Ludwig | Hufspuren: Der Himmel auf Pferden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 219 Seiten

Ludwig Hufspuren: Der Himmel auf Pferden


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7725-4056-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 219 Seiten

ISBN: 978-3-7725-4056-1
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das furiose Finale der Hufspuren-Reihe gipfelt in dem Traum aller jungen Reiterinnen: einer Pferdeschau, die am Faden einer märchenhaften Story Andalusier, Berber, Isländer, Friesen, Appaloosas und ihre Reiter von ihrer glänzendsten, aber auch gefahrvollen Seite zeigt. Ulmenhof, Rappenhof und Lizzy's 3D-Ranch - wie sollen drei Reiterhöfe in nächster Nähe nebeneinander existieren können? Selbst die einst unzertrennliche Clique, die Freunde Jana, Theres, Felix und Alberta, wäre dadurch schon fast auseinandergerissen worden. Wieder einmal kommt die zündende Idee von Jana: Was wäre, wenn sie zusammen mit ihren besten Pferden und besten Reitern eine Pferdeschau organisierten? Das brächte allen Aufmerksamkeit und Geld. Eine Riesenherausforderung! Jetzt wird es spannend, dramatisch und gefährlich. Denn auch neue, unbekannte und unberechenbare Akteure kommen mit ins Spiel ...

Christa Ludwig ist als Jugendbuchautorin bekannt geworden mit ihren Romanen 'Der eiserne Heinrich', 'Ein Lied für Daphnes Fohlen', ''Carlos in der Nacht', 'Blitz ohne Donner' und 'Die Siebte Sage'. Im Anschluss fand ihre 6-bändige Reihe 'Hufspuren' begeistertes Echo bei jungen Pferdeliebhaberinnen. Für Kinder hat sie die Geschichten 'Puzzle-Ponys' und 'Fluchtballon' geschrieben. Und kürzlich sind die ersten zwei Bände ihrer Erstlesereihe 'Jonas Weg ins Lesen' erschienen. Christa Ludwig lebt mit ihrem Mann in der Nähe des Bodensees.
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Weitere Infos & Material


Der Himmel auf Pferden Bernstein hinter Glas Morisco im Licht Das Himmelspferd Überraschungsritt Cappucino im Glas Clown Blitzschlag Janas Idee Prinzessin Ohneglück Hörfehler Mein Pferd! Meins! Elfenritt Streit Heimkehr Und wie geht's weiter? Mini-Lexikon der Pferdesprache Über die Autorin


Bernstein hinter Glas


«Ich sehe bescheuert aus!»

Sie hatte ihren Kleiderschrank geöffnet. Auf der Innenseite der Tür war der einzige Spiegel in ihrem Zimmer. Sie starrte in ihre eigenen Augen. Die Bernsteinaugen. Hellbraun, goldbraun wie dunkler Honig. Und sie dachte: Was wird David dazu sagen?

Bin ich jetzt komplett durchgeknallt!?!, rief sie sich zurück. Ist jetzt nur noch wichtig, was irgendein Junge dazu sagt?!?

Nein! Natürlich nicht. David war nicht irgendein Junge. David war … er war … warum zögerte sie immer noch, den Satz weiterzudenken? Es war doch inzwischen völlig klar, was David für sie war. Er war … er war der Junge, der ihre Augen «Bernstein» genannt hatte. Der sie verglichen hatte mit seiner Stute Daffodils’ Morningcry mit der seltenen Farbe Amber Champagne, Bernstein, Gold des Meeres.

Alles vorbei! Alles kaputt!

Mit ihren Augen hatte alles angefangen. Würde nun mit den Augen alles aufhören?

Quatsch!, dachte sie. Wenn er mich so nicht mehr mag, dann … dann soll er eben …

Aber David blickte selber aus den merkwürdigsten Augen in diese Welt. Einfach grau waren die und trotzdem so bunt wie ein Regenbogen. Konnte ein Junge wie David verglaste Bernsteinaugen mögen? Die unterschieden sich doch von ihrem gewohnten scheibenlosen Blick wie lasche Gewächshauspflanzen von würzigen Freilandtomaten, gewachsen in Wind und Sonne.

Jana bekam ihre Brille in derselben Woche, in der Theres ihre Zahnspange endgültig loswurde.

«Die Frage ist, wozu Augen nun eigentlich da sind. Zum Sehen oder zum Aussehen?»

Das hatte ihr Vater gesagt. Der trug selber eine Brille, was Jana nie gestört hatte. Es war ihr kaum bewusst. Sie kannte ihn nicht anders. Aber ihre eigene, nun eigene Brille …

Sie knallte die Schranktüren zu. Und in dem Moment, als sie ihr Spiegelbild nicht mehr wütend anstarrte, als es rasch an ihr vorbeiflog und mit lautem Knall ins Türschloss krachte – in dem Moment sah Jana ihr neues Gesicht. Noch immer dieselben kinnlangen dunklen Haare. Noch immer dasselbe meist neugierig, jetzt wütend etwas vorgeschobene Kinn. Und diese kleine randlose Brille. Eigentlich ganz interessant. Sie schaute verblüfft auf den geschlossenen Schrank. Aber an der Außenseite war kein Spiegel. Sollte sie den Schrank noch einmal öffnen? Die Reithose lag schon auf ihrem Stuhl. Das rote T-Shirt konnte sie einfach anbehalten. Nein, der Schrank konnte geschlossen bleiben. Mit diesem Bild, Spiegelbild, das so rasch an ihr vorbeigeflogen war, würde sie jetzt gehen.

