Moore | Zwischen Leidenschaft und Gefahr | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Moore Zwischen Leidenschaft und Gefahr


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6668-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6668-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



SCHOTTLAND, 1235: Der Morgen graut, als Lady Marianne mit Adair Mac Taran seine Burg erreicht. Eine Nacht voller Gefahren liegt hinter ihnen, in denen der mutige Schotte Marianne geholfen hat, den Fängen ihres selbstsüchtigen Bruders zu entkommen. Unter den Sternen Schottlands hat Adair ihr auch gezeigt, wie heiß das Feuer der Sinnlichkeit brennen kann. Doch was wird nun aus ihr? Zwischen den Rivalitäten schottischer Clans, der Verfolgung durch ihren Bruder und ihrer eigenen verlorenen Ehre gefangen, sieht Marianne nur eine Möglichkeit: Mit den Waffen einer Frau muss sie Adair dazu bringen, sie zu seiner rechtmäßigen Gemahlin zu machen



Margaret Moore ist ein echtes Multitalent. Sie versuchte sich u.a. als Synchronschwimmerin, als Bogenschützin und lernte fechten und tanzen, bevor sie schließlich zum Schreiben kam. Seitdem hat sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre gefühlvollen historischen Romane erhalten, die überwiegend im Mittelalter spielen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren verheiratet ist, ihrer Familie und zwei Katzen in Toronto, Kanada.

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1. KAPITEL

Schottland, im Jahre 1235

Marianne war in die Hölle verbannt.

Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen, als sie am Bogenfenster in der Burg ihres Bruders stand und hinaus in die regennasse Landschaft blickte.

Natürlich goss es schon wieder. Ein wahrer Wolkenbruch prasselte nieder und umhüllte die scharfzackigen Hügelkämme rings um Beauxville wie mit einem Schleier. Der Regen verwandelte den Burghof in einen Morast aus Matsch und Pfützen und durchweichte die Gerüste, die sich rund um die erst zur Hälfte fertig gestellten Burgmauern zogen. Seit Mariannes Ankunft in dieser Wildnis am Rande der zivilisierten Welt hatte es unaufhörlich geschüttet.

In der Normandie scheint jetzt bestimmt die Sonne, und die Blätter an den Bäumen sind grün, grübelte sie. Inmitten einer Schar von gleichaltrigen jungen Damen würde sie tuschelnd unter den Schatten spendenden Ästen sitzen, bemüht, ihr Gekicher zu unterdrücken, während die Bauernknechte nach getaner Feldarbeit an der Klostermauer entlang heimwärts zögen. Lauthals grölten die jungen Kerle gewöhnlich ihre anzüglichen Lieder, wohl wissend, dass ihnen jenseits der weißen Mauern der Klosterschule ein Grüppchen junger Mädchen lauschte. Hektisch flatterten dann die Nonnen umher wie eine aufgeschreckte Vogelschar, bestrebt, unter vielstimmigem Gezeter ihre Schützlinge ins Gebäude zu scheuchen.

Ja, daheim in der Normandie, da wäre ihr schön warm. Hier hingegen fror sie die ganze Zeit, obwohl sie ein Leinenhemd, ein Gewand aus indigoblauer Wolle sowie ein hellrotes Bliaut mit goldener Borte trug und sich zudem noch einen hellgrünen Wollschal um die Schultern geschlungen hatte.

Glücklich wäre sie dort in der Normandie – nicht einsam und durchgefroren wie hier, nicht in dieser ganz und gar jämmerlichen Verfassung.

Sie hätte sich eben genauer erkundigen müssen, als ihr Bruder im Kloster aufgetaucht war und ihr eröffnet hatte, er werde sie auf sein Anwesen heimholen. Sie aber war nur allzu froh gewesen, der Gefangenschaft des frommen Konvents entrinnen zu können, zu stolz auf ihren blaublütigen Bruder, zu fasziniert von seinem Gebaren und seinen Waffen, um ihm lang und breit Fragen zu stellen. Sogar die Mutter Oberin hatte vor Nicholas regelrecht kleinlaut gewirkt. Dabei hatte Marianne immer angenommen, dass sich die ehrwürdige Mutter nicht einmal vom Papst höchstpersönlich einschüchtern ließ.

