Mitterer Drachendurst
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7099-7628-9
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 46 Seiten
ISBN: 978-3-7099-7628-9
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. BILD
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NORG: Hab i di, du kalter Fisch! Hehe, des werd a feiner Abendtisch, für den Drachen, meinen Herrn!
NIXE: Schwestern, zu Hilfe, i kann mi nit wehrn!
NORG: Hör auf zu plärren, halts Maul, die hörn di nit! Die hörn nur 's Rauschen vom Wasser! Ah, bist du a Sack, a nasser! Haltaus, Fischl! Des is der falsche Weg! Dagehts lang!
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NIXE: Oh, wie werd mir bang! Kobold, i bitt di, laß mi aus! I mag nit sterben, 's Leben is so schön!
NORG: Du muaßt mit mir gehn, des hilft ja nix! Wenn i koa Fischweib bring, dann kriag i Wix vom Drachen!
NIXE: Oh weh, oh weh, was soll i machen? Kobold, du, i woaß, tu tuast gern drucken! Du kannst mi haben, Tag für Tag!
NORG: Geh, wenn i di nit mag! I druck nur Wesen mit an warmen Bluat! Dein kalter Fischleib, der tuat ma nit guat! Jetzt komm, es nutzt ja nix, i lad die auf. Verfluacht, des Luader wehrt si, daß i's nimmer derschnauf! Guat. Dann wart i halt. Ohne Wasser werst nit alt, des woaß i.
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NIXE: Kobold! I bitt di! I muaß ins Wasserbett!
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NORG: Mei, is des a Gfrett! Na, i kann nimmer zuaschaun! I wer ihr den Schädel einhaun.
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MARTHA: Was tuast denn du da, ha? Du Sauviech, du!
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NORG: Oi, oi, oi! I bin hin! I bin hin! Mei Schädeldach is brochen! Oi, oi, oi!
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MARTHA: Du Arme! Wie kann idir helfen? Was soll i machen?
NIXE: Zum Wasser! Zum Wasser!
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NORG: Halt! Halt! Fleisch, steht still, so lang i will!
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NORG: Ah, hab i an Zorn! Mei, hab i a Wuat! Was erlaubst du dir, du Menschenbruat! Ja, gibts denn sowas! Pfuscht mir de ins Handwerk! Und haut mir no dazua des Schädeldach ein! Glabst, des is fein? , oi, hab i an Weh! Was tua i jetzt? No, fang i halt a Reh. Oder an Fasan. Oder an Hasen. Mei Herr werd ma den Marsch blasen, oi, oi, oi! Da hagelts wieder Backpfeifen und Ohrfeigen und Maulschellen! Dabei hab i eh schon a Dellen! Und alles wegen dir, du Luaderweib! Zur Straf bleibst da stehn, bis vermodert dein Leib! Des hoaßt ... Die wär eigentlich was fürn Drachen. Schaut nit übel aus ... Tat ihm sicher viel Freud machen, de süaße, kloane Maus! Fleisch, Rühr di! Pfiat di, Madel! Mir sehn uns bald wieder! Dann reiß i di nieder und tua di a bißl drucken!
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NIXE: I dank dir. Du hast mir's Leben grettet. Es werd nit umsonst gwesen sein. Du bist ab jetzt nie mehr allein. I wer's der Königin berichten.
MARTHA: Ja, is schon recht. Aber jetzt muaß i hoam, die Muatter will 's Nachtmahl richten! Muaß ihr die Schwammerl bringen. Pfiat di, Nixe!
NIXE: Leb wohl, du liabs Kind!
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MARTHA: So, aber jetzt gschwind!
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2. BILD
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MUTTER: Schwer bist gangen, liaber Mann. Schwer. Nit, weil di fürchten muaßt, vor dem, was kimmt. Ganz gwiß nit, des woaß i bestimmt. Die Sorg um uns hat di so lang ghalten, die Sorg ums täglich Brot.
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MUTTER: Fünf Kinder, und koan mehr, der ins Tagwerk geht, uns bewahrt vor Hunger und Not.
MARTHA: Geh, Muatter, brauchst decht nit verzagen! I wer schon a Arbeit derfragen. I geh zu a Herrschaft, in die Kuchl, in Stall oder aufs Feld — i bring scho a Geld!
MUTTER: Ja, geh nur, geh, hast recht. Für di alloan werds sicher glangen. Du bringst di schon durch, da brauch i nit bangen.
MARTHA: Für uns alle glangts! Du woaßt, bei der Arbeit bin i gschwind!
MUTTER: Aber, Madel, Martha, liabs Kind! Glabst, als Hennendirn könntst uns alle ernährn? Die Kost und a Schlafstell — mehr geben sie dir nit, i kenn sie decht, die Herrn! Na, i woaß mir koan Ausweg nit, was soll nur aus uns wem?
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DRACHE: Guten Abend zu wünschen und habe die Ehre! Kimm wohl zur unrechten Zeit, aber — der Weg is weit, und die Tag wem wieder kürzer. I siechs, der Mann is enk gstorben. Des is bitter, des bringt Sorgen. Aber — gibts an Kummer, so bleibt decht nit aus die Freud. Und deswegn kimm i heut zu enk da her, weil i des Madel da zur Frau mir begehr!
MUTTER: Kennst du den Lotter?
MARTHA: Na, Muatter! Nia im Leben!
MUTTER: Mein Herr, jetzt is gwiß nit die rechte Zeit, von Heirat zu reden! Mei Mann hat no an warmen Bauch, und dann is es bei uns der Brauch, daß ein Jahr lang werd trauert. ...




