Marshall | Herz oder Pflicht? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Marshall Herz oder Pflicht?


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6709-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6709-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Getarnt als Hauslehrer soll Major Richard Chancellor den skrupellosen William Compton des Schmuggels überführen. Doch als er dessen hinreißende Halbschwester Pandora kennenlernt, gerät seine geheime Mission in Gefahr. Er entbrennt in heißer Liebe zu der zauberhaften jungen Frau, die ganz offensichtlich seine tiefen Gefühle erwidert. Aber als Bediensteter darf er niemals um sie werben! Richard steht vor einer schweren Entscheidung: Herz oder Pflicht? Denn nur wenn er seine Tarnung aufgibt, kann er an der Seite Pandoras das Glück seines Lebens finden ...



Als Bibliothekarin hatte Paula Marshall ihr Leben lang mit Büchern zu tun. Doch sie kam erst relativ spät dazu, ihren ersten eigenen Roman zu verfassen, bei dem ihre ausgezeichneten Geschichtskenntnisse ihr sehr hilfreich waren. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie fast die ganze Welt bereist. Ihr großes Hobby ist das Malen.

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1. KAPITEL

Du vermisst das Soldatenleben, nicht wahr?“, fragte Russell Chancellor seinen jüngeren Zwillingsbruder Richard, der die Morning Post studierte.

Richard Chancellor, Major beim Vierzehnten Leichten Kavallerieregiment, von seinen Freunden und der Familie Ritchie genannt, blickte hoch. Russell lehnte lässig in einem bequemen Armsessel, in der Hand ein Glas mit einem Getränk. Er war wie ein vollendeter Dandy gekleidet und nach der neuesten Mode windstoßartig frisiert. Mit seinem guten Aussehen und seiner athletischen Statur hatte er in London die Herzen etlicher Frauen gebrochen und sich dadurch den Neid vieler junger Männer zugezogen.

Da sie keine eineiigen Zwillinge waren, ähnelten sich die Brüder kaum. Im Gegensatz zu dem blonden, heiteren Russell war Richard ernsthaft und dunkelhaarig. Es fehlte ihm das Strahlende, das für den älteren Bruder ganz natürlich war. Richards Kleidung wie auch sein Benehmen waren unauffällig. Er hatte graue, scharf blickende Augen, war so athletisch wie sein Bruder und ein besserer Reiter – zumindest bis er verwundet worden war. Als Stabsoffizier hatte er in Wellingtons Armee am Feldzug in Spanien teilgenommen.

Als Folge seiner nicht ganz leichten Verwundung war er ins Kriegsministerium versetzt worden, wo er, wie Russell respektlos bemerkte, als Kanzleivorsteher arbeitete.

Richard, von jeher ziemlich schweigsam, hatte nie darüber gesprochen, wie es zu seiner Verwundung gekommen war. Sein Zwillingsbruder war zu dem Schluss gelangt, dass er sich vielleicht auf seinem Regierungsposten wohler fühlte als während seiner Dienstzeit als Stabsoffizier in Spanien. Schließlich war es ursprünglich sein Wunsch gewesen, eine Laufbahn als Wissenschaftler einzuschlagen. Nur dass ihr Vater, der Earl of Bretford, darauf bestanden hatte, dass Richard Soldat wurde.

Daher hatte Richard seine Pflicht getan, seine wissenschaftlichen Interessen jedoch ruhig und in aller Stille weiter verfolgt.

„Ja, ich vermisse es“, bestätigte er. „Indes kann man nicht alles haben, was man sich wünscht. Diese Lektion habe ich früh gelernt. Das einzige Problem besteht darin, dass mich nach dem Leben bei der Armee die Ruhe in meinem Amtszimmer langweilt.“

„Ich hätte nie gedacht, dass es dir gefallen würde, Soldat zu sein“, stellte Russell fest. „Andererseits weiß ich, dass du alles, was du tust, gut machst. Ich nehme daher an, dass du am Ende auch in Whitehall Erfolg haben wirst.“

