Lenz | Schleichender Wahnsinn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 293 Seiten

Lenz Schleichender Wahnsinn

Wer bist du, wenn die Dunkelheit kommt? Ein märkischer Psychothriller.
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7565-7576-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wer bist du, wenn die Dunkelheit kommt? Ein märkischer Psychothriller.

E-Book, Deutsch, 293 Seiten

ISBN: 978-3-7565-7576-3
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein gut situiertes Paar. Eine Bilderbuchehe. Ein Unfall. Der Wahnsinn. Schließ deine Augen und stell dir vor: Du kommst mit etwas zu viel Alkohol im Blut von einer Party. Du versuchst, den Wagen ruhig zu steuern, was zunehmend schwieriger wird, weil dein Partner auf dem Beifahrersitz seine Hände nicht bei sich behalten kann. Immer öfter hältst du deine Augen für einige Millisekunden geschlossen. Dann passiert es: In deiner Einfahrt, die du viel zu schnell passierst, knallt es auf deiner Frontscheibe, dein Scheibenwischer schmiert mit Regen vermischtes Blut auf deiner Scheibe breit. Deine weit aufgerissenen Augen entdecken ein weiteres Detail: Ein Brillenbügel hat sich in deinem Scheibenwischer verklemmt. Die Brille kennst du, sie gehört jemandem, der zu deiner Familie gehört. Mit zitternden Beinen steigst du aus und siehst, dass dieser Jemand tot ist. Du begräbst ihn, aber er kommt dich immer und immer wieder besuchen. Wie lange schaffst du es, nicht durchzudrehen?

Mario Lenz veröffentlichte vier Thriller. Ein erotischer Roman erschien unter Pseudonym. Zwei weitere Bücher sind derzeit 'in der Mache'. Lenz´ Romane bestechen durch eher derbere Sprachelemente und subtilem Humor. Seine Figuren sind sehr präsent und oft widersprüchlich. Auch seine Nebencharaktere tragen wesentlich zur Unterhaltsamkeit seiner Romane bei. Insbesondere auch die Perspektivwechsel begeistern die Leser. Gern schmückt Lenz seine Werke mit erotischen Elementen.
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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland


1987 hatten sich beide kennen gelernt. Sie war damals noch nicht die Geschäftsführerin der Fabrik gewesen. Aber sie musste als Repräsentantin der Firma soziales Engagement zeigen. So spendete sie der Karl-Wonneberg-Oberschule zehn Computer. Zum Dank wurde sie an der Schule herumgeführt. Aufgrund des jugendlichen Alters der Spenderin durfte diese Aufgabe der junge Lehrer Manuel Großmüller übernehmen. Sofort stimmte die Chemie zwischen ihnen.

Marlene entstammte einem strengen und steifen Elternhaus. Früh war sie darauf programmiert worden, zu funktionieren. Schon als Teenager wurde ihr beigebracht, Verantwortung zu übernehmen. Geld, Geld und nochmals Geld – das war das Motto.

Da war der attraktive, junge Lehrer, der durch seine Lockerheit auffiel, das genaue Gegenteil. Er bestach auch durch seinen Humor. Das war sehr erholsam, wenn man aus einem solch trockenen Zuhause stammte. Gemeinsam aßen sie in der Schulspeisung. Ihre Unterhaltung wurde immer vertrauter, es war, als kannten sie sich schon ewig. Sie war beeindruckt von seiner Bildung und von seinen höflichen Manieren, wie sie sie bisher nur von Menschen aus ihren Kreisen kannte, dann aber meistens gepaart mit Arroganz und Überheblichkeit.

Auch Manuel fand sie auf Anhieb sympathisch. Er registrierte ihr Aufblühen unter seinem Humor und bemerkte, dass sie besonders hübsch war, wenn sie lachte. Er genoss es immer, wenn er einen Menschen mit seinem Humor unterhielt. Und Marlene fühlte sich anscheinend besonders gut unterhalten. Ihre Augen strahlten wie angeleuchtete Reflektoren.

Aber irgendwann geht auch der schönste Moment vorbei. Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt und musste zurück in die Firma ihres Vaters. Manuel brachte sie zu ihrem Auto. Dort stellte sich bei beiden eine Traurigkeit ein, die ungewöhnlich war für zwei Menschen, die sich das erste Mal getroffen hatten. Manuel wusste nicht mehr so richtig, was er sagen sollte. Sein Gehirn schickte ihm nur eine ziemlich dämliche Frage. Doch um überhaupt etwas zu sagen, musste er sie stellen. »Kennst du Theodor Fontane?«, brachte er heraus.

Nicht gerade eine Frage, die man einer 21-Jährigen stellt. Doch sie antwortete: »Natürlich, wer kennt ihn nicht?«

»Das ist nämlich mein Lieblingsschriftsteller, über den halte ich am Sonnabend vor Interessierten einen Vortrag«, berichtete er leise, »vielleicht hast du ja Lust, dir das anzuhören.«

Marlene interessierte sich eigentlich nicht für Kunst, dazu war sie nicht erzogen worden. Aber wenn man schon so einen netten Kerl an der Angel hatte, musste man auch Opfer bringen. Sie freute sich wirklich sehr über die Einladung. Der Rest war schnell geklärt. Sie erfuhr den Ort und die Zeit der Veranstaltung. Er erfuhr nichts weiter. Heute würde man in einer solchen Situation seine Mobilnummern austauschen, damals war das keine Option.

War das wirklich erst zwanzig Jahre her?

