Mitterer Das Fest der Krokodile
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7099-7638-8
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 44 Seiten
ISBN: 978-3-7099-7638-8
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
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HUBERTUS: Mayflower eins ruft die Garde! Mayflower eins ruft die Garde! Die Krokodile lauern hinter der Düne! Wann besucht ihr uns endlich? Der Kaffee wird kalt! Bitte melden, bitte melden! Ich gebe noch einmal die Koordinaten durch: 27, 11, 43, 12 Uhr mittags. 27, 11, 43, 12 Uhr mittags. Bitte melden! Mayflower eins ruft die Garde! Hallo! Hallo! Die werde ich alle zur Verantwortung ziehen, alle! Schweinerei!
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TINI: Beinah eine Frühgeburt. Der Kopf war schon heraußen. Da wäre dann eine Nottaufe angesagt gewesen. Weil wir haben ja keinen Brutkasten. Obwohl es hier eine Bruthitze hat. Waren ja alles Frühgeburten, meine Kinder. Immer zu früh auf die Welt. Eins habe ich direkt beim Erdäpfel-Aufklauben verloren. Weil mein Seliger hat gesagt, du tust arbeiten, ich tu auch arbeiten, mit meinem Kreuz. Aber wenn man die Oberschenkel zusammenpreßt, geht das schon.
EVA: Guten Morgen, Frau Tini!
TINI: Jaja, schon gut.
EVA: Das wird wieder ein schöner, sonniger Tag heute, wie, Frau Tini?
TINI: Eine Bruthitze wird das. Was ich hier zusammenschwitze, grauenhaft. Überall rinnt mir der Schweiß zusammen. Nein, für diese Gegend ist mein Körperbau nicht geeignet. Ach, wäre ich doch bei mir daheim, im Kuchl-Zimmer-Kabinett. So schön kühl, feucht und kühl. Mein Butzi leidet ja auch. Wie ein Hund.
EVA: Jaja, das Butzi.
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TINI: Fräulein Eva, wie oft soll ich Ihnen noch sagen, Sie sollen das bleibenlassen?
EVA: Entschuldigung, Frau Tini.
TINI: Sie haben ja Ihre Staude da drüben, was belästigen Sie mein Butzi?
EVA: Entschuldigung. Wird nicht mehr vorkommen.
TINI: Sie fassen mein Butzi nicht an, Sie nicht.
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TINI: So, jetzt freue ich mich aber auf einen guten Kaffee. Guten Morgen, Herr Hubertus.
HUBERTUS: Guten Morgen, Frau Tini.
TINI: Tun Sie bitte die Platte mit Strom versorgen, Herr Hubertus? Weil ich kann nicht, mit meinen zusammengepreßten Oberschenkeln. Und das Fräulein Eva ist sich ja offenbar zu gut dazu.
EVA: Das ist nicht sehr nett, was Sie da sagen, Frau Tini. Schaun Sie sich das bitte an! Ganz blutige Knöchel! Ganz blutig! Sehen Sie das? Wovon kommt denn das, frage ich Sie, Frau Tini?
TINI: Stöckelschuhe ausziehen, Fräulein Eva, dann rutschen Sie nicht von den Pedalen.
EVA: Schaun Sie sich das an, Herr Hubertus, schaun Sie sich meine Knöchel an. Damit soll ich heute auf den Regimentsball gehen! Mit blutigen Knöcheln auf den Regimentsball! Das ist doch peinlich. Was denken sich die Leute! Nicht einmal eine blickdichte Strumpfhose habe ich mehr!
HUBERTUS: Frau Tini, da braucht keiner zu treten, weil wir haben kein Wasser mehr.
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EVA: Mein Blümchen verdurstet! Das geht doch nicht! Ich liebe mein Blümchen! Und ihr solltet es auch lieben. Es ist das einzige, weit und breit! Das einzige.
TINI: So, Fräulein Eva! Jetzt nehmen Sie den Kübel und gehen zum Fluß hinunter.und holen Wasser! Oder soll ich das machen, mit meiner Frühgeburt?
EVA: Herr Hubertus, seien Sie ein Sir!
HUBERTUS: Gleich geht’s los!
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TINI: Die mit ihrer Pflanzenliebe! Der Mensch braucht einen Kaffee am Morgen! Was, mein Butzi?
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TINI: Da soll man nicht eine Frühgeburt bekommen. Beruhige dich, Butzi, ist schon vorbei. Die tun jetzt frühstücken. Vor dem Frühstück tun die immer ein paar herüberpfeffern. Aber eh nur pro forma.