Sei’s drum: Hätte die Mutter Oberin geahnt, dass Nicholas seine Schwester hierher zu bringen gedachte, zu diesem halb fertigen Haufen Steine und Mörtel, wo Marianne unter lauter Wilden mit Zottelmähnen und nackten Beinen hausen musste, dann hätte sie gewiss Einspruch erhoben und erklärt, dass Schottland für eine junge normannische Dame von edlem Geblüt und vornehmer Erziehung der absolut ungeeignetste Ort auf Erden sei. Vermutlich hätte sie Nicholas vorgeschlagen, seiner Schwester zu erlauben, weiter im Kloster zu verweilen, welches ihr in den vergangenen zwölf Jahren zur Heimat geworden war, und zwar so lange, bis sich ein passender Gemahl für sie gefunden hätte.

Plötzlich öffnete sich die Tür zu ihrer Kammer mit einem lauten Krach. Erschrocken zuckte sie zusammen und fuhr herum. Mit energischen Schritten betrat ihr Bruder, der frisch eingesetzte Lord Beauxville, den Raum. Wie immer war Nicholas in schlichte schwarze Wolle gekleidet, ohne jeglichen Zierrat an Manschetten oder Kragen. Der einzige Schmuck war eine Bronzeschnalle an seinem Schwertgurt. Seine abgewetzten Stiefel waren schlammverkrustet und seine Haare feucht. Die verschlossene Miene ließ nicht erkennen, warum er seine Schwester in ihrem Gemach aufsuchte, was er selten tat.

„Aha, hier steckst du also!“ bemerkte er, als hätte er allen Ernstes angenommen, sie könne sich auch anderswo aufhalten. Forschend musterte er die kleine Kammer mit ihrem einfachen, grob gezimmerten Mobiliar und Mariannes bemalter Truhe. Sein Blick verweilte kurz auf dem Stickrahmen, der vernachlässigt in der Ecke stand.

„Was machst du gerade?“

„Ich dachte ans Kloster.“

Er schnaufte abfällig, was er immer tat, wenn sie ihr dortiges Dasein erwähnte oder über ihre Gefährtinnen und die Nonnen sprach. Warum auch hätte sie nicht an die Vergangenheit und das Leben in der Normandie denken sollen? Glaubte er etwa, sie könne es vergessen? Oder sie wolle es gar?

So ganz mochte sie ihren Unmut nicht für sich behalten. „Müsstest du nicht die Maurer beaufsichtigen? Oder dich um diesen ältlichen Schotten kümmern, der heute Morgen eintraf?“

„Die Maurer warten auf trockeneres Wetter, und Hamish Mac Glogan hat sich verabschiedet.“

„Falls die Maurer nur arbeiten können, wenn’s trocken ist, wird dein Schloss wahrscheinlich nie fertig“, entgegnete sie missmutig, während sie wieder aus dem Fenster schaute. Zu ihrer Überraschung regnete es in genau diesem Moment nicht, obwohl sich immer noch schwere graue Wolken hielten – ähnlich einem üblen Geruch. „Die Verzögerungen müssen dich doch ein hübsches Sümmchen kosten.“

„Ich wusste gar nicht, dass du etwas vom Burgenbau verstehst.“

„Zuweilen kamen Maurer ins Konvent“, konterte Marianne. „Und einmal hörte ich, wie die Mutter Oberin über die Kosten klagte. Da du ja mehr in Stand setzen musst als lediglich ein paar locker gewordene Steine, kann ich nur vermuten …“

„Spar dir deine Vermutungen. Ich kann mir die Handwerker leisten – jetzt, wo ich die frommen Schwestern nicht mehr für deine Unterbringung und Verpflegung entlohnen muss!“ fiel Nicholas ihr ins Wort.

