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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6288, 239 Seiten

Reihe: Beck Paperback

Mey Darknet

Waffen, Drogen, Whistleblower
2. Auflage 2018
ISBN: 978-3-406-72898-3
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Waffen, Drogen, Whistleblower

E-Book, Deutsch, Band 6288, 239 Seiten

Reihe: Beck Paperback

ISBN: 978-3-406-72898-3
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein 19-Jähriger, der vom elterlichen Wohnzimmer aus knapp eine Tonne Drogen verkauft … Whistleblower, die im Schutz der Anonymität brisante Informationen übermitteln … Leute, die aus Neugier online Falschgeld kaufen … politische Kollektive, die ihre Plattform vor dem Zugriff von Behörden schützen wollen.
Der Journalist Stefan Mey hat sich in die Tiefen des Darknets begeben. Schnell wurde ihm klar, wie viele der kursierenden Informationen Mythen sind und wie wenig an wirklichem Wissen existiert. Es hat ihn gereizt, diesem schwer zu erkundenden Ort seine Geheimnisse zu entlocken. Mey hat sich in monatelangen Recherchen ein eigenes Bild gemacht, er hat Dutzende wissenschaftlicher Darknet-Studien nach verwertbaren Ergebnissen durchforstet und über abhörsichere Kanäle das Gespräch mit Leuten "da draußen" gesucht. Bei seiner Reise ins Darknet portraitiert er diesen Ort, in dem so vieles nah beieinander liegt: illegaler Kommerz und ethische Abgründe, aber auch politischer Aktivismus und die Hoffnung auf ein besseres Internet.



Stefan Mey ist freier Journalist in Berlin. Er stammt aus Halle/Saale und hat Soziologie und Publizistik studiert. Seit Jahren berichtet er über Technologie und über die Frage, was das Internet mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft macht. Über das Darknet hat er bisher für mehr als ein Dutzend Medien geschrieben, darunter das ZDF-Portal Heute.de, die IT-Medien Heise online und iX, die Branchenzeitschrift Deutsches Ärzteblatt sowie das Politikmagazin Le Monde Diplomatique.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Cover;1
2;Titel;3
3;Zum Buch;240
4;Über den Autor;240
5;Impressum;4
6;Inhalt;5
7;1 Einleitung: Reise ins Darknet;7
8;2 Was ist das Darknet?: Eine Begriffsklärung;11
9;3 Das Darknet als Einkaufsmeile: Die großen illegalen Marktplätze;16
10;4 Das «böse» Darknet: Waffen, Terrorismus und Kinderpornographie;41
11;5 Das «gute» Darknet: Whistleblower und Oppositionelle im Darknet;65
12;6 Die Architektur der digitalen Unterwelt: Wie das Darknet funktioniert;83
13;7 Tor und das Tor Project: Geschichte und Widersprüche;103
14;8 Der Kampf der Behörden: Was die Polizei im Darknet tut und wieso sie nicht nur ohnmächtig ist;141
15;9 Ausblick: Vom dystopischen Internet zu einer Utopie des Darknets;160
16;Anhang;195
16.1;Interviews;195
16.2;Darknet goes mobile;205
16.3;Und sonst noch? Andere Darknets;207
16.4;Wie sicher ist Tor?;217
16.5;Kleines Darknet-Glossar;227
16.6;Die Sache mit dem Sternchen;238
16.7;Danksagung;239


4

Das «böse» Darknet


Waffen, Terrorismus und Kinderpornographie


Und was ist mit den wirklich üblen Sachen? Werden auch Waffen und Gift unbekümmert auf den Darknet-Marktplätzen gehandelt sowie Mordaufträge, menschliche Organe, Bilder missbrauchter Kinder oder radioaktive Stoffe?

Das Darknet und die fiesen Bilder


Kinderschutz-Organisationen verwehren sich gegen den Begriff Kinderpornographie. Sie halten das Wort Pornographie in dem Zusammenhang für verharmlosend und sprechen lieber von «Missbrauchsabbildungen.»

