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Lankers | Verrückt nach New York - Band 3 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 272 Seiten

Reihe: Verrückt nach New York

Lankers Verrückt nach New York - Band 3

Regen im Herzen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-649-66776-6
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Regen im Herzen

E-Book, Deutsch, Band 3, 272 Seiten

Reihe: Verrückt nach New York

ISBN: 978-3-649-66776-6
Verlag: Coppenrath
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Love and the City Maxi ist am Boden zerstört, nachdem die Beziehung mit Alex zerbrochen ist. Dabei haben sie und ihre Freunde aus der Pinkstone-WG eigentlich genug um die Ohren. Der skrupellose Investor Miller versucht weiter mit unlauteren Methoden, die fünf dazu zu bewegen, das alte Haus im angesagten New Yorker-Stadtteil Williamsburg aufzugeben. Unter diesem enormen Druck hält Abby es nicht mehr aus und zieht zurück zu ihren Eltern. Nun muss zu allem Überfluss auch noch ein neuer Mitbewohner gefunden werden. Gar nicht so leicht, denn ein Kandidat ist schräger als der andere. Da taucht Alex plötzlich auf und bewirbt sich um das Zimmer. Und wieder weiß Maxi nicht, wo ihr der Kopf steht ... Liebe, Glamour & Intrigen: Diese Serie macht süchtig!

Katrin Lankers, geboren 1977, dachte sich schon in der Schule Romane aus, brachte aber nie mehr als eine Seite zu Papier. Nach dem Studium der Journalistik an der Uni Dortmund arbeitete sie mehrere Jahre für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bis sie schließlich beschloss, sich an ein Großprojekt zu wagen: Sie ließ ihrer Fantasie freien Lauf und schrieb ihren ersten Jugendroman. Heute lebt Katrin Lankers als freie Autorin für Jugend- und Sachbücher mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bornheim bei Bonn.
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KAPITEL 1


Fünfzigtausend? Sie musste wahnsinnig geworden sein! Völlig den Verstand verloren haben! Dabei hatte sie noch ganz vernünftig gewirkt, als ich sie vor zwei Wochen am Flughafen verabschiedet hatte. Na ja, so vernünftig wie meine Omama, die seit jeher zu Verrücktheiten neigte, eben sein konnte. Aber das hier war der Gipfel aller verrückten Dinge, die sie jemals getan hatte.

Okay, es war vermutlich schon sehr verrückt gewesen, mit einem Mann, den sie erst seit einem halben Jahr kannte, nach New York zu ?iegen und dort mit ihm den Bund fürs Leben zu schließen. Insbesondere da es sich um einen Birnenkopf mit Halbglatze handelte. Andererseits hatte ich Omama noch nie so glücklich erlebt wie bei ihrer Hochzeit am Valentinstag. Und ganz sicher noch niemals so verliebt.

Verrückt waren natürlich auch die Seancen gewesen, die sie in unserer Küche abgehalten hatte, bis ihr Roy Black erschienen war und sie wochenlang mit »Ganz in Weiß« verfolgt hatte. Ziemlich verrückt war auch ihre Angewohnheit, überall in der Wohnung Lavendel gegen böse Geister zu verteilen, sowie ihr traditionelles Neujahrspicknick auf dem Balkon bei Minusgraden. Aber all das fand ich noch recht normal, verglichen mit den fünfzigtausend Euro, die sie mir aufs Konto überwiesen hatte.

»Omama, was soll das?«, schrie ich aufgeregt in mein Handy, kaum hatte sie den Anruf angenommen.

»Maxi, ist alles in Ordnung? Warum rufst du mitten in der Nacht an?«, brüllte Omama zurück. Sie brüllte immer am Telefon, weil sie glaubte, dass ich sie sonst »am anderen Ende der Welt« nicht verstehen würde.

»Oh, entschuldige.« Mist, in der Aufregung hatte ich glatt die sechs Stunden Zeitunterschied vergessen.

»Schon in Ordnung.« Sie seufzte laut. »Also, was ist los?«

»Was ist das für Geld?«, kam ich ohne Umschweife auf den Grund meines Anrufs zurück. Erst hatte ich die Überweisung für einen Fehler gehalten, als ich meine üblicherweise eher besorgniserregende Finanzlage online geprüft hatte. Dann war mein Kopfkino gestartet und hatte angefangen, mir die wildesten Theorien vorzuspielen: Spekulierte meine Omama neuerdings an der Börse? Hatte sie im Lotto gewonnen? Oder war sie womöglich in irgendwelche kriminellen Aktivitäten verstrickt? Hehlerei? Geldwäsche? Schutzgelderpressung? Aber was machte diese Riesensumme dann auf meinem Konto?

