E-Book, Deutsch, Band 0033, 384 Seiten
Reihe: Historical Saison
Nichols / Preston Historical Saison Band 33
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6323-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0033, 384 Seiten
Reihe: Historical Saison
ISBN: 978-3-7337-6323-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
DER UNMÖGLICHE VISCOUNT von NICHOLS, MARY
Den hübschen Kopf voll romantischer Ideen reist die bildbschöne Sophie Cavenhurst zu ihrer allerersten Saison nach London. Sie will möglichst rasch heiraten! Natürlich niemals diesen arroganten Viscount Kimberley, der sie so spöttisch anlächelt - und ihr einen viel zu feurigen Kuss raubt ...
WACHGEKÜSST VON EINEM EARL von PRESTON, JANICE
Unerfüllte Sehnsucht kann so schmerzhaft sein! Deshalb erscheint Lady Felicity Weston die Vernunftehe mit dem attraktiven Richard Durant, Earl of Stanton, die perfekte Lösung. Keine Liebe - kein Leid! Aber schon die sinnliche Hochzeitsnacht mit ihrem Ehemann bringt Felicitys Herz in höchste Gefahr ...
Mary Nichols wurde in Singapur geboren, zog aber schon als kleines Mädchen nach England. Ihr Vater vermittelte ihr die Freude zur Sprache und zum Lesen - mit dem Schreiben sollte es aber noch ein wenig dauern, denn mit achtzehn heiratete Mary Nichols. Erst als ihre Kinder in der Schule waren, fand sie genügend Zeit, sich ganz dem Schreiben zu widmen und damit ihren Traumberuf zu ergreifen. Marys Lieblingsautorinnen und Vorbilder sind Jane Austen und Georgette Heyer.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Hadlea, 1819
Miss Sophie Cavenhurst war weder für ihren Takt noch für ihre Geduld berühmt. Und auch nicht für Besonnenheit. Ausgeglichen wurden diese Mängel durch ihr Äußeres – sie war hübsch von Gesicht und Gestalt – und durch ihr weiches Herz und ihr heiteres Gemüt. In regelmäßigen Abständen hielten junge Gentlemen um ihre Hand an und wurden ebenso regelmäßig abgewiesen. „Wissen Sie“, sagte sie dann und lächelte süß, um den Hieb zu mildern, „es würde mit uns einfach nicht gut gehen.“ Was, wie ihr Vater meinte, bewies, dass sie doch besonnener war, als man ihr generell zutraute.
Sophies Problem lag darin, dass sie jeden Bewerber mit den Gatten ihrer älteren Schwestern verglich – beides Musterexemplare von Ehemännern, mit denen ihre Verehrer nie mithalten konnten. Mark, Lord Wyndham, der Gatte Janes, war freundlich, gütig und verlässlich; Isabels Gemahl, der erst kürzlich zum Ritter geschlagene Sir Andrew Ashton, der Isabel auf seinen abenteuerlichen Reisen in ferne Länder stets mitzunehmen pflegte, dagegen umwerfend und aufregend. Beide Gentlemen waren reich, wobei ihr Reichtum sehr unterschiedlichen Quellen entstammte. Mark hatte ihn ererbt, Drew seinen durch weltweiten Handel erworben. Keiner der Bewunderer, die bisher um Sophies Hand angehalten hatten, konnte den beiden das Wasser reichen.
Was sie jedenfalls ganz gewiss nicht wollte, war ein Tunichtgut wie ihren Bruder Edward, den erst eine schlimme Erfahrung und ein Aufenthalt in Indien zur Vernunft hatten bringen können und den sie dennoch von Herzen liebte. Um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, musste sie allerdings einräumen, dass er den Besitz und das Vermögen der Familie gerettet hatte, als es aussah, als würden sie beides verlieren, und dafür verzieh Sophie ihm so ziemlich alles, sogar, dass er sie ständig neckte.