Solche Abbildungen stellen für die Opfer stets eine mindestens doppelte Belastung dar: Zum einen stehen hinter jedem Bild oder Video tatsächliche Vergewaltigungen eines Kindes in der realen Welt, die in der konkreten Situation fürchterliches Leid für die Kinder bedeuten und deren psychische Spuren oft auch noch im Erwachsenenalter das Leben erschweren. Es gibt Hinweise darauf, dass die Dynamik von Foren oder sonstigen Plattformen, auf denen getauscht wird, dazu führt, dass sich die User gegenseitig anstacheln und motivieren, neue Bilder und Videos zu «produzieren» – sprich: erneut ein Kind zu vergewaltigen. Das US-amerikanische Child Victim Identification Program, das Missbrauchsbilder sicherstellt, berichtet, dass die Abbildungen oft extrem gewalttätig sind, Penetrationen enthalten, Kinder dabei gefesselt oder auf eine andere Weise gefoltert werden. Hinzu kommt, dass Abbildungen im Netz von dort kaum zu entfernen sind. Die Opfer müssen davon ausgehen, dass Bilder von ihrer Vergewaltigung als Kind immer wieder up- und downgeloadet und angesehen werden. Die US-Organisation zitiert eine Frau, die, ab dem Alter von vier, jahrelang vor der Kamera missbraucht worden war: «Ich werde ausgebeutet und benutzt, jeden Tag und jede Nacht irgendwo in der Welt von irgendjemandem.»

Welche Rolle das Darknet bei der Verbreitung solcher Missbrauchsabbildungen spielt, ist umstritten. Das Child Victim Identification Program beklagt die schiere Masse solcher Bilder, trifft aber keine Aussagen über die Verteilung auf das klassische Netz und die digitale Unterwelt. Es heißt nur: «Kinderpornographie hat einen Platz im Darknet gefunden.»

Auf vielen Foren und auf den großen Marktplätzen für Drogen sind sie tabu. Dort schert man sich zwar wenig um Gesetze, fern jeglicher Moral bewegt man sich trotzdem nicht. Die großen Märkte haben festgeschriebene Produktpolitiken, die zumindest die übelsten Dinge untersagen. Auf Valhalla, einem der vielen Darknet-Umschlagplätze, heißt es beispielsweise: «Die folgenden Dinge sind verboten: Kinderpornographie, Dienstleistungen, die Menschen Gewalt antun oder sonstwie körperlich schädigen, und Sprengstoffe. Dieses Regelwerk basiert auf einer Abstimmung auf einem unserer User-Foren.»

Es gibt sie aber dennoch, diese wirklich üblen Aktivitäten im Darknet. Deren Existenz stellt das größte Dilemma für Tor dar: Die Technologie soll Menschen vor Ausspionierung durch übergriffige Staaten schützen und dem Gutem dienen, sie versteckt aber auch Leute, die Kinder vergewaltigen und die Aufzeichnungen und Abbildungen davon anonym über das Netz tauschen.

In den wenigen Fällen, in denen Ermittlungsbehörden die Personen hinter den abgeschirmten Tauschstrukturen enttarnen konnten, entdeckten sie Tausende brutale Bilder und Videos, auf denen mitunter sehr junge Kinder zu sehen waren. Ende 2014 hatte die US-Bundespolizei FBI bei ihrem bisher größten internationalen Ermittlungserfolg «Playpen» lahmgelegt. Die größte Darknet-Seite mit Kindesmissbrauchsmaterial hatte 150.000 User in der ganzen Welt. Wie es in einer Pressemitteilung der europäischen Polizeibehörde Europol hieß, war die Seite so strukturiert, dass sie «einen leichten Zugang zu einer großen Bandbreite an Missbrauchsmaterial von Kindern bietet». So habe es etwa eine Suchfunktion für Bilder und Videos in unterschiedlichen «Kategorien» gegeben: Ein Bereich der Seite habe sich Inzest gewidmet, in einem anderen sei es explizit um Kleinkinder gegangen. Im Zuge der weiteren internationalen Ermittlungen, die auf die Festnahme der drei Betreiber folgten, konnten 250 der missbrauchten Kinder identifiziert und teilweise auch gerettet werden. Es gab etwa 900 Festnahmen, 370 davon in Europa.