»Warum überweist du mir fünfzigtausend Euro?«, schob ich hinterher, weil meine Omama nicht sofort reagierte.

»Das ist dein Anteil«, erklärte Omama nüchtern.

»Mein Anteil?« Also wirklich etwas Kriminelles?!

»Vom Haus.«

»Wieso vom Haus?« Ich verstand nur Bahnhof.

»Ich habe das Haus verkauft. Weil ich jetzt bei Hubertus wohne. Wer nicht auszieht, kommt nicht heim, so sagt man doch. Nun brauche ich das alte Ding nicht mehr. Und der Buchladen war mir schon lange zu viel. Den habe ich gleich mit verkauft. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie die Immobilienpreise explodiert sind. Da kam ein schönes Sümmchen zusammen. Und da dachte ich mir: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Deshalb solltest du deinen Teil davon bekommen. Sicher kannst du das Geld gut gebrauchen, oder?« Sie lachte fröhlich, aber mir war gar nicht nach Lachen zumute.

»Du hast das Haus verkauft?«, echote ich hohl. Bilder schossen durch meinen Kopf: unsere Ikea-Style-Küche, wo wir oft über einer Tasse Kakao gesessen und geredet hatten. Mein Kinderzimmer mit dem bunt lackierten Holztisch, an dem ich vom ersten bis zum letzten Schuljahr meine Hausaufgaben erledigt hatte. Und natürlich der verwinkelte, staubige Buchladen, in dem ich mich ungezählte Stunden in Büchern verloren hatte, auf der Theke das Einmachglas mit Gummibärchen, aus dem ich mich bedient hatte, wenn ich aus der Schule heimkam … »Du hast den Buchladen verkauft?«

Lautes Hämmern direkt über meinem Kopf machte es mir unmöglich zu verstehen, ob und was meine Omama antwortete, und holte mich zurück in die Gegenwart.

»Rick!«, brüllte ich, wobei ich das Handy auf Armlänge von mir wegstreckte. »Hör mal kurz auf, ich telefoniere.« Ein noch kräftigeres Hämmern erklang als Antwort.

»Rick!« Ich griff nach dem erstbesten Gegenstand – einem Wildleder-Pumps mit Plateau-Sohle – und schleuderte ihn gegen die Zimmerdecke. Poch. Poch. Poch. Meine Schuhattacke prallte unbemerkt von meinem handwerkenden Mitbewohner an der Decke ab, und mit dem Pumps rieselte eine Wolke Putz zu Boden. Mist! Ich hielt es ohnehin für eine hirnrissige und halsbrecherische Idee, um sieben Uhr abends das Dach neu decken zu wollen. Aber Rick neigte zu extremen Aktionen und hatte erklärt, er wolle das nur schnell zu Ende bringen, nachdem er schon den ganzen Tag dort oben herumgeturnt war. Zum Glück legte er nun tatsächlich eine kurze Pause ein und aus dem Handy in meiner Hand drang Omamas Stimme zu mir.

»Maxi? Maaaaxi, bist du noch dran?«

»Ja.« Ich drückte mir das Telefon wieder ans Ohr.

»Was ist denn bei euch los?«

»Rick deckt das Dach.«

»Um diese Zeit?«

»Sag ihm das.«

Poch. Poch. Poch. Jetzt ging das schon wieder los! Im Grunde war ich ja dankbar, dass Rick sich so für die Renovierung von Pinkstone einsetzte. Denn Pamela und Saida, unsere anderen beiden Mitbewohnerinnen, hatten ihre Hilfe zwar fest zugesagt, hielten sich nun aber zurück, angeblich, weil sie zu viel mit ihren Jobs zu tun hatten. Pam kellnerte neuerdings in einem Diner am Times Square, wo die Mitarbeiter die Gäste nicht nur mit Burgern und Pommes, sondern auch mit Musical-Hits erfreuten. Und Saida bereitete sich auf ihr erstes Mode-Shooting und ihre Gerichtsverhandlung vor. Aber mal ehrlich: Daneben blieb eigentlich viel Zeit, um im Haus mit anzupacken. Ich schaffte es ja auch, obwohl ich als Redaktionspraktikantin bei dem Magazin Zeitgeist jede Menge zu tun hatte. Ein bisschen mehr Engagement hätte ich mir schon gewünscht. Immerhin war die Renovierung des Hauses die Voraussetzung dafür, dass wir hier leben durften. Zumindest noch drei Monate, bis der Besitzer es meistbietend versteigern wollte.