Richard legte seine Zeitung beiseite und lächelte. „Ein solches Kompliment hätte ich nicht von dir erwartet. Leider fehlt mir die Zeit, es zu genießen. Ich habe eine Verabredung im Innenministerium. Weiß der Himmel warum, aber Lord Sidmouth wünscht mich dringend zu sprechen. Ich vermute, dass er immer jeden dringend zu sprechen wünscht. Vielleicht ist er deshalb ein so guter Innenminister.“

„Möglich“, stimmte Russell zu, „andererseits macht es ihn nicht gerade populär. Kann ich dich überreden, heute Abend Lady Leominsters Empfang zu besuchen?“

„Nein“, lehnte Richard ab. „Ich habe nicht vor, an der Saison teilzunehmen. Wir sehen uns dann morgen beim Frühstück.“

„Das bezweifle ich“, erwiderte sein Bruder. „Ich beabsichtige, anschließend mit ein paar Freunden in den Club zu gehen, und der Himmel weiß, wann ich nach Hause komme. Es nützt wohl nichts, dich zu fragen, ob du uns später dort treffen willst?“

Richard, bereits auf halbem Wege zur Tür, schüttelte den Kopf. Sosehr er seinen Bruder liebte, wünschte er sich manchmal, Russell wäre nicht so entschlossen, sein Leben dem Vergnügen zu weihen.

Indes war dies nicht seine Sorge, und es berührte Richard im Grunde auch nicht. Es galt, sich zu beeilen, um herauszufinden, was Lord Sidmouth von ihm wollte. Vor einigen Jahren, als er noch ein Junge gewesen war, hatte er ihn schon einmal getroffen. Doch daran würde sich der Minister sicherlich kaum erinnern.

Das Büro war groß und so prächtig eingerichtet, wie es einem Mann zustand, der während eines tobenden Krieges für Englands Sicherheit verantwortlich war. Lord Sidmouth kam hinter seinem Schreibtisch hervor und begrüßte Richard herzlich.

„Sie wissen vermutlich nicht mehr, dass wir uns vor einigen Jahren bereits begegnet sind“, sagte er. „Damals waren Sie noch ein Junge und haben mir eine Frage gestellt, die die Rolle von Hannibals Elefanten im Krieg mit Rom betraf. Später erfuhr ich, dass Sie Kavallerieoffizier geworden sind. Sie haben also die Elefanten gegen Pferde eingetauscht.“

„Elefanten waren in Spanien rar, Sir“, erwiderte Richard, der sich fragte, wohin dieses Gerede führen sollte. Er bezweifelte, dass er nach Whitehall gerufen worden war, um über den Krieg zwischen Karthago und Rom zu sprechen.

Nachdem Richard ein Glas Portwein akzeptiert und in einem Sessel Platz genommen hatte, kam Sidmouth schnell zur Sache.

„Ich habe nach Ihnen geschickt, Chancellor, um Sie zu fragen, ob Sie gewillt sind, Ihrem Land hier in der Heimat einen Dienst von der gleichen Art zu erweisen, wie Sie es in Portugal und Spanien für Wellington taten. Ich weiß, dass Sie sich als Kavallerieoffizier auf dem Schlachtfeld tapfer geschlagen haben. Ich weiß aber auch, dass Sie bei Wellingtons Nachrichtendienst waren, und wenn es die Gelegenheit erforderte, als Verbindungsoffizier zu Gruppen von spanischen Partisanen eingesetzt wurden. Dabei gerieten Sie in französische Gefangenschaft und konnten den Feind dank Ihrer spanischen Sprachkenntnisse und Ihres Mutes über Ihre wahre Nationalität täuschen. Allerdings wurden Sie bei den wiederholten Verhören ernsthaft verletzt, und Wellington schickte Sie nach Ihrer geglückten Flucht zur Erholung nach Hause.“

Richards Erstaunen war unverkennbar. „Ich frage Sie nicht, wie Sie an diese Informationen gelangt sind, Mylord“, sagte er schließlich. „Allerdings wüsste ich gern, von welcher Bedeutung sie für meine Arbeit hier in London sind.“

