E-Book, Deutsch, 252 Seiten
Lang Mrs. Miller kann's nicht lassen
2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-4415-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 252 Seiten
ISBN: 978-3-7412-4415-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Waltraut Lang wurde 1960 in Nesse, Kreis Cuxhaven geboren. Ihr ganzes Leben wurde sie vom geschriebenen Wort begleitet, doch durch ihre beruflichen Anforderungen als Übersetzerin (Englisch-Französisch-Deutsch) musste sie diese in den Hintergrund stellen. Seit 2014 hat sie nun die Möglichkeit, ihre Worte auch zu veröffentlichen. Bisherige Veröffentlichungen: •März 2015: 2 Kurzgeschichten in der Anthologie ' Sonnen- und Reisegeschichten: Jedes Wort ein Atemzug, ISBN-13: 978-3903056268 •April 2015: 2 Gedichte in der Anthologie 'Muttergefühle: Gedichte für Mütter', ISBN-13: 978-1508646860 •Juni 2015: Geheimnis unter der Erde: Mrs. Miller kann's nicht lassen (Ebook), ASIN: B010BKEBT4 •Juli 2015: 2 Gedichte in der Anthologie 'Magische Welten: Zwischen Licht und Schatten',ISBN-13: 978-1514272312 •August 2015: Low Carb - Fakten und Erkenntnisse, ein Sachbuch, eBook •September 2015: Kurze Geschichten für Zwischendurch von 84 Autorinnen und Autoren, ASIN: B014ST38EI •September 2015: Mitautorin von Verborgene Flügel, ISBN-13: 978-3903056510 •November 2015: Hinter den Kulissen - Wenn Worte zu Geschichten werden, ISBN-13: 978-1517735005 •Dezember 2015: Anthologie Inspiration zur Winter- und Weihnachtszeit, ASIN: B01958A6YW •Mai 2016: Weiß: Kurzgeschichten (Farbspiel) , ISBN-13: 978-3903056978 •Mai 2016: Sternenglanz und Märchengarten, Karina-Verlag Webseite: www.langwaltraut.jimdo.com Social Media: www.facebook.com/Autorin.Waltraut.Lang Blog: http://waltrauts-bunte-lyrik-wiese.blogspot.com/
Autoren/Hrsg.
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Schatten der Vergangenheit
Seit einer Woche hatte es in Isle of Peace bereits geregnet, und das so kurz vor Ostern. Alle Einwohner hofften, dass nicht sämtliche Pläne für Ostern wegen dieses schlechten Wetters sozusagen ins Wasser fallen würden.
Aber dann wendete sich doch noch alles zum Guten. Karfreitag zog die Sonne wieder am Himmel auf. Daher beschloss Mrs. Miller, das gute Wetter auszunutzen und einen gemütlichen Spaziergang zu machen, denn wer konnte schon wissen, wie lange es anhalten würde. Ihre beste Freundin, Prudence Brimsy, war natürlich mit von der Partie.
Ihr Ziel war die Prachtstraße von Isle of Peace „Avenue of the Glorious Past“ oder auch „Allee der glorreichen Vergangenheit“ genannt.
Isle of Peace ist, wie bereits erwähnt, ein sehr ruhiger und friedlicher Ort. Aber nirgends spürt man diese Atmosphäre des Friedens und der Ruhe mehr als hier, in der Allee der Glorreichen Vergangenheit. Sogar die Straße war im alten Zustand belassen worden. Das Kopfsteinpflaster mochte zwar für die meisten Autofahrer eine Qual sein, aber es rundete das Gesamtbild gekonnt ab, so dass man das Gefühl hatte, als wäre die Zeit stehengeblieben. Knorrige alte Eichen säumten beide Seiten der Straße. Alle Häuser waren alt, sehr alt sogar, sozusagen Schmuckstücke aus den frühen Tagen, die von ihren Bewohnern liebevoll gepflegt wurden. Das Besondere an ihnen war, dass sie in all ihrer Pracht doch Einfachheit und Würde ausstrahlten. Sie lagen offen da, die Front der Straße zugewandt, und alle hatten sie einen kleinen Vorgarten. Mit ihren restaurierten Giebelfenstern und den Balkonen aus kunstvoll geschmiedetem Eisen wirkten sie auf jeden Besucher von Isle of Peace anheimelnd und zugleich vornehm.
