E-Book, Deutsch, Band 2, 409 Seiten
Reihe: Hall Beck University
Mae Lessons in Forgiving
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2334-6
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
von WATTPAD-Superstar Selina Mae
E-Book, Deutsch, Band 2, 409 Seiten
Reihe: Hall Beck University
ISBN: 978-3-7363-2334-6
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
WIR MÜSSEN VERNÜNFTIG SEIN. FÜR DIESEN ARTIKEL, FÜR MEINE KARRIERE, FÜR UNS.
»WIR KÖNNEN ES JA ZUMINDEST VERSUCHEN«
Als Paula Castillo das Angebot bekommt, einen Artikel über einen aufstrebenden Fußballspieler des College-Teams zu schreiben, ist das ihre einzige Chance, ihr Journalismus-Studium doch noch herumzureißen und ihren Abschluss zu schaffen. Leider hat Henry Parker Pressley vor Kurzem nicht nur einen Millionen-Vertrag bei einem MLS-Verein unterschrieben, sondern auch Paulas Herz gebrochen! Plötzlich jede Sekunde mit ihrem Ex-Freund verbringen zu müssen, ist das Letzte, was sie gerade gebrauchen kann. So sehr sie sich auch vornimmt, sich nicht noch einmal in ihm zu verlieren, kommen sie in ihren Interviews nicht nur ihrer Vergangenheit unweigerlich wieder näher ...
»Selina Mae schafft die perfekte Balance zwischen Herz und Humor mit Büchern, die absolut süchtig machen.« Ana von malfoyuh
Band 2 der HALL-BECK-UNIVERSITY-Reihe von WATTPAD-Erfolgsautorin Selina Mae
Als begeisterte Liebesromanautorin und (Überraschung!) -leserin kompensiertSelina Maeihre nicht vorhandenen Meet-Cutes im echten Leben, indem sie sie einfach durch ihre Figuren erlebt. Unter dem Namen Seselina schrieb sie aufWATTPADseit fast zehn Jahren Fan-Fictions und begeisterte mit ihren Geschichten weltweit Millionen von Leser:innen,bevor sie den Schritt in die Buchbranche wagte. Selina lebt und schreibt in Berlin.
Selina Maeis a writer of romance and reader of... (you guessed it!) romance and hasbeen compensating for her lack ofmeet cutes by writing them into her books. Sharing her work on WATTPAD(@Seselina) for almost ten years, shereached millions of readers around theworld before deciding to dip her feetinto the publishing world.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
DAMALS, August: vor drei Jahren und sieben Monaten
In den letzten achtzehn Jahren meines Lebens hatte ich gelernt, meine Eltern zu lesen wie ein offenes Buch. Ich sah ihre Launen voraus, kannte den richtigen Zeitpunkt, sie um etwas zu bitten oder lieber den Mund zu halten, und wusste, wann ich ihnen mit einem schwierigen Thema kommen konnte und wann ich es besser bleiben ließ.
In diesem Moment merkte ich ihnen deutlich an, dass sie alles bitter bereuten.
Ich erkannte es daran, wie sich María Castillos Augenbrauen zusammenzogen und wie Juan Castillo besorgt die Unterlippe vorschob. Meine Eltern waren kurz davor, mich ins Flugzeug zu zerren und in die sengende, vertraute karibische Hitze zurückzuverfrachten.
Sie hatten ganze zwei Tage länger durchgehalten, als ich ihnen zugetraut hatte.
»Es ist … groß.«
Mom gab ihr Bestes, sich der Umgebung sprachlich anzupassen, aber ihr Akzent war unüberhörbar. Sie starrte zu den hohen Decken hinauf, dann huschten ihre Augen über die ansteigenden Sitzreihen des Hörsaals. Nach einer letzten Begutachtung der anderen Familien ringsum drehte sie sich zu mir um.
Oh ja. Allergrößte Sorge stand María ins Gesicht geschrieben. »Mach dir keine Sorgen, Mami.«
Ich versuchte, nicht auszuflippen, bei der Aussicht, dass sie ausflippte, also winkte ich gelassen ab und überspielte mein eigenes Unbehagen. Dadurch kam ich mir allerdings ziemlich steif vor. Wie ein Roboter.
In Dads Stimme erkannte ich dieselbe Sorge wie auf Moms Gesicht. »Mi vida«, murmelte er, riss sich jedoch sogleich wieder zusammen. Seine Hand ruhte auf ihrem Rücken, er dirigierte sie sanft auf den Gang hinaus. Über die Schulter hinweg warf er mir einen Blick zu, der mir sagte: Wir beide waren auf derselben Seite.