Poch. Poch. Poch.

»RIIIIICK!« Wie gesagt: Ich war ihm dankbar, aber das Hämmern nervte gewaltig. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, dabei war das gerade bitternötig.

»Du hast unser Haus also verkauft?«, hakte ich in der nächsten Poch-Pause bei Omama nach. Ich vermute, dass ich dabei ziemlich jämmerlich klang, denn ihre Antwort ?el deutlich zurückhaltender aus als zuvor.

»Ja, mein Mädchen, das habe ich. Ich hätte nicht gedacht, dass dich das stören würde.«

»Und wo soll ich wohnen, wenn ich wieder nach Hause komme?«, fragte ich kleinlaut. Ich hatte nie besonders an unserem Haus gehangen, zumindest hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Aber jetzt, wo es verkauft war, vermisste ich es plötzlich schrecklich. Zumal mir nicht klar war, wo ich nach Ablauf der Frist durch unseren Vermieter leben würde, falls Pinkstone dann womöglich doch abgerissen würde. Denn die Option bestand ja nach wie vor.

»Aber, Maxi, dann wohnst du natürlich bei uns«, versuchte Omama, mich eilig zu trösten. »Ich habe deine Möbel alle mitgenommen. Du hast hier dein eigenes Zimmer. Hubertus besitzt ein riesiges Haus. Ein wunderschönes Haus. Es wird dir gefallen. Mein Haus ist dein Haus – das sagen die Spanier, glaube ich. Oder die Italiener? Na egal, Hubertus sieht das jedenfalls genauso!«

Poch. Poch. Poch. Poch. Poch.

Meine Güte, hörte das denn gar nicht mehr auf? So langsam ?ng mein Kopf an zu dröhnen. Der Lärm über mir gepaart mit diesem Telefonat war einfach zu viel. Nicht genug, dass meine New Yorker Bleibe eine Baustelle war und womöglich in Kürze nicht mehr existieren würde. Nun hatte ich auch kein Zuhause mehr in Deutschland, in das ich zurückkehren konnte. Über diese deprimierenden Gedanken hatte ich den eigentlichen Grund des Anrufs ganz vergessen.

»Es tut mir leid, Maxi«, sagte Omama, als das Pochen erneut pausierte. »Ich hätte vielleicht besser vorher mit dir darüber reden sollen. Aber mir war nicht klar, dass es dir etwas ausmachen würde. Ich hoffe, du freust dich wenigstens über das Geld …« Erst als sie es erwähnte, ?el mir die unglaubliche Summe wieder ein, die sie mir überwiesen hatte. Fünfzigtausend Euro! Ob ich mich darüber freute? Im Moment war ich eher traurig, weil sie unser Haus verkauft hatte. Aber mal davon abgesehen, dass es mir schwer?el, mich über das Geld zu freuen … Es war einfach so unvorstellbar viel! Was sollte ich bloß damit anfangen?

»Maxi?«, fragte Omama nach, weil ich nicht sofort reagierte. Was sollte ich ihr auch sagen? Sie hatte vielleicht eine falsche Entscheidung getroffen – so sah ich das zumindest. Aber sie war auch ungeheuer großzügig gewesen und ich wollte nicht nörgeln und undankbar erscheinen.

»Ähm«, machte ich, weil mir keine diplomatische Antwort ein?el. Doch dann blieb mir jede Art von Antwort erspart. Denn in diesem Augenblick war über meinem Kopf zuerst ein heftiges Poltern zu hören, dann krachte etwas gewaltig und kurz darauf schrie Rick: »Shit!« Nur Sekunden später stürzte die Decke ein. In einer gewaltigen Wolke aus Staub und Schutt landete Rick laut ?uchend mit dem Hintern zuerst auf meinem Wildleder-Pumps mit Plateau-Sohle, der – den zehn Zentimeter-Absatz nach oben gerichtet – noch dort auf dem Boden lag, wo er vorhin hingefallen war.

»Rick«, kreischte ich. »Alles okay?«

»Alles okay?«, brüllte meine Omama gleichzeitig durchs...


Katrin Lankers, geboren 1977, dachte sich schon in der Schule Romane aus, brachte aber nie mehr als eine Seite zu Papier. Nach dem Studium der Journalistik an der Uni Dortmund arbeitete sie mehrere Jahre für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien, bis sie schließlich beschloss, sich an ein Großprojekt zu wagen: Sie ließ ihrer Fantasie freien Lauf und schrieb ihren ersten Jugendroman. Heute lebt Katrin Lankers als freie Autorin für Jugend- und Sachbücher mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bornheim bei Bonn.



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