„Sophie, du hast nun sämtliche annehmbaren Herren in der Umgebung entmutigt“, erklärte er ihr eines schönen Morgens im April. „Du wirst dir noch den Ruf einhandeln, übertrieben anspruchsvoll zu sein.“
„Und was wäre daran schlimm? Die Ehe ist eine wichtige Angelegenheit. Ich will nicht den gleichen Fehler machen, den Isabel beinahe gemacht hätte.“
„Und als Folge davon wirst du vielleicht als alte Jungfer enden.“
„Deshalb möchte ich zur Saison nach London. Da würde ich neue Leute kennenlernen.“
„Eine Saison? Wie kommst denn auf diese Idee?“
Natürlich konnte sie ihm nicht sagen, dass sie Angst hatte, sich in ihren Schwager Mark zu verlieben, was einfach nicht sein durfte! Dagegen würde, hatte sie sich ausgerechnet, nur eins helfen – Hadlea eine Zeit lang hinter sich zu lassen und anderswo einen Gatten zu suchen, einen, der Mark gleichkam. Und wo konnte das besser gelingen als während der Saison in London? „Ach, ich denke schon eine ganze Weile daran“, sagte sie ausweichend. „Lucy Martindale wird dieses Jahr debütieren, und sie redet von nichts anderem mehr.“ Der Besitz der Martindales lag nur zehn Meilen von Hadlea entfernt, und Sophie kannte Lucinda seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Nicht nur schrieben sie sich regelmäßig, sie besuchten sich auch oft gegenseitig.
„Ich sehe durchaus, dass du ihr da nicht nachstehen möchtest, nur was sagt unser verehrter Herr Vater zu deinem Einfall?“
„Ich habe ihn noch nicht gefragt.“
„Ich bezweifle, dass du ihn dazu überreden kannst. Du weißt, wie schlecht Mama das Reisen bekommt, und ohne sie wird er nicht fahren.“
„Ich weiß.“ Sophie seufzte. „Wenn Papa ablehnt, würdest dann du mich begleiten?“
„Guter Gott! Wer hat dir denn das eingeredet?“
„Niemand. Aber wer könnte es sonst tun?“
„Frag Jane.“ Immer noch pflegten alle Familienmitglieder gewohnheitsmäßig „Frag Jane“ zu sagen, sobald sich ein Problem auftat.
„Jane hat mit ihrem Baby zu tun; sie würde es nicht in der Obhut der Kinderfrau lassen, das weißt du genau, und Issie ist irgendwo auf den Weltmeeren unterwegs. Wenn du bereit bist, mich zu begleiten, kann Papa doch wohl nichts einwenden, oder?“
„Frag ihn erst einmal.“
Sie fand ihren Vater im Morgensalon über der täglich aus London gelieferten Zeitung. Er war gern auf dem Laufenden, wenn auch die Nachrichten zurzeit nicht die besten waren. Überall kam es zu Unruhen, besonders im Norden des Landes mit seinen Industrien, und immer wieder wurde für Reformen des Parlaments demonstriert, aber auch der ungeliebte Prinzregent war ein Thema. Es ging das Gerücht, er wolle sich von seiner Gemahlin scheiden lassen, von der er längst getrennt lebte – ein wahrlich unerhörter Plan und ein schlechtes Beispiel für seine Untertanen. Es hieß auch, dass er nach dem Tod seiner Tochter und seines Enkelkindes unbedingt noch einmal heiraten wolle, um einen rechtmäßigen Erben zu zeugen. Seine Brüder, von denen keiner legitimen Nachwuchs, dafür jedoch reichlich illegitimen hatte, versuchten alle gerade eiligst, sich zu vermählen und Kinder zu zeugen. Doch bisher hatte nur der Duke of Kent dergestalt Fortschritte gemacht, als dass seine Duchess in guter Hoffnung war.
Als seine jüngste Tochter mit strahlendem Lächeln ins Zimmer trat, legte Sir Edward die Zeitung beiseite.
„Papa, liebster Papa!“, begann sie überschwänglich. „Ich habe eine Bitte an dich.“
„Und sie wird mich zweifellos Geld kosten.“ Sir Edward lächelte.