Und er versuchte verzweifelt, auch Mom dorthin zu ziehen, sie davon zu überzeugen, dass ich hier ganz sicher meinen Platz finden würde. »Estoy seguro de que nuestra Paulita se integrará …«
Aber Moms Kopf schoss so schnell herum, dass er sofort verstummte, ohne dass sie etwas erwidern musste. Ihr vernichtender Gesichtsausdruck reichte völlig.
»Coño, Juan. Por favor. Englisch!« Hektisch sah sie links und rechts den Korridor hinunter und vergewisserte sich, dass niemand den versehentlichen Spanisch-Ausrutscher gehört hatte.
Nicht, dass es jemanden außer ihr wirklich interessierte.
Aber wenn es etwas gab, das María nicht ausstehen konnte, dann war es, herauszustechen. Und wenn es noch etwas gab, das sie ebenso sehr verabscheute, dann wohl, nicht zu wissen, was ihre einzige Tochter gerade tat.
Die Aussicht, mich in einem fremden Land zurückzulassen, in dem ich höchstwahrscheinlich herausstechen würde, war für sie auf dem Papier deutlich attraktiver gewesen. Es hatte ihr Freude gemacht, Cousins, Tanten und Onkeln stolz zu erzählen, dass ihre Tochter in den Vereinigten Staaten studieren würde – so penetrant, bis alle anfingen, ihr aus dem Weg zu gehen –, aber sie schien offensichtlich kein Fan davon zu sein, dass diese Vision jetzt Realität wurde.
Sie runzelte die Stirn und biss sich auf die rot geschminkte Unterlippe, und ich wusste: Mir blieben etwa zwei Sekunden Zeit, um sie davon zu überzeugen, dass ich hierhergehörte.
An die Hall Beck University. In den Vereinigten Staaten. Etwa 2.500 Kilometer von der Dominikanischen Republik entfernt. Meinem Zuhause.
Schwieriger, als es klang, weil ich ja selbst noch nicht ganz davon überzeugt war.
»Sieh mal«, begann ich zaghaft und schob die beiden in einen der kleineren Räume, an denen wir bei der Orientierungstour vorbeigekommen waren. Hier gab es keine ansteigenden Stuhlreihen und kein einschüchterndes Podium, auf dem Professoren und Professorinnen stundenlange Vorlesungen hielten. Der einfache Seminarraum würde meine Eltern hoffentlich aus ihrem Schockzustand herausholen. Ich spürte, wie sich meine Schultern ein wenig entspannten. »Es ist gar nicht so anders als an der Universidad Tecnológica de Santiago.«
Denn dort würde ich wahrscheinlich landen, wenn ich das hier nicht in den Griff bekam. Und zwar schnell.
Mom schüttelte den Kopf und zischte ein missbilligendes »Tsssk« durch die Zähne. »Erzähl mir doch nichts, Paulita«, schimpfte sie. »Das hier ist etwas ganz anderes.« Und angesichts der großen Fensterfront, des Whiteboards und der Tablets auf jedem Platz … hatte sie vermutlich völlig recht. Sie seufzte. »Ich … weiß nicht. Vielleicht solltest du doch wieder mit uns zurückfliegen. Was hältst du davon, Juan?«
Panik. Heiß und weißglühend schoss Panik durch meinen ganzen Körper, als sie fragend zu meinem Vater blickte. Ich konnte mich beim besten Willen an keine einzige Gelegenheit erinnern, zu der Juan Castillo meiner Mutter etwas verweigert hätte. Und als ich jetzt den Mann anschaute, der sich so sehr dafür eingesetzt hatte, dass ich meinen Abschluss in den Staaten machen konnte … Tja, er wirkte nicht so, als würde er heute damit anfangen.
Ich konnte ihm regelrecht dabei zusehen, wie er nachgab. Wahrscheinlich rechnete er im Kopf bereits aus, was ein zusätzliches Ticket zurück nach Puerto Plata kosten würde.
