Mitterer Die Kinder des Teufels
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7099-7110-9
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 90 Seiten
ISBN: 978-3-7099-7110-9
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
Autoren/Hrsg.
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VEIT: Weiß ich nicht mehr.
KOMMISSAR: Orte?
VEIT: In Zell hab ich eine Bäuerin erkrummt. Aber die ist lang wieder gesund.
KOMMISSAR: Woher weißt du das?
VEIT: Der Jackl hat es mir gesagt. Sie hat ein Ei weihen lassen, dieses in heißes Schmalz geschlagen, das Ei gegessen und das Schmalz aufs Bein geschmiert!
KOMMISSAR: Wo noch?
VEIT: In Hallein. Da hab ich einem Bauern ein weißes Stupp auf den Weg gestreut. Ist er sofort krumm geworden und auf die Knie gefallen! Der muß heute noch ein hölzernes Trägl am Knie tragen, sonst könnte er nicht gehen! Untenher am Fuß ist er ganz erfroren!
KOMMISSAR: Weiter!
VEIT: Das ist alles! Ich schwör’s bei allen Heiligen!
KOMMISSAR: Gut, belassen wir es dabei! – Es wäre uns sehr geholfen, wenn du uns noch ein paar der Buben nennen könntest, die mit dem Jackl herumziehen!
VEIT: Das ist nicht leicht! Von den meisten weiß ich den Namen nicht! Man vergißt auch so manches!
KOMMISSAR: Du hast uns jetzt viel erzählt, Veit. Das wird man dir zugute halten. Das wird im Urteil Berücksichtigung finden! Ich verspreche es dir!
VEIT: Laßt mich nachdenken, Herr! – Andree Mayer, der »Stadtschmeißer« genannt! Magdalena Pichlerin, die »Fetzen-Leni«! Das ist seine Menschin! – Matthias Grebler, der »Zigeuner-Hiasl«! Der schneidet schwangere Weiber auf! Jakob Tripacher, genannt »Breitfuß«! Christian Fleis, der »Eselhüter«; Abraham Halbminger, der »Stecken«; Hans Steingastinger –
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7. BÜRO
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KOMMISSAR: Ganz ruhig! Ganz ruhig! Ist gleich vorbei! Die geweihte Suppe wird dir helfen! Sie beschützt dich vor dem Teufel und erleichtert dir das Geständnis! Es genügt!
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KOMMISSAR: Steh auf, Klein-Liserl!
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KOMMISSAR: Du hast uns schon sehr geholfen, Lisl! Jetzt kommen wir auf einen Punkt, der dir vielleicht peinlich ist, aber wir müssen darüber reden; es darf nichts unaufgeklärt bleiben! Du bist von der Hebamme untersucht worden, nicht wahr? Um das Mal des Teufels zu finden.
LISL: Ja.
KOMMISSAR: Das ist nun erledigt. Du hast es uns gezeigt; wir haben auf die Nadelprobe verzichten können. Die Hebamme hat aber noch etwas gefunden.
SCHREIBER: Eine Geschwulst am heimlichen Ort. Hymen geweitet. Wahrscheinlich nicht mehr gerecht.
KOMMISSAR: Die Nachfrage in Schellenberg hat ergeben, daß du acht Jahre alt bist. Sehr jung also. Und doch – es scheint, als wüßtest du Bescheid über gewisse leichtfertige Dinge.
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KOMMISSAR: Die Geschwulst am heimlichen Ort – woher kommt sie, Lisl?
LISL: Weiß nicht.
SCHREIBER: Lauter!
LISL: Weiß nicht!
KOMMISSAR: Hat einer was gemacht mit dir?
LISL: Weiß nicht. Werden die Läus sein. Die sind so lästig!
KOMMISSAR: Das ist keine Geschwulst, die durch Läusebisse entsteht! Denk nach, Lisl! – Hat einer fleischlich mit dir zugehalten? – Der Teufel vielleicht?
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KOMMISSAR: Die geweihte Rute! Dreißig Stück!
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LISL: Ich sags!
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LISL: Oh, nein!
KOMMISSAR: Was ist?
LISL: Hinter dir!
KOMMISSAR: Was?
LISL: Der Schwarze!
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KOMMISSAR: Welcher Schwarze?
LISL: Oh, nein! Laß mich in Ruh! Ich sag schon nichts! Nein, nicht stechen! Ich sag ja nichts! Nein, bitte nicht!
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KOMMISSAR: Wer ist da?
LISL: Er kommt! Helft mir! Helft mir! – Nein! Ich sag ja nichts! Ich sag ja nichts! Oh, dankschön! Dankschön! Vergelts Gott! Verzeihung! Verzeihung! Ich sag das nicht mehr! Ich sag dieses Wort nicht mehr! Fackengott, sag ich! Fackengott! Ja! Ja! Ist gut!
KOMMISSAR: Weihwasser! Schnell!
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KOMMISSAR: Ist er weg?
LISL: Ja, ist weg!
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KOMMISSAR: Habt Ihr für die Suppe wirklich geweihtes Wasser verwendet?
FREIMANN: Natürlich!
KOMMISSAR: Komm zu mir, Klein-Liserl!
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KOMMISSAR: Wer war es?
LISL: Der schwarze Mann.
KOMMISSAR: Was hat er gesagt?
LISL: Er sticht mir ein Messer in den Hals, wenn ich was zugeb.
KOMMISSAR: Was noch?
LISL: Er will mich in der Nacht zerreißen, wenn ich was zugeb.
KOMMISSAR: Was noch?
LISL: Ich soll das geweihte Ding herunterreißen.
KOMMISSAR: Wieder anbinden!
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KOMMISSAR: Sprich weiter, Lisl!
LISL: Dann hab ich ihm leidgetan. Er hat gesagt, er wird mich beschützen. Er hat gesagt, ich soll ganz ruhig sein, es kann mir nichts passieren. Ich muß nur fest an ihn glauben!
KOMMISSAR: Was noch?
LISL: Er wird in der Nacht zu mir kommen und ganz lieb sein.
KOMMISSAR: Den ganzen Raum ausspritzen! Auch die Zelle! Bevor es Nacht wird!
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KOMMISSAR: In alle Ecken!
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KOMMISSAR: Lisl! Trau ihm nicht! Trau ihm nicht, wenn er dir droht, und trau ihm nicht, wenn er dir schmeichelt! Er ist die Schlange! Der Fürst der Hölle! Er will uns alle ins Verderben stürzen! – Du mußt viel beten! Kannst du beten?
LISL: Ohja! Ich kann gut beten!
KOMMISSAR: Dann tu es! Ruf Unsere Liebe Frau an! Sie wird ihren Mantel über dich breiten. Und nie mehr wird der Höllenfürst dir erscheinen. Hab keine Angst. Gott ist bei dir. Und nun erzähl uns von der Geschwulst! Wie kam es dazu?
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LISL: Ein schwarzer Mann –
SCHREIBER: Lauter!
LISL: Ein schwarzer Mann – mit langen Krallen an den Händenhat untenher an meinem Leib – so gedruckt, daß es mir sehr weh getan hat.
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KOMMISSAR: War noch jemand dabei?
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KOMMISSAR: Lisl, war noch jemand dabei?
LISL: Ein Bub.
KOMMISSAR: Was hat er getan?
LISL: Auch...




