Lee | Der Stein des Schicksals | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Lee Der Stein des Schicksals


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5329-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5329-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Welches Geheimnis rankt sich um Gemmas Herkunft - und was hat der unermesslich wertvolle schwarze Opal, den sie im Nachlass ihres Vaters entdeckt hat, damit zu tun?

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2. KAPITEL

Mr Whitmore, so erfuhr Gemma an der Rezeption, hatte das Zimmer Nummer dreiundzwanzig.

Das Ridge-Motel war das neueste Gästehaus in Lightning Ridge. Rezeption und Restaurant befanden sich in einem separaten Gebäude. Hinter einem nierenförmigen Swimmingpool erhob sich der eigentliche zweigeschossige Bau mit vierzig Zimmern, die über eine Außentreppe einzeln zugänglich waren. Zimmer dreiundzwanzig lag im zweiten Stock.

Mit zitternden Knien stieg Gemma die Treppe empor. Viele Leute, einschließlich Ma, hielten sie für ein erstaunlich selbstbewusstes Mädchen, aber Gemma wusste es besser. Ihre scheinbare Selbstsicherheit war im Grunde nichts als eine verzweifelte Waffe gegen das aufbrausende, gewalttätige Naturell ihres Vaters gewesen. Im Lauf der Jahre hatte sie festgestellt, dass er sie noch schlechter behandelt hatte, wenn sie zu fügsam und unterwürfig gewesen war. Deshalb hatte sie gelernt, sich in gewissem Rahmen zur Wehr zu setzen … und es manchmal bitter bereut.

Was keinesfalls bedeutete, dass sie die Gewandtheit besaß, einem Byron Whitmore, Opalhändler aus der großen Stadt, selbstbewusst gegenüberzutreten. Nein, sie hatte weiche Knie. Ihr einziger Trost war, dass sie heute nicht den großen Opal, sondern nur die kleineren verkaufen wollte.

Nach reiflicher Überlegung war Gemma zu dem Entschluss gelangt, das kostbare Stück in Sydney von verschiedenen Experten schätzen zu lassen, ehe sie es verkaufen würde. Auf der Fahrt zum Motel war ihr in den Sinn gekommen, dass es ihr vielleicht noch mehr Geld einbringen würde, wenn sie den Opal als Sammlerstück auf einer Auktion versteigern lassen würde. Sechsstellige Summen schwebten ihr vor Augen. Sie würde sich ein Haus und schöne Kleider kaufen können, einen Hund …

Nein, keinen neuen Hund. Nicht so schnell. Eines Tages vielleicht. Aber der Schmerz über Blues Tod war noch zu frisch.

Inzwischen war Gemma vor Zimmer Nummer dreiundzwanzig angelangt und blieb unschlüssig stehen. Am liebsten hätte sie kehrtgemacht und den Verkauf der Opale vergessen. Aber sie brauchte das Geld. Die Fahrkarten waren bereits reserviert. Morgen Abend würde sie mit dem Bus nach Dubbo fahren und weiter mit dem Zug nach Sydney.

Gemma wünschte sich, ihr Vater hätte sie das eine oder andere Mal mitgenommen, als er Opale verkauft hatte. Sie kannte diesen Mr Whitmore nicht einmal. Ma hatte ihr versichert, er sei in Ordnung, trotzdem fiel es Gemma schwer, die Bemerkungen ihres Vaters zu vergessen.

Los, sei nicht dumm! machte sie sich selber Mut. Wie willst du in der großen Stadt bestehen, wenn du nicht einmal diesen kleinen Schritt wagst? Sei kein Feigling!

Gemma holte tief Luft und klopfte an.

„Oh!“, rief sie überrascht aus, als die Tür sofort aufgerissen wurde. Verblüfft starrte sie dann den Mann an, der ihr geöffnet hatte.

Er war weit von Fünfzig entfernt und hatte weder schwarzes Haar noch blaue Augen. Gemma schätzte ihn auf höchstens fünfunddreißig. Sein Haar war weizenblond, seine Augen waren grau. Allerdings war er überaus attraktiv.

„Entschuldigung … ich muss mich in der Zimmernummer geirrt haben“, sagte Gemma stockend. „Ich wollte zu Mr Whitmore.“

Er ließ den Blick langsam an ihr herabschweifen, über ihre nackten sonnengebräunten Beine, und richtete ihn dann wieder auf ihr Gesicht. Gemma war sich nicht sicher, ob sie den Ausdruck in diesen grauen Augen als schmeichelnd oder beleidigend empfinden sollte.

Ihre Kleidung durfte ihn eigentlich nicht überraschen. In Lightning Ridge trug im Sommer jeder Shorts … jeder, außer Besuchern wie dieser Fremde. In seiner grauen Anzughose und dem weißen Hemd samt dunkelroter Krawatte wirkte er in dieser Gegend fehl am Platz. Vermutlich ein Geschäftsreisender, zum ersten Mal hier draußen im Busch. Die Krawatte würde er bald ablegen und die Ärmel aufkrempeln.

Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. „Nun weiß ich, warum Byron so gern hierher reist“, bemerkte er trocken.

Gemma horchte auf. Byron? War das nicht Mr Whitmores Vorname?

„Ich bin Nathan Whitmore“, erklärte der Fremde auf ihren fragenden Blick hin. „Ich vertrete Byron diesmal, was sich offensichtlich herumgesprochen hat. Sie sind mein erster Klient heute Nachmittag und erst der dritte für den ganzen Tag. Sie kommen doch als Klientin, oder?“, fragte er.

Was sollte sie tun? Ma hatte ihr Byron Whitmore empfohlen, nicht seinen Bruder!

