E-Book, Deutsch, Band 2, 385 Seiten
Reihe: Outlaw-Saga
Mason Die Liebe des Outlaws
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96148-021-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 385 Seiten
Reihe: Outlaw-Saga
ISBN: 978-3-96148-021-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Connie Mason hat früh ihre Leidenschaft für das Lesen und Schreiben entdeckt. 1984 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Im Jahr 1990 wurde die Amerikanerin vom »Romantic Times Magazine« zur »Erzählerin des Jahres« gekürt. Die Bestsellerautorin hat bereits mehr als 50 historische Liebesromane erfolgreich veröffentlicht. Heute lebt Connie Mason mit ihrem Mann in Florida. Sie hat drei Kinder und neun Enkel. Bei dotbooks veröffentlicht Connie Mason ihre Regency-Romane »In den Armen des Lords« und »In den Armen des Marquis«; beide auch im Sammelband »Regency Kiss - Die Ballsaison ist eröffnet« erhältlich. Auch bei dotbooks veröffentlichte sie: »Die Liebe des Outlaws« »Die Leidenschaft des Outlaws« »Das Verlangen des Outlaws« »In den Fängen des Wikingers« »Die Gefangene des Ritters« »Das Herz des Schwarzen Ritters« »In den Armen des Ritters« »Die Gefangene des Lairds«
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Kapitel 1
Carbon, Wyoming
1882
»Deine Mama ist eine Hure und du bist ein Bastard!« Eine Schar Straßenjungen flitzte vor Chad über die Straße. Ihre grausamen Worte richteten sich gegen den kleinen Jungen, den sie jagten.
Chad Delaney hatte den Überblick darüber verloren, wie viele Städte wie Carbon er in den vergangenen zwei Jahren gesehen hatte. Kannte man eine, kannte man alle. Das Einzige, was Carbon von anderen Orten in Wyoming unterschied, war die Tatsache, dass es das Zentrum der Kohleförderung an der Bahnlinie der Union Pacific war. Chad ritt auf seinem temperamentvollen Hengst langsam die holperige Straße hinunter, wobei er die große Anzahl von Saloons entlang der Main Street registrierte. Zwischen Bars und Tanzsälen befanden sich auf beiden Seiten der Straße diverse Geschäfte, ein Kolonialwarenladen, eine Bank, ein Friseur, eine Futterhandlung, ein Eisenwarenladen und ein Modesalon.
In den Nebenstraßen standen in planlosem Durcheinander dicht gedrängte Wohnhäuser, und eine Kirche ragte vor dem Horizont auf. Auf der anderen Seite der Schienen, die quer durch den nördlichen Teil der Stadt verliefen, entdeckte Chad einige Zeilen schäbiger Hütten, in denen, wie er annahm, Bergarbeiter und ihre Familien lebten. Kohlenstaub hing in der Luft, legte sich wie ein schmutziger Belag über die Gebäude und fing sich in Chads Augen. Er wischte ihn weg.
»Deine Mama ist eine Hure! Deine Mama ist eine Hure!«
Chad war jetzt beinahe auf einer Höhe mit den Jungen. Sie hatten den kleinen Unglückswurm eingeholt, auf den sie Jagd machten, und schubsten ihn auf den staubigen Boden. Chad beobachtete, wie die größeren Jungen anfingen, mit den Fäusten auf ihn loszugehen.
»Wo ist dein Pa? Warum hast du keinen Nachnamen?«
Die Jungen wurden immer brutaler, und Chad konnte nicht länger zuschauen. Der kleine Bursche, der die Prügel bezog, gab keinen Laut von sich, und Chad war beeindruckt von seinem tapferen, wenn auch vergeblichen Versuch, sich zu verteidigen. Die Sünden der Mutter durfte man nicht dem Kind anlasten, fand Chad. Er mochte abgebrüht sein und die spontane Bereitschaft, Mitgefühl zu zügeln, verloren haben, aber er war nicht gänzlich herzlos, wenn es um Kinder ging.
Chad zügelte sein Pferd, schwang sich aus dem Sattel und fing an, einen Jungen nach dem anderen von dem Kleinen wegzupflücken.