Am Sonnabend stand Manuel vor seinen interessierten Zuhörern. Hoffnungsvoll fahndete er nach Marlenes hübschem Gesicht. Leider ohne Erfolg. Ein wenig enttäuscht begann er seinen Vortrag:

»Wir beginnen den Nachmittag mit der wohl bekanntesten Ballade von Heinrich Theodor Fontane, nämlich Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.«

Und so trug er vor:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.

Er hatte die Strophe gerade fertig, als sich die Tür einen schmalen Spalt öffnete. Alle drehten sich für einen Moment nach dem Störer um. Es war Marlene. Sie winkte schüchtern und er winkte zurück. Marlene suchte sich einen Platz.

Dann rezitierte er weiter das teilweise in Märkischem Platt verfasste Stück:

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
 

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

Manuel ließ die dritte Strophe kurz wirken. Er blickte einmal reihum und sah zufriedene Gesichter. Dann, ganz links, traf er auf ein Gesicht mit strahlenden Augen. Marlene. Seine Marlene. Er zwang sich, auf seine Blätter zu schauen und fuhr dann fort:

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Lächelnd und mit weicher Stimme schloss er:

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg. Die Zuhörer bedankten sich bei Manuel. Eine Zuschauerin war geblieben. Marlene.

Sie gingen durch die Straßen von Berlin-Frohnau. In Sichtweite der Berliner Mauer entdeckten sie eine Eisdiele. Dort ließen sie sich eine Weile nieder und sprachen über Gott und die Welt. Es war, als kannten sie sich seit Jahren.

Auch in den nächsten Tagen trafen sie sich, so oft es ging. Mittlerweile begrüßten und verabschiedeten sie sich, indem sie sich vorsichtig auf die Wange küssten. Doch am nächsten Wochenende, sie hatten sich für eine Radtour mit Picknick im Wald verabredet, pressten sie ihre Lippen nicht auf die Wange des Anderen. Automatisch führten sie ihre Münder zusammen. Ein erster vorsichtiger Kuss.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Als Manuels Kopf schon wieder auf dem Rückzug war, griff Marlene nach seinem Nacken und drückte seinen Kopf vorsichtig zu sich. Dieser Kuss dauerte schon etwas länger und war auch weniger zurückhaltend. Und es steigerte sich zunehmend. Während der nächsten Minuten probierten sie alles aus, was der Kategorie Küssen zuzuordnen war. Als sie dabei angelangt waren, wild herumzuknutschen, bemerkten sie, dass aus einer Bushaltestelle ein Rudel verkniffen dreinschauender älterer Leute sie beobachtete. Lachend wie Schulkinder schwangen sich Marlene und Manuel auf ihre Fahrräder und fuhren los. In der Nähe der Mauer gab es noch einige Flecken, wo die Natur fast unangetastet war. Dort veranstalteten sie ihr Picknick. Es roch nach Nadelbäumen und die Sonne schien durch die Baumwipfel.

Der Platz, auf dem sie ihre Decke ausgebreitet hatten, war bemoost und weich. Es gab gekochte Eier, Brötchen, Gurken, Hühnerflügel und Melone. Sie sprachen nicht viel. Dafür strahlten sie sich gegenseitig an.

Manuel war verliebt. Er wusste nicht, wie er überhaupt noch etwas zu essen herunterbekam, eigentlich war in seinem Bauch gar kein Platz mehr. Der war nämlich voller Schmetterlinge und Flugzeuge, die dort wild umherflogen.

Auch Marlene, die mit ihren einundzwanzig Jahren noch keinen Freund über längere Zeit gehabt hatte, war beeindruckt von der Wucht der Gefühle. Bisher hatte sie sich gefühlsmäßig nie stark auf einen Mann eingelassen, weil sie wusste, ihr herrischer und standesbewusster Vater würde die Beziehung sowieso zerstören. Da sie nie einen erfolgreichen oder wohlhabenden Mann nach Hause gebracht hatte, hatte er das auch immer getan. So hatte es bisher nur zu ein paar Wochen Beziehung insgesamt gereicht, die sie nie ausgefüllt hatten.

Doch diesmal war es anders. Diesmal konnte sie sich ihrer Gefühle nicht erwehren. Amor hatte seine Pfeile diesmal nicht mit einem Bogen, sondern mit einer Kanone abgeschossen.

Marlene wollte sich gerade noch ein Stück Melone aus der Schüssel nehmen, da stoppte er ihre Hand. Stattdessen nahm er das Stück und führte es an ihren Mund. Mit sinnlicher Mimik nahm sie das Stück Melone auf. Jetzt nahm sie ein Stückchen, legte es auf ihre Zunge und führte es in seinen Mund. Eine wilde Knutscherei war die Folge, die immer wilder wurde. Ganz beiläufig rutschte eine seiner Hände auf ihre Brust. Sie zeigte keine Anzeichen, dass es ihr unangenehm war. Da rutschte die zweite Hand auf die andere Brust. Dort, an deren Spitze, konnte er ihre Erregung spüren. Sie hatte ihre Hände um seinen Po gelegt und zog Manuel dicht zu sich heran. Ihre Körper rieben aneinander. Sie fühlte seine Erregung an ihrem Schambein. Ihre eigene Erregung wurde dadurch noch größer. Knutschend und fummelnd ließen sie sich auf die Decke fallen, wo beide sich schnell von ihren Kleidern trennten.

Marlene setzte sich auf ›ihn‹ und bewegte sich langsam auf und ab. Die Sonne schien...



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