E-Book, Deutsch, Band 3, 488 Seiten
Reihe: Jack Morane
Kotscha Jack Morane 3 - Demaskiert
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-9352-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paperback
E-Book, Deutsch, Band 3, 488 Seiten
Reihe: Jack Morane
ISBN: 978-3-7583-9352-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Besitz eines mächtigen Artefakts steht der Marionettenspieler kurz vor der Vollendung seines blutigen Rituals inmitten des schneeumwehten New York. Wer verbirgt sich hinter dem roten Kapuzenumhang und der grinsenden Opernmaske? Lassen sich seine Pläne noch vereiteln oder wird er die amerikanische Ostküste in eine apokalyptische Finsternis stürzen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Doch was hat Jack diesem übermenschlichen Feind entgegenzusetzen, wo er doch selbst von Blackouts geplagt wird. Dann ist da noch diese Kreatur, die in fremden Stimmen zu ihm spricht und droht, den Verstand zu rauben? Jack setzt alle Hoffnung in einen zwielichtigen Lehrmeister. Wird es ihm gelingen, mithilfe der hohen Kunst der Runenkonjunktion die Auferstehung des Gottes der Finsternis zu verhindern und was ist er bereit zu opfern?
Was gibt es über mich zu sagen? Ich wurde 1987 in Goslar geboren und zeigte im Alter von 9 Jahren erstes Interesse an der hohen Kunst des Schreibens. Schon zu dieser Zeit faszinierte mich das Genre des Mystery-Thrillers, obwohl ich zu dieser Zeit nicht einmal wusste, was ein Genre ist. Mit 22 nahm ich die Arbeit an meinem ersten Buch auf. Dabei handelte es sich um "Jack Morane - Das Tor zum Abyss", der erste Band einer mehrteiligen Saga. Der erste Meilenstein in meiner jungen Schriftstellerkarriere war die Veröffentlichung meines ersten Werkes bei einem kleinen Verlag. Dort durfte ich viel über Literatur und das Verlagswesen lernen. Inzwischen arbeite ich mit einem kreativen und hochmotivierten Team an neuen Projekten.
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2. Kapitel
In der Höhle des Löwen 1 Der orangerote Punkt von Toms glimmender Zigarette schimmerte schummrig durch den dichten Nebelschleier wie der Schein einer Grableuchte bei finsterer Nacht. Der Rauch verlor seine beißende Intensität und nahm eine feuchte Note an. Die Gitarrenklänge Nirwanas verklangen, auch das röhrende Motorengeräusch des Taxis erstarb in der nächtlichen Stille. Der Boden unter seinen Füßen war mit einer matschigen Schneeschicht bedeckt. Wie um alles in der Welt bin ich hierhergekommen und wo ist hier überhaupt? Die Antwort auf diese Frage lag genauso im Verborgenen wie die Welt um ihn herum. Der Nebel war dicht, zu dicht, um etwas erkennen zu können. Das orangerote Licht war der einzige fixe Punkt, an dem er sich orientieren konnte. Ebenso die Stimme, die von dort zu ihm herüberschallte. »Hey Jack! Komm hier rüber und hilf mir gefälligst.« »Tom?«, fragte Jack, während er sich dem wabernden Licht näherte. »Tom? Bist du von allen guten Geistern verlassen, Junge?«, antwortete ihm die vom Wetter gegerbte Stimme. Jack erkannte sie sofort. Doch das war unmöglich, zumindest bis er den Ursprung des wabernden Lichts erreichte. Es war keine Zigarette, wie Jack ursprünglich angenommen hatte. Es handelte sich um eine Gaslaterne, die auf einem verwitterten Grabstein stand. Dahinter erwartete ihn kein geringerer als Sloppy Sam höchst persönlich. Er hatte eine Schaufel bei sich und füllte ein Grab mit Erde auf. Inmitten des Schnees, der Erde und des Drecks stachen blaue Stofffetzen sowie das goldene Aufblitzen einer Dienstmarke hervor. »Samuel, was treibst du da?