Ott | Katze, was schnurrst du | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Ott Katze, was schnurrst du

Erlebte und gesammelte Geschichten und Anekdoten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902862-91-4
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erlebte und gesammelte Geschichten und Anekdoten

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-902862-91-4
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Schnurren über Schnurren 'Sie ist meine Ruhe. Ich tanke auf bei ihrem Anblick. Ich weiß, dass sie viel mehr weiß als ich, dass ihre Augen Dinge schauen, von denen ich keine Ahnung habe. Wie bereitet sie mir Freude, wenn sie gerade über mein Vorwortblatt steigt. Oder immer wieder schnurrend mein Manuskript verdeckt, um mich am Textlernen zu hindern' - so beschreibt Elfriede Ott eine ihrer geliebten Gefährtinnen. Katzen haben Elfriede Ott ein Leben lang begleitet, nicht als schlichte Haustiere, sondern als souveräne Mitbewohner, ja eigentlich Familienmitglieder. Unzählige kleine Episoden und humorvolle, charakteristische, liebevolle Anekdoten hat sie da in Erinnerung, die sie für ihr neues Buch aufgeschrieben hat. Aber auch mit der 'literarischen Katze' hat sich Publikumsliebling Elfriede Ott immer wieder beschäftigt, für erfolgreiche Lesungen und auch zur heiteren Lektüre. All diese Geschichten - selbst erlebt und gesammelt - finden sich nun in diesem sehr persönlichen Ott-Buch, zum Vergnügen für alle Tierfreunde, als Lesefreude und natürlich auch als hochwillkommenes Geschenk.

Elfriede Ott, geboren 1925 in Wien, Kammerschauspielerin, Regisseurin. Ab dem jahre 1944 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seit 1954 ständiges Mitglied des Theaters in der Josefstadt, später Ehrenmitglied. 1983 gründet sie mit Hans Weigl die Festspiele in Maria Enzersdorf, wo sie Regie und Intendanz übernimmt. Fernsehauftritte, Soloprogramme und Veröffentlichungen. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Großes Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse, Trägerin des Nestroy-Ringes. Ulrich N. Schulenburg, Jahrgang 1941, ist Miteigentümer des Thomas Sessler Verlages und Geschäftsführer von Sascha-Film in Wien. Zuletzt bei Amalthea erschienen: 'Sie werden lachen, alles ist wahr' (2011).
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MARLEN HAUSHOFER


An jenem Abend kam die Katze in mein Haus. Als klatschnasses graues Bündel hockte sie vor der Tür und jammerte.

Später, in der Hütte, schlug sie entsetzt ihre Krallen in meinen Schlafrock und fauchte den bellenden Luchs wütend an.

Ich schrie den Hund an, und er kroch unwillig und gekränkt in sein Loch zurück. Dann setzte sich die Katze auf den Tisch, eine magere, grauschwarz gestreifte Bauernkatze, hungrig und durchnässt, aber noch immer bereit, sich mit Krallen und Zähnen zu verteidigen. Sie beruhigte sich erst, als ich Luchs in die Schlafkammer verbannt hatte.

Ich gab ihr warme Milch und ein wenig Fleisch, und sie vertilgte hastig und sich fortwährend umblickend alles, was ich ihr vorsetzte. Dann ließ sie sich streicheln, sprang vom Tisch, stelzte durchs Zimmer und glitt auf mein Bett. Dort ließ sie sich nieder und fing an, sich zu waschen. Als sie trocken war, sah ich, dass sie ein schönes Tier war, nicht groß, aber apart gezeichnet. Das Schönste an ihr waren ihre Augen, groß, rund und bernsteingelb. … Sie war ein sehr nervöses und misstrauisches Geschöpf, zuckte bei jedem Geräusch zurück und befand sich meistens in einem Zustand der Fluchtbereitschaft und Spannung.

Es dauerte wochenlang, bis sie sich beruhigte.

Seltsamerweise schien sie Luchs bald weniger zu misstrauen als mir. Die Erfahrungen, die sie mit Menschen gemacht hatte, mussten sehr schlimm gewesen sein. Ich war immer gleichmäßig freundlich zu ihr, näherte mich ihr nur langsam und nie, ohne dabei zu ihr zu sprechen. Und als sie sich Ende Juno zum ersten Mal von ihrem Platz erhob, über den Tisch auf mich zukam und ihr Köpfchen an meiner Stirn rieb, empfand ich dies als großen Erfolg. Von da an war das Eis gebrochen. Nicht dass sie mich mit Zärtlichkeiten überhäuft hätte, aber sie schien bereit, das Böse, das ihr von Menschen widerfahren war, zu vergessen.