„Sie wirken so besorgt, Miss …?“

„Smith“, sagte sie. „Gemma Smith.“

„Aha, und Sie haben bereits Geschäfte mit meinem Vater gemacht, Miss Smith?“

„Nein, ich … Mit Ihrem Vater?“ Erstaunt blickte sie Nathan Whitmore an. Entweder war Byron Whitmore älter, als Ma angenommen hatte, oder sein Sohn musste ein so ausschweifendes Leben geführt haben, dass er vorzeitig gealtert war. „Ich … ich dachte, Sie wären sein Bruder.“

„Ihre Verwirrung ist begreiflich. Byron hat mich adoptiert, als ich siebzehn und er zweiunddreißig war. Wir sind tatsächlich mehr wie Brüder als wie Vater und Sohn.“

„Ach so, ich verstehe.“ Gemma verstand ganz und gar nicht. War siebzehn nicht schon etwas alt, um adoptiert zu werden? Nun, es ging sie nichts an. Sie musste sich darauf konzentrieren, einen guten Preis für ihre Opale zu bekommen.

„Ich darf Ihnen versichern, Miss Smith, dass ich mich mit Opalen auskenne und Sie nicht betrügen werde“, sagte Nathan. „Byron würde mir das Fell über die Ohren ziehen, wenn ich seinen Ruf ruinieren würde.“

„Die Empfehlungen sprechen allerdings für ihn.“

„,Whitmore Opals‘ besitzt einen Ruf, der seinesgleichen sucht. Möchten Sie nicht hereinkommen, damit wir zum Geschäftlichen kommen können?“

Gemma zögerte. Verstohlen spähte sie über Nathans Schulter hinweg in das Motelzimmer. Ein merkwürdiger Ort, um Geschäfte abzuwickeln. Zu persönlich, fast schon intim. Unschlüssig blickte sie zu Nathan auf.

„Meine liebe Miss Smith“, sagte er belustigt, „ich habe diese weite Reise nicht gemacht, um irgendwelche jungen Frauen zu kompromittieren, mögen sie auch noch so schön sein.“

Schön? Er fand sie schön? Meine Güte, ich werde ja rot, dachte sie bestürzt, zwang sich aber, seinem Blick ruhig standzuhalten. Sicher wollte er ihr nur schmeicheln und hoffte, mit ein paar Komplimenten den Preis herunterhandeln zu können. Ma hatte sie noch am Morgen gewarnt, dass diese Händler aus der Stadt gewiefte, skrupellose Teufel seien.

Dieser sah allerdings nicht wie ein Teufel aus. Eher wie ein Engel mit seinem goldenen Haar und seinem schönen, sinnlichen Mund.

„Setzen wir uns an den Tisch.“ Nathan bedeutete ihr einzutreten.

Es war ein typisches Motelzimmer mit einem französischen Doppelbett in der einen Ecke, einem Fernseher, einem Sofa und einem kleinen runden Tisch, an dem zwei Stühle standen. Über der Rückenlehne des einen hing die graue Anzugjacke.

Gemma setzte sich auf den anderen Stuhl und schlug die Beine übereinander. Fröstelnd faltete sie die Hände um die nackten Knie. In dem voll klimatisierten Raum war es deutlich kühler als draußen, und sie verstand nun, warum Nathan Whitmore sich in seiner vergleichsweise warmen Kleidung nicht unwohl fühlte. Sie hatte ihr Haar zu einem Pferdeschwanz hochgebunden, und die feinen Härchen in ihrem Nacken standen ihr zu Berge.

„Sie frieren? Soll ich die Klimaanlage herunterdrehen?“

„Ja, bitte, das wäre sehr nett, Mr Whitmore.“ Wie aufmerksam von ihm, dachte sie. Ma hatte Recht. Die Männer aus der Stadt waren mit allen Wassern gewaschen. Gemma nahm sich vor, auf der Hut zu sein.

Nathan schaltete die Klimaanlage ganz aus und setzte sich Gemma gegenüber. „Bitte, nennen Sie mich Nathan.“ Er strich sich lächelnd eine blonde Locke aus der Stirn. „Darf ich Sie Gemma nennen?“

Trotz ihrer guten Vorsätze, sich vom Charme dieses Mannes nicht einwickeln zu lassen, lächelte Gemma geschmeichelt und nickte. Der herbsüße Duft eines teuren Aftershave stieg ihr in die Nase, angenehm und verführerisch. Rochen die Männer aus der Stadt alle so?

„Nun, Gemma?“, unterbrach Nathan ihre Tagträume. „Ich nehme an, Sie haben einige Opale mitgebracht?“

„Wie? Ach ja … ja, natürlich.“ Sie riss sich zusammen und zog den kleinen Leinenbeutel aus der Tasche ihrer Shorts. Mit zitternden Fingern löste sie die Schnur und schüttete die Steine auf den Tisch. Dann beobachtete sie, wie Nathan Whitmore jeden Stein unter der Lupe prüfte.

Als er fertig war, legte er die Lupe beiseite und sah Gemma forschend an. „Haben Sie diese Stücke selbst gefunden?“

„Nein, mein Vater.“

„Und Sie haben seine Erlaubnis, die Steine zu verkaufen?“

„Er ist vor wenigen Tagen gestorben“, sagte sie so unverblümt, dass Nathan sie erstaunt ansah.

„Das tut mir sehr Leid“, sagte er höflich.

Dann sind Sie der Einzige, dachte Gemma. Laut sagte sie: „Sie konnten es ja nicht wissen.“ Ihre Stimme verriet keine Gefühlsregung.

Nathan sah sie erneut erstaunt an. „Wünschen Sie Einzelpreise oder ein Angebot für alle Steine zusammen?“

„Was würde mir mehr einbringen?“

Er lächelte. Ein gewinnendes Lächeln, wie Gemma fand....



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