E-Book, Deutsch, Band 81, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
Lee Ein Marquess und kein Gentleman?
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6106-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 81, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
ISBN: 978-3-7337-6106-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Lady Belinda ist es Beruf und Herzensangelegenheit zugleich, Ehen zu stiften. Um leichtfertige Lebemänner wie Nicholas Trubridge macht die schöne junge Witwe dabei normalerweise einen großen Bogen. Doch der umtriebige Marquess braucht dringend eine reiche Braut, und so lässt Belinda sich widerwillig als Kupplerin anheuern. Ihr geheimer Plan: Dem unverschämt attraktiven Mitgiftjäger genau das Mädchen zuzuführen, das er verdient. Doch je mehr kratzbürstige Kandidatinnen sie für ihn auswählt, desto mehr erliegt sie selbst Nicholas' gefährlichem Charme. Als sie sich plötzlich in seinen Armen wiederfindet und unter seinen heißen Küssen dahinschmilzt, ahnt sie, dass ihre Aufgabe nicht so leicht ist, wie sie dachte ...
Ihr wurde die höchste Ehre für amerikanische Liebesromanautoren zuteil: Laura Lee bekam den RITA Award - doch das ist ihr nicht so wichtig. Viel bedeutender findet sie, dass die Fans jedes ihrer mehr als 20 Bücher lieben und ihre Geschichten um Liebe, Leidenschaft und sinnliche Verwicklungen jeden Tag neue, begeisterte Leserinnen finden.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Die größten Herausforderungen, mit denen sich eine Heiratsvermittlerin herumschlagen musste, waren nicht etwa die wankelmütige menschliche Natur oder die Widersprüchlichkeit der Liebe. Nicht einmal Eltern, die sich überall einmischten. Nein, Lady Belinda Featherstone – für die reichen Familien Amerikas die renommierteste Ehestifterin Englands – sah das eigentliche Hemmnis ihrer Tätigkeit in der romantischen Veranlagung achtzehnjähriger Mädchen. Rosalie Harlow stellte das perfekte Beispiel dar.
„Sir William wäre gewiss jeder Frau ein ausgezeichneter Gatte“, bekannte Rosalie mit ungefähr so viel Enthusiasmus, als ginge es um einen unliebsamen Zahnarztbesuch. „Aber …“ Seufzend verstummte sie.
„Aber du magst ihn nicht?“, beendete Belinda den Satz an ihrer Stelle. Auch sie verspürte den Drang, zu seufzen. Sir William Bevelstoke war nur einer von vielen einflussreichen Gentlemen, die ein romantisches Interesse an der amerikanischen Erbin bekundet hatten, seit Rosalie vor sechs Wochen in London eingetroffen war. Und er war nicht der Einzige, den sie achtlos abgefertigt hatte. Schlimmer noch – Belinda argwöhnte, dass Sir Williams Gefühle über eine rein oberflächliche Zuneigung hinausgingen.
„Es ist ja nicht so, dass ich ihn nicht mag“, entgegnete Rosalie. „Vielmehr liegt es daran, dass …“ Abermals brach sie ab und sah Belinda über den Teetisch hinweg mit braunen Augen unglücklich an. „Er ist nicht gerade aufregend, Tantchen Belinda.“
Belinda war nicht wirklich die Tante des Mädchens, stand der Familie Harlow jedoch so nahe wie eine Blutsverwandte. So wie ihr eigener Vater war auch Elijah Harlow einer der zahlreichen amerikanischen Millionäre, die durch Investitionen in Eisenbahn oder Goldminen zu Vermögen gelangt, den Lockungen der Wall Street erlegen und mitsamt Familie nach New York gezogen waren, nur, um dort mit ansehen zu müssen, wie Gattin und Töchter von der dortigen Gesellschaft geächtet wurden.
Wie die Harlows hatte Belinda dies am eigenen Leib erfahren müssen, als ihr Vater sie aus Ohio mit nach New York nahm. Damals war sie gerade einmal vierzehn gewesen. Die liebenswürdige, warmherzige Mrs Harlow hatte sich überaus mitfühlend gezeigt mit ihrer ebenfalls ausgestoßenen Leidensgenossin und das junge, mutterlose und damals furchtbar schüchterne Mädchen unter ihre Fittiche genommen. Diesen Akt der Güte würde Belinda ihr niemals vergessen.