« »Na, was mache ich hier wohl, Jacky. Ich beseitige diese Sauerei. Das mache ich hier.« Spatenstich für Spatenstich füllte er das Grab auf. Jack sah erst Sam an und betrachtete dann seine blutverschmierten Hände. »Hör auf damit, deine Griffel anzustarren und bring das hier für mich zu Ende, ja?«, forderte Sam ihn auf und drückte ihm die Schaufel in die Hände. Der Stiel war kalt und feucht vom Schweiß des Totengräbers. Nur Gott allein weiß, wie viele Menschen mit diesem abgenutzten Werkzeug bereits begraben worden waren. Ein Anflug von Schwindel überkam Jack. »Ich kann unmöglich diesen Polizisten ermordet haben.« »Mhm, …«, brummte Sloppy Sam, »… und doch liegt er da unten im Loch, irgendwie komisch, findest du nicht auch? Wenn du nicht geschnappt werden willst, solltest du weniger quatschen und mehr schaufeln.« Jack starrte hinab in das Loch, wo der Leichnam des Polizisten bereits überwiegend mit Erde und Dreck bedeckt war. Sein Blut klebte an Jacks Händen und mit ebendiesen begrub er ihn auch. Spatenstich für Spatenstich. Sloppy Sam lehnte an einem Grabstein und genehmigte sich einen Schluck aus einem silbernen Flachmann, den er zuvor aus seiner schmutzigen Winterjacke geholt hatte. »Das machst du wirklich sehr gut«, lobte er Jack, dessen Stirn bereits schweißnass war. »Wie ist das passiert?« Sloppy Sam zuckte mit den Schultern. »Was soll schon passiert sein? Der Lincoln Side Killer. Mehr muss ich wohl nicht sagen«, antwortete Sam mit einer Abgeklärtheit, die fast schon erschreckend war. Wie konnte er so leichtfertig damit umgehen? Wieso ließ ihn der Tod dieses Mannes kalt? Und was fiel diesem Kerl ein, ihn einen Mörder zu nennen? »Ich bin nicht der Lincoln Side Killer.« Sloppy Sam klopfte ihm nach vollendeter Arbeit auf den Rücken. »Jacky, mein Junge, du musst anfangen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, nicht, was sie vorgibt zu sein.« »Und wie ist die Welt in Wirklichkeit?« Sloppy Sam legte die Stirn in Falten. »Ist das nicht offensichtlich?«, sagte er und räusperte sich. »Würdest du jetzt bitte beiseitetreten?« Jack sah ihn misstrauisch an. »Was hast du vor?« »Ich möchte unserem Freund hier die letzte Ehre erweisen«, sagte er mit der Stimme eines Geistlichen, nicht mit der eines Totengräbers und stadtbekannten Trinkers, wie Jack ihn vor einem Jahr in Deyers Creek kennengelernt hatte. Er kam Sams Bitte nach und stellte sich neben den Grabstein, auf dem die Laterne stand. Ihr Licht waberte in der finsteren Nacht. Samuel faltete die Hände und legte den Kopf auf die Brust. »Vater, wir übergeben diese arme Seele in deine Obhut. Lass ihm die Gnade zuteilwerden, die ihm auf Erden versagt wurde. Amen«, schloss er das Gebet mit den Worten: »Ruhe in Frieden.« »Ich habe dich nie für einen gläubigen Mann gehalten.« »Bin ich auch nicht.« Der Totengräber schaute hinab auf das frische Grab. »Aber er war’s«, sagte er und bedeckte es mit Schnee, womit es zwischen den anderen nicht mehr auffiel. 2 Er folgte dem Totengräber im Schein der Gaslaterne durch den wabernden Nebel. »Du hast mir immer noch nicht auf meine Frage geantwortet«, sagte Jack. Schneebedeckte Grabsteine und Marmorstatuen ragten an beiden Seiten des Weges aus dem gefrorenen Erdreich. Samuel sah ihn von der Seite an. Seine Augen schimmerten gespenstisch im schummrigen Schein der alten Gaslaterne. »Die Welt ist im Wandel, Jacky. Nur ein Dummkopf würde das nicht bemerken. Ständig fragt jeder nach dem Grund, warum was wie geschieht, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Ursache und Wirkung. Merke dir diese Worte, Jacky. Vielleicht werden sie irgendwann für dich von Bedeutung sein, vielleicht auch nicht und du wirst sie vergessen.