Sophie hockte sich auf die Fußbank neben seinem Sessel. „Ja, das schon, aber ich weiß, du magst mich nicht enttäuschen.“
„Nun, also heraus damit.“
„Ich möchte eine Saison in London.“
„So, so … ich hätte gedacht, du wünschst dir ein neues Kleid oder sonst einen modischen Putz, aber eine Saison! Wie kommst du darauf?“
„Alle jungen Damen von Stand debütieren in London. So finden sie ihre Ehemänner. Du möchtest doch nicht, dass ich als alte Jungfer ende?“
„Ich denke, das steht nicht zu befürchten.“
„Teddy meint, doch. Er sagt, in unserer Gegend gäbe es keinen passenden Gentleman mehr, also muss ich mich anderswo umsehen. Er sagt, er begleitet mich, wenn du nicht kannst.“
„Eine solche Verantwortung würde ich ihm nicht aufbürden wollen, Sophie.“
„Dann werdet ihr mit mir mitkommen, du und Mama?“
„Sophie, eine Saison in diesem Jahr – oder wann immer – steht nicht zur Debatte. Als Landadel streben wir nicht solche gesellschaftlichen Höhen an. Es würde eine gewaltige Summe kosten, die ich leider nicht erübrigen kann. Keine deiner Schwestern hat eine Saison mitgemacht …“
„Aber sie durften eine Zeit lang zu Tante Emmeline.“
„Sophie, ihr Besuch dauerte nicht länger als höchstens zwei Wochen, und sie waren nicht in der Stadt, um zu debütieren, wie du sehr gut weißt. Jane und Isabel haben ihre Ehemänner auch ohne Bälle und Soireen und Teegesellschaften gefunden.“
„Ja, aber wo soll ich jemandem wie Mark oder Drew begegnen, wenn nicht in London, wo solche Gentlemen anzutreffen sind?“
„Ich schätze die beiden über die Maßen, aber warum willst du unbedingt einen Mann wie Mark oder Andrew?“
Das war ihr Geheimnis, daher sagte sie nur: „Sie sind mein Ideal.“
Ihr Vater lachte. „Sophie, du wirst beizeiten den richtigen Mann für dich finden. Es eilt doch nicht. Du bist gerade erst neunzehn, und unangebrachte Eile endet meistens im Unglück.“
„Also wirst du mich nicht nach London lassen?“
„Nein, so leid es mir tut. Und nun würde ich gern meine Zeitung lesen.“
Tief enttäuscht verließ Sophie den Salon und machte sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Lady Cavenhurst war im Garten und schnitt Narzissen. Sophie schüttete ihrer Mutter ihr Herz aus. „Liebste Mama, wirst du Papa überreden? Du weißt doch, wie wichtig die richtigen Beziehungen für eine junge Dame sind. In einem ländlichen Ort wie Hadlea besteht keine Hoffnung für mich, einen passenden Ehemann zu finden.“
Ungerührt fuhr Ihre Ladyschaft mit ihrer Tätigkeit fort. „Woher dieser plötzliche Drang zu heiraten, Sophie?“
„Es ist nicht plötzlich. Ich denke schon daran, seit Jane und Issie geheiratet haben, und finde, dass es nun an der Zeit wäre, nach einem Mann wie Mark oder Drew Ausschau zu halten.“
„Du strebst ein hohes Ziel an, Kind.“
„Und warum nicht? Ist das falsch?“
„Nein, Liebes, natürlich nicht.“
„Wirst du mit Papa reden? Tante Emmeline würde mich doch aufnehmen, nicht wahr?“
„Tante Emmeline ist eine alte Dame, Sophie. Ich glaube kaum, dass sie noch oft in Gesellschaft geht.“
„Teddy sagt, dass er mich begleiten würde. Willst du also mit Papa reden?“
Ihre Mutter seufzte. „Also gut, aber du weißt, dass er sich nicht umstimmen lässt, wenn seine Meinung einmal feststeht, und ich werde ihn nicht bedrängen.“
„Danke, Mama.“
Mit diesem Zugeständnis musste Sophie sich vorerst zufriedengeben. Sollte es bei einem Nein bleiben, würde sie weitere Argumente in Stellung bringen müssen. Sie eilte ins Haus, holte sich Hut und Schal und machte sich auf, ihre Schwester auf Broadacres zu besuchen.
Broadacres war ein prächtiger Landsitz etwa drei Meilen von Greystone Manor entfernt, nicht so alt wie Greystone Manor, jedoch viel imposanter. Die lange Auffahrt mündete auf dem Vorplatz des weitläufigen Gebäudes, dessen wahrhaft eindrucksvolle Fassade mit Dutzenden hoher Fenster prunkte. Breite, vorspringende Stufen führten zu...