Im Sommer ihres siebzehnten Lebensjahres hatte Belinda den äußerst gut aussehenden Earl of Featherstone geehelicht, nachdem dieser in nur sechs Wochen ihr Herz im Sturm erobert hatte. Die Verbindung erwies sich als desaströs, doch Belinda war es immerhin gelungen, sich erfolgreich in der britischen Gesellschaft zu etablieren. Fünf Jahre darauf bat Mrs Harlow sie darum, ihre älteste Tochter Margaret dabei zu unterstützen, in der Londoner Gesellschaft Fuß zu fassen, um ihr die brüskierende Zurückweisung eines New Yorker Debüts zu ersparen.
Obwohl Belinda liebend gern geholfen hatte, war sie sich der Gefahr einer überhasteten Eheschließung mit einem verarmten Halunken bewusst gewesen. Deshalb verbandelte sie das Mädchen mit dem zuvorkommenden, warmherzigen Lord Fontaine. Als Folge dieser Bekanntschaft hatte Margaret nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene brilliert, sondern war heute zudem eine glücklich verheiratete Baroness. Damit war Belindas Ruf als Ehestifterin geboren.
Seitdem hatten viele neureiche amerikanische Mädchen, denen man in der rigiden sozialen Hierarchie des traditionsverhafteten New York bloß die kalte Schulter zeigte, den Weg zu Belindas bescheidenem Haus in der Berkeley Street in London gefunden. Sie alle kamen in der Hoffnung, in Margaret Harlows Fußstapfen zu treten. Rosalie war mit demselben Ziel frisch von einem französischen Mädcheninternat gekommen, doch Belinda fürchtete, dass der Fall hier schwieriger lag als bei ihrer vernünftigen Schwester Margaret.
Belinda stellte die Teetasse zurück auf den Unterteller und suchte nach einer passenden Erwiderung auf Rosalies Kommentar. Obgleich sie seit geraumer Zeit verwitwet und überaus dankbar für diesen Umstand war, hatte sie klar vor Augen, dass gesellschaftliche Akzeptanz für Mädchen wie Rosalie allein über eine Ehe zu erreichen war. Somit war ihr sehr daran gelegen, den jungen Frauen stets zweckmäßige Ansichten in puncto Gattensuche zu vermitteln, ohne ihnen ihre romantischen Ideale zu nehmen. Und Rosalie hegte gleich einen ganzen Haufen solcher Ideale.
„Sir William mag nicht der aufregendste aller Gentlemen sein“, sagte Belinda nach einem Moment. „Aber, meine liebe Rosalie, zu einer glücklichen Ehe gehört weit mehr als Herzklopfen.“
„Ja, aber sollte eine Ehe nicht auf Liebe fußen? Und“, fuhr Rosalie hastig in einem Ton fort, der keinen Widerspruch duldete, „kann es Liebe ohne Herzklopfen geben? Liebe bedeutet doch, zu entflammen! Sie muss doch dem Gefühl gleichen, von einem inneren Feuer verzehrt zu werden. Sir William“, fügte sie mit einem weiteren Seufzer an, „entflammt mich kein bisschen.“
Ehe Belinda auf die Gefahren hinweisen konnte, die eine solche Denkart barg, betrat Jervis, der Butler, das Zimmer. „Der Marquess of Trubridge wünscht Ihnen seine Aufwartung zu machen, Mylady“, teilte er ihr mit. „Soll ich ihn hereinbitten?“
„Trubridge?“, fragte sie erstaunt. Sie kannte den Marquess nur vom Hörensagen, und sein Leumund weckte nicht eben das Verlangen in ihr, ihn kennenzulernen. Trubridge war der Sohn des Duke of Landsdowne und ein berüchtigter Schwerenöter. Wie sie wusste, verbrachte er den Großteil seiner Zeit damit, Paris unsicher zu machen und sein Geld an Spieltischen, für Alkohol und Frauen mit fragwürdiger Moral zu verprassen. Zudem war er ein Freund von Jack, dem Bruder ihres verstorbenen Gatten. Diese Tatsache allein schon mehrte ihren Widerwillen dagegen, seine Bekanntschaft zu machen. Jack Featherstone war ebenso zügellos, wie ihr Ehemann es gewesen war. Beide Männer hatten gemeinsam mit Trubridge jenseits des Ärmelkanals ausgiebig der Zecherei gefrönt.