Sein Ton klang nun nicht mehr abschätzig, sondern auffallend bissig, als wäre es für ihn eine unzumutbare Härte gewesen, Mariannes Klostererziehung finanzieren zu müssen. Ihre Familie indes war immer vermögend genug gewesen, und die Klosterfrauen hatten auch niemals durchblicken lassen, dass Marianne etwa aus lauter Barmherzigkeit aufgenommen worden war, so wie einige der weniger vom Glück verwöhnten Mädchen. „War meine Unterbringung dort denn so kostspielig?“

„Jedenfalls teuer genug!“ unterstrich er. „Doch ich bin nicht hier, um über Geld zu reden.“

Seine feindselige Haltung musste also einen anderen, rätselhafteren Grund haben. Marianne nahm auf ihrem Schemel Platz und überlegte, warum ihr Bruder sie also in ihrem Gemach aufsuchte. „Hast du Nachrichten von unserem Bruder Henry?“

Mit über der Brust verschränkten Armen und gerunzelter Stirn schaute Nicholas sie an. „Ein Soldat hat keine Zeit, seinen Angehörigen Botschaften zukommen zu lassen.“

Das klang ganz so, als stünde es um das Verhältnis der Brüder immer noch nicht zum Besten. Als Kinder hatten sie sich unentwegt gezankt. Marianne konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie sich als kleines Mädchen stets vor den Jungen versteckte, wenn diese wieder einmal stritten und rauften.

„Worüber möchtest du denn dann mit mir sprechen?“ hakte sie nach. Offenbar scheute er sich, zur Sache zu kommen, was sie verblüffte. Normalerweise war Nicholas nämlich äußerst direkt. Dass er nun so um den heißen Brei herumredete, machte sie allmählich nervös.

Dann fiel ihr ein Grund ein, weshalb ein Bruder durchaus eine Schwester aufsuchen mochte. „Geht es vielleicht um eine Frau?“ erkundigte sie sich hoffnungsvoll. „Gibt’s gar eine Dame, die du heiraten möchtest? Wünschst du meinen Rat?“

Nicholas schaute sie an, als habe sie den Verstand verloren. „Mach dich nicht lächerlich! Im Augenblick habe ich wahrlich Wichtigeres zu tun, als einem Weib den Hof zu machen. Und selbst wenn’s so wäre, würde ich mich nicht um Rat an dich wenden!“

Marianne hatte Mühe, diese brüske Abfuhr nicht als Kränkung aufzufassen. „Ich wollte dir lediglich behilflich sein“, erwiderte sie. „Ich habe zwölf Jahre ausschließlich unter Mädchen und Frauen gelebt. Wahrscheinlich gibt es nicht viel, was ich nicht über das weibliche Geschlecht weiß. Wenn du also doch etwas von mir erfahren möchtest …“

„Ich komme nicht wegen meiner Heirat, sondern wegen deiner!“

Bei diesen Worten machte sich ein dumpfes Gefühl in ihrer Magengrube breit. Genau dies hatte sie seit dem Tage geahnt, an dem er sie aus dem Kloster abgeholt hatte. Immerhin war eine Eheschließung das Los der meisten Jungfern von edlem Stande, und außerdem wünschte sie sich sehnlichst Kinder. Wie sehr hatte sie es geliebt, wenn sie den kleinen Mädchen im Konvent hatte helfen können. Warum also hatte Nicholas so lange gebraucht, ihr den wahren Grund für sein Kommen mitzuteilen? Vermutete er vielleicht, dass sie keinesfalls begeistert über seinen Plan war?

Obwohl ihr immer unbehaglicher zu Mute wurde, bemühte sie sich um Gefasstheit. „So? Und mit wem?“

Er schlenderte auf die Feuerstelle zu und stierte grübelnd in die glimmenden Kohlen. „Mit einer sehr guten Partie, Marianne“, betonte er nach einem Moment, der ihr wie eine Ewigkeit vorkam. „Dein Zukünftiger besitzt Reichtümer und Macht.“

Anstatt über diese Antwort erleichtert zu sein, wurde sie nur noch beklommener.

„Wer ist es denn?“

„Hamish Mac Glogan.“

Bestürzt und entsetzt starrte sie ihren Bruder an. „Ist das nicht der Alte, der heute Morgen hier auftauchte?“

„Dieser Alte ist wohlhabend und einflussreich und zudem verwandt mit dem König von Schottland.“

Sein gereizter Tonfall ließ sie sofort an die Wutanfälle denken, die er als Kind häufig gehabt hatte. Nicholas war zehn Jahre...



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