Norten | DAS ALIEN TANZT WALZER | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Norten DAS ALIEN TANZT WALZER

Schwungvolle SF und Fantastik aus einem heiteren Universum
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95765-880-7
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Schwungvolle SF und Fantastik aus einem heiteren Universum

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-95765-880-7
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hereinspaziert und herzlich willkommen im intergalaktischen Tanzsaal zum Walzer. Die Aliens tanzen also wieder, konkret im Dreivierteltakt oder übertragen, indem sie schwungvoll ihre eher heiteren Geschäfte erledigen. Spaß und Originalität sind angesagt, wenn Stinkwanzen oder eine Riesenschnecke das Parkett betreten, wenn Außerirdische musizieren, heimlich Tanzunterricht geben oder sogar ihre Doktorarbeit über die Tanzgewohnheiten der Spezies Homo sapiens verfassen. Dann die frechen Aliens, die mit ihren Albernheiten den Weltfrieden gefährden, sich beim Pokern die Taschen füllen, sich als Gott verehren lassen oder den armen Menschen aus Versehen die Fettleibigkeit bescheren... Und auf der Erde könnte Unsichtbarkeit zur ansteckenden Krankheit werden, wartet der Tod schon vor der Tür, wenn nicht abgefahrene Unterhosen die Zukunft gefährden ... Und last, but not least erfahren wir endlich, wieso eigentlich der Donauwalzer komponiert wurde, denn auch da hatten natürlich Außerirdische ihre Finger im Spiel. So tanzen die Aliens zum dritten Mal, nach Kasatschok und Polka nun in Wiener Tradition. 'Stell dir vor, die Außerirdischen hätten schon längst den Kontakt mit uns aufgenommen, aber nicht auf dem herkömmlichen Weg, wie man es aus Filmen und Romanen kennt. Vielleicht hätten sie keine Lust, sich mit hohen Politikern und Generälen an einen Tisch zu setzen. Vielleicht hätten sie einen Ort gesucht, abgeschieden, unauffällig, ohne den heißen Atem der Presse und des Militärs im Nacken, um sich in Ruhe mit ein paar Einheimischen über Gott und die Welt zu unterhalten.' 'Und dieser Ort soll ausgerechnet die Venusgrotte sein?' 'Opa Hinrichs sagte, die Schachspieler waren keine. Aber vielleicht hat er den Satz nur nicht zu Ende gesprochen. Was, wenn er sagen wollte: Die Schachspieler sind keine Menschen?' (Johnny Wallmann) Mit Geschichten von Claudia Aristov, Tobias Bachmann, Regine Bott, Kai Focke, Uwe Hermann, Georg Jansen, Nikolaj Kohler, Marianne Labisch, Stephanie Lammers, Marcel Michaelsen, Wolfgang Mörth, Jasmin Mrugowski, Miklos Muhi, Monika Niehaus, Ellen Norten, Alisha Pilenko, Nob Shepherd, Kornelia Schmid, Stok, Gard Spirlin, Achim Stößer, Uwe Voehl, Johnny Wallmann und Karla Weigand. Und mit einem Umschlag von Lothar Bauer.

Ellen Norten, 1957 in Gelsenkirchen geboren, wollte mit der D2-Mission in den Weltraum starten. Da die Stelle leider anderweitig vergeben wurde, widmete sie sich ihrer Doktorarbeit, bei der sie skurrile Einzeller mit einem bizarren Liebesleben in Käferdärmen beobachtete. Dies brachte ihr nicht nur den Titel, sondern schärfte ihre Vorliebe für Kuriositäten. Die Neugier führte sie schließlich auf den Weg der Wissenschaftsjournalistin. Über zwanzig Jahre berichtete sie im öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen über die neuesten Errungenschaften in der Forschung. Seit 2010 lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf - in Kurzgeschichten und unter dem Pseudonym Conni Mainzelmann in einem Reisebuch. Als Witwe von Hubert Katzmarz betreut sie dessen literarischen Nachlass und fühlt sich der Fantastik, dem Horror und der Science-Fiction besonders verbunden. Ellen Norten arbeitet auch als Herausgeberin, Rezensentin, malt Cartoons über ihren 'süßen Parasiten' und tritt bei Slams auf.
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Kai Focke: Gastropoda galactica


Professor Hoffbauer blinzelte, rieb sich die Augen und blickte erneut auf den Monitor: Das Bild hatte sich auch nach dem Kalibrieren nicht verändert. Kopfschüttelnd griff er zum Telefonhörer und ließ sich nochmals bestätigen, dass aktuell weder Soft- noch Hardwareprobleme bestünden. Die Teleskopanlagen, versicherte der diensthabende Ingenieur, funktionierten einwandfrei. Auf die vorsichtige Frage hin, weshalb der Professor erneut einen Defekt vermuten würde, brach der ansonsten für seine Höflichkeit bekannte Astronom das Gespräch brüsk ab. Sollte die Übertragung korrekt sein, war strengste Geheimhaltung geboten. Er wählte die Nummer seines Assistenten.