„Prudence, ich weiß nicht, ob Du mich verstehst, aber als ich das erste Mal hierher kam, um die Tochter einer Freundin zu besuchen, da fühlte ich mich bereits zu diesem Ort hingezogen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Maggie, sagte ich mir, hier und nur hier möchtest Du Deinen Lebensabend verbringen. Weißt Du, was mich besonders beeindruckt hat: Die Vielfalt der verschiedenen Stilrichtungen, die hier vertreten sind. Ich war erstaunt, dass man hier ein Fachwerkhaus aus Deutschland neben einem Haus aus England zur Zeit Königin Viktorias finden kann. Und alle Stilrichtungen passen so gut zueinander, dass man meint, es gehört so. Diese Toleranz in den Stilrichtungen der Häuser findet sich auch im Verhalten der Menschen zueinander wider.
Alle leben einträchtig beieinander, ob sie nun deutsche, griechische, russische, englische oder französische Vorfahren hatten. Hier kann jeder nach seiner Fasson glücklich werden, und das war für mich wichtig, denn ich lasse mich nicht gerne in Konventionen zwingen. Ich lebe am Liebsten frei und ungebunden, und es gefällt mir, wenn ich tun und lassen kann, was ich will.“
„Es freut mich, dass es Dir bei uns so gut gefällt, Maggie. Wir haben Dich inzwischen alle sehr lieb gewonnen und möchten Dich auch nicht wieder verlieren.“
Schweigend gingen die beiden Frauen eine Weile nebeneinander her, ganz in die Betrachtung der blühenden Pracht zu beiden Seiten versunken. Wohin sie auch blickten, überall kündeten blumige Boten davon, dass der Frühling Einzug gehalten hatte. Ein Meer von Krokus- und Osterblumen sowie Stiefmütterchen war in allen Vorgärten zu sehen. Die Blumen bildeten einen wunderbaren Kontrast zu den liebevoll in den verschiedensten hellen Farben gestrichenen Häusern.
Auf einmal rief Mrs. Miller: „Prudence, warte doch mal. Sieh mal, das Grundstück dort drüben, das mit den Ulmen. Die sind so hoch, dass sie bestimmt uralt sein müssen. Wie oft bin ich hier schon entlang gegangen in dem halben Jahr, das ich jetzt schon hier lebe.
Aber ich hatte noch nie die Gelegenheit, das Haus zu sehen, das zu dem Grundstück gehört. Leider kann man es von der Straße nicht einsehen. Meinst du, dass der oder die Besitzer etwas dagegen hätten, wenn ich mir das Grundstück mal näher ansehen würde?“
„Ich denke nicht, Maggie. Dort lebt die alte Mrs. Green. Sie ist schon seit sehr langer Zeit Witwe und ihr einziger Sohn ist in Vietnam gefallen. Da ihr nach dem Tod ihres Mannes gerade noch genug Geld für ihren eigenen Lebensunterhalt blieb, musste sie alle Hausangestellten entlassen. Seitdem lebt sie allein in dem großen Haus, das früher übrigens das Herrenhaus einer großen Plantage war. Ich denke, dass sie sich bestimmt über unseren Besuch freuen wird.“
Durch ein schmiedeeisernes Tor gingen sie einen breiten Weg zum Haus hinauf. Der Weg war von Bäumen mit ausladenden Ästen gesäumt, deren Zweige sich von beiden Seiten verschränkten und über dem Weg ein dichtes Blätterdach formten. Endlich erblickte Mrs. Miller das Haus. Es war groß und einladend, aber im Gegensatz zu den anderen Häusern der Alle der Glorreichen Vergangenheit war das Haus nicht im besten Zustand. Die Farbe begann bereits von der Fassade des Eingangstors abzublättern und die Fensterrahmen konnten auch mal wieder einen Anstrich gebrauchen. Aber auch an den roten, naturbelassenen Ziegelsteinmauern war der Zahn der Zeit nicht spurlos vorüber gegangen, denn selbst die beinahe unverwüstlichen Backsteine zeigten schon Anzeichen von Verwitterung. Durch das auf den Betrachter bombastisch wirkende Eingangsportal, dessen Giebeldach von sechs weißen Marmorsäulen getragen wurde, gelangten sie an die Eingangstür und klingelten.
Wie Prudence Brimsy vorausgesagt hatte, war Elizabeth Green hocherfreut, Mrs. Miller und Mrs. Brimsy zu sehen.
„Hallo Liz, ich hoffe, wir stören nicht. Aber meine Freundin, Mrs. Miller, interessiert sich sehr für Dein Haus und das Grundstück.