Sie fuhr mit dem Rad zum Ulmenhof und hoffte, dass Bettina mit ihren Reitschülern ausgeritten war. Zuerst lieber nur den Pferden begegnen. Fantasy hatte bestimmt nichts gegen eine Jana mit Brille. Und sie hatte Glück. Der Reitplatz war leer. Die Leute mit eigenen Pferden kamen immer erst später. An der Putzwand hingen die Halfter der Schulpferde. Jana sattelte Fantasy. Sie hatte die schwarze Halbblutstute als Reitbeteiligung. Aber Andreas, dem das Pferd gehörte, hatte schon vermutet: «Wirst sie wohl nicht lange haben wollen. Denke, du steigst um in den Westernsattel.»

Weggehen vom Ulmenhof und Bettina? Hin zu David und den Westernpferden? Jana streichelte Fantasys schwarze Stirn. Sie hatte die Stute gern. Mehr nicht. Der Riss, der in ihr aufgebrochen war, als sie vor fast einem Jahr ihren alten Askan verlor, war immer noch nicht wieder geschlossen. Sie ritt zum Rappenhof. Da mussten Theres, Alberta und Felix sein. Zunächst mit dem neuen Gesicht zu den alten Freunden. Dann zu David. Ihre alten Freunde wussten von der Brille. David hatte sie nichts erzählt.

Auf dem Rappenhof warteten drei Sensationen auf sie. Das heißt, es war eigentlich nur eine, aber die begriff sie in drei Stufen und jede davon war eine Sensation für sich. Erstens: Auf dem Putzplatz vom Rappenhof stand ein Junge. Nicht Felix. Ein anderer Junge. Sensation! Zweitens: Er hielt eine Pferdebürste in der Hand. Das war also nicht ein älterer Bruder, der seine Schwester mit dem Moped zum Reiten gebracht hatte. Der putzte ein Pferd. Sensation!! Drittens: Er bürstete eine lange silberhelle Mähne, die über dunklem Fell lag. Hrimfaxi oder Vindfaxi, einer der beiden windfarbenen Isländer. Nein, nicht ‹oder›! Das war Theres’ Hrimi! Denn die stand auf der anderen Seite des Ponys und zupfte ihm einen Rest Winterpelz von der Kruppe. Dieser Junge war mit Theres gekommen. Sensation!!!

Barana sprang kläffend um Fantasy. Doch die nervige Halbblutstute regte sich nicht mehr darüber auf. Zu gut kannte sie inzwischen Theres’ rote ungarische Jagdhündin. Die beiden Freundinnen sahen sich an: Jana verblüfft, Theres verlegen. Hektisch leckte ihre Zunge über die oberen Schneidezähne, wo vorgestern noch die Zahnspange gewesen war.

«Hi», sagte sie. Und nach einer kleinen Pause: «Ah, das ist die Brille. Ist doch gar nicht so schlimm.»

Brille? Ach so. Hatte Jana total vergessen.

«Hi», sagte auch der Junge. «Was soll daran schlimm sein?»

«Das ist Sebastian», erklärte Theres.

Richtig. Jana kannte ihn. Er war eine Klasse über ihnen, aber nicht in der von Felix.

«Wir dürfen ausreiten», sagte Theres.

«Kannst du reiten?», fragte Jana verwundert.

«Noch nicht», meinte Sebastian. «Theres zeigt mir, wie es geht.»

‹… zeigt mir, wie es geht …!› Der hatte vom Reiten also keine Ahnung!

Jana sprang von Fantasy und lockerte den Sattelgurt.

Dieser Sebastian war einer von denen, die glaubten, es müsse ihnen nur jemand zeigen, welche Hebel man umlegen und welche Knöpfe man drücken musste, und dann würde das Pferd funktionieren wie eines von ihren Maschinchen.

Alberta kam aus dem Stall. Sie führte zwei Ponys am Halfter, eines davon war ihre geliebte Hamingja.

«Hi, Jana», sagte sie, und jetzt wartete Jana auf das ‹Ah, das ist die Brille›. Aber das kam nicht. Alberta band die beiden Stuten an. Die isabellfarbene war klein und zart, die gescheckte für einen Isländer sehr groß. Theres legte den Sattel auf Hrimfaxis Rücken und schob ihn in die richtige Lage.

«Sattelgurt nur in das erste Loch», wies sie ihren neuen Reitschüler an. «Nicht festziehen.»

