Lenz | Meichsners Geheimnisse | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 267 Seiten

Lenz Meichsners Geheimnisse

Ein Berlin-Thriller. Gnadenlos. Blutig. Echt.
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7427-0873-1
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Berlin-Thriller. Gnadenlos. Blutig. Echt.

E-Book, Deutsch, 267 Seiten

ISBN: 978-3-7427-0873-1
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was würdest du tun, wenn du deiner Meinung nach achtzehn Jahre zu Unrecht im Gefängnis gesessen hättest? Detlef Meichsners Antwort darauf ist eine bizarre Mordserie, der ehemalige Stasi-Mitarbeiter zum Opfer fallen. Doch seine ganze Zeit kann er für diese Mordserie nicht verwenden, schließlich ist er im Besitz geheimnisvoller codierter Papiere aus dem Dritten Reich, auf deren Entschlüsselung auch andere hoffen ... Eine skurrile Geschichte, derb und humorvoll erzählt. Überarbeitete Fassung des Romans 'Des Mörders Rache'.

Mario Lenz veröffentlichte bisher drei Thriller, ein Roman erschien unter Pseudonym. Außerdem schreibt er Liedtexte, von denen zwei vertont wurden. Mario Lenz´ Romane bestechen durch eher derbere Sprachelemente. Seine Figuren sind sehr präsent und oft widersprüchlich. Auch seine Nebencharaktere tragen wesentlich zur Unterhaltsamkeit seiner Romane bei. Insbesondere auch die Perspektivwechsel begeistern die Leser. Gern schmückt Lenz seine Werke mit erotischen Elementen.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


P.A. Rom.

2004v259-043n030-425o

2004v252-031n013-424o

2004V251-047,1n010-430o927m

Schicklgruber

Kapitel 1


Seit nunmehr 40 Jahren führte Renate Lange ihren kleinen ‚Tante Emma Laden’ inmitten des Berliner Stadtbezirks Prenzlauer Berg. Seit in den Nachwendejahren die Supermärkte wie Pilze aus dem Boden schossen, warf der Laden wenig bis nichts ab. Nur ein paar tattrige Omis, die nicht bis zum nächsten Discounter latschen wollten, kamen noch zu ihr. Bei der Gelegenheit konnte man noch ein wenig tratschen. In den heutigen Supermärkten hatte man für einen anständigen Klatsch wie zu Konsum-Zeiten keine Muße mehr. Zum Schließen war ihr der kleine Laden aber zu schade.

Renate Lange war nicht anspruchsvoll. Zum Leben reichte der Ertrag. Außerdem: Zu mühevoll war es gewesen, den privaten Laden gegen die Verhinderungsmethoden der DDR-Behörden aufzubauen. Sie fühlte sich mit ihren 68 Jahren auch noch ein bisschen jung für die Rente. Und was hatte sie nicht alles in ihrem Laden erlebt: Den Nervenzusammenbruch von Frau Bahlke, von dem diese sich nie wieder richtig erholt hatte.

Oder dieser Hirni aus der Grellstraße, der sich vor dem Laden immer mit seiner Geliebten getroffen hatte – solange bis ihn der Ehemann der Geliebten, der Fäuste wie Räucherschinken besaß, anständig verprügelte.

Oder als die Staatssicherheit von ihrem Laden aus den konspirativen HiFi-Laden gegenüber beobachtete. Angeblich baute der Inhaber heimlich Antennen zum besseren Empfang von Westfernsehen. Fiel ja kaum auf, dass der graue Barkas-Kastenwagen mit der Aufschrift ‚Obst und Gemüse’ tagelang vor ihrem Laden stand. Wo man doch als privater Laden bei der Zuteilung von Obst und Gemüse nicht gerade verwöhnt wurde - da hätte auch ein Fahrrad mit größerem Korb zur Lieferung gereicht. Hauptsache ein Gemüselieferwagen vor der Tür, aber kein Gemüse in der Auslage.

Oder die wenigen glücklichen Gesichter, wenn sie mal Bückware hatte. Mal Südfrüchte, mal einen Kasten Radeberger. Einmal hatte sie sogar eine Sonderzuteilung Mamba in petto.

Viel hatte sie erlebt in den Jahren, aber was das Schicksal ihr diesmal für ein Ei ins Nest gelegt hatte, war schon sagenhaft ...