»Clemens? Keine Zeit für Erklärungen: Sagen Sie ihre Vorlesung ab und kommen Sie stante pede zum Observatorium!«

Nachdem Hoffbauer aufgelegt hatte, holte er zwei Gläser sowie die Sherryflasche aus dem Aktenschrank hervor und schenkte großzügig ein. Während er wartete, blieb sein Blick immer wieder an dem Monitor hängen. Er wusste nicht, was er sich nach Clemens’ Ankunft mehr wünschen sollte: Dessen Bestätigung seiner Beobachtung oder von diesem direkt in die örtliche Psychiatrie begleitet zu werden.

»Das … das ist … unmöglich!«, stotterte Clemens. Irritiert schaute er zwischen dem Monitor und dem Gesicht des Professors hin und her. »Funkinterferenzen? Eine Signalüberlappung? Russische Hacker?«

Hoffbauer schüttelte den Kopf und reichte seinem Assistenten ein Glas Sherry. Der eigentlich als Abstinenzler bekannte junge Mann leerte es in einem Zug.

»Ihre Reaktion verifiziert, dass ich nicht verrückt geworden bin. Was Sie dort sehen, habe ich ›Gastropoda galactica‹ genannt.«

»Weltraumschnecke?«, übersetzte der eines rudimentären Lateins kundige Assistent fragend.

»Korrekt! Nach meinen Schätzungen besitzt sie etwa die Größe unseres Mondes.« Hoffbauer deutete auf einen der anderen Monitore. »Sie hat vor Kurzem den Saturn hinter sich gelassen. Das planetare Ringsystem ist seitdem massiv ausgedünnt.«

»Es sieht so aus, als wären die Ringe des Saturn wie ein Salatblatt angeknabbert worden?«

»Nun ja, eine diskussionswürdige Assoziation … Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie ein derart gigantischer Organismus bei minus zweihundertsiebzig Grad Celsius, zumal ohne Sauerstoff, da draußen überhaupt existieren kann. Wie auch immer: Bei der Nahrungssuche dürfte Gastropoda galactica kaum wählerisch sein.«

»Das ist doch absurd und widerspricht allen Regeln der Natur!«, ereiferte sich Clemens und starrte ungläubig auf die einer gigantischen Weinbergschnecke ähnelnde Kreatur. »So etwas wie Podi dürfte es höchstens in Science-Fiction-Geschichten geben.«

»Leider musste ich als Wissenschaftler mehr als einmal feststellen, dass die Wege der Natur unbegreiflich, ja im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch sein können. Unglücklicherweise führt der Weg von Podi, um Ihren Diminutiv zu gebrauchen, direkt auf uns zu. Jedes Lebewesen benötigt Wasser. Da ist unser Blauer Planet – bitte sehen Sie mir das Wortspiel nach – ein gefundenes Fressen. Bei einer Entfernung von etwa eins Komma fünfundsechzig Million Kilometern und unter Zugrundelegung ihrer derzeitigen intergalaktischen … ähm … Kriechgeschwindigkeit wird sie die Erde in etwa vierzehn Monaten erreichen.«

»Was sollen wir tun?« Mit hängenden Schultern blickte Clemens zum Professor auf. »Unser Planet darf nicht als Schneckenfraß enden.«

»Wir müssen die Regierung und unsere Fachkollegen informieren. Ansonsten gilt es, vorerst Stillschweigen zu wahren, um eine Panik in der Bevölkerung zu verhindern. Panik bedeutet Chaos und Chaos ist nie hilfreich. Noch ist Podi nur mit Hochleistungsteleskopen auszumachen. Das verschafft uns hoffentlich ausreichend Zeit zum Handeln.«

Professor Hoffbauer legte Hut und Mantel an der Garderobe ab, stellte die Laptoptasche zur Seite und ließ sich in seinen Bürosessel fallen. Die Ereignisse der letzten Tage waren ebenso anstrengend wie frustrierend gewesen. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Nachdem die Regierungen sämtlicher Staaten realisiert hatten, dass sich eine Problemschnecke – wie Podi auf höchster Ebene genannt wurde – der Erde näherte, gründeten sie den »Globalrat«, um alle Ressourcen zu deren Abwehr zu bündeln. Zwar begrüßte der Professor die Bereitschaft einer uneingeschränkten Zusammenarbeit, doch gehörten dem Gremium ausschließlich Politiker und Militärs an. Den wenigen anwesenden Astronomen stand lediglich eine beratende Funktion zu. Ihre wissenschaftliche Expertise nahm das Gremium wohlwollend zur Kenntnis – um diese hinter vorgehaltener Hand zu belächeln.

Es klopfte an der Tür und Clemens trat ein.

»Guten Tag, Professor!«, grüßte der Assistent und überreichte seinem Chef eine Mappe. »Neues von Podi«, fügte er hinzu.