Es überraschte Belinda keineswegs, dass Trubridge gegen die Etikette verstieß und bei einer Frau vorstellig wurde, die nicht zu seinem Bekanntenkreis zählte. Allerdings war ihr schleierhaft, welchen Anlass sein Besuch haben könnte. Trubridge war eingefleischter Junggeselle, und solche Herren mieden ihr Haus gemeinhin wie die Pest.
Doch welches Motiv er auch haben mochte, sie war nicht geneigt, es zu ergründen. „Jervis, bitte teilen Sie dem Marquess mit, dass ich nicht zu Hause bin.“
„Sehr wohl, Mylady.“ Jervis ging, und Belinda widmete sich wieder der anstehenden Aufgabe.
„Verwirf Sir William nicht leichthin, Rosalie. Er hat einen hohen Posten in der Regierung Ihrer Majestät inne. Die Ritterwürde wurde ihm für sein herausragendes diplomatisches Geschick in irgendeiner verzwickten Angelegenheit auf Ceylon verliehen.“
„Ceylon?“ Rosalie wirkte beunruhigt. „Am Ende muss ich im Ausland leben, wenn ich Sir William heirate?“
Die Tatsache, dass sie genau genommen längst im Ausland und obendrein in einem Hotel lebte, schien Rosalie nicht zu bekümmern. Dennoch konnte Belinda ihre Besorgnis nachvollziehen. „Vermutlich“, räumte sie ein. „Doch solche Ämter sind selten von langer Dauer und stellen eine exzellente Gelegenheit für jemanden in deiner Position dar, Eindruck zu machen. Die ehrbare Gattin eines Diplomaten ist überall willkommen.“
„Ich möchte aber nicht auf Ceylon leben, sondern in England. Verfügt Sir William über ein Anwesen hier?“
„Derzeit nicht, doch wenn er heiratet, würde er sich gewiss überreden lassen, eins zu erwerben. Allerdings ist es noch zu früh, an derlei Dinge zu denken. Wichtiger ist, dass er ein höchst sympathischer junger Mann mit guten Manieren und anständiger Herkunft ist. Und …“
Sie wurde durch ein diskretes Hüsteln unterbrochen, abermals entdeckte sie den Butler im Türrahmen. „Ja, Jervis? Was gibt es?“
Er blickte zerknirscht drein. „Der Marquess of Trubridge, Mylady. Er bat mich, Eure Ladyschaft davon in Kenntnis zu setzen, er wisse trotz Ihrer anders lautenden Aussage, dass Sie zu Hause seien.“
„Ach, tatsächlich?“ Belinda war empört. „Was verleitet ihn bloß zu der Annahme, etwas Derartiges wissen zu können?“
Es war eine rein rhetorische Frage, aber Jervis antwortete dennoch. „Er wies mich darauf hin, dass an diesem düsteren Nachmittag bei Ihnen Licht brenne, die Vorhänge jedoch nicht zugezogen seien, sodass er Sie von der Straße aus mühelos durchs Fenster habe erspähen können. Er bittet Sie erneut um einige Momente Ihrer Zeit.“
„Welch himmelschreiende Arroganz!“ Sie kannte den Mann nicht, verspürte auch kein Verlangen danach, ihn kennenzulernen, und sah folglich keinerlei Anlass, ihn zu empfangen. „Wenn eine Dame sagt, sie sei nicht zu Hause, mag sie sich sehr wohl im Gebäude befinden, ohne jedoch für Besucher zu sprechen zu sein. Ein Marquess sollte hinreichend kultiviert, also mit dieser Gepflogenheit vertraut sein. Bitte seien Sie so gut, ihm das auseinanderzusetzen. Gemahnen Sie ihn ebenfalls daran, dass wir einander noch nicht vorgestellt wurden und ich ihn schon allein aus diesem Grunde nicht empfangen kann.“
„Jawohl, Mylady.“
Wieder ging der Butler, und Belinda richtete ihre Aufmerksamkeit erneut auf Rosalie. „Also, zurück zu Sir William …“
„Wer ist dieser Marquess of Trubridge?“, fiel Rosalie ihr ins Wort. „Er legt eine ziemliche Beharrlichkeit an...