Noch jetzt geschieht es manchmal, dass sie ängstlich vor mir zurückweicht oder zur Tür flieht, wenn ich mich zu plötzlich bewege. … Während ich dies schreibe, liegt sie vor mir auf dem Tisch und sieht aus großen gelben Augen über meine Schulter auf einen Fleck auf der Wand. Dreimal hab ich mich schon danach umgedreht und kann dort nichts sehen als das alte dunkle Holz. Manchmal starrt sie auch mich lange und unverwandt an, aber nie so lange wie die Wand, nach einer gewissen Zeit wird sie unruhig und dreht den Kopf weg oder kneift die Lider zu. …

Luchs entwickelte mit der Zeit eine gewisse Zuneigung für sie, und er wäre jeden Angreifer angefallen, um sie zu beschützen. …

Die Katze fing bald an, gewisse Forderungen an mich zu stellen. Sie wollte jederzeit, auch nachts, kommen und gehen, wie es ihr gefiel. …

Ich sehe mein Gesicht, klein und verzerrt, im Spiegel ihrer großen Augen. Sie hat sich angewöhnt zu antworten, wenn ich zu ihr spreche. Geh nicht fort heute Nacht, sage ich, im Wald sind der Uhu und der Fuchs, bei mir bist du warm und sicher. Hrrr, grrr, mau, sagt sie, und das mag heißen, man wird ja sehen, Menschenfrau, ich möchte mich nicht festlegen. Und dann kommt bald der Augenblick, an dem sie aufsteht, einen Buckel macht, sich zweimal lang ausstreckt, vom Tisch springt, in den Hintergrund gleitet und lautlos in der Dämmerung untertaucht. Und später werde ich meinen leisen Schlaf schlafen, einen Schlaf, in dem die Fichten rauschen und der Brunnen plätschert.

Gegen Morgen, wenn der vertraute kleine Körper sich an meine Beine schmiegt, werde ich mich ein wenig tiefer in den Schlaf sinken lassen, nie ganz tief, denn ich muss sehr auf der Hut sein.

ICH DENKE VIEL AN DICH, MARLEN. – Ich habe zu meinem Lieblingsbuch erklärt.

Ich bin schon sehr alt und jedes Jahr meines langen Lebens war angefüllt mit Sorge um meine Tiere. Vom Anfang: Hund – Katze – Hund – Hund – Katze – Hund – Katze – Katze – Katze – Hund – Hund – nein, ich gebe das Zählen auf.

Zurück in die Gegenwart: Weißer Perser, große dunkle Striche in den Augen, ganz ruhiger Blick. Er schaut dich an, dass du nachdenken musst. Ist das Liebe oder Verachtung? Man hat ihn nie zu stören, wenn er schläft. Und das tut er den ganzen Tag an verschiedenen Lieblingsplätzen, die man nur erahnen kann. Man sagt, die dreifärbigen seien Glückskatzen. Vielleicht – ich weiß es nicht. Für mich sind es alle. Mein Katerle, nein, ich darf dich nicht klein machen! Du bist ein großer, stiller, sanfter Bube, nein: »Herr«! Nicolaus ist dein Name, hörst aber nicht auf ihn. Ich soll Katzen beschreiben, aber das geht ja nicht – es gibt schon so viel über dich, Texte, die deine Seele, deine Launen beschreiben.

Vor einigen Tagen besuchte mich das Fernsehen, die . Ich war aber nicht die Hauptfigur. Sie stürzten sich auf Nicolaus und er war so schön im Bild nachher. Man hat dann auf nichts anderes geschaut.

Wo du dich aufhältst, fragt mich die Dame, die dich interviewen möchte. »O, bist du ein schöner Kater«! Ein Blick auf sie. Er steht auf, wendet sich und geht. Auf seinen Lieblingsplatz. Ja? Wo ist der? Das möchte ich nämlich auch gern wissen. Jedenfalls nicht dort, wo ich ihn vermute. Er wechselt ständig. Gestern war es der: mit dem Hinterteil auf dem Klavier, mit dem Kopf auf der Stehlampe, der lange weiße Schweif hängt in der Luft herunter. Unten sitzt Pipsi, mein Chihuahua. Sie starrt auf Nicolaus, ihr kleiner Schweif ist ein rasender Propeller. Nein, nicht jetzt! Diese Situation endet nämlich immer in einem Rasen durch die Wohnung. Pipsi bellt, aus Nico kommen Schreie. Bei uns kann man nämlich im Kreis rennen. Vorzimmer – Wohnzimmer – Computerzimmer – Malzimmer – Esszimmer – Küche – Vorzimmer – Wohnzimmer – Computerzimmer – Malzimmer … über Möbel und alles, was man überspringen kann. Aber nichts wird zerstört!