Jana führte Fantasy zum Rand der kleinen Weide neben dem Putzplatz und ließ sie grasen. Noch immer verwundert schaute sie zu, wie Theres und Sebastian den windfarbenen Isländer auftrensten. Genauer: es war Theres, die dem Pony das Trensengebiss ins Maul schob. Sebastians Finger störten eigentlich nur, als sie den Lederriemen über Hrimis dunkle Ohren in den Wust seiner hellen Mähne schob. Es war aber nett, wie sie störten. Er schaffte es, zugleich die Ponyohren zu kraulen und über Theres’ lange schmale Finger zu streichen.

Der ist schon okay, dachte Jana. Hätte sie mir doch sagen können, dass sie jetzt einen Sebastian hat.

«Was habt ihr vor?», fragte Alberta. «Soll Sebastian neben Hrimi rennen? Da muss er schnell sein.»

«Ich bin schnell», behauptete Sebastian. «Ich spiele Basketball. Für mich ist das Ausdauertraining.»

«Ich reite nicht die ganze Strecke», sagte Theres.

«Genau», nickte Sebastian, «dann darf ich. Kriege ich heute die Zügel?»

Alberta und Jana grinsten sich an. Todsicher durfte der heute noch keine Zügel anfassen!

Theres wollte aufsitzen.

«Ich hab den Gurt noch nicht fest», sagte sie. «Du musst mir gegenhalten.»

«Was?»

Sebastian hatte keine Ahnung, was er tun sollte.

«Den Steigbügelriemen halten. Auf der anderen Seite.»

Sebastian schaute hilflos über das gesattelte Pony.

«Das Metallding da», half Alberta, «das heißt Steigbügel. Du sollst an den Riemen ziehen, wo der dranhängt. Damit der Sattel nicht rutscht, wenn sie aufsteigt.»

Klare Anweisung. Er hatte verstanden. Und er schaffte es auch, Theres beim Nachgurten zu helfen. Barana war schon vorausgelaufen und die drei folgten ihr. Ohne Jana zu fragen, ob sie mitkommen wollte. Aber das fand sie völlig in Ordnung.

«Seit wann hat sie einen Sebastian?», fragte sie Alberta.

«Keine Ahnung. Mir hat sie auch nichts erzählt. Er war schon mal hier. Sie hat ihn auf Hrimi im Schritt geführt. Er saß sofort gut auf dem Pony. Würde das lernen. Aber ich glaube nicht, dass er es wirklich will. Gehst du ein Stück mit mir? Schätze, du reitest zu David. Die Brille ist super!»

Die beiden führten ihre Pferde über den Feldweg zum Wald. Hamingja und Ljosadis waren die beiden Stuten, die im Winter...


Ludwig, Christa
Christa Ludwig, 1949 in Wolfhagen bei Kassel geboren, studierte Germanistik und Anglistik. Spätestens seit sie lesen kann, liebt sie Bücher, früh fing sie auch an, selbst zu schreiben. Seit 1989 erschienen von ihr Kinder- und Jugendbücher, u.a. ›Blitz ohne Donner‹, ›Die Siebte Sage‹, die sechsbändige Pferdebuchreihe ›Hufspuren‹ sowie die fünfbändige Reihe für Erstleser ›Jonas Weg ins Lesen‹. Parallel dazu beschäftigte sie sich seit nahezu zwanzig Jahren mit Else Lasker-Schüler. Fu¨r Ihr Romanprojekt ›Ein Bündel Wegerich‹ erhielt sie ein Stipendium vom Förderkreis deutscher Schriftsteller und ein Reisestipendium fu¨r Recherchen in Jerusalem vom Verband deutscher Schriftsteller. 2019 wurde Christa Ludwig zudem mit dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Christa Ludwig hat drei erwachsene Söhne. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Islandpferd in der Nähe des Bodensees.

Schmidt, Wolfgang
Wolfgang Schmidt, geb. 1955, lebt in Ammerbuch bei Tübingen. Er studierte Sozialpädagogik und arbeitet seit nun mehr als 20 Jahren in der Fotografie. Seine Schwerpunkte sind Reportagen sowie das Porträt.

Für „a tempo. Das Lebensmagazin“ der Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus fotografiert Wolfgang Schmidt seit der ersten Ausgabe.

2000 gewann er den „European Newspaper Award“ in der Kategorie Fotografie.

Christa Ludwig ist als Jugendbuchautorin bekannt geworden mit ihren Romanen "Der eiserne Heinrich", "Ein Lied für Daphnes Fohlen", ""Carlos in der Nacht", "Blitz ohne Donner" und "Die Siebte Sage". Im Anschluss fand ihre 6-bändige Reihe "Hufspuren" begeistertes Echo bei jungen Pferdeliebhaberinnen. Für Kinder hat sie die Geschichten "Puzzle-Ponys" und "Fluchtballon" geschrieben. Und kürzlich sind die ersten zwei Bände ihrer Erstlesereihe "Jonas Weg ins Lesen" erschienen. Christa Ludwig lebt mit ihrem Mann in der Nähe des Bodensees.



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