»Nein!«, rief ich hastig, ehe er nicken und damit seine Entscheidung festigen konnte. »Warum denn? Überlegt doch mal, wie gut sich diese Uni in meinem Lebenslauf machen wird! Und du hast schon Tante … allen Tanten davon erzählt. Und sämtlichen Cousins und Cousinen! Vergiss nicht die Cousins und Cousinen.« Alle dreiundzwanzig. »Was sollen die denn denken?«
Doch sie schüttelte nur den Kopf, und ich spürte, wie mein Elan erlahmte. »Ach was.« Ihre Augen nahmen nun wieder mich ins Visier. »Das interessiert mich nicht.« Gelogen. »Wir wollen nur das Beste für dich, Paula. Und ich weiß nicht, ob es das hier ist. Ich meine, hast du dich überhaupt schon … eingelebt?« Ein besorgter Blick aus ihren braunen Augen. »Hast du schon Freunde gefunden?«
Es überraschte mich nicht, dass Mom sich vor allem darum sorgte, wie gut ich mich einfügte – wie beliebt ich war.
Und ich hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen, als ich sie, ohne mit der Wimper zu zucken, anschwindelte.
»Ja!« Hatte ich nicht. »Natürlich.« Ich hatte noch nicht mal meine Mitbewohnerinnen kennengelernt. »Ist es das, worüber du dir Gedanken machst, Mami?«
»Nein.«
Ja. Ja. Ja! Sie log auch, und damit konnte ich arbeiten.
»Oh«, säuselte ich und lotste meine Eltern behutsam von der Stelle weg, an der sie beinahe eine Entscheidung getroffen hätten, die meine gesamte Zukunft gefährdet hätte. Nur für den Fall, dass es sie daran erinnerte. »Ich habe so tolle Leute kennengelernt. Sie sind alle sehr … gesprächig hier!«
»Amerikaner lieben es, zu reden«, stimmte mir Dad unwirsch zu. »Und zwar laut.«
»Wirklich?«
Ich war nicht ganz sicher, ob Mom mich oder Dad gefragt hatte, aber ich riss das Gespräch an mich. Endlich ein Hoffnungsschimmer. Ein Licht am Ende des Tunnels. María Castillo sah erleichtert aus, und darauf konnte ich aufbauen.
Wenn das bedeutete, dass ich jetzt nichts weiter machen musste, als vier Jahre lang so zu tun, als würde ich hier ein phänomenales Sozialleben führen, dann verbuchte ich das ganz klar als Sieg.
»Wirklich«, beteuerte ich und legte meine ganze Überzeugungskraft in dieses Wort. Wir steuerten auf den Ausgang zu, und ich ließ die beiden nicht aus den Augen. »Wir haben gestern den ganzen Tag zusammen verbracht«, behauptete ich rückwärtsgehend. »Und …«
Leider konnte ich meine Lüge nicht weiter ausbauen, weil ich mit dem Rücken gegen ein festes … Etwas stieß. Erschrocken realisierte ich, wie ich das Gleichgewicht verlor.
Ich machte mich darauf gefasst, mit dem Gesicht zuerst auf dem Boden aufzuschlagen. Oder vielleicht mit dem Hinterkopf? So oder so würden meine Eltern daraus schließen, dass ich nicht in der Lage war, auf mich selbst aufzupassen, weil ich zwei Tage nach Beginn meines eigenständigen Lebens mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus landete, und ich würde gezwungen sein, ihnen recht zu geben, denn … nun ja, weil ich eben im Krankenhaus gelandet war. Im Geiste war ich schon wieder zurück in der Dominikanischen Republik, bevor ich überhaupt auf den Boden krachte.
Aber das tat ich nie.
Stattdessen spürte ich eine kühle Hand um mein Handgelenk, die mich stützte, bis ich das Gleichgewicht wiederfand.
Der Fremde ließ mich los, und statt aufs Gesicht zu knallen, stolperte ich nur gegen Dads Brust. Und anstatt dass meine Eltern erkannten, wie wenig ich in der Lage war, auf mich selbst aufzupassen, hörte ich nur ein ironisches: »Vorsicht. Nicht, dass du noch jemanden verletzt.«
Gefolgt von Moms neugieriger Stimme: »Kennt ihr beide euch?«
Sie klang … begeistert, und plötzlich war es mir egal, wen ich gerade fast umgerannt hatte. Er würde herhalten müssen.
Ich drehte mich gerade noch rechtzeitig um, um ihn mit einem Blick zum Schweigen zu bringen. Er hatte bereits den Mund geöffnet, war kurz davor, die naheliegende Antwort zu geben: Nein.
»Ja!«, platzte ich heraus und ignorierte geflissentlich, wie er verwirrt die dunklen Brauen zusammenzog. Und auch, was für einen schönen Kontrast sie zu seinen grünen Augen bildeten. Ich zog eine Grimasse und formte lautlos mit den Lippen: Bitte. Fügte noch ein Sorry hinzu.
Dann...