Miez – Miez – Miez! … Keine Reaktion. Dieses »Miez« ist eine Beleidigung, nur Katzen reagieren auf solche Zurufe. Aber zu einem stolzen Kater kann man doch nicht lieblich »Miez« sagen. Noch dazu, wenn er ein Perser ist, ein weißes Fell besitzt, so schöne grünblaue Augen hat, die er verändern kann.

Katerle, wie bist du eigentlich zu uns gekommen, in unsere Familie? Wir bestehen aus drei Personen. Da ist einmal die Fritzi, die seit ihren Kindertagen bei uns ist. Mit ihr bin ich »übrig« geblieben, und Goran, mein Adoptivsohn. Alle anderen, die zu mir gehört haben, sind nicht mehr auf dieser Welt. Ob es eine andere gibt, weiß vielleicht mein Kater.

Ja, wieso ist er bei uns? Ich möchte so gern erfahren, wie er bis zum Eintreffen in unsere Familie gelebt hat. Er musste weg, wie so viele seiner Artgenossen, wegen einer Katzenhaarallergie.

Er war bei einer Frau, die drei Katzen besaß. Ihre Mutter wurde ein Pflegefall und hatte eine Katzenhaarallergie. Sie nahm die Mutter zu sich, musste sich aber von ihren Katzen trennen. Wir beschlossen, eine aufzunehmen. So fuhren wir alle drei zur Katzenadresse in einem Vorort von Wien zu einem Gemeindebau. Wir hatten alle drei Herzklopfen. Wie wird er sich mit unseren Hunden Pipsi und Annie verstehen?

Eine weinende Frau öffnet uns. In ihrem Arm ist ein weißes Knäuel. Goran spricht mit ihr, erledigt den Vorgang, und ich habe dieses Etwas in meinem Arm. Wir waren sofort verliebt in den weißen Perser. Bei uns zu Hause angekommen, wurde der Neue von allen Seiten beschnuppert, und wir wussten: akzeptiert!

Wir versuchten, ihm alles zu geben, von dem wir dachten, dass es ihm Freude bereite, aber es interessierte ihn nichts. Er setzte sich sofort in eine Schachtel, die beim Computer stand, und verließ sie drei Tage nicht.

Dann nahm alles seinen gewöhnlichen Katzenablauf. Wir lieben ihn mehr als er uns. Er ist sehr edel und tut, was er will. Und wissen Sie, was er will? Schlafen. Und zwar den ganzen Tag. Wie kann ein Wesen nur so viel schlafen?! Tag und Nacht. Nur um zu fressen erwacht er. Aber wenn ich mich abends zum Computer setze, um eine Nachricht zu öffnen oder zu schreiben, ist es für mich unmöglich. Er springt herauf, wenn er nicht schon vor dem Computer schläft, und geht ungefähr 35 Mal vor dem Bildschirm hin und her. Dann setzt er sich direkt davor, und ich habe überhaupt keine Chance mehr. Seine Beweglichkeit ist unglaublich. Er ist der einzige Adelige in unserer Familie. Wenn er genug hat, legt er seinen Kopf in meine Hand, und wenn er zu schnurren beginnt, weiß ich, jetzt geht er bald schlafen. Er ist halt vom Schlafen müde, das muss man verstehen.

Es finden natürlich bei uns auch Spieldramen statt. Pipsi, die große Sympathien zu Nicolaus hat, bekommt gegen Abend oft den Rappel. Sie jagt den Kater durch die ganze Wohnung im Kreis,...


Elfriede Ott, geboren 1925 in Wien, Kammerschauspielerin, Regisseurin. Ab dem jahre 1944 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seit 1954 ständiges Mitglied des Theaters in der Josefstadt, später Ehrenmitglied. 1983 gründet sie mit Hans Weigl die Festspiele in Maria Enzersdorf, wo sie Regie und Intendanz übernimmt. Fernsehauftritte, Soloprogramme und Veröffentlichungen. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Großes Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse, Trägerin des Nestroy-Ringes.
Ulrich N. Schulenburg, Jahrgang 1941, ist Miteigentümer des Thomas Sessler Verlages und Geschäftsführer von Sascha-Film in Wien. Zuletzt bei Amalthea erschienen: "Sie werden lachen, alles ist wahr" (2011).



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