Es begann an einem tristen, grauen Dezembertag. Ein typischer Tag, an dem man sagte: „Früher waren die Winter noch richtige Winter, da hat es wenigstens mal geschneit. Die heutigen Winter könnte man getrost abschaffen.“

Überall hingen Lichterketten, man wurde mental in die Weihnachtsstimmung gezwungen. Zu den Geschäften, in denen man das Gefühl bekam, die Weihnachtszeit beginne im Allgemeinen im August, zählte Renate Langes Laden nicht. Sie begann mit dem Schmücken relativ spät. Der Flugdrachen und das Plastik-Herbstlaub wichen nun dem Weihnachtskitsch. Eine Krippe hier, ein Jesusbaby dort, man hätte das Gefühl bekommen können, sich direkt in den Stall von Bethlehem verlaufen zu haben. Fehlte nur noch, dass man vor der Tür mit den ‚Drei Weisen’ zusammenstieß.

Frau Lange war gerade dabei, einen Stoff-Joseph mit einer riesigen Nase neben einer Stoff-Maria zu drapieren und dachte frei nach dem Motto: „Wie die Nase eines Mannes… da muss Maria ja viel Freude gehabt haben“, als das Türglöckchen bimmelte.

Ein Mann kam herein. Er sah attraktiv und südländisch aus. Frau Lange, deren Heinz 1987 spontan beschlossen hatte, er bräuchte ab jetzt eine zehn Jahre jüngere Frau, und die seitdem keinen Mann mehr gehabt hatte, musste mehrfach tief durchatmen. Ihre Körpertemperatur stieg um nullkommadrei Grad.

Der Südländer fragte mit sehr sexy klingendem italienischem Akzent nach einer bestimmten Zigarettensorte.

Und wieder nullkommadrei Grad mehr!

Sie entdeckte an seinem Hals eine dicke Narbe in der Nähe der Halsschlagader. Seine Attraktivität sank um zwei Punkte, ihr Interesse stieg um vier. Er schien Anfang fünfzig zu sein und hatte schönes grau meliertes Haar, welches in einem wunderbaren Kontrast zu seiner dunklen Haut stand. Dass er eine Aktentasche bei sich trug, entging ihrer Aufmerksamkeit erst einmal.

Nachdem sie ihm die gewünschten Zigaretten ausgehändigt hatte, fing er mit seinem angenehmen Akzent ein Gespräch an. Er erzählte belanglose Sachen, wobei er das Haus gegenüber nicht aus den Augen ließ.

Dieses Haus, in dem sich früher der HiFi-Laden des Antennen-Aufmotzers befand, beherbergte jetzt ein kleines Hotel. Nichts Schickes freilich, schließlich war man hier ‚uffm Prenzlberg’.

Er sprach übers Wetter und über das bevorstehende Weihnachtsfest, doch dann begann er das Gespräch so langsam auf das gegenüberliegende Hotel zu lenken.

„Ist es gut besucht?“, wollte er wissen und ob die Polizei hier öfter vorbeischaut. Auch ob nachts dort viel los ist, interessierte ihn offensichtlich.

Jeder andere hätte gedacht: „Nachtijall, ick hör dir trapsen“. Aber Frau Lange, die gerade verloren geglaubte Instinkte wieder entdeckte, hörte nichts mehr trapsen, und gab bereitwillig Auskunft.

So ausgestattet mit Informationen aus erster Hand und Informationen über sämtliche Nachbarn, auf die er gerne verzichtet hätte, verabschiedete sich der Südländer, versprach aber wiederzukommen.

Frau Lange kam ein Weilchen nicht zur Ruhe und dachte:

„Achtundsechzig Jahre alt, aber die Hormonproduktion scheint noch voll im Gange zu sein.“

***

Gegenüber des ‚Tante Emma Ladens’ von Frau Lange befand sich das kleine Hotel ‚Zum Prenzlberg’. Es gehörte Tanja Szerpinsky. Sie besaß zudem einen Puff drei Straßen weiter.

