Mitterer | Verlorene Heimat | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 78 Seiten

Mitterer Verlorene Heimat


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7099-7113-0
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 78 Seiten

ISBN: 978-3-7099-7113-0
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



1837 mussten über 400 evangelische Christen aus dem Zillertal ihre Heimat verlassen: Sie wurden ihres Glaubens wegen zur Auswanderung gezwungen. Felix Mitterers Stück 'Verlorene Heimat' ist ein Gedenken an die Vertriebenen und soll an die begangenen Fehler erinnern. Es wurde 1987 in Stumm im Zillertal mit beeindruckender Mithilfe aus der Bevölkerung uraufgeführt.

Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


PFARRER: Josl! Josl!

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EGGER: Pfarrer!

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EGGER: Hilf ma!

PFARRER: Was?

EGGER: Er is so schwer! Hilf man umitragen in die Totenkapelln!

PFARRER: Kein kirchliches Begräbnis für Sektierer! Die geweihte Erde ist den Gläubigen vorbehalten! Da drüben is der Anschlag!

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EGGER: So is des!

WÄSCHERIN: Ja, was glabst! Da taten sich unsere Verstorbenen schön bedanken, wenn sie neben dem Ketzergsindel liegen müaßten!

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HEUTIGER ZILLERTALER: Die Zillertaler Protestanten, unter Druck von allen Seiten, finden auch ein paar wenige Leute, die zu helfen bereit sind und scharfe Verordnungen zu mildern suchen. So den Schwazer Kreishauptmann Dr. Anton von Gasteiger, der die Forderung, den Protestanten die Kinder wegzunehmen, als unmenschlich zurückweist, die Reiseeinschränkungen für Wanderhändler aufhebt und auch das Verlangen, den evangelischen Touristen die Einreise zu verweigern, als blanken Unsinn bezeichnet. Er setzt beim Gubernium auch durch, daß die Verordnung über das Verbot des Grundkaufes als ungesetzlich wieder aufgehoben wird, weil nur bei anerkannten Protestanten die Möglichkeit der Grunderwerbsverweigerung bestehe, nicht aber bei den Zillertalern, denen man den Offiziellen Übertritt verweigere, somit sie als Katholiken zu behandeln seien. Auch der Kulturreferent der Tiroler Landesregierung, der Gubernialrat und katholische Priester Franz von Sondermann, sucht die harte Behandlung der Zillertaler Protestanten zu mildern, nachdem er sich in Gesprächen mit ihnen davon überzeugt hat, daß sie keine Sektierer und Aufrührer sind. Sondermann verhilft ihnen außerdem zu einer Audienz bei Kaiser Franz I., der im Sommer 1832 in Innsbruck weilt. Johann Fleidl, Bartholomäus Heim und Christian Brugger übergeben dem Kaiser eine Bittschrift, in der sie um Abstellung des Gewissenszwanges und um das Aufheben des Eheverbotes ersuchen, sowie um die Bewilligung, einmal im Jahr einen Pastor kommen zu lassen.

Das Gespräch mit dem Kaiser: Kaiser: Ja, wer stört euch denn in eurem Glauben? – Fleidl: Die Geistlichkeit. – Kaiser: Was glaubt ihr denn? – Fleidl: Wir glauben das Wort der Heiligen Schrift nach den Grundsätzen der Augsburger Konfession. – Kaiser: Nicht wahr, ihr glaubt an Christus wie ich? – Fleidl: Ja, wir glauben an Christus als unseren Herrn und Heiland und alleinigen Seligmacher, aber das wollen sie eben im Zillertal nicht leiden, daß wir es sagen. – Kaiser: Es ist den Katholiken nicht erlaubt, euch zu beschweren und zu schimpfen, wie ihr sie auch nicht schimpfen dürft. Früher hat man in Salzburg drüben die Lutherischen nicht gelitten, aber jetzt ist’s nicht mehr so wie damals, ich zwinge niemand in seinem Glauben. Aber wie seid ihr denn dazu gekommen? – Fleidl: Die Heilige Schrift ist bei uns so lange schon, daß man nicht weiß, wie lange. Es sind bei uns Bibeln, die mehr als 200 Jahre alt sind. Mein Großvater ist 98 Jahre alt geworden und erst vor drei Jahren gestorben und hat die Schrift seit seiner Kindheit gelesen, und so mein Vater, und so ich, und so viele, daß von den Eltern die Lehre ihnen eingeprägt ist. – Kaiser: Ja, da ist vielleicht etwas von den Salzburgern geblieben. Seid ihr salzburgisch gewesen? – Feidl: Ja, wir haben zum Salzburger Ländchen gehört bis vor 16 Jahren. – Kaiser: Ihr wollt also nicht bei der katholischen Kirche bleiben? – Feidl: Wir können es nicht wegen unseres Gewissens, wir müßten sonst heucheln. – Kaiser: Nein, das will ich nicht haben, ich will sehen, was sich für euch tun läßt. – Als die Zillertaler ihre Bitte nochmals dringend empfahlen und dem Kaiser versicherten, daß sie brave Leute seien, daß er sie doch nicht vergessen solle und es nicht glauben, wenn man Böses über sie sage, erwiderte der Kaiser: Ich will euch nicht vergessen und nichts Schlimmes von euch glauben.

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3. BILD


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1. WIDDERFÜHRER: Des is der katholische!

2. WIDDERFÜHRER: Des is der lutherische!

1. BAUER: Zwoa Gulden auf den katholischen!

2. BAUER: Vier Gulden auf den protestantischen!

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3. BAUER: Fünf Gulden auf den katholischen!

1. KNECHT: Zehn Kreuzer auf den protestantischen!

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4. BAUER: Oan Gulden auf den katholischen!

5. BAUER: Oan Gulden auf den protestantischen!

2. KNECHT: A Fuffzgerl auf den katholischen!

VORSTEHER: Zehn Gulden auf den katholischen!

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VORSTEHER: Auf gehts!

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3. BAUER: Stoß ihm außi ’s Hirn beim Orschloch!

1. KNECHT: Gibs ihm, dem katholischen Stoanschädl!

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5. BAUER: Der Fleidl! Sie san da!

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2. KNECHT: Was is? Erzählts!

1. KNECHT: Seids wirklich bei ihm gwesen?

FLEIDL: Nachbarn, Glaubensbrüader, des is a freudiger Tag heut! Mir warn beim Kaiser und er hat unsere Bitten anghört!

2. BAUER: Was hat er gsagt! Erzähl schon!

FLEIDL: Er...


Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).



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