Würde es Dir was ausmachen, wenn sie sich alles näher anschaut?“
„Keineswegs, ich fühle mich geehrt, dass Sie sich für mein bescheidenes Haus interessieren, Mrs. Miller. Aber wollen Sie und Prudence nicht erst einmal eine Tasse Kaffee mit mir trinken?“
„Meine Freunde nennen mich Maggie, Mrs. Green. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich auch so nennen würden, denn ich hoffe, dass wir beide auch bald Freundinnen sein werden. Und, was die Einladung zum Kaffee angeht, die nehme ich gerne an.“
„Freut mich, dass Ihr meine Einladung annehmt, und für meine Freunde heiße ich Liz, das ist die Kurzform von Elizabeth. Aber lasst uns doch reingehen!“
„Bedaure, Liz. Ich kann leider nicht zum Kaffee bleiben. Schade, aber es gleich vierzehn Uhr, und ich muss die Bücherei wieder aufmachen. Also muss ich Euch alleine lassen, so Leid es mir auch tut. Aber ich wünsche Euch viel Spaß. Wir werden uns morgen Abend beim Osterfeuer bestimmt wiedersehen. Macht's gut, Ihr beiden!“
So bleiben Maggie Miller und Elizabeth Green alleine zurück. Die beiden Frauen waren sich auf Anhieb sympathisch. Es war, als würden sie sich schon eine Ewigkeit kennen. Hier hatten sich zwei gesucht und gefunden. Es bestand gewissermaßen eine Seelenverwandtschaft zwischen den beiden.
Beim gemütlichen Kaffeetrinken hatten sie ausgiebig Gelegenheit, über alle möglichen, für sie interessanten Themen zu sprechen.
Beide waren sie verwitwet, und sie vermissten ihren Mann, der der Mittelpunkt ihrer beider Leben gewesen war, sehr. Aber dies war nicht die einzige Gemeinsamkeit, die sie entdeckten. Maggie Miller hatte eine Zeit lang mit ihrem Mann in Deutschland gelebt, als er in Frankfurt stationiert war, und sie war erfreut zu hören, dass Liz gebürtige Deutsche war, und dass sie nun jemand haben würde, mit sie Erinnerungen an ihre Zeit in Deutschland, an die sie immer gerne zurückdachte, austauschen könnte. Liz erzählte ihr, dass sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem damals zweijährigen Sohn Hand im Jahr 1939 aus Nazi-Deutschland flüchten musste, weil sie Juden waren. Darüber war sie sehr verbittert gewesen, aber inzwischen hatte die Zeit die Wunden geheilt, und sie war genauso erfreut wie Maggie, dass sie nun mit jemandem über ihre alte Heimat sprechen konnte. Die beiden Frauen waren so sehr in ihr Gespräch vertieft, dass sie gar nicht gemerkt hatten, wie spät es inzwischen geworden war. Es war zwanzig Uhr und draußen fing es bereits an, dunkel zu werden als Mrs. Miller auf ihren ursprünglichen Wunsch, das Grundstück und das Haus näher betrachten zu dürfen, zurückkam.
Gerne führte Liz ihre neue Freundin herum. Maggie war beeindruckt. Allein im Erdgeschoss waren zehn Räume. Über eine breite, nach oben schmaler zulaufende Treppe mit einem kunstvoll geschwungenen Geländer gelangten sie in das Obergeschoss mit ebenso vielen Räumen.
„Zwanzig Zimmer! Also sag mal, Liz, ist das Haus für Dich alleine nicht viel zu groß? Ich jedenfalls würde mich hier auf die Dauer einsam fühlen.“
„Leider fühle ich mich tatsächlich einsam, aber nicht um viel Geld der Welt würde ich dieses Haus aufgeben. Hier bin ich mit meinem Mann Harry und unserem Sohn glücklich gewesen. Weißt Du, als wir nach Amerika kamen, da war es anfangs sehr schwer, unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber Harry war ein guter Tischler, und nach schweren Entbehrungen schaffte er endlich den Durchbruch. Und wie Du siehst, haben wir uns dann nach weiteren zehn Jahren dieses wunderschöne Haus kaufen können. Es steht für all die Träume, die wir jemals gehabt haben und dafür, dass man mit einem starken Willen alles erreichen kann, was man will. Nein, das Haus werde ich niemals hergeben. Mit der Zeit musste ich mich schon von viel zu vielen Dingen trennen, die mir lieb und teuer geworden waren. Wie es ebenso geht, ich war finanziell nicht gerade gut gestellt nach Harrys plötzlichem Tod.
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