»Danke, Clemens.« Der Professor überflog die Meldungen.

»Podi hat in der Zwischenzeit also die Jupitermonde Ganymed, Io und Kallisto verschlungen und kriecht nun weiter auf die Erde zu«, stellte er fest und gab die Mappe mit ernster Miene zurück. »Ich hatte gehofft, dass die Neuigkeiten erfreulicher wären als das Geschwätz des Globalrats. Die Herren Militär prüfen die Möglichkeit eines gewaltigen Nuklearschlags, ausgeführt mit dem gesamten verfügbaren Atomarsenal. Unsere Politiker hingegen setzen auf Verhandlungen. Aus der Problemschnecke soll eine Lösungsschnecke werden: Wir stillen deren gigantischen Appetit mit dem Müll der Menschheit, im Gegenzug verzichtet sie darauf, unseren Planeten zu verschlingen. Das wäre eine Win-win-Situation.«

»Wie wollen die Politiker mit Podi kommunizieren? Woher wissen sie, ob ihr der Müll überhaupt schmeckt?«, hakte Clemens nach.

»Dieselben Fragen habe auch ich gestellt«, seufzte der Professor. »Man hielt mir vor, ich wolle diese exzellente Lösung schlechtreden. Um meine doch eher wenig relevanten Detailfragen würde sich eine Kommission kümmern, die auf der Arbeitsebene Unterkommissionen bilden könnte, welche dann … So ein Nonsens! Wir dürfen froh und dankbar sein, dass die Bevölkerung noch nichts von der Gefahr mitbekommen hat.«

»Das klingt alles nicht wirklich ermutigend. Haben Sie denn keine Idee, Professor?«

»Noch nicht, aber seien Sie unbesorgt, Clemens. Der menschliche Geist ist unschlagbar im Lösen von Problemen. Vor allem dann, wenn man Kreativität auf ein wissenschaftliches Fundament stellt.«

Hoffbauer schwieg und zwirbelte dabei an seinem Spitzbart. »Manchmal hilft es«, fügte er leise und nur für sich selbst hinzu, »große Probleme im Kleinen zu betrachten. Zudem sollte man als Theoretiker nie vergessen, auch mit Praktikern zu sprechen …«

Dann sprang er plötzlich mit einem Fingerschnippen auf und ging lächelnd zur Garderobe.

»Clemens!«, forderte er seinen verdutzt dreinblickenden Assistenten auf, »fahren Sie mich zum ›Grünen Winkel‹.«

Den »Grünen Winkel« umschlossen auf der einen Seite das Gewerbegebiet »Muffenrohr«, auf der anderen Seite die Ausläufer des Stadtwalds. Auf einer Fläche, die etwa zehn Fußballfeldern entsprach, befand sich neben dem Freibad eine idyllische Laubenkolonie, welche nicht unwesentlich zur Namensgebung des Winkels beigetragen hatte. Im Schein der Abendsonne saßen dort auf einer Holzbank drei Männer und blickten auf schnurgerade angelegte Blumenrabatte sowie eine mehr als akkurat geschnittene Rosenhecke.

»Ihr Besuch ist ebenso überraschend wie erfreulich«, leitete Alois Bockmann, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Bohnenkraut e. V., das Gespräch ein. »Am Telefon sagten Sie, dass mein Rat gefragt sei. Wie kann ein pensionierter Berufsschullehrer und Pflanzenfreund ausgerechnet zwei Astronomen helfen?«

»Es geht um ein internationales Forschungsprojekt im Rahmen der Kultivierung des Planeten Mars«, begründete der Professor ihr Erscheinen mit einer Notlüge. »Neben dem Anbau von Agrarprodukten soll dort gleichzeitig der Grundstein für ein Ökosystem gelegt werden. Daher möchten wir uns bei einem Fachmann in Sachen Gartenbau über die Möglichkeiten einer effizienten und effektiven Schneckenabwehr kundig machen.«

»Das ist doch widersinnig!«, entfuhr es Bockmann. »Warum sollten diese kleinen schleimigen Biester überhaupt auf dem Mars angesiedelt werden?«

»Ihre Frage ist selbstverständlich berechtigt«, beschwichtigte Hoffbauer. »Nun, das Projekt wird … mit EU-Mitteln gefördert. Dabei müssen … forschungsseitig verschiedene ökologische Auflagen erfüllt werden …«

»Ich verstehe«, nickte Bockmann grimmig. »Da haben wieder selbst ernannte Umwelt-Dingenskirchen-Aktivisten von irgendeiner HNO – oder wie diese Chaotenorganisationen heißen – ihre Finger mit drin. Das sind dieselben Spinner, die weiland das schöne E 605 verboten haben.«

Der Professor räusperte sich. »Welche legalen Mittel haben sich denn aus Ihrer Sicht im Rahmen der Schneckenabwehr bewährt?«

»Die meisten Vereinsmitglieder verwenden handelsübliches...



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