« Jack war nur aus einem Grund hier, das Finden der Brücke, was denn sonst? Oder lagen die Dinge ganz anders und er wusste es nur nicht? Und wie hatte es ihn auf diesen gottverlassenen Friedhof verschlagen? Zumindest diese Frage sollte sich ohne Probleme beantworten lassen. »Warum sind wir eigentlich hier?« Samuel hob eine Augenbraue. »Wir sind auf dem Weg zur Brücke.« »Das habe ich damit nicht gemeint. Eigentlich wollte ich wissen, wie wir hierhergekommen sind.« »Was ist das letzte, woran du dich erinnerst?« »Ich erinnere mich … ich erinnere mich«, wiederholte Jack und durchforstete sein Gedächtnis nach einer Antwort. Warum fiel es ihm so schwer, sich zu erinnern? Warum fühlte sich alles, was länger als fünf Minuten zurücklag, so schwammig an wie ein Traum, der nie geträumt wurde. »Macht es dir etwas aus, wenn ich deinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge helfe?« Jack sah ihn erwartungsvoll an. »Du warst mit mir zusammen in Shao Lans Laden für Kuriositäten. Dämmert’s da bei dir?«, fragte ihn Samuel mit seiner rauchigen Stimme. Schlagartig kehrte alles zurück. Die abgebrannten Ruinen des Prometheus, die Flucht vor der Polizei durch die U-Bahn-Tunnel unter der Stadt, der Geruch von Räucherstäbchen in Shao Lans Laden und auch die schmerzhafte Prozedur mit den Akupunkturnadeln, die ihm letztlich auch das Bewusstsein raubten. »Du und dieser Chinese habt mich als Nadelkissen missbraucht.« »Dafür muss ich mich wohl entschuldigen. Wir dachten, wir könnten auf diese Art weitere Blackouts verhindern. Leider erlagen wir einem Trugschluss.« »Was geschah danach?« Grabsteine tauchten im Nebel auf und verschwanden wieder. Einzelne Schneeflocken rieselten vom Himmel. Dass Samuel in diesem Wirrwarr nicht die Orientierung verlor, grenzte an ein Wunder. »Du warst drei Stunden ohne Bewusstsein, aber ansonsten schien dir nichts mehr zu fehlen. Nachdem du aufgewacht bist, beobachteten wir dich noch eine weitere Stunde, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Alles war in Ordnung, also setzten wir unsere Reise fort.« Sie erreichten eine Wegkreuzung, der sie in östlicher Richtung folgten. »Aber es war nicht alles in Ordnung«, hakte Jack nach. Samuel seufzte. »Leider nicht. Ungefähr dreißig Minuten nachdem wir den Kuriositätenladen verlassen hatten, verhieltst du dich merkwürdig.« »Merkwürdig, inwiefern?« Samuel zögerte. »Du hast dich über Kopfschmerzen beklagt und benahmst dich überwiegend aggressiv. Du wolltest auf schnellstem Wege zur Brücke, komme, was da wolle. Ich sagte dir, wir würden den Friedhof überqueren müssen. Ich hatte nicht erwartet, dort auf jemanden zu treffen. Erst recht nicht auf einen Polizisten.« Jack seufzte schwer. »Wahrscheinlich hat er jemandes Grab besucht.« Samuel brummte zustimmend. »Durchaus möglich.« »So oder so hätte dieser Mann nicht sterben dürfen«, sagte Jack mit belegter Stimme. Der Totengräber sah Jack in die Augen, das Licht der Gaslaterne tauchte sein Gesicht in ein schummriges Zwielicht. »Bedauere nicht die Toten, Junge. Es sind die Lebenden, um die du dich sorgen solltest«, sagte er und ließ den Blick durch den dichten Nebel schweifen. Diese Blackouts. Bedeuten...