»Für wen halten Sie sich, Mister?«, fragte einer der Größeren. »Das hier geht Sie gar nichts an.«
»Jetzt schon«, sagte Chad und musterte die Gruppe scharf. »Geht nach Hause, wo ihr hingehört. Ihr solltet euch schämen, euch einen Jungen vorzuknöpfen, der zu klein ist, um sich zu verteidigen.«
»Er ist ein Bastard. Er weiß nicht mal, wer sein Pa ist«, sagte der ältere Junge trotzig. »Seine Ma ist eine Hure.«
»Los, verschwindet!«, sagte Chad und machte eine Handbewegung, als wollte er die Waffe ziehen.
Die Augen des Jungen, der so unverblümt gesprochen hatte, weiteten sich vor Angst, als sein Blick auf das Paar 45er Colt Peacemakers fiel, deren Walnussgriffe tief auf Chads Hüften in ihren Halftern steckten. Zusammen mit Chads drohender Miene reichten die Waffen aus, um auch den meisten Erwachsenen Angst zu machen.
»Los, kommt!«, rief der Junge und winkte seine Freunde zu sich. »Mit einem Revolverhelden leg’ ich mich nicht an.«
Chads ausdrucksvoller Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen, als er beobachtete, wie die Kinder wegflitzten. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit dem Jungen zu, der auf der Erde saß. Er wirkte benommen und leicht angeschlagen von den Fausthieben, die er bezogen hatte. Chad kauerte sich neben ihn und half ihm auf die Beine.
»Alles in Ordnung, mein Junge?«
Große blaue Augen, in denen Tränen glänzten, starrten ihn an. »Geht schon, Mister.« Er rieb sich mit einer schmuddeligen Faust die Tränen von den Wangen, eine Geste, die seine Worte Lügen strafte. »Meistens renne ich schneller als die.«
»Ist das schon öfter vorgekommen?«
Der Junge nickte ernst. »Schon okay, Mister, ich bin dran gewöhnt.«
Chad begutachtete die blauen Flecken auf dem Gesicht und den Armen des Kleinen und entschied, dass die Verletzungen nicht so schlimm waren, wie sie aussahen. Er hatte schon nach kleineren Rangeleien mit seinen Brüdern ärger ausgesehen. Pierce, Ryan und er waren in ihrer Jugend in unzählige Raufereien geraten und hatten sich ihren Ruf als Draufgänger redlich verdient. Aber all das lag jetzt hinter ihm. Sein Leben hatte eine Wendung genommen, die er nie erwartet hätte.
»Wie alt bist du, mein Junge?«
»Fünf.«
Chad unterdrückte ein Lächeln. »So alt schon? Und wie heißt du?«
»Abner.«
»Komm, Abner, ich bring dich nach Hause.«
Abner schüttelte entschieden den Kopf. »Mama hat gesagt, dass ich nicht mit Fremden mitgehen darf.«
Wenigstens eine Sache hatte seine Mutter richtig gemacht, dachte Chad bei sich und überlegte, wer auf den Jungen aufpasste, wenn seine Mutter ihrem Gewerbe als Hure nachging. Er streckte eine Hand aus. »Ich bin Chad Delaney. Jetzt bin ich kein Fremder mehr.«
Abner starrte Chads große Hand an und legte nach reiflicher Überlegung seine hinein. Als sich Chads Finger um Abners winzige Hand schlossen, spürte er eine leise Regung in der Nähe seines Herzens. Er wusste nicht viel über kleine Kinder, aber dieser tapfere kleine Bursche hatte Gefühle in ihm geweckt, von denen er geglaubt hatte, sie an jenem tragischen Tag vor zwei Jahren, als er den Tod eines unschuldigen Babys mit ansehen musste, verloren zu haben.
»Wo wohnst du, Abner?«
Abner zeigte auf die schäbigen Häuserzeilen am Stadtrand. Huren schienen in dieser Stadt nicht viel zu verdienen, wenn Abners Mutter sich nichts Besseres leisten konnte, dachte Chad, während er kritisch die baufälligen Hütten musterte.
Chad hob Abner in den Sattel und saß hinter ihm auf. Als er spürte, dass sich der Junge versteifte, erriet er den Grund für seine Angst. »Reitest du gern?«, fragte Chad im Plauderton, während er sein Pferd in das Armenviertel der Stadt lenkte.
»Ich sitze zum ersten Mal auf einem Pferd«, antwortete Abner mit unsicherer Stimme. »Es ist schrecklich groß, Mister. Wie heißt es?«
Chad tätschelte den großen grauen Wallach, seinen Liebling unter all den Pferden, die auf der Delaney Ranch geboren und aufgewachsen waren. »Ich nenne ihn Flint.«
»Ich hab Sie noch nie gesehen. Was machen Sie hier?«
»Ich bin Kopfgeldjäger«, erklärte Chad. Abner starrte ihn verwirrt an. »Weißt du, was das ist?«
»Nein. Erzählen Sie es mir.«
Chad lachte. »Du bist ganz schön neugierig. Es bedeutet, dass ich für Geld Jagd auf schlechte Menschen mache.«
»Was machen Sie mit ihnen, wenn Sie sie erwischen?«
»Ich bringe sie ins Gefängnis.«
Bis Abner Chads Erklärung verarbeitet hatte, hatten sie die Schienen überquert und die Slums erreicht.
»In welchem Haus wohnst du?«, fragte Chad. Für ihn sahen die Baracken alle gleich aus. Alle schrien förmlich nach einem neuen Anstrich und überfälligen Reparaturarbeiten.
»Setzen Sie mich hier ab, dann gehe ich den Rest zu Fuß«, sagte Abner. »Wenn ich mich ins Haus schleiche und mich wasche, bevor Mama mich sieht, merkt sie vielleicht nicht, was passiert ist. Sie macht sich immer Sorgen um mich.«
»Sicher«, sagte Chad leicht sarkastisch. Die Mutter des Jungen schlief vermutlich noch nach einer harten Nacht, in der sie ihre Dienste diversen Männern zur Verfügung gestellt hatte, und überließ ihren Sohn sich selbst. Er spürte, wie Zorn in ihm aufstieg. Nach seiner Erfahrung waren Frauen habgierige, schamlose Geschöpfe, und er wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Sein eigener Vater war am Boden zerstört gewesen, als seine Frau ihm weggelaufen war.
»Zeig mir, wo ihr wohnt, mein Junge. Ich denke, ich sollte mal mit deiner Mutter reden, damit sie besser auf dich aufpasst.«
Plötzlich kam eine Frau aus einem der Häuser herausgerannt und rief nach Abner.
»Mama!« Abner versuchte, aus dem Sattel zu rutschen, aber Chad hielt ihn gut fest.
Als die Frau feststellte, dass ihr Sohn von einem Fremden festgehalten wurde, stürzte sie sich wie eine Furie auf Chad, bereit, ihren Sohn diesem berittenen Teufel zu entreißen. Ihr schwarzes Haar wogte wie eine Gewitterwolke um ihr Gesicht und ihre Augen schleuderten Blitze.
»Lassen Sie sofort meinen Sohn los, Sie … Sie Kinderschänder! Sehen Sie ihn nur an! Was haben Sie mit ihm gemacht?« Sie langte nach Abner, um ihn aus Chads Armen zu reißen und an ihre Brust zu drücken.
»Ach, Mama, mir geht’s gut«, sagte Abner und wand sich aus dem schützenden Griff seiner Mutter. »Lass mich los.«
Sarah Temple setzte Abner widerstrebend ab, hielt ihn aber fest an der Hand, damit er nicht weglaufen konnte, und starrte Chad finster an.
»Ich bin Sarah Temple, Abners Mutter. Wer sind Sie? Was haben Sie mit meinem Sohn gemacht?«
Chad schob seinen Hut in den Nacken und starrte seinerseits auf Sarah herab. Er konnte sich nicht erinnern, schon jemals Augen in dieser besonderen Schattierung von Blau gesehen zu haben, wie riesige Stiefmütterchen. Sarah Temple war ein wohlgeformtes kleines Persönchen mit dem Gesicht eines Engels. Wie konnte eine Schönheit wie sie bloß einem so schmutzigen Gewerbe nachgehen?
»Mein Name ist Chad Delaney. Ich habe Abner unter einem Stapel größerer Jungen hervorgeholt. Ich fürchte, sie haben ihm ziemlich übel mitgespielt.« Seine Gesichtszüge verhärteten sich. »Sie sollten besser auf ihn aufpassen.«
Rote Zornfunken flammten in Sarahs Augen auf. »Was fällt Ihnen ein, mich zu kritisieren!« Sie musterte mit...




