hatte ich die Nase voll. Ich habe einige Sachen gepackt und bin zu meiner Schwester nach Sonsbeck gefahren. Meinem Mann habe ich eine Nachricht auf den Küchentisch gelegt, aber es scheint ihn nicht zu interessieren. Jedenfalls hat er sich bis jetzt nicht bei mir gemeldet. Ans Telefon geht er auch nicht. Ich dachte, nun … ich … vielleicht hätten wir noch einmal in Ruhe darüber reden können, aber … « Sie presste die Lippen aufeinander.

»Anscheinend sind für Ihren Mann der Worte genug gewechselt. Manchmal helfen eben nur noch Taten, so bitter das auch klingt.«

Gertrud Grimm hatte sich zwischendurch Notizen gemacht. Der Schmerz ihrer Klientin breitete sich unausgesprochen aus. Sie gehörte zu den Menschen, deren Stolz ihren Schatten so sehr anwachsen ließ, dass sie ihn nicht überspringen konnten.

»Ich muss Sie das fragen, Frau Roth: Haben Sie jemand bestimmten in Verdacht? Ich meine, mit wem könnte er …?«

»Nein! Das heißt … « Sie klang plötzlich selbstsicher. »Monika, ich meine Frau Horlemann, hat die Dame im Wagen meines Mannes nicht erkennen können. Es war fast dunkel. Ihm obliegt die Verantwortung für die gesamte Ausgrabung, sagt er immer. Verantwortung!«, wiederholte sie nach einer kurzen Pause sarkastisch.

»Ich verstehe Ihre Wut sehr gut, Frau Roth. Sie haben genau den richtigen Schritt unternommen. Sie werden Ihren Mann schon sehr bald mit der Wahrheit konfrontieren können, dafür sorge ich.«

Nachdem sie sich über vertragliche Details wie den aktuellen Tages- und Spesensatz geeinigt hatten, brachte Frau Grimm ihre Klientin zur Tür.

»Hostessen sind keine Prostituierten. Sie begleiten Geschäftsleute zu Empfängen oder anderen gesellschaftlichen Anlässen«, wollte sie Frau Roth zum Abschied noch besänftigen, obwohl die beiden Bezeichnungen für sie dasselbe meinten.

»Das beruhigt mich. Mein Mann ist ja quasi geschäftlich auf dem Fürstenberg. Ich nehme also an, die beiden saßen in irgendeiner Grube und haben gemeinsam im Sand geschaufelt.«

Frau Grimm wirkte hilflos.

»Entschuldigung«, fügte Frau Roth mit einem letzten Blick über die Schulter hinzu. »Ich weiß, Sie haben es gut gemeint.«

»Und? Neuer Mordfall?«, begrüßte ihr Sohn sie beim Betreten der Küche. Annette hatte den Frühstückstisch in der Zwischenzeit abgeräumt. Sie hatten sich für elf Uhr mit einem älteren Ehepaar in Bislich verabredet, die eine Einliegerwohnung im Obergeschoss vermieten wollten. Annette hatte den Tipp von einem Kollegen der Schutzpolizei bekommen.

»Nein, ganz sicher nicht. Nur wieder so ein Kerl, der die Gefühle seiner Frau mit Füßen tritt.«

»Kann es sein, dass du befangen bist, Mutter?«

»Ich bin realistisch, und jetzt entschuldigt mich, ich habe zu tun.« Sie holte ihre ermittlungstechnische Neuerwerbung, eine digitale Spiegelreflexkamera, aus dem Büro und packte das große Teleobjektiv zusätzlich in die Fototasche. Sie hatte sich die Ausrüstung nach dem...



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