„Man hat mich davon unterrichtet, dass ich, falls ich je einen findigen, mutigen Mann für eine schwierige Aufgabe benötige, einen solchen bei der Leibgarde fände“, erwiderte Sidmouth, „und wir haben seit einiger Zeit das Problem, dass Waren in großen Mengen ins Land geschmuggelt werden. Der Verlust an Zöllen und Verbrauchssteuern ist enorm. Außerdem haben wir jeden Grund zu der Annahme, dass französische Agenten von Schiffen, die heimlich vor der Küste von Sussex ankern, an Land gehen.“

Er wiegte bedenklich den Kopf hin und her und erklärte dann: „Leider finden es einige unserer guten Bürger sehr einträglich, sich an diesem illegalen Handel zu beteiligen, so dass es fast unmöglich ist, die Namen der Schmuggler herauszufinden oder Informationen über die Art und Weise, wie sie die Waren vertreiben, zu erhalten. Wir brauchen daher unbedingt einen Mann vor Ort, der es gewöhnt ist, verdeckt zu arbeiten und nicht nur der Organisation, sondern auch den Zollbeamten unbekannt ist. Von den Letzteren sind einige, wie ich fürchte, bestochen und helfen den Verbrechern. Jemand muss versuchen, herauszufinden, wo die Waren ins Land kommen und wer hinter dem Handel steckt. Sie, Major Chancellor, könnten unter einem unverfänglichen Vorwand dort hinfahren und Augen und Ohren aufhalten.“

Sidmouth stellte sein Weinglas beiseite. „Und ich habe bereits eine ausgezeichnete Tarnung für Sie“, fuhr er fort. „Gestern Abend hörte ich zufällig, wie Lady Leominster einen Bekannten fragte, ob er ihr einen vertrauenswürdigen Hauslehrer für Sir John Comptons dreizehnjährigen Enkelsohn Jack empfehlen könne. Sir Johns Anwesen liegt in Sussex zwischen Lewes und der Küste. Da mir bekannt ist, dass Sie abgesehen von Ihren sonstigen Fähigkeiten auch ein hervorragender Wissenschaftler sind, könnte ich mit Lady Leominster sprechen und Sie für den Posten vorschlagen.“ Er blickte Richard durchdringend an und fragte: „Wie also lautet Ihre Antwort, Major Chancellor?“

„Ich bin bereit, Mylord. Obwohl ich natürlich keinen Erfolg versprechen kann, werde ich mich nach Kräften bemühen. Darf ich vorschlagen, als Tarnnamen meinen Rufnamen ‚Ritchie’ zu verwenden? Dann hätte ich keine Schwierigkeiten, darauf zu reagieren. Wenn Sie zustimmen, werde ich Edward Ritchie sein, ein unauffälliger, harmloser Schreiberling. Edward ist mein zweiter Taufname.“

„Hervorragend“, bestätigte Lord Sidmouth zufrieden. „Wir werden sofort eine Wohnadresse für Sie einrichten. Ich bezweifle zwar, dass Sie wirklich in Gefahr sind, rate Ihnen aber trotzdem, vorsichtig zu sein.“

Richard lächelte. „Das bin ich immer. Was man Ihnen auch erzählt haben mag – Waghalsigkeit gehört nicht zu meinen Eigenschaften.“

Lord Sidmouth stand auf und reichte Richard, der sich ebenfalls erhoben hatte, die Hand. „Sie erhalten Nachricht, sobald ich erfahre, dass Sir John Sie sprechen möchte. Ich darf doch annehmen, dass Sie in Griechisch und Latein noch firm sind?“

„Genug, um jeden zu überzeugen, dass ich das bin, was ich zu sein vorgebe.“

„Dann viel Glück!“

Richard verließ das Gebäude durch den Dienstboteneingang, um im Ministerium nicht gesehen zu werden. Da er als bescheidener, schüchterner Mann aufzutreten gedachte, nahm er sich vor, sich eine einfache Brille zu kaufen. Jeder würde erwarten, dass ein Hauslehrer kurzsichtig war.

„Ach, Tante Em, es wäre mir lieber gewesen, heute Nachmittag nicht die halbe Grafschaft bewirten zu müssen. Jacks neuer Hauslehrer, Mr. Ritchie, soll in den nächsten Stunden eintreffen, und Rice hat mich gebeten, die...



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