Mitterer Die Frau im Auto
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7099-3662-7
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Theaterstück
E-Book, Deutsch, 112 Seiten
ISBN: 978-3-7099-3662-7
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. BILD | 7. JÄNNER 1997/MORGEN |
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1. GENDARM: Du hast dich in diese Amtshandlung überhaupt nicht einzumischen!
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1. GENDARM: Wenn du noch einen Schritt da hinein machst, dann nimm i di fest!
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ROBERT: Des könnts doch nit machen! Wo gibts denn sowas?
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EXEKUTOR: Mein Gott, Frau Lamprecht, was sind S’ denn so stur?
ROBERT: Es hat vierzehn Grad Minus! Ihr könnts doch nit bei vierzehn Grad minus eine alte Frau auf die Straßen stellen!
2. GENDARM: Geh, red nit so blöd! Du kannst sie ja zu dir mit heimnehmen, oder?
EXEKUTOR: Frau Lamprecht! Sie brauchen ja nur in den Dachboden übersiedeln. Vom ersten Stock in den Dachboden. A paar Meter weiter!
HEDWIG: Des is mein Haus!
EXEKUTOR: I hab einen Räumungsbefehl durchzuführen! Seit Weihnachten schon! I muß des machen!
HEDWIG: Des is mein Haus!
EXEKUTOR: Herr Lamprecht! Reden Sie ihr doch zu. Bitte! I will doch auch nicht, daß sie da in der Kälten steht. Da oben im Dachboden is es warm.
ROBERT: Ah so? Waren Sie oben?
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2. GENDARM: Dein Bruder sagt, es is bacherlwarm.
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ROBERT: Herr Exekutor, i möcht Sie bitten, gehen Sie hinauf und schaun Sie sich des an. Von wegen bacherlwarm! A kleiner Heizstrahler steht drin! Des is verboten, in an Dachboden. Der Treppenaufgang is ein Meter dreißig hoch, ein Meter dreißig! Da muß ma ja a Zwerg sein, da muß ma kriechen. Und alles a Pfusch da oben! Ein einziges Fenster! Der Herd steht unter Strom, weil seine Pfuscher ihn falsch angschlossen haben. Keine Dusche, nix. Überall ziehts.
EXEKUTOR: ( Was soll i machen? Des is nit meine Angelegenheit. I hab an gerichtlichen Räumungsbefehl durchzuführen, fix noch amal!
HERMANN: Was is jetzt? Kann i die Tür zumachen? Es geht nämlich kalt einer!
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2. GENDARM: Gibst du a Ruh?
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2. GENDARM: Gibst a Ruh?
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HEDWIG: Wissen Sie, was der getan hat, wissen Sie des? Am Tag nach der Versteigerung hat er mir die Treppen zum ersten Stock herausgrissen. I komm vom Einkaufen heim und die Treppen is weg! Und kein Mensch war da! Den ganzen Tag bin i auf der Straßen auf und ab gangen, bis neune auf d’Nacht. Kommt der Amtsarzt und will meinen Geisteszustand untersuchen. Die Nachbarn ham ihn angrufen, natürlich. „Die Lamprechtin is narrisch worden, die marschiert den ganzen Tag vor ihrem Haus auf und ab, mit Eiszapfen in die Haar!” Hab i ihm wohl gezeigt, was los is. Er mit mir sofort zur Gendarmerie, und was haben die gsagt?
1. GENDARM: In Familienangelegenheiten mischen wir uns prinzipiell nicht ein.
HERMANN: Ja, i geh. Pfiat enk.
2. GENDARM: Die Treppen is eh wieder drin, was willst denn?
HEDWIG: Ja, weil der Amtsarzt ihm gedroht hat, er zeigt ihn an. Dafür hat er dann sofort andere Stückeln aufgführt. Die Leitungen aus die Wänd grissen, die Klomuschel herausgrissen, die Zentralheizung abdreht und vom Dachboden aus Wasser in die Wohnung rinnen lassen. Eis an die Wänd! Eis an die Wänd!...