Früher war sie im Ostberliner ‚Palasthotel’ von der Staatssicherheit auf Politiker und Wirtschaftsgrößen aus dem nichtsozialistischen, klassenfeindlichen Ausland angesetzt worden. Mit ihrer Handfertigkeit, ihrer Mundfertigkeit und anderen Fertigkeiten hatte sie ihre Rüden zum Winseln gebracht. Dabei war der eine oder andere schon mal ins Plaudern geraten. Oder der Verwöhnte hatte so nett in die versteckte Kamera gelächelt oder gestöhnt, dass er anschließend dem Arbeiter- und Bauernstaat auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Nach dem Umbruch ließ sie dann auf selbständige Art ihr Miezchen schnurren. Ihr Miezchen schnurrte fleißig, so machte sie eine gute Mark. Sie konnte sich zuerst ein kleines Bordell einrichten, dann das Haus kaufen und das kleine Hotel eröffnen. So machte sie jetzt einen guten Euro.

***

Als Luigi den Laden der alten Schachtel verlassen hatte, war er zufrieden mit sich und dem, was er herausgefunden hatte. Immer wenn er seinen Akzent einschaltete, den er selbst als seinen Dosenöffner bezeichnete, lagen ihm die Weiber zu Füßen. Selbst die alten.

Er beschloss, in seine Bleibe im Park Inn Hotel am Alexanderplatz zurückzugehen und den kleinen Erfolg ein bisschen zu feiern. Mindestens mit einer Hure, etwas Champagner und einer ordentlichen Portion kolumbianisches Erfrischungspulver. Vorher würde er noch in die oberste Etage des Hotels fahren und in dem dortigen Casino etwas Kohle verzocken. „Mann, kann das Leben schön sein, man muss bloß wissen, wie!“, grinste er vor sich hin.

Luigi erwachte nach einer langen Nacht. Er war der Sohn italienischer Einwanderer. Das musste den beiden Huren, mit denen er die Nacht verbracht hatte, gut gefallen haben, denn sie hatten sich besonders viel Mühe gegeben. Oder in Berlin waren die Nutten einfach besser. Aber wenn er literweise Champagner intus hatte und bis zum Stehkragen voll Koks war, gefiel ihm das Vögeln sowieso viel besser. Leider waren die beiden Damen schon weg. Schade. „Früher sind die Weiber noch bis morgens geblieben, wenn man für eine ganze Nacht bezahlt hat“, murmelte er heiser. „Die Nutten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.“

Er duschte ausgiebig und zog sich an. Dann legte er sich eine weiße Bahn auf den Spiegel, um erstmal in die Gänge zu kommen und ging frühstücken. Anschließend musste er zum Hotel ‚Zum Prenzlberg’, um sich dort einzumieten. Das gefiel ihm nicht, er war Besseres gewöhnt. Aber es war nötig - er hatte einen Job zu erfüllen.

Als er dort ankam, stand eine Vettel hinter dem Empfangstresen, die in jüngeren Jahren eine Prostituierte gewesen sein könnte. Während sie seine Daten eintrug, studierte er schon mal die Speisekarte. Bauernfrühstück auf der Abendkarte … na super! Als er den Schlüssel erhalten hatte, wanderte er durch das Foyer. Da - ein Regal mit Ausleihbüchern. Er ging näher ran. „Na toll“, dachte er, „was ist das denn für ein Autor? Hans Lebek - laut Infozettel soll er in Berlin recht bekannt sein? Hans Lebek statt Stephen King, Rotkäppchen Sekt statt Champagner und Bauernfrühstück statt Hummer. Das kann ja heiter werden. Wahrscheinlich kann man hier nicht mal ´ne anständige Hure unter fünfzig Jahren organisieren?“

Er ging nach oben und inspizierte sein Zimmer. In den Hotels, in denen er normalerweise verkehrte, wäre das nicht mal die Besenkammer gewesen. Karger Tisch, karges Bett, Wände schön plastikverkleidet. Elektroleitungen lagen über Putz. Auf dem Tisch stand ein Gummibaum, dessen Blätter an den Rändern schon braun wurden. Irgendwie waren die Ostzeiten hier noch nicht ganz ausgezogen.

Zur Mittagszeit saß er unten im Gastraum und prüfte die Mittagskarte. Er bekam nicht gerade Appetit beim Gedanken an fetttriefende Bratkartoffeln oder etwas, was Soljanka hieß. „Ich...



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