Im Sommer 2017 wurde unter Federführung der deutschen Polizei eine Plattform mit dem zynischen Namen «Elysium» lahmgelegt, die seit Ende 2016 bestanden hatte und knapp 90.000 Mitglieder zählte. Auf der Seite wurden, wie es in einer Mitteilung des Bundeskriminalamts hieß, «Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs von Kindern, darunter auch von Kleinstkindern, und Darstellungen sexueller Gewalthandlungen gegen Kinder» getauscht. Zudem wurde der sexuelle Missbrauch fremder und eigener Kinder verabredet, dafür dienten unter anderem mehrsprachige Chatbereiche in deutscher, englischer, französischer, spanischer und italienischer Sprache. Festnahmen gab es in verschiedenen Ländern, das Kernteam saß den Ermittlungen nach aber in Deutschland. Hauptbeschuldigter ist ein 39-Jähriger aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg, der als Administrator die Seite technisch betreut haben soll. Festgenommen wurde auch ein 56-jähriger Mann aus dem Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg, der «Moderator» gewesen sein soll. Ein 61-Jähriger aus dem oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech soll als «Grafiker» fungiert haben, zudem wird ihm vorgeworfen, zwei fünf und sieben Jahre alte Kinder eines österreichischen Forenmitglieds (mit dessen Einwilligung) missbraucht zu haben.

Bedenkliche Zahlen


Wie sehr solche üblen Nutzungen das Darknet dominieren, oder ob sie nur einen kleinen Anteil ausmachen, ist ein ideologischer Streitpunkt. Angehörige der Netz-Community werfen Politik und Behörden gern vor, dass sie ein übertriebenes Szenario von einem Darknet voller Kinderpornographie zeichnen – als Versuch, Anonymisierungstechnologie zu diskreditieren, die ihnen aus ideologischen Gründen nicht passt.

Ende 2014 allerdings ging ein Schock durch die IT-Szene, seitdem kursiert eine Zahl, die das Darknet tatsächlich in keinem guten Licht erscheinen lässt. Der britische Informatiker Gareth Owenson von der University of Portsmouth hatte eine Liste aktiver.onion-Seiten erhoben und diese per Text-Analyse in Kategorien eingeteilt. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte der Seiten hatten klar illegale Bezüge, auf 15 Prozent ging es um Drogen, auf 9 Prozent um betrügerische Geschäftsmodelle. Es gab auch die Kategorie «abuse» (Missbrauch), die Owenson folgendermaßen definierte: «Seiten, bei denen der Titel irgendeine Form des sexuellen Missbrauchs (typischerweise von Minderjährigen) signalisiert, die in den meisten westlichen Rechtsgebieten illegal ist.» Traurigerweise, heißt es in der Studie, waren solche Seiten leicht über die Meta-Daten erkennbar, was nahelegt, dass die jeweiligen Web-Master davon ausgingen, dass Tor ihnen eine robuste Anonymität garantiert. Etwa 2 Prozent der Seiten gehörten in diese Kategorie.

Auch in vergleichbaren Studien anderer Forscher*innen wurde für die Missbrauchskategorie ein Anteil ermittelt, der meist im niedrigen einstelligen Bereich lag. Allerdings hatten Owenson und sein Forschungskollege nicht nur.onion-Adressen in Kategorien gruppiert, sie hatten auch auf die tatsächliche Nutzung geschaut, die eine deutlich höhere Aussagekraft hat als bloße Zahlen zu einzelnen Adressen. Das konnten sie, weil sie bei ihrer Forschung auf einen Trick zurückgriffen. Als eine Art trojanische Pferde im Auftrag der Wissenschaft betrieben sie 40 starke Tor-Knoten, die zum einen den Datenverkehr im Tor-Netzwerk weiterleiten und zum anderen eine Art Auskunftssystem des Darknets sind. Solche Knoten sehen jeweils einen kleinen Ausschnitt aller Darknet-Adressen. Doch da sie immer wieder einen anderen Ausschnitt sehen, konnten sich die Forscher mit ihren 40 Knoten über einen Beobachtungszeitraum von sechs Monaten einen guten Überblick verschaffen.

Und was sie herausfanden, überraschte vor allem sie selbst: 80 Prozent der Anfragen bezogen sich auf Missbrauchsseiten, bei der Frage der tatsächlichen Nutzung schrumpften alle anderen Kategorien auf wenige Prozentpunkte zusammen. In der Studie wurden auch die täglichen Zugriffszahlen für...


Stefan Mey ist freier Journalist in Berlin. Er stammt aus Halle/Saale und hat Soziologie und Publizistik studiert. Seit Jahren berichtet er über Technologie und über die Frage, was das Internet mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft macht. Über das Darknet hat er bisher für mehr als ein Dutzend Medien geschrieben, darunter das ZDF-Portal Heute.de, die IT-Medien Heise online und iX, die Branchenzeitschrift Deutsches Ärzteblatt sowie das Politikmagazin Le Monde